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Schließlich wurde eine Eingabe des landwirthschaftlichen Vereins Birn­baum wegen Einführung von indirekten Steuern rc. vorgelegt und dem AuSschusse für Zoll- und Steuerwesen überwiesen.

— Berlin, 22. Juli. Heute Abend findet eine große Soiree beim französischen Botschafter St. Vallier statt und am SKontag geben die kronprinzlichen Herrschaftlichen im Neuen Palais ein diplomatisches Diner, zu welchem die Bevollmächtigten von Frankreich, Italien und der Türkei Einladungen erhalten haben. — Die heutige Congreß- sitzung wurde um 5^4 Uhr beendet; die nächste findet am Dienstag statt. Offiziös wird das Ergebniß ein vorzügliches genannt.

— Außer dem ältesten Sohne des Fürsten Bismarck, dem Lega- tionS-Sekretär Grafen Herbert v. Bismarck, soll nunmehr auch der zweite Sohn des Reichskanzlers, Wilhelm, als Bewerber um einen Sitz im Reichstage ausgestellt werden. — Die formelle Qualifikation steht nach § 4 des Wahlgesetzes vom 31. Mai 1869, welcher für die Wähl­barkeit das zurückgelegte 25. Lebensjahr erfordert, Beiden zweifellos zur Seite, da Graf Herbert am 28. Dezember 1849, Graf Wilhelm am 1. August 1852 geboren ist, wie das Gothaische genealogische Taschen­buch der gräflichen Häuser ergibt. (Trib.)

— Frankreich. Eine Gruppe einflußreicher französischer Frei­händler, an der Spitze die Herren Ad. d'Eichthal, Henri Fould, Hiölard, Ferdinand Raoul Duval, Fradöric Passy, Octave Noäl an der Spitze, hat sich soeben zur Gründung einer Gesellschaft zusammengethan, welche den Namen „Gesellschaft zum Schutze der Handels- und Gewerbefrei- heit und zur Aufrechterhaltung und Fortentwickelung der Handelsver­träge" führt und bereits zahlreiche Beitrittserklärungen erhalten hat. Gleich in ihrer ersten Zusammenkunft hat diese Gesellschaft folgenden Beschluß gefaßt: „Die Versammlung, überzeugt, daß die Ausdehnung unseres Waarenaustausches mit den fremden Ländern für den Fortschritt des öffentlichen Wohlstandes unerläßlich und daß das Regime der Han­delsverträge am besten geeignet ist, diese Ausdehnung herbeizuführen, fordert ihr Comitö auf, der Regierung den Ausdruck dieser Ueberzeu­gung zu übermitteln."

— England. Auf dem Friedhofe von Folkestone sind weitere zwölf Leichen vom Wrack des „Großer Kurfürst" bestattet worden. Jeder Sarg wurde von einer mit sechs Pferden bespannten Lafette zu Grabe getragen. Dem Leichenzuge voran schritten die Capellen des 21. Husaren-Regiments und 45. Infanterie-Regiments, welche den Todten- marsch aus „Saul" spielten. Viele Tausende von Menschen wohnten dem Leichenbegängnisse bei. Die Leiche des Grafen Schwerin vom „Großer Kurfürst" wurde ebenfalls gefunden und nach Folkestone ge­bracht. Sie ist bereits stark in Verwesung übergegangen. Auf An­weisung des in Folkestone anwesenden deutschen Consuls wurde die Leiche in einen bleiernen Sarg gelegt und nach London geschafft, von wo sie nach Deutschland Überfahrt werden wird. Die Verwandten des Gra­fen hatten eine Belohnung von 100 Lstr. für die Auffindung der Leiche ausgesetzt.

— London, 21. Juni, Abends. Im Oberhause fand die erste Lesung der Bill statt betreffend die Verwendung einer Million Pfd. Sterl. aus den Überschüssen des irischen Kirchenfonds für Zwecke des Mttelschul- Unterrichts in Irland. Der Lordkanzler Carius, welcher die Vorlage einbrachte, begründete dieselbe des Näheren und hob nament­lich hervor, wie wichtig und nothwendig dieser Schritt der Regierung sei, um eine Verbesserung der materiellen Wohlfahrt und des in­tellektuellen Zustandes eines großen Theils der irische» Bevölkerung herbeizuführen.

