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Dir im Siegerkranz" gesungen. Der Kaiser erschien im Feldmantel auf dem Balcon und ließ den langen Zug vorüberdefiliren, der dann nach dem Dönhofsplatze sich bewegte, wo unter dem „Gaudeamus igitur“ die Fackeln znsammengeworfen wurden.
— Briefsendungen rc für S. M. S. „Medusa" sind bis zum 5. Juni cr. nach Norfolk (Nordamerika), vom 6. Juni bis incl. 7 Juli nach Halifax (Nova Scotia) und vom 8. Juli er. ab bis auf Weiteres nach Plymouth zu dirigiren.
— Wien, 18. Mai. Die „Presse" läßt sich aus Konstantinopel melden, seit einigen Tagen würden Transporte mit Lebensmitteln und Munition von hier nach Varna abgesandt.
— Paris, 18. Mai. Die Republique Francaise berichtet: „Die von Schuwalow erlangte Lösung ist die beste; sie trägt den Wünschen Englands und der abendländischen Mächte Rechnung und beweist die Mäßigung Rußlands, die ein gutes Zeichen für die Zukunft ist, Rußland tritt ins europäische Concert zurück, indem es den unerläßlichen Bedingungen des Congresses zustimmt, der mehr eine einfache diplo- Matische Versammlung als ein Schiedsgericht sein wird. Die Stimmung, die am russischen Hofe die Oberhand zu gewinnen scheint, ist offenbar dem Erfolge des Congresses sehr günstig."
— London, 18. Mai, Vormittags. Gestern ist es in Preston und Great Horwood zu ernstlichen Krawallen gekommen. Aus einem von den Ruhestörern angegriffenen Hause des letzteren Ortes wurde geschossen, wobei mehrere der Aufrührer verwundet wurden. Von den letzteren wurden sehr grobe Excesse ausgeführt, so daß das Militär einschreiten mußte, welches die Ruhestörer schließlich zerstreute.
Sp ezialtel egr amm e des „Deutschen Montags-B latt."
— Wien, 19 Mai, 10 Uhr 55 Min. Morgens. Von guter Seite verlautet, daß Rußland auf die vom Grafen Schuwaloff über- Ibrachten englischen Forderungen nicht eingegangen ist. Rußland hat indeß ein Gegenprojekt, den europäischen und asiatischen Orient umfassend, aufgestellt, dessen Annahme seitens Englands es als wahrscheinlich erachtet. Der Europa betreffende Theil würde dem Kongreß unterbreitet, der asiatische Theil dagegen soll Gegenstand einer Separat-Abmachung zwischen England und Rußland werden. Dieses neue russische Gegen- .projekt soll in seiner Gesammtfassung angeblich die weitestgehenden Konzessionen machen.
' — Wien, 19. Mai, 2 Uhr. Die hochosfiziöse „Montagsreue" Meldet, daß neueste Petersburger Nachrichten die Gerüchte über die Reise des Generals Jgnatieff nach Kiew und sein Jnungnadefallen nicht bestätigen. Die Unentschiedenheit der Situation dürfte, wenn nicht vor .Konstantinopel unerwartete Ereignisse eintreten, bis zur Ankunft Schu- waloffs in London fortdauern. Auch dann sind nur bestimmtere Nachrichten, aber schwerlich Entscheidungen zu erwarten, wenn sich nicht etwa die Meldungen darüber bestätigen, daß Rußland bemüht sei, vor Konstantinopel vollzogene Thatsachen zu schaffen.
