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Donnerstag den 16. Mai.

1878

Amtlicher.

Für die diesjährige Badezeit werden zur Verhütung von Un­glücksfällen und zur Wahrung des nöthigen Anstandes beim Baden, die nachstehenden Vorschriften in Erinnerung gebracht:

1) Das Baden in der Kinzig und in den Stadtgräben ist gänz­lich verboten;

2) außerhalb der öffentlichen Bade- und Schwimmanstalten darf im Main nur an denjenigen Plätzen gebadet werden, welche durch am Ufer stehende Pfähle als ungefährlich und erlaubt bezeichnet sind;

3) Kindern unter 14 Jahren ist das Baden nur unter Aufsicht erwachsener Personen gestattet;

4) Uebertretungen dieser Vorschriften oder Ungebührlichkeiten ge­gen den Badeaufseher werden mit Geldstrafen oder bei Unvermögen mit Haft geahndet.

Hanau am 15. Mai 1878.

Bekanntmachung.

Gegen nachgenannte Personen aus Hommertshausen: 1) den Maurer Andreas Beinborn, 2) den Arbeiter Jost Happel, 3) den Arbeiter Johannes Schmidt, ist durch diesseitiges rechtskräftiges Man­dat wegen Melde- Polizei- Contravention eine Strafe von je 1 Mark ev. 1 Tag Haft festgesetzt worden. Wir ersuchen um Einziehung und portofreie Uebersendung der Geldstrafe event. Vollstreckung der Haft und Nachricht, da der Aufenthalt der drei Personen bisher nicht zu ermit- reln gewesen ist.

Siegen, den 8. Mai 1878.

Die Polizei-Verwaltung.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 12. Mai 1878.

Der Landrath.

Lagetz scharr« Kaiser Wilhelm und der Friede.

(A. d. Schw. Merl)

Europa kann das Leben des Kaisers in diesem Augenblicke nicht wohl missen," das ist die Empfindung, die das Ausland bei der Nach­richt von dem Mordversuch auf Kaiser Wilhelm bewegte. Für uns Deutsche ist die Werthschätzung des Lebens unsers Kaisers, die aus der innigen Theilnahme des Auslands spricht, nur um so demüthigender. Ihm, dem Kaiser, seinen weisen und muthvollen Entschlüssen, seiner Pflichttreue und Hingebung verdanken wir die Stellung, die unser Va­terland inmitten Europa heute einnimmt, verdankt Europa den Regula­tor, der unter den Widerstreitenden Interessen mit kluger Hand rathend und mäßigend abwägt, und da geht ein Deutscher, und zwar nicht ein Verrückter" undUnzurechnungsfähiger", wie heute schon die heillos deschönigende Modephilantropie sich vernehmen läßt, geht ein Deutscher her und zielt heimtückisch lauernd auf das ehrwürdige Haupt. Unver­sehrt ist er vor 7 Jahren aus dem feindlichen Lande, aus dem Donner der Schlachten zurückgekehrt; jetzt legt ein Elender aus dem eigenen Volke mitten im Frieden die Mordwaffen auf ihn an. Die Beschämung über diese That kann nicht verdrängt werden durch das Gefühl der Freude über ihre Vereitelung. Es gibt Deutsche, so müssen wir uns sagen, in deutschen Schulen aufgewachsen, durch deutsche Bücher, Schrif­ten und Redner herangezogen, in denen so nichtswürdige Anschläge auf- keimen, vor denen die geheiligte Majestät unseres Kaisers nicht sicher ist. Und das geschieht in einem Augenblick, da der Werth dieses Le­bens außerhalb unseres Vaterlandes nicht minder geschätzt ist, als unter uns. Wir Teutsche verdanken ihm die Sicherheit, welche das Bewußt­em der staatlichen Einheit verleiht; doch ganz Europa hofft heute durch chn den Frieden zu bewahren und erklärt, ihn nicht entbehren zu können, jn diesem Augenblick ist durch seine gewichtvolle Vermittlung eine Wendung eingetreten, von der man die Zerstreuung der drohenden ^^gswolken hoffen darf. Noch sind die Aussichten unsicher, aber wenn das Gefürchtete abgewandt wird, so wissen wir, daß der beste Theil des

Verdienstes der hingebenden Thätigkeit und den unparteiischen Ent­schlüssen gebührt, die in dem kle'nen Palais unter den Linden, gegen­über dem Denkmal Friedrich des Großen, gefaßt werden. Möge un­serem Kaiser, wie ihm anderes Großes gelungen ist. das die Weltge­schichte auf ihre Tafeln schreibt, auch die glückliche Durchführung des Friedenswerkes gelingen, das gegenwärtig in seine Hände gelegt ist!

