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Mhrlich 8 Start talbl. 4 ». 50 SS. viertelje-rltch > Mark 25 W für auiroartige Kbonnetiten

Mit dem betreffen­de» PüstailfichlLg. JKt einzelne Kuzw Inet 10 $fg.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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Dienstag den 11. Juni.

Amtliches.

Die zunächst interefsirten Ortsvorstände wollen das Beiteln im Lamboiwalde und auf den dahin führenden Wegen gefälligst verhindern.

Hanau am 11. Juni 1878. >

Der Landrath.

LsgeGfchk«.

Die Stellvertretung d-es Kaisers.

(A. b. Schi». Wert.)

Der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm hat zum ersten Mal und, wie man jetzt mit Rücksicht auf das Befinden des Kaisers hoffen darf, nur vorübergehend die Zügel der Regierung des Deutschen Reichs und der preußischen Monarchie ergriffen. Die Umstände, unter denen dies geschehen mußte, sind tiefbetrübende. Der kaiserl. Vater, von einem Mörder auf das Krankenbett gestreckt, kann mit den verwundeten Hän­den nicht einmal den Anfangsbuchstaben des Namens zeichnen, der mit unverwelklichen Zügen in die Geschichte des deutschen Volks eingetragen ist. Schweren Herzens mag der Sohn den mündlichen Auftrag em­pfangen haben. Aber er durste ihn übernehmen, in dem erhebenden Bewußtsein, daß er in p der Lage des Vertrauens der Nastion versichert sein darf. Heute ist die Zeit nicht angethan, an festliche und ernste Tage in Frieden und Krieg zu erinnern, in denen der Kronprinz ein Liebling des deutschen Volkes geworden ist. Genug, daß er es ist. Er bedarf aber auch der freudigen Zuversicht dessen. Es ist eine harte Schule, durch die er als Stellvertreter des Kaisers zu gehen hat. Wichtige Beschlüsse sind zu fassen, was, im Hinblick auf die entsetzlichen Früchte, die schon gereist sind, zur Abwehr und Besserung zu thun sei. Dabei der oberste Rathgeber, der Reichskanzler, im vollen Gebrauch feiner sonst riesenhaften Kräfte durch Krankheit gehindert, die Vertretung des deutschen Volks durch Parteiwesen zerklüftet, durch allerlei Vor- kvmmmsse verstimmt. Dennoch ist kein Grund zu verzweifeln, daß bei allseitigem redlichen Bemühen, wenn nur Niemand die ruhige Fassung verliert, das Richtige gefunden wird. Unverdorben ist ja noch der Kern des deutschen Volks. Noch ist sein ehrliches Gemüth nicht in der Wurzel angegriffen, wenn auch krankhafte Säfte tiefe Zerstörungen angerichtet haben. Ein gutes Herz und warmes Gefühl sprechen aus vieltausend- stimmigen Kundgebungen. Und darauf, auf den guten Grund des Volksgemüths, muß doch zurückgegriffen werden, wenn die Heilung ge­lingen soll.

— Berlin, 9. Juni, Morgens 6 Uhr 30Min. (Offizielle Bulle- lins t Seine Majestät der Kaiser haben verwichene Nacht in ungestör­ter Ruhe und größten theils schlafend hingebracht. Dr. v. Lauer.

— Berlin, 9. Jum 12*/, Uhr. Nach einer in ungestörter Ruhe hingebrachten Nacht ist das Allgemeinbefinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs zufriedenstellend. Die aktive Beweglichkeit des Körpers hat an Energie zugenommen, ungeachtet des noch bestehenden Gefühls von Mattigkeit. Der rechte Vorderarm ist wiederum abgeschwollen, jedoch noch empfindlich gegen Berührung. Fieber ist nicht vorhanden, der Appetit noch gering. Von heute an werden täglich nur zwei ärztliche Bulletins ausgegeben, von Lauer, von Langenbeck. Dr. Wilms. — 9. Juni, S1^ Uhr Abends. Der Kaiser hat heute 3 Stunden außer­halb des Bettes im Lehnstuhl sitzend zugebracht, wodurch Allerhöchst- derselbe sich merklich erfrischt gefühlt. — Im Appetit ist Zunahme be- merkbar. — 10. Juni, G1^ Uhr Morgens. Ee. Majestät haben die ganze Nacht mit nur zwei Unterbrechungen ruhig geschlafen — IOV2

Nach einer ruhigen Nacht sind die Kräfte Sr. Majestät des Kai- strs und Königs gehoben. Allerhöchstderselbe hat nach verwechselndem Verbände wiederum das Lager im Bett mit dem Sitze im Lehnstuhl vertauscht. Appetit noch mangelhaft, v. Lauer, v. Langenbeck. Dr. Wilms.

