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M 132, Freilag den 7. Juni. 18/8»

Der heute eingetroffeneR. N. St.-A." Nr. 131 bringt folgen­den Allerhöchsten Erlaß: * .

Da Ich in Folge Meiner Verwundung zur Vollziehung der nöthi­gen Unterschriften augenblicklich nicht im Stande bin, Ich auch nach Vorschrift der Aerzte, um die Heilung der Wunden nicht aufzuhalten, Mich aller Geschäfte enthalten soll, so will Ich Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit und Liebden für die Dauer Meiner Behin­derung Meine Vertretung in der oberen Leitung der Regierungsge­schäfte übertragen. Euere Kaiserliche und Königliche Hohert und Liebden ersuche Ich, hiernaü das Erforderliche zu veranlassen.

Berlin, den 4. Juni 1878.

Auf Allerhöchsten Befehl dazu berufen, bezeugen wir, die unter­zeichneten Chefs 'des Civil- und Militär-Kabinets, daß Se. Majestät der Kaiser und König in unserer Gegenwart den Inhalt der vorste­henden Verordnung nach genommener Kenntniß von derselben aus­drücklich genehmigt und die Vollziehung und Veröffentlichung durch Allerhöchstihren dabei gegenwärtigen Reichskanzler und Minister Prä­sidenten befohlen haben

von Wilwowski von Albedyll. Fürst von Bismarck.

v Bismarck. Otto Graf zu Stolberg Leotthardt. Falk v. Kameke. Friedeuthal. v. Bülow. Hofmann. Graf zu Eulenburg.

Waybach. Hobrecht.

An des Kronprinzen des Deutschen Reichs und von P-eußen, Kaiser­liche und Königliche Hoheit und Liebden.

In der Anlage lasse Ich Ihnen eine von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige an Mich gerichtete Allerhöchste Ordre mit der Weisung zugehen, dieselbe nebst Meinem gegenwärtigen Erlasse durch das Reichs-Gesetzblatt zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Es ist Mein fester Wille, die Mir von des Kaiser und Königs Majestät über­tragene und von Mir übernommene Stellvertretung unter g wissen- hafter Bi vbachtung der Verfassung und der Gesetze nach den Mir be­kannten Grundsätzen Sr. Majestät, Meines Kaiserlichen Vaters und Herrn, zu führen. Berlin, den 5. Juni 1878.

Friedrich Wilhelm, Kronprinz

An den Reichskanzler. von Bismarck.

Dem Staats-Ministerium lasse Ich in der Anlage eine von Sr. Majestät Lem Kaiser nub Könige au Mich gerichtete Allerhöchste Ordre mit der Weisung zugehen, dieselbe nebst Meinem gegenwärtigen Erlasse durch die Eesetz-Sammlung zur öffentlichen Kenntniß zu brin­gen. Es ist Mein fester Wille, die Mir von des Kaisers und Kö­nigs Majestät übertragene und von Mir übernommene Stellung uu= 1er gewissenhafter Beobachtung der Verfassung und der Gesetze nach den Mir bekannten Grundsätzen Sr. Majestät, Meines Königlichen Vaters und Herrn, zu führen. Berlin, den 5 Juni 1878.

Friedrich WilHelm, Kronprinz.

v. Bismarck. Otto Graf zu Stolberg. Leoutzardt. Falk v Kameke. Fciedenthal. v. Bülow. ' Hofmann. Graf zu Eulenburg.

Maybach. Hobrecht.

An das Staats-Miuisterim.

R u n d s ch a «.

R. F. Eine unheimliche Schwüle beherrscht die politische Lage Deutschlands. Dre Thatsache, daß innerhalb drei Wochen zwei Attentate auf unseren geliebten Kaiser unternommen wurden, erfüllt das Herz jedes wohlgesinuttn Deutschen mit Entrüstung und Trauer. Und der ehrwürdige Monarch liegt dieses Mal getroffen darnieder und wenn auch zur Zeit die beste Hoffnung auf die Erhaltung des Lebcns des Kaisers vorhanden ist, so zeigen sich die. Folgen der Schußwunde häufig erst acht bis zehn Tage nach der That und unter solchen Umständen ist bei dem hohen Alter des Kaisers Wilhelm immer noch das Schlimmste zu befürchten. Mögen daher die Gebete des Dankes und der Fürbitte, welche in b>n deutschen Kirchen in der letzten Woche abgehalten wurden, Erhüruug finden, damit zu unserer Schmach, daß der beste Kaiser von einem verirrten Söhne seines Volkes in mörderischer Weise angegriffen wurde, sich nicht noch der unsägliche Verlust des heißgeliebten Ober­hauptes des deutschen Reiches gesellt.

