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HmmM AiBeio.tr.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erschein: täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,, und Samstags mit der Berliner Proviuzial- Correspondenz.

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Freitag den 17. Mai.

1878.

Amtliches.

Für Wilhelm Schenk von Wachenbuchen ist um Eutlaffung aus dem Preußischen Unterthanen-Verband behufs Auswanderung nach Bel­gien nachgesucht worden.

Hanau am 3. Mai 1878.

Die Geschäfte des Bürgermeisters in Ostheim führt bis auf Wei­teres der Beigeordnete Georg Brodt 7r dort.

Hanau am 13. Mai 1878.

Den Herrn Ortsvorständen des Kreises wird hierdurch bekannt gegeben, daß die nach den bestehenden Vorschriften von der Ist-Ein­nahme mit 3°/o zu berechnenden Veranlagungskosten der Klassensteuer pro 1877/78 an die einzelnen Gemeinden rc. durch Vermittelung der betreffenden Königlichen Steuerkassen ausgezahlt werden.

Hanau am 15. Mai 1878.

Der Landrath.

Wochenschau.

R. F. Die ganze hinter uns liegende Woche hindurch wurde be­herrscht von der Aufregung, die das glücklicherweise mißlungene Attentat auf das ehrwürdige Haupt des Kaisers Wilhelm hervorgebracht hat. Ein moralisch und physisch verlumpter Mensch ist des schmählichen At­tentats überführt worden und wird seiner wohlverdienten Strafe nicht entrinnen. Die Commentare über das Verbrechen werden bald geschlos­sen sein, doch wird dies hoffentlich nicht geschehen, ohne daß das deutsche Volk eine heilsame Lehre aus der That zieht.

Zur nicht geringen Genugthuung des deutschen Namens hat das fluchwürdige Attentat auf den Kaiser Wilhelm im In- und Auslande eine allgemeine Mißbilligung gesunden. Tausende von Telegrammen, die Glückwünsche enthielten, trafen aus fast allen Städten Deutschlands und aus vielen Orten des Auslandes im kaiserlichen Palais zu Berlin ein und auch alle europäischen Regierungen sandten dem Kaiser tele­graphische Glückwünsche. Ebenso drückte die Präsidentschaft des Reichs­tags dem Kaiser Wilhelm im Namen des deutschen Volkes ihren Glück­wunsch aus und in der Montagssitzung des Reichstags wurde dem Kai­ser noch eine besondere Ovation dargebracht.

Die Arbeiten des Reichstages waren in den letzten Sitzungen fast nur Ergänzungen zu schon stattgehabten Berathungen. Diejenige der Rechtsanwaltsordnung wurde zu Ende geführt, der Handelsvertrag mit Rumänien genehmigt und der Auslieferungsvertrag mit Schweden-Nor­wegen berathen. Eingebracht wurde eine Interpellation vom Abgeord­neten Windthorst-Meppen über den Zeitpunkt der Aufhebung des Pferde­ausfuhrverbots, die vom Kriegsminister v. Kameke jdahin beantwortet wurde, daß dasselbe solange aufrecht erhalten bleiben müsse, bis Deutsch­land hinreichend diejenige Pferdeanzahl besitze, welche'zu einer eventuellen Mobilisirung nothwendig sei, auch verlange die gegenwärtige unsichere Lage diese Maßregel, welche im klebrigen die Regierung bald aufheben zu können hoffe. Um die noch ausstehenden Arbeiten annähernd zu erledigen, wird der Reichstag mindestens noch bis zum 25. Mai tagen müssen.

Fast einstimmige Nachrichten aus Paris melden, daß die deutsche Kunstausstellung auf alle Besucher einen ausgezeichneten Eindruck macht und auch die französischen Zeitungen gestehen dies offen zu. Es wird sogar behauptet, daß die deutsche Kunstausstellung in ihrer Art die ge­lungenste auf der ganzen Pariser Weltausstellung sei. Der Prinz von Wales, der mit seiner Gemahlin die deutsche Kunstausstellung besuchte, äußerte sich auch sehr anerkennend über dieselbe und sprach sich dem Direktor v. Werner gegenüber dahin aus, daß er, wenn er nach London zurückgekehrt sei, seiner Schwester, der jetzt dort weilenden deutschen Kronprinzessin, sagen werde, daß Deutschland würdig auf der Pariser Weltausstellung vertreten sei.