., .T Berlin, 7. Juni. (Frkstr. Ztg) Die Offiziösen berichten, )ur die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Hauptstadt gegen- «ver etwaigen Störung«versuchen in jeder Hinsicht Vorsorge getroffen

ist. Es ist bekannt/daß seit einigen Tagen in allen Kasernen dne Trup­pen konsignirt sind und die Wachen mit doppelten Patronen versehen, ausziehen. Im Kriegsministerium werden jetzt dai über Pourparlers ge­pflogen, ob, angesichts der immer weiter um sich greifenden sozialdemo­kratischen Bewegung in solchen Orten, in welchen die socialdemokra­tische Bewegung am meisten konzentrirt ist, nicht eine Verstärkung der Garnison für bestimmte Zeit am Platze sein dürfte. Es heißt, daß in der nächsten Zeit mehrere Garnisonsänderungen bevorstehen, so soll z B. die Stadt Hanau, der Hauptsitz der Sozialdemokraten in der Provinz Hessen -Nassem, drei Schwadronen rheinischer Dragoner erhalten.

— Berlin, 8. Juni. (Köln. Ztg.) Der Herzog von Cormaught wird während seines hiesigen Aufenthaltes in Schloß Gliemcke bei Potsdam wohnen. SaliLbury, General Lintorne und Beaconsfield treffen am Dienstag Abend ein, Hahmerle und Teschmberg morgen früh, Bratiano am Montag Abend, Cogalniceanu Dienstag Abend. — Bei den Verhandlungen zwischen England und Rußland soll auch die Frage der 'lettischen Befestigungen und Garnisonen in dem südlichen Bulgarien zur Sprache gekommen fern, welche Rußland nach der Seite des Balkan hin beanstandet habe. Aus d-r leiste telegraphisch angezeigten Anden-« tung der Petersburger Evcrespondenz der Times scheint hervorzugehen, daß die Lösung auch dieser Frage keinen großen Schwierigkeiten begeg­nen wird. Die Annäherung Englands und Oesterreichs wird allseitig bestätigt. — .In der vorgestrigen Bundesrathssitzung unter Vorsitz des Reichskan^leramts-Präsiderüen gab vor Eintritt in die Tagesordnung der -bayerische Bevollmächtigte den Gefühlen der Versammlung wie folgt Ausdruck: „Eine neue ruchlose Frevelthat gegen das Leben des Kaisers hat die Mitglieder des Bundesraths mit Abscheu und Entsetzen erfüllt. Gleich allen guten Deutschen vereinigen sie sich in d:m heißesten Wunsche, daß die göttliche Vorsehung, nachdem sie so sichtbarer Weise die größte Gefahr von dem geheiligten Haupte der Majestät abgewandt, Mer- höchftdenffelbm die baldige völlige Wiedergenesung gewähren möge. Die Mitglieder des Buüdesraths ersuchen ihren Herrn Vorsitzenden, den ehrerbietigsten Ausdruck ihrer Gefühle und Wünsche zur allerhöchsten Kenntniß des -Kaisers bringen zu wollen." Der Vorsitzende gab sodann Kenntniß von dem Erlasse des Kaisers betreffend die Uebertragung der Stellvertretung und von dem Erlasse des Kronprinzen betreffend die Uebernahme der Stellvertretung, und brächte ferner den Antrag Preußens wegen Auflösung des Reichstages ein. Die Gesetzentwürfe betreffend Spielkavtenstentpel und Tabakcnquete wurden in der vom Reichstage Beschlossenen Raffung genehmigt.

. — G erlistn, 10. Juni. (Köln Ztg.) Die Havarie-Commission

-m Krel mit der Sammlung und Feststellung aller auf den Unter- Gang des Großen Kurfürsten bezüglichen Materialien beschäftigt. Erst wenn der Bericht dieser Commission vorliegt, ist die Möglichkeit geboten, em Urtheil abzugeben, eb Anlaß zu e uer Untersuchung gegen Personen vorliegt. Bisher scheinen durchweg die vorhandenen Vorlagen lediglich ein Mißverständniß des richtig gegebenen Commandos als Ursache' des Unglücks zu ergeben. Die Geretteten rühmen allgemein die Disciplin und Hingabe der Mannschaften. Daß beim Untergang des Schiffes eine Kessel-Explosion Statt gefunden, wird von kompetenter Seite in Ab­rede gestellt; es sei nur Dampf aus Ventilen geströmt Die Panzer­fregatte Preußen ist augenblicklich in Kiel; sie wird in der Ostsee ver­bleiben. Für pekuniäre Verluste der Geretteten, beziehungsweise der Erben der Verunglückten sollen öffentliche Fonds des Fiskus eintreten.

— Das „Deutsche Montags-Blatt" schreibt: Wie wir erfahren, konnte heute, Sonntag, der Kaiser bereits eine kurze Zeit im Lehnstuhl zubrmgen und äußerte den Wunsch, das Bett verlassen zu dürfen! Die Aerzte machten dem Kaiser die trostreiche Hoffnung, daß derselbe mor­gen (Montag) das Bett vielleicht werde verlassen können. Seit zwei Tagen «rhält der Kaiser auch keine Eisumschläge mehr. Geh Rath Langenbeck äußerte beim Verlassen des Palais: „Dem Kaiser geht es außerordentlich gut." — Wie wir aus Wien erfahren, soll Graf Ln- drassy, falls es der Gesundheitszustand des deutschen Kaisers bis dahin schon gestatten sollte, im Aufträge des Kaisers Franz Joseph um eine Privataudienz beim Kaiser Wilhelm ansuchen. Der Graf wird ein