Der Zustand, in welchem sich der verruchte Mörder Nobiling be- findet, wiro von den Aerzten als hoffnungslos bezeichnet. Die zwei Revolverschüsse, welch' der Attentäter bei seiner Verhüttung auf sich abfeuerte, haben ihn so schwer am Kopse verletzt, daß das Gehirn an zwei Stellen zu Tage tritt. Nobiling befindet sich infolge dessen in einem apathischen Zustande, in welchem er seine Umgebung nicht erkennt und welcher sich schon wiederholt dem Starrkrämpfe ähnlich gestattete und dadurch Veranlassung zu dem Gerüchte von NobilingS Tode gab. Die energisch betriebene Criminaluntersuchung fördert mehr und mehr Beweise dafür zu Tage, daß Nobiling mit Angehörigen der socialdemo« statischen Partei in Verbindung stand.

Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat sich angesichts der schmerz- Wen Lage der Dinge bereits vor zwei Tagen nach Berlin begeben end ist das preußische Ministerium, dem in voriger Woche auch der Graf Stolberg als Vicepräsident beigesellt worden ist, vollständig in der Reichshauptstadt versammelt. Es sind-n häufige Mnnstcrberathuuäen statt, in welchen man über Maßregeln, die der gegenwärtigen politiswen Nothlage abhelfen sollen, Rath pflegt. Man vermuthet auch, laß der Reichstag gleich nach Pfingsten einberufen werden wird, um im Verein mit der Regierung über Mittel, welche der Nothlage abhelfen soll«, zu berathen? zumal man es nicht für unwahrscheinlich hält, daß eine Bande von Verschwörern existirt, die noch weitere Anschläge auf das Leben hochstehender Personen planen.

Unser gesummtes Vaterland und mit ihm die ganze übrige gebil­dete Welt betrauert tief die an dem erhabenen Oberhaupte Deutschlands begangene Unthat. Alle deutschen, alle europäischen Regierungen Haien sich beeilt dem kaiserlichen Hofe ihre Beileidsbezeugungen kuodzMben und in den Städten Deutschlands finden Gottesdienste für die Erhaltung des Lebens des Kaisers Wilhelm statt. Auch in den meisten außer« deutschen Staaten hat die Entrüstung über das Attentat das 3ni«tffe an der übrigen Politik in den letzten Tagen in bin Hintergrund ge­drängt. Im englischen Parlamente, in den italienischen Kammern und den österreichischen Delegationen fanden Kundgebungen der Theilnahme für den deutschen Kaiser statt. Namentlich auch machte d.e Schreckens- künde in Petersburg einen tiefen Eindruck, da man sich dort sehr wohl bewußt ist, wie viel Rußland dem deutschen Kaiser in der Orientfrage- zu verdanken hrt. Die russische Presse spricht sich durchaus in tief be­trauerndem Tone über das Attentat aus und derGolos" schreibt: Ganz Rußland sympathisire mit dem Kaiser Wilhelm und dem den:-, scheu Volke." Ebenso fehlen auch nicht die Beileidsäußerungen in Bel­gien, Holland, der Schweiz und Frankreich. In Paris bega&in sich Tausende von hervorragenden Personen nach dem deutschen Botschaits« Hotel, um ihre Theilnahme an dem bansten Nationalunglück auszu- drüÄev.

Ueber das am Ende der vorigen Woche stattgehabte Unglück für Deutschland, die Katastrophe des PanzerschiffesGroßer Kurfürst", it noch zu berichten, daß nach den vollständigen Persrnallisten von «r Man-sich rst des Schiffes 217 gerettet sind und 274 in den Wellen ihren Tod fanden. Ueber die Ursache der Collision zwischen den Pan­zerst rgattenKönig Wilhelm" undGroßer Kurfürst" werden alle Be- , theiiigtcn vernommen und steht bis jetzt fest, daß ein Befehl des Wach­habenden auf demKönig Wilhelm" fal ch verstanden und wegen. der daraus erfolgten falschen Drehung des Schiffes die Coursion verms.-Lr wurde. ' 1

Wegen der schmerzlichen inneren Ereignisse ist der Sta:d cer äußeren Politik kaum erwähnenswerth. Die noch brennende Frage der Orientkrisis befindet sich zur Zeit in einem rühmen Stadium, denn rie Einladungen zum Congreß, der am 13- Juni in Berlin stattftnden w-ro, sind von der deutschen Regierung an die VeriragsWächre ergangen und deren Vertreter rüsten sich zur Reise nach der deutschen Hauptstadt. Alle Mächte senden ihre Minister der auswärtig!» Angelegeuheitru zum Congrefse, England auch den Premierminister Beacunsfield, uns d-rse werden noch unterstützt von ihren Bot chaftein in Berlin. Nur Ruß­land schickt wegen der Krankheit des Füisten GortsHakoff den Grcwa Schuwaloff. Dieser ist auch noch einmal schleunigst von London n.;ch Petersburg gereist, um sich noch vollständige Instruktionen für den Congreß zu holen. Ueber die englisch-russischen Verembarungen in der