— London, 19. Mai. Der „Observer" meldet, Rußland sei geneigt, in eine bedeutende Beschränkung der Grenzen Bulgariens einzu- willlgen und Batum aufzugeben, wenn England eine Koalition mit Rußland eingeht. Wenn die Pforte es ablehnt, Schumla und Varna zu räumen, so wird General Totleben auf Konstantinopel avanciren; Rußland wünscht die Zustimmung Englands zu einem Einmarsch in Kon- stantinopet, um den unpraktischen Vertrag von San Stefano sodann zu beseitigen und um die Türkei in gemeinsamem Einvernehmen zu reorga- nisiren. — Ich erfahre, daß man hier in offiziellen Kreisen an eine friedliche Lösung glaubt. — Totlebens Manöver seien blos eine Pression wegen der Festungen, deren Räumung Rußland als ein fait accompli vor dem Kongreß wünscht. — Der Berliner Polizeipräsident Herr von Madai besuchte gestern Abend das Verbrecherviertel im Ostende Londons.
Lokale-,
Hanau, 20. Mai 1878.
— (Impfung.) Stadt Bockenheim: Den 22. Mai, Nachmittags 2 Uhr Impfung der 1877 und früher geborenen Kinder, welche noch nicht geimpft sind; Nachm. 4 Uhr Impfung der Realschüler; Nachm. 5 Uhr Impfung der Zöglinge der höheren Töchterschule, welche in 1878 Las 12. Lebensjahr erreichen.
O Hanau, 18. Mai. Die gestern in dem geschmückten Saale des Gasthauses zum Schwanen in Kesselstadt stattgefundene Feier des Geburtstages Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Landgräfin erfreute sich auch dieses Mal einer seither üblichen regen Betheiligung. Herr Pfarrer R ultmann gedachte der gefeierten hohen Frau und der ganzen Familie, namentlich auch des Königlichen Hauses, insbesondere unseres Kaisers, in sinnigen Worten und schloß mit einem von allen Fest- iheünehmern freudig aufgenommenen Hoch auf das Wohl Ihrer König- ^ut Hoheit der Frau Landgräfin. Nachdem Herr Landrath von Schrötter in humoristischer Rde auch der Kesselstädter und Hanauer gedacht glitte, wurden die üblichen Toaste von einem Bürger Hanau's ein.m Hoch auf Seine Königliche Hoheit den Herrn Landgrafen geschlossen. Auf ein vom Fest-Comite inzwischen abgesandtes Glückwunsch Telegramm sind die Festcheiinehmer bald darauf mit nachstehender
Antwort erfreut worden: (Wiesbaden 17/5) „Ihre Königliche HoheL Frau Landgräfin beauftragte mich, den in Kesselstadt versammelten Herrn für den Glückwunsch zum heutigen Tage freundlichst zu danken, v. Hilchenbach." Der Verlauf des Festes war ein recht schöner und erst spät trennten sich die Theilnehmer in angenehm gehobener Stimmung.
— Am 18. d. M. wurde in hiesiger Synagoge bei dem Morgen- gottesdienste ein Dankgebet für die glückliche Errettung unseres Kaisers aus Lebensgefahr gesprochen.
— In vorverwichener Nacht wurde Nachtwächter Hau, welcher als geachteter Mann gilt, während der Ausübung seines Dienstes in der Altstadt von einer Anzahl Individuen überfallen und blutig geschlagen. Die Thäter sind bereits zum größten Theil ermittelt und werden ihrer Strafe nicht entgehen. -
— Gestern Abend bummelte ein zu Kesselstadt wohnender Arbeiter mit seinem 5jährigen Kinde von einem Wirthshaus ins andere. Schließlich mißhandelte und bedrohte er den Kleinen in höchst ärgernißerregen- der Weise, so daß die Polizei einschreiten mußte. Das Kind wurde in Pflege gegeben, wogegen der unmenschliche Vater in Nr. Sicher ein Unterkommen fand.
— Mit dem Aufbauen der Adam'schen Damenbadeanstalt ist bereits der Anfang gemacht und kann dieselbe, wie wir erfahren habe«, von morgen Nachmittag ab benutzt werden.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Dienstag den 21. Mai.
Vormittags 9 Uhr werden in den Anlagen zu Wilhelmsbad eine Linde, 2 Akazien und 1 Traubenkirsche (Windfall) öffentlich verkauft. — Nachmittags 2 Uhr versteigert Herr Taxator W. Seiffert aus dem Nachlaß des verstorbenen Schlossermeisters Herrn Heubler in der Behausung Altstädter Hospitalstraße Nr. 19: Ambos, 2 Schraubstöcke, Blas balg, eine Partie kleinere Werkzeuge rc. gegen Baarzahlung.
— Für heute. Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 4 in den „drei Schwanen"; Nr. 5 im „goldenen Herz".
— Fulda, 18. Mai. Gestern Morgen wurde in einem Grasgarten zu Ellers der etwa 50 Jahre alte Heinrich Kraft aus Kleinlüder, Knecht des Gastwirths I. Joseph Gaß zu Opperz, todt gefunden. Allem Anscheine nach hatte sich der Verstorbene im trunkenen Zustande in den Garten verirrt und war dort vom Schlage getroffen worden.
__________________________ ' (Hess. Beob.)
Arr- der Umgegend.
— Der „Frankfurter Anzeiger" schreibt unterm 18. Mai aus Frankfurt am Main: Eine Menge Fuhrleute, insbesondere von auswärts, wurden in Geldstrafen nicht unter 3 M. genommen, weil sie ihre Fuhrwerke, zuwider der Regierungsverordnung, wonach an sämmtlichen, ohne Unterschied der Bespannung, sobald dieselben auf öffentlichen Wegen zu Transportzwecken benutzt werden, der Vor- und Familiennamen, sowie der Wohnort des Eigenthümers mit unverwischbaren weiße« Buchstaben auf schwarzem Grund angebracht sein muß, nicht bezeichnet hatten. — Am 17., 18. und 19. Juni wird im Zoologischen Garten der Congreß der deutschen Hutfabrikanten tagen. — Seit 10 Tagen wird ein 14jähriger Bube vermißt, welcher von seinen Eltern wegen Schulschwänzen bestraft worden war.
— Seligen st adt, 17. Mai. Am 22. d. M. wird eine Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Offenbach hier abgehaltm werden, welche voraussichtlich zahlreich besucht werden wird, da außerdem für Nachmittags 2 Uhr eine Aufstellung und Besichtigung von in Seligenstadt und in der Umgegend gezüchteten Rindviehes und von Fohlen vorgesehen ist.
— Offenbach, 18. Mai. Nächsten Sonntag den 26. ds. ver- anstaltet der Frankfurter Ruderverein eine große Regatta, an welcher sich der Coblenzer Ruderclub, der Mannheimer Ruderverein, der Mannheimer Rnderclub, der Würzburger Ruderverein und, was für hier das Interessanteste ist, der Offenbacher Ruderverein betheiligen wird. Wir wünschen dem jungen Verein alles Glück und hoffen, daß er auch mit als Sieger aus den Wettfahrten hervorgehen wird.
Literarisches.
In allernächster Zeit wird in dem Verlage von Carl Meyer (Gustav Prior) in Hannover eine kleine, aber sehr inhaltreiche Schrift unter dem Titel: „Aus den Tagen eines erloschenen Regenten Hauses in seiner ehemaligen Residenz. Hessische Nachrichten aus alter und neuer Zeit" erscheinen. Das Manuskript, welches bereits unter der Presse ist, stammt aus dem Nachlasse eines kürzlich verstorbenen Staatsdieners (Offiziers?) und enthält einen wahren Schatz von hessischen Hof- und Familien-Nachrichten in ganz kurzer objectiver Darstellung und macht den Eindruck einer durchaus unparteiischen und durchweg getreuen Aufzeichnung. Der Verfasser muß längere Zeit am fürstl chen Hofe zu Casiel, oder doch in den dortigen Hofkreisen gelebt und viel mit hochgestellten Personen verkehrt haben, denn man findet die genaueste Kenntniß der dortigen Verhältnisse Seit e'ner