Militärische Glossen zur Lage.

(A. «. Trib.)

Launenhaft, wie der Zeiger des Barometers, schwankt augenblick­lich das Zünglein der Wage, auf welcher gemessen wird, ob die Situa­tion sich verbessert oder verschlimmert. Es dürfte schwer sein, darüber ein Gutachten abzugeben, ob die Krisis sich in letzter Zeit günstiger gestaltet hat; es scheint uns, als ob es vorläufig Zweck der rwsischen Diplomatie ist, die Armee von Sau Stefano auf anständige Art aus ihrer vorgeschobenen Position herauskomplimentiren zu lassen Es mag ihr unheimlich werden an den Küsten des Marmara- Meeres. Rückzug ist ein häßliches Wort, wenn keine Beschönigung dafür geboten wird. Etwa eine geographische Meile westlich von den Mauern Stambuls liegt am Marmara- Meere der Ort Makrikoi. Bon hier bis zu den Casernen Daud Pascha's, und weiter im Halbkreise um Consiantinopel herum bis Kiat-Chane steht die Armee Mehemed Ali Pascha's. Von Kiat-Chane (eine halbe Meile nördlich von Pera) bis Bujukdere und weiter bis zum Schwarzen Meere steht die Armee Fuad Pascha's, die Truppen in Consiantinopel und an der asiatischen Seite des Bosporus kommandirt Schefket Pascha.

Das reorganisirte Türkenheer, welches also den etwa 5 Meilen langen Landstrich von Makrikoi bis zum Schwarzen Meere deckt, zählt 100,000 Mann; der Ober- Feldherr Osman Pascha läßt die Berschanz- ungen täglich verstärken und hat bewiesen, daß er eine Position zu ver­theidigen versteht. Die Russen müßten also, um vorwärts zu kommen, mindestens eine dreifache Uebermacht haben. Wenn aber alsdann die britische Psuzerflotte die Vertheidigung unterstützt, wenn ein britisches Landungscorps, vom Golf von Saros aus vorgehend, die Russen in Flanke und Rücken bedroht, so dürfte die russische Armee eher an ihren eiligen Rückzug, als an einen Angriff zu denken haben. Der noch nicht im Abnehmen begriffene Aufstand der Muselmänner des Rhodope-Gebirges wird dann wohl erst recht in Flammen lodern; man berichtet bereits, daß auch bei Sofia und bei Nisch sich Jnsurgentenschaaren zeigen. Es könnte also den Russen nichts erwünschter kommen, als ein Borwand, sich hinter die Linien von Tschorlu oder noch weiter zurückzuziehen; ihre Diplomatie hat sie in die Lage gebracht, in diesem Rückzüge ihr Heil zu sehen. Die Türken können daher einen Preis für die völlige Räumung Schumla's fordern. Sie verkaufen damit dem abziehenden Feinde noch nicht die goldene Brücke; denn der Besitz von Barna ge­staltet ihnen, da sie die Seeverbindungen haben, die Rückzugs! n:e des Feindes jederzeit ernst zu bedrohen.

Das ist der klägliche Ausgang eines Feldzuges, der die Russen bis vor die Thore Stambuls führte. Die Kriegserklärung Englands zwingt Rußland vorausgesetzt, daß die Türkei, und daran ist nicht zu zweifeln, gleichfalls den Krieg erklärt ganz Rumelien zu räumen. Die Lage Rußlands kann noch kritischer werden, wenn Oesterreich, durch Aufstellung einer Armee in Siebenbürgen eine ernste Warnung eriheilt, die weitere Rückzugslinie zu schützen. Oesterreich hat bereits die bos­nischen Flüchtlinge ausgenommen, schwerlich wird es den Uebertrm der rumänischen Armee auf sein Gebiet gern seh-n. Es ist eine eigene Schicksalsfügung, daß Rußland schon jetzt auf die Hülfe Serbiens und Montenegro's wenig zählen kann: man gönnt diesen die Kriegsbeute nicht, welche Rußland seinem besten Bundesg nossen, Rumänien, ver­gällen wollte.

Die Verhältnisse auf dem Kriegstheater sind derart verfahren, daß Rußland bei Ausbruch eines neuen Kiieges schwerlich etwas Bes­seres thun könnte, als das ganze im Kriege occnp rte Gebiet bis auf den Winkel zu räumen, der durch die Linie Basardschik (Dobrudscha), Rasgrad, Rustschuk, Bukarest, Plojesti, Fokschani begrenzt wird. Dieses