— St. Petersburg, 22. Juni. Anläßlich der Zulassung Griechenlands zum Kongresse hebt das „Journal de St. Pötersbourg" hervor: es werde sich jetzt Herausstellen, daß die Schwierigkeiten hin­sichtlich der Erfüllung der Wünsche Griechenlands nicht von Rußland herrühren. Rußland sei nicht gegen ein Uebergewicht des hellenischen Elements gegenüber dem türkischen und die Befreiung desselben von der türkischen Herrschaft; es gebe kein EmanzipationSwerk und keine Ver­besserung im Orient, zu welchen Rußland nicht bereitwillig uneigen­nützigen Beistand leisten würde.

— In Adrianopel wurde eine Kundmachung veröffentlicht, wonach sämmtl'che abwesende Haus- und sonstige Grundbesitzer aufge- foidert werden, sich binnen 11 Tagen persönlich bei der Gemeinde ein- zufinden und ihr Besitzthum zu verwalten, widrigenfalls dasselbe als herrenlos betrachtet und zu Gunsten des Staatssäckels verkauft wird. Die türkische Bevölkerung ist allerwärts über diese Maßregel empört und betrachtet sie a s einen neuen Beweis der gegen sie auSgeübten Feindseligkeit Unbillig ist dieser Akt schon deßhalb, weil viele flüchtige Türken augenblicklich in irgend einem entfernten Theile Asiens sich be­finden, wo sie von dieser Aufforderung zur Rückkehr erst später Kennt­niß erlangen und nicht im Stande sind, in der festgesetzten Zeit nach Hause zu reisen.

— Australien. Der diesjährige Regenmangel in Australien wird in der Colonie Neu Süd-Wales allein einen Verlust von 8 Mil­lionen Schafen verursachen. — An der Westküste von Tasmanien im

Heemskirk-Berge sind große Entdeckungen von Zinnlagern gemacht wor­den; man hat zweipfündige Klumpen reinen Zinnes gefunden.

Spezialtelegramme des „Deutschen Montags-Blatt."

— Köln, 23. Juni, 10 Uhr 20 Min. Vorm. Die „Kölnische Zeitung" veröffentlicht folgendes Wiener Telegramm: Offiziell wird mir bestätigt, daß eine Verständigung zwischen England, Oesterreich und Ruß­land bezüglich der Grenzen der Bulgarei erfolgt sei; die Einzelheiten derselben mitzutheilen, erklärte man sich außer Stande, versichert aber, daß das soeben hier bekannt gewordene, auf diese Angelegenheit bezüg­liche Berliner Telegramm der Times höchst mangelhaft sei. Graf An- drassy ist stets baHtr gewesen, daß in den rumelischen Festungen südlich des Balkans die Türkei das Besatzungsrecht behielte. England hatte in den letzten Abmachungen mit Rußland diesen Punkt fallen lassen. Oester­reich aber ist es nun gelungen, hier seinen Standpunkt aufrecht zu hal­ten, dagegen scheint nördlich des Balkans in Bulgarien die Türkei ein Besatzungsrecht nicht zu erhalten.

— Wien, 23. Juni. Unsere offiziösen Blätter sind sehr befriedigt über die neuesten Berliner Berichte bezüglich der Regelung der bulgari­schen Frage. Oesterreichs Wünschen speziell, betreffs Verhinderung der Schöpfung eines neuen großen Bulgarenreichs, würde durch die Kon­greßabmachungen vollkommen genügt.