Die Stabilität in den Reihen der französischen Republikaner be­wahrt sich nach wie vor. Die Abtheilungen der französischen Deputir- tenkammer haben die Budgetkommission für das Jahr 1879 gewählt,

welche ausschließlich von Republikanern zusammengesetzt ist und wiederum Gambetta zum Vorsitzenden hat. Nach Uebernahme' des Vorsitzes in der Budget-Commission erklärte Gambetta, die Kammer habe stets das feste Ziel verfolgt, der Devensivkraft Frankreichs Alles zu gewähren, was für deren vollständige Entwickelung nothwendig sei; aber man dürfe das Maß nicht überschreiten und müsse den von Frankreich ver- folgten großen Principien treu bleiben dem Werke des Friedens und der Civilisation. Daß aber Gambetta keineswegs gewilligt ist, die Mi- litärreorganisation, für deren volle Durchführung er Tag für Tag in derMpublique Franyaise" Propaganda machen läßt, irgendwie einzu- schränken, bedarf keines weiteren Hinweises.

Die Orientkrisis wird noch immer in die Länge gezogen. Als der Graf Schuwaloff von London nach Petersburg noch unterwegs war, da baute man überall goldene Friedensbrücken, und jetzt, wo der Graf in Petersburg seine Sendung erfüllt hat, zeigt man sich wieder überall pessimistisch und es wird sogar behauptet, daß die Friedensunterhand- lungen in's Stocken gerathen seien. Thatsächliche Unterlagen hierfür sind nicht vorhanden, doch ist es wahrscheinlich, daß sich die Situation verschlimmert hat, weil England an seiner Forderung festhält, daß dem slavischen Elemente kein dominirender Einfluß auf der Balkanhalbinsel eingeräumt werden soll. Von weittragender Bedeutung für die Kriegs- und Friedensfrage wäre das Gerücht, für den Fall, daß es sich be­wahrheitet, daß der Graf Schuwaloff an Stelle des erkrankten Fürsten Gortschakoff die Leitung der diplomatischen Geschäfte Rußlands über­nehmen werde. Schuwaloff gilt als ein Mann der Versöhnung und eine Verständigung Rußlands und Englands im Orient würde dann weniger unwahrscheinlich sein.

Im englischen Parlamente ist die Oppositionspartei fortwährend damit beschäftigt, der Regierung ein Mißtrauensvotum wegen ihrer kriegerischen Haltung zu ertheilen, doch hat die Mehrheit der englischen Abgeordneten genug gesunden politischen Sinn, um ein derartiges Votum durchgehen zu lassen, denn jedem verständigen englischen Politiker leuchtet ein, daß England Lebensinteressen im Orient hat und diese eventuell vertheidigen muß. Trotz des vielfach kleinlichen Handelsgeistes der eng­lischen Nation wird diese daher doch ohne Zweifel mannhaft für die energische Aktionspolitik gegen Rußland einstehen.

In dem zögernden und schwankenden Oesterreich soll wieder ein­mal eine Aktion geplant werden. Doch obwohl bereits gemeldet wird, der österreichische Botschafter in Konstantinopel, Graf Z'chy, habe der Pforte eine Note vorgelegt, in welcher Oesterreich die Occupation Bos­niens verlange, so glauben wir nicht früher an eine österreichische Ak­tion, als bis wir eine solche sehen. In den Parlamenten zu Wien und Pesth wird freilich schon die Beschaffung des vom Grafen Andraffy verlangten Sechzig-Millionen-Credits berathen und die liberale Partei in Ungarn hat auch den Vorschlägen des Finanzministers bereits ihre Zustimmung ertheilt, aber die Haltung Oesterreichs erscheint uns noch zu unentschieden, als daß wir eine nahe bevorstehende Occupation Bos­niens für wahrscheinlich halten.

Der Pforte ist in der vergangenen Woche von Rußland so hart zugesetzt worden, daß sie die Räumung der Festungen Schumla und Varna bewilligt hat, doch hat es allen Anschein, daß die Pforte die Ausführung der Räumung dann immer noch einige Zeit hinziehen wird. An Batum hält die Pforte vorläufig noch mit großer : Zähigkeit fest, aber die Russen, welche schon bis dicht an diese Stadt herangerückt sind, scheinen nicht übel Lust zu haben, sich schließlich durch einen Gewalt­streich in den Besitz der Stadt Batum zu setzen.

Im Vatikan ist in der letzten Zeit wieder die Eventualität be­rathen worden, ob der Papst Leo nicht Rom auf einige Zeit verlassen solle. Nicht nur im Vatikan, sondern auch in den ihn umgebenden Gärten ist die Luft so ungesund, daß sich der Gesundheitszustand Leo's XIII. wesentlich verschlechtert hat._________________^____________

Tagerscha«.

DerR. u. St.-A." Nr. 114 enthält folgendes, an den Reichs­kanzler gerichtete Schreiben: