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Zugleich Amtliches Orga« für Kreis und Stadt Hanau.
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Montag den 24. Juni.
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Hanau am 20. Juni 1878.
Der Landrath.
T a g e s s ch a n.
Betrachtungen über den Kongreß.
(«. ». Schw. Merr)
Der Berliner Kongreß ist unter ganz außergewöhnlichen Verhält- nrssen zusammengetreten. Während der Wiener Kongreß von 1814/15, sicher hier wegen der Wichtigkeit seiner Aufgabe zum Vergleich kommt, lauter Mächte versammelt sah, welche in blutigem Kampf mit Frank- Mtch gerungen, ist in Berlin nur eine kriegführende Macht gegen die Türkei zugegen. Zwei andere haben, wenn auch kein Blut vergossen, ^"Aich Geld ausgegeben und sind noch dabei: Großbritannien und Oestreich; zwei andere sind: Deutschland an der Freiheit der Do- uauschiffsahrt bis inS Schwarze Meer und Stätten an der Territorial» gejtaltung der Ostküste des Adriatischen Meeres näher betheiligt, und nur Frankreich hat außer seiner Großmachtstellung keine Nebenbeziehung zur oriental. Frage. Man sieht also, daß die 7 auf dem Kongreß vertretenen Mächte in 4 Gruppen zerfallen. Eine weitere Abnormität ist, «atz un Friedensschluß vorliegt, welcher weder von den andern Theil- ueymeln am Kongreß anerkannt, noch von den Kontrahenten zurückge- * lst, so daß es den letzteren freisteht, wie von den Türken bereits m Aussicht gestellt sein soll, konvenirenden Falles dabei zu beharren. Mienso eigenthümlich ist die Stellung der zunächst betheiligten Gruppest Großbritannien und Oestreich. Wie es scheint, hat Rußland zunäch:
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mit Oestreich seine Verständigung gesucht, und, da dieselbe zurückgewie- sen, dieselbe mit Großbritannien gefunden. Ta nun die Interessen, welche Großbritannien und Oestreich in der oriental. Frage verfolgen, durchaus n cht zusammenfallen, so hat Großbritannien seine Rüstungen, nachdem ihr Zweck erreicht war, eingestellt, währ.nd Oestreich jetzt Mt dazu schreitet, obgleich es sich weniger a's Großbritannien diesen LuxuS erlauben darf. Eine weitere Abnormität bietet die Stellung Griechenlands. Griechenland hat am Kriege keinen Theil genommen, es hat sich durch Großbritannien beschwichtigen lassen und soll sitzt gegen das slawische Element ausgespielt werden; es soll, was sonst nur das Resultat eines blutigen Kampfes zu sein Pflegt, türkische Gebittsttzerle erlangen Möglich, daß für diesen Fall die Pforte sich das Zmückkvm- men auf den Vertrag von San Stefano Vorbehalt. Dagegen hält es die östreich. Politik für angezeigt, den in blutigem Kampf bewahrten Staaten Serbien, Rumänien und Montenegro ihre Siegesfrüchte möglichst zu verkümmern. Wie man Angesichts einer so verwirrten Sachlage an ein rasches Ende des Kongresses glauben kann, ist uns unerfindlich. Geht doch offenbar, abgesehen von den angeführten Spezial« interessen, ein zwiespältiger Geist durch die Diplomatenversammlung. Die einen wollen die orientalische Frage lösen, die anderen bis auf Weiteres verkleistern! Der Grund dieser Lage liegt im Verlaufe des Krieges. Nach dem Unstern von Plcwna glaubte man allgemein, daß, wenn überhaupt die Russen siegten, ihre Fortschritte doch langsam, ihr Erfolg unvollständig sein werde. Es kam anders, und so versäumten die Mächte, rechtzeitig ihre Interessen zur Geltung zu bringen, bis sie durch den Vertrag von San Stefano überrascht wurden.
— Nach einer vollkommen ruhigen Nacht ist das Befinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs ein durchaus erwünschtes. Berlin, den 22. Juni 1878, Vormittags 10 Uhr. Dr, v. Lauer. Dr. v. Lan- genbeck. Dr. Wilms.
— Berlin, 21. Juni. Der jetzt zum Oberbe-ghauptmann beförderte Dr Serlo, welcher auch sich um die rheinische Mautan-Jndustrie. während seiner amtlichen Stellung in Saarbrücken verdient gemacht hat, stammt aus einer berliner Familie (sein Vater war Kreisphysicus in Grossen) und hat seine Vorbildung auf dem hiesigen Gymnasium zum Grauen Kloster erhalten.
— Berlin, 22. Juni. In der am 21. d. M. unter dem Vorsitze des Staats-Ministers Hofmann abgehaltenen Sitzung des Bundesraths wurde zunächst die bereits erfolgte Ueberweisung von Vorlagen an die betheiligten Ausschüsse nachträglich genehmigt und eine Vorlage, betr. Beleidigung des Bundesraths in einer am 1. Juni d. J zu Worms abgehaltenen Volksversammlung, dem Ausschusse für Justizwesen überwiesen. Sodann wurde wegen Wiederbesetzung etlerigter Stellen bei der Disziplinarkammer in Posen, sowie der Düektorstelle beim Rechnungshof Beschluß gefaßt. — Den Anträgen der berichtenden Ausschüsse entsprechend, wurden ferner Beschlüsse gefaßt bezüglich-: ä der; Fixation der Brausteuer und der Normaltara für die Ermittelung des Nettogewichts beim Export von Spiritus in Fässern; b. der Formulare zu Legitimationsscheinen für den Gewerbebetrieb im Umherz chcn; c. der Erstattung von Kosten für Absperrungsmaßregeln zur Be-ämpfung des Viehschmuggels an den Grenzen gegen Rußland und Oesterreich, sowie über eine Petition, betreffend die Uebe lastung der Grenzen stritte gegen Rußland aus Anlaß der Besetzung der Grenze zur Abwehr der Rinderpest ; d. über eine Petition, betreffend die Herausgabe eines Handbuchs - der deutschen Reichsgesetze, und e. über die Beschlüsse des Reichstags zur Rechtsanwaltsordnung; der letzteren wurde in der vom Reichstag angenommenen Fassung die Zustimmung ertheilt, der Reiolution des Reichstags wegen einheitlich r Regelung des juristisch n Prüfungswesens dagegen eine Folge nicht gegeben. — Werler genehmigte die Versammlung mehrere ihr vom Präsidium vorgelegte Entwürfe von Gesttzen für Elsaß Lothringen, betr. a. die Kreise, b. die Kreisstraßen und Gemeindewege und c. die Unterhaltung und die Verwaltung der öffentlichen Schulen, theils unverändert, theils mit geringen Modifikationen. —