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SierteljäirHdh , Wart 25 D?g. für auiroärtige Abonnenten »il dem beirefien- ten P»stauf!chlag. Mit ciiiAelne Num­mer 10 Ng.

Hmianer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für KreiS und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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M 129. Dienstag den 4, Juni. 1878.

Amtlicher.

Für die diesjährige Badezeit werden zur Verhütung von Un- glücksfällen und zur Wahrung des nöthigen Anstandes beim Baden, die nachstehenden Vorschriften in Erinnerung gebracht:

1) Das Baden in der Kinzig und in den Stadtgräben ist gänz­lich verboten;

2) außerhalb der öffentlichen Bade- und Schwimmanstalten darf im Main nur an denjenigen Plätzen gebadet werden, welche durch am Ufer stehende Pfähle als ungefährlich und erlaubt bezeichnet sind;

3) Kindern unter 14 Jahren ist das Baden nur unter Aufsicht erwachsener Personen gestattet;

4) Uebertretungen dieser Vorschriften oder Ungebührlichkeiten ge­gen den Badeaufseher werden mit Geldstrafen oder bei Unvermögen mit Haft geahndet.

Hanau am 15. Mai 1878.________________________________ Lan-mrthschastlicher Kreis-Verein Hau au.

Nächste Versammlung Sonntag den 16. Juni bei Herrn Gafiwirth Weber in Hochstadt, Nachmittags 21/« Uhr.

Tagesordnung:

1) Viehausstellung in Hochstadt;

2) Obst- und Gemüse-Ausstellung in Hanau.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister werden um Veröffentlichung des Vor­stehenden ersucht.

Hanau am 4. Juni 1878.

Der Landrath.

Rundschau.

R. F. In Bezug auf unsere innere Lage kann man die erfreu­liche Wahrnehmung machen, daß die Regierungskreife Deutschlands doch über die Frage nachdenken, ob das Verhältniß zwischen Regierung und Reichstag, wie es sich in der letzten parlamentarischen Session entwickelt hat, auf die Dauer einen nutzbringenden Bestand haben kann. Das preußische Ministerium, welches in erster Linie die Reichsregierung ver­tritt, hat im deutschen Reichstage keine Mehrheit für sich und wenn man eine so große Frage, wie die Steuer- und Wirthschaftsreform durchführen will, so dürfte eine wahrscheinliche Opposition der Reichs- tagsmehrheit schließlich verhängnißvolle Konflikte hervorrufen. Die Reichsregierung scheint daher dem Gedanken an eine natürliche Entwicke­lung der Regierungsverhältnisse mehr und mehr nahe zu treten und scheint es, wenn die osficiösen Organe recht unterrichtet sind, daß die maßgebenden Faktoren der Reichsregierung direkt nach parlamentarischen Zuständen strebten, so daß man wahrscheinlich versuchen wird, ein Mi- Nisterium in Preußen zu bilden, welches der Reichstagsmehrheit genehm ist. Mit diesem muthmaßlichen Bestreben der Reichsregierung möchten wir auch die Nachrichten in Verbindung bringen, daß der preußische Kultusminister wahrscheinlich auf seinem Posten bleiben wird.

Die deutsche Marine ist am 31. Mai von einem großen Unfall heimgesucht worden. Als die drei PanzerschiffePreußen",Großer Kurfürst" undKönig Wilhelm" von WilhelmShaven nach Plymouth fuhren, stießen die beiden letzteren Schiffe an der Küste zwischen Dover vnd Folkestone so heftig aneinander, daß derGroße Kurfürst" wenig Minuten darauf unterging. Von der Mannschaft des kostspieligen Schiffes konnten nur 200 gerettet werden, 300 kamen in den Wellen . Auch das PanzerschiffKönig Wilhelm", welches denGroßen Kurfürst" niederrannte, erhielt ein Leck und wurde nach dem englischen KriegShafen Portsmouth gebracht, um dort ausgebessert zu werden. Da der Zusammenstoß am Hellen Tage und bei ruhigem Wetter stattfand, so trifft die Führer der beiden Panzerschiffe eine schwere Schuld, über welche wohl die näheren Untersuchungen noch Aufklärungen geben werden.

Der deutsche Kronprinz wird während seiner Anwesenheit in Eng­land von einer seltsamen Mischung von Freude und Schmerz heimge­sucht: Die treugesinnten deutschen Arbeiter brachten ihm ihre Huldigung M; aber er erfuhr auch den Untergang des PanzerschiffesGroßer

Kurfürst" und begab sich sofort mit dem deutschen Botschafter in Lon­don nach Folkestone, um womöglich die Folgen der fürchterlichen Katastrophe zu lindern.

DaS friedliche Stadium, in welches seit dem Beginne der vorigen Woche die Orientfrage getreten ist, behauptet sich und erfährt man nach­träglich, daß es hauptsächlich das Verdienst des deutschen Kaisers ist, zwischen Rußland und England eine Annäherung herbeigeführt zu haben. Die Reise des deutschen kronprinzlichen Paares nach England war gleich­zeitig eine politische Mission und die Königin Victoria hat sich Don ihrem Schwiegersohn, der jedenfalls einen Stein bei ihr im Brette hat, reinen Wein über die Lage im Orient einschenken lassen. Mag nun auch Rußland diese Vermittelung Deutschlands anerkennen und wenig­stens in Bezug auf die deutsch-russischen HandelSverhältuisse. Gleiche» mit Gleichem vergelten.

Für England hat sich die Orientkrisis schon derartig günstig ge­staltet, daß hervorragende englische Zeitungen bereits Mittheilungen über die Verständigungen zwischen Rußland und England machen. Nach die­sen wird Bulgarien in zwei Theile getheilt, von denen der nördliche einen Fürsten und der südliche einen christlichen Gouverneur erhalten soll. In diesem südlichen Theile von Bulgarien beabsichtigt England in Gemeinschaft mit der Türkei seinen Einfluß geltend zu machen. Die übrigen christlichen Provinzen der Türkei sollen unter dem Schutze Eu­ropas Reformen erhalten. Griechenland und Rumänien kommen bei den englisch-russischen Abmachungen schlecht weg. Gegen eine Rückgabe Bessarabiens von Rumänien an Rußland hat England nichts einzuwen- den und Griechenland wird keinen Länderzuwachs erhalten, Serbien und Montenegro scheinen einige kleine Landstreifen zu empfangen. Gegen die Zurückgabe von Bajazid soll Rußland Batum in Kleinasien erhalten. Freilich bedürfen diese Abmachungen zwischen England und Rußland der Sanktion des europäischen Congresses, doch ist mit ziemlicher Wahr­scheinlichkeit anzuNehmen, daß die übrigen Mächte den englisch-russischen Ausgleich in seiner Hauptsache nicht ablehnen werden. In Englund starb vergangene Woche der hochbetagte Staatsmann und ehemalige Minister Carl Ruffel, welcher fast 50 Jahre hindurch (bis 1865) einen großen Einfluß auf die Politik Englands auSübte.

Die Schritte, welche Oesterreich bezüglich der Orientkrisis gethan . hat und die sich nebst der Besetzung Adakaleh's auf militärische Rüstun­gen beziehen, bewegen sich wahrscheinlich schon innerhalb des Rahmens einer Verständigung mit Rußland, denn von einem herannahenden öster­reichisch- russichen Konflikte sind keine thatsächlichen Ursachen zu bemerken. Der Kanzler Oesterreichs hat sich auch bereitwilligst erklärt, auf dem Congresse, der jedenfalls am 11. Juni in Berlin eröffnet wird, zu er­scheinen und es wäre gewiß seltsam, wenn sich erst auf dem Congreß eine große Meinungsverschiedenheit zwischen Oesterreich und Rußland herauSstellte. Die Rüstungen Oesterreichs, für welche der Graf Andrassy neuerdings mit Entschiedenheit den bereits früher bewilligten Credit verlangte, haben dennoch wohl nur den Zweck als Occupationstruppen an der türkischen Grenze zu dienen, da Oesterreich bei dem täglichen Sinken der türkischen Macht an feinen Grenzen keine Unordnung em- treten lassen kann.

In Konstantinopel fand vor wenigen Tagen ein Ministerschub statt, indem der Premierminister Sadyk Pascha dem englisch gesinnt. n Mohamed Ruschdi Pascha das Großvezierat überlassen mußte. Es ist dies offenbar ein Coup Englands, welches auf diese Weise die Türkei nach seinem Willen zu lenken gedenkt. Die Türkei läßt sich ja auch schließlich lieber in's englische als in'- russische Schlepptau nehmen. Von dem Ausstande der Mohamedaner im Rhodopegebirge verlautet nichts Gutes. Die russischen und türkischen Friedensvermittler sind neuerdings unverrichteter Sache heimgekehrt und die Aufständischen haben erklärt, fortkämpfen zu wollen.

Nach Nachrichten aus Paris wird Frankreich durch feinen Minister des Aeußern, Herrn Waddington, auf dem Berliner Gongn ffe vertreten fein und wird der Minister vor seiner Abreise nach Berlin in den französischen Kammern noch eine Aufklärung über die Haltung Frank­reich» in der Orientsrage geben. Die Voltairefeier ist in Paris