— Wien, 23. Juni, 2 Uhr 5 Min. Nachm. Ein Berliner Tele­gramm der hochoffiziösen „Montagsrevue" bestätigt die günstigen Be­richte vom Kongreß insofern, als man es jetzt für möglich halten soll, im Plenum auf die Bulgarenfrage einzugehen, ohne Gefahr zn laufen, daß die Geister auf einander platzen. Die Meldungen über das in der Besatzungsfrage erzielte Einverständniß gehen über das thatsächliche Er- reichte weit hinaus.

— London, 23. Juni, 11 Uhr 10 Min. In offiziellen Kreisen hier wird geleugnet, daß irgend welche Meinungs-Verschiedenheit zwischen Beaconsfield und Salisbury besteht.

— Paris, 23. Juni. Die neugegründete klerikale Bank hat den „Messager de Paris" angekauft, das einzige täglich erscheinende wichtige Börsenblatt.

— Windsor, 23. Juni. Die Leiche des vormaligen Königs von Hannover ist heute Morgen 6 Uhr 20 Minuten hier angekommen und, von einer Abtheilung der Leibgarde eskortirt, nach der St. Georgska­pelle gebracht worden.

Lokales.

Hanau, 24. Juni 1878.

— (Impfung.) Den 25. Juni, Vormittags 10 Uhr: Revision in Bruchköbel; — 26. Jnni: Nachm. 2 Uhr: Impfung zu Eschersheim, Nachm. 5 Uhr in Praunheim; — Nachm. 3 Uhr: Revision in Ravolz- Haufen, Nachm. 5 Uhr in Rüdigheim.

— Se. Kgl. Hoheit der Herr Landgraf zu Hessen ist vergangenen Samstag nebst Gefolge in WilhelmSbad eingetroffen, um in der Um­gegend einige Jagden abzuhalten.

— Vorgestern Morgen war ein Soldat der hiesigen Garnison nahe daran beim Baden zu ertrinken. Herr Lieutenant B. sprang angekleidet wie er war ins Wasser und erfaßte den Sinkenden noch zu rechter Zeit, ebenso soll ein Gefreiter bei diesem Rettungswerke noch mitthätig ge- Wesen sein.

— Vorgestern Mittag erschoß sich ein in der Steingasse wohnen­der Schuhmacher Namens Julius Müller, Vater dreier Kinder, wie man hört aus Nahrungssorgen.

— Gestern Vormittag, während des Concertes im Altstädter Schloß­garten, stürzte ein Mädchen im Alter von etwa 18 Jahren in den Stadt­graben (Haingasse), wurde jedoch rechtzeitig entdeckt und aufs Trockene gebracht.

— Gestern früh ist ein Arbeiter in der Altstadt von 4 Individuen verfolgt uns derart mißhandelt worden, daß dessen Verbringen in das Landkrankenhaus nothwendig wurde. Die Thäter wurden verhaftet (da­runter einer, welcher in Mühlheim eingeholt wurde).

— m , Trotz der drückenden Geschäftsverhältnisse herrscht doch immer noch ziemlich viel Sinn für gesellige Unterhaltung. Gestern Abend hatte die Gesellschaft „Bouillon" eine Abendunterhaltung veranstaltet, wobei das Gesängkränzchen der Turngemeinde, der Militair-Gesangverein (meist aus Hanauern bestehend) in anerkennenswerthester Weise mit« wirkten. Auch verschiedene Soli, woruntec „Lindenau rc." trugen zur Unterhaltung erheblich bei. Ganz besonders müssen wir aber den Solo - vortrag eines Herrn B. hervorheben, der mit seiner schönen und klang­vollen Baritonstimme sich einen wohlverdienten Beifall errang.

— m- Es ist wirklich recht eigenthümlich in unserem Hanau, daß sich unsere Bewohnerschaft so schwer entschließen kann bei heißem Wetter einige Gießkannen mit Wasser über die Straße zu gießen, ohne erst polizeilich dazu aufgefordert zu werden. Man sollte glauben im Inte­resse der Gesundheit wäre eine solche Mahnung überflüssig. Unserem Gieß verein können wir nicht zumuthen, alle Straßen zu besprengen; wir wollen im Gegentheil froh sein, wenn die Anlagen tüchtig begossen werden.