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Es wird um Mittheilung des Aufenthaltsortes des Sebastian Zeller aus Mottgers, Amtsgerichtsbezirk Schwarzenfels, ergebenst ersucht.
Hanau am 11. Mai 1878.
Der Polizei-Anwalt Scholling.
Sagtest**.
B a t u m.
(A b. SLw. Merl )
Obwohl von den Vorschlägen, welche Graf Schuwaloff etwa in St. Petersburg überbringen wird, noch nicht das Mindeste verlautet, und alles Wertere erst von dem Erfolge seiner Sendung abhängt, erhält sich doch mit merkwürdiger Ausdauer die friedlichere Auffassung der Lage. Allerdings liegt schon in der bloßen Reise dieses Diplomaten unverkennbar ein die Friedenshoffnungen neubelebendes Moment. Als der russische Botschafter aus der Entsendung indischer Truppen nach Malta den vollen Ernst Englands, nun zur Aktion zu schreiten, ersah, richtete er eine Depesche unmittelbar an den Czaren, in welcher er sich die Gunst erbat, nach Petersburg kommen und Sr. Majestät mündlichen Bortrag über die Lage halten zu dürfen. Gortschakosi und Jgnatieff erklärten die Berufung Schuwaloffs als nicht dringend. Doch als Gortschakoff erkrankte und der Czar persönlich auf die Führung der äußeren Geschäfte Einfluß ausübte, zog er nochmals das Ersuchen des bei ihm in hoher Gunst stehenden Grafen Schuwaloff in Erwägung und gestattete ihn: die Reise nach Petersburg. Bei dem Abschiedsbesuch Schuwaloffs bei Salisbury soll der russische Botschafter die englischen Forderungen streng präzisirt erhalten haben Schuwaloff ist der'Ueber- bringer eines englischen Entweder-Oder, wenn man es auch noch kein Ultimatum nennen will. Der Schwerpunkt der Entscheidung liegt also in diesem Augenblick in St. Petersburg und man darf unter diesen Umständen um so eher die Hoffnung auf eine schließliche Verständigung aufrecht halten, als gerade in St. Petersburg das dringendste Interesse vorhanden ist, einen neuen unabsehbaren Krieg zu vermeiden. Das Hangen und Bangen seit dem Vertrag von San Stefano hat dem russischen Reiche ungeheure Opfer auferlegt, währenddem die Türken die beste Zeit hatten, ihre Armee wieder auf die Beine zu bringen und in solchen Zustand zu versetzen, daß sie für die Engländer im Fall des Krregs ern sehr werthvoller Bundesgenosse wäre. Die Russen haben seitdem in jeder Beziehung eingebüßt: ihre Heere sind durch Krankheiten gelichtet, ihre Finanzkräfte erschöpft worden, und durch die Art, wie sie mit den Völkerschaften der bisherigen Türkei umgesprungen sind, haben sie auch die Sympathien in der öffentlichen Meinung Europas sich entfremdet. Es ist vorauszusehen, daß Rußland zu erheblichen Zugeständnissen sich verstehen wird, um den Krieg mit Großbritanien, wenn er auch eines Tages unvermeidlich wird, wenigstens für jetzt abzuwenden. Ob es freilich solche Zugeständnisse bewilligen kann, welche England zufrieden stellen, das eben ist die Frage. Zwar eine billigere Abgrenzung Bulgariens kann, so sollte man denken, nicht auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen; selbst die Times erkennt an, daß die Bulgaren jedenfalls nicht wieder unter das osmanische Joch zurückgebracht werden können. Um so drohender aber erscheint ein anderer Punkt: der von Rußland beanspruchte Besitz von Batum am" Schwarzen Meer. Ruß land verlangt diesen wichtigen Besitz ebenso entschieden, als England ihn streitig wachte; eine von beiden Mächten wird also nachzugeben haben, und doch ist dies so unwahrscheinlich von der einen wie von der anderen Macht. Batum ift neben Kars der einzige reelle Gewinn, den Rußland aus seinen großartigen militärischen Erfolgen davontragen will; das scheint keine übertriebene Forderung, das ganze sragliche Annexionsgebiet ist kaum der Rede werth, wenn man sich erinnert, welche ungeheuere Ländermassen England noch kürzlich in Südafrika sich ein- verleibt hat. Aber freilich die Lage Batums ist von einer besonderen Bedeutung für die künftige Entwicklung der Handelsverhältnisfe im Osten. Es ist der einzige wirkliche Hafen am Schwarzen Meer zwisch n Sinope und Kertsch; es ist der natürliche Stapelplatz für den persischen Handel, sobald einmal eine gute Verbindung mit den Hinterländern hergestellt ist. In England sieht man voraus, daß die Russen sofort eine Eisenbahn bauen würden, welche den Handel aus dem persischen Golf nach dem Hafen von Batum überleitete. Daher die Empörung des britischen Kaufmannsgeistes, welche dem Lord Beaconsfield die Waffen in die Hand drückt. Batum scheint zum entscheidenden Punkt ausersehen zu fein, über welchem das unaufhaltsame Berhängniß der beiden Handelsreiche sich entladet.
— Ueber die Eröffnung der deutschen Kunsthalle in der Pariser Weltausstellung erhält das „Berliner Tageblatt" von unserem in Paris weilenden Chef-Redakteur Dr. Arthur Lewysohn ein ausführliches Telegramm, dem wir folgende Details entnehmen. „Der Saal selbst macht in seiner schlichten Pracht einen überraschend schönen und originellen Eindruck. Violettbraune Sammetstreifen wechseln mit dunkelrothen Ripstapeten als Hintergrund für die Gemälde ab, während schwarze
Ebenholz-Imitationen daS Ganze künstlerisch einrahmen und in der Höbe von einer goldbraunen Tapete sich malerisch abheben.
Direktor Herr v. Werner eröffnete die Feierlichkeit mit folgender Ansprache an die Versammelten, indem er seine Worte vornehmlich an den Botschafter Fürsten Hohenlohe richtete. Er sagte unter Anderem:
„Ich glaube der Freude darüber Ausdruck geben zu dürfen, daß gerade die Kunst berufen worden ist, das deutsche Reich hier auf der Ausstellung zu vertreten, wenngleich ich bedauern muß, daß es nicht möglich gewesen, die deutsche Kunstfertigkeit und die Interessen der deutschen Künstler in vollstem Umfange zur Geltung zu bringen und damit an dem friedlichen Wettkampfe der Nationen theilzunehmen."
Hierauf erwiderte Fürst Hohenlohe zuerst in deutscher Sprache, dann fuhr er, zum französischen Handelsminister Teisserenc gewendet, in französischer Sprache fort:
„Und nun, da Herr b. Werner die deutsche Kunstabtheilung unter den Schutz der deutschen Botschaft gestellt hat, ist es meine Pflicht, diese Verantwortlichkeit, die ich provisorisch übernommen, denen zu übertragen, welchen sie rechtmäßig gebührt. Gestatten Sie mir, Herr Minister, diese Gelegenheit zu ergreifen, um Ihnen Allen unser Dankbarkeit auszudrücken für die sympathische Aufnahme, welche Sie den deutschen Künstlern haben angedeihen lassen. Wir können nicht dankbar genug sein für die Geduld, mit welcher Sie die zahlreichen Anforderungen berücksichtigt haben, die wir genöthigt waren, an Sie zu richten, und ich danke ganz besonders Herrn Berger für die entgegenkommende Weise, mit der er allen unseren Anfragen gerecht wurde. Wenn in der That unsere Einrichtung in so kurzer Frist vollendet werden konnte, so verdanken wir dies günstige Resultat nur Ihnen. Unsere Ausstellung, so bescheiden sie auch sein mag, wird Ihnen beweisen, daß, wenn das deutsche Reich nicht in hervorragender Weise an der Ausstellung Theil nahm, zu welcher Frankreich' die Völker des Erdballs eingeladen, dies sicherlich nicht aus feindseliger oder eifersüchtiger Gesinnung geschah, sondern einfach aus rein wirthschaft- lichen Beweggründen. Deutschland weiß, daran zweifeln Sie nicht, meine Herren, die große und hochherzige Idee zu würdigen, welche dieses Werk der Eintracht und des Fortschritts geboren hat, und es sieht darin eine neue Bürgschaft der guten Beziehungen, welche in so erfreulicher Weise zwischen den beiden Ländern hergestellt sind."
Der französische Minister, Herr Teisserenc, entgegnete einige freundliche Worte der Anerkennung für die Leistungen der deutschen Kunst und dankte dem Fürsten Höhenlohe für seine Bemühungen, welche der Theilnahme Deutschlands am Ausstellungswerk so erfolgreich Vorschub geleistet, und welche dazu beitragen, die Beziehungen beider Länder so erfreulich zu gestalten." (Deutsch. Mont.-Bl.)
— Der „R. u. St.-A." Nr. 112 enthält: Bekanntmachung, betreffend die Ausgabe von Schatzanweisungen im Betrage von 20,000,000 Mk. Vom 11. Mai 1878.
— B erlin, 13. Mai. Reichstag. (Fortsetzung.) Die heutige (47.) Sitzung eröffnete der Präsident von Forckenbeck mit folgender Ansprache:
Meine Herren! Sofort nach der bestätigten Nachricht von dem entsetzlichen Attentat auf Se. Majestät den Kaiser hat das Präsidium des Reichstages eine Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser nachgesucht. Se. Majestät haben Allergnädigst geruht, mir gestern Nachmittag diese Au- dienz huldvoll zu gewähren. Namens des Reichstages habe ich Derselben auszusprechen mir erlaubt, daß die am Schluß der vorgestrigen Sitzung des Reichstages erst in unbestimmten Gerüchten verlautende Nachricht von der ruchlosen That alle Gemüther im Reichstage auf das Tiefste erschüttert habe, um so tiefer, um so schmerzlicher, um so furchtbarer, als wir, die Vertreter des deutschen Volkes, wissen, mit welchem tiefen Dankgefühl, mit welcher innigen Liebe und Verehrung das deutsche Volk Sr. Majestät, seinem Kaiser ergeben ist; daß gleichzeitig aber unser aller Herzen von dem innigsten Dankgefühl gegen den allmächtigen Gott, der Se. Majestät wieder so sichtbar beschützt hat, erfüllt waren. Ich habe sodann Sr. Majestät Namens des Reichstages im Einklänge mit dem ganzen deutschen Volke die ehrfurchtsvollsten und herzlichsten Glückwünsche zu der glücklichen Errettung aus Lebensgefahr ausgesprochen. Se. Majestät haben diese Worte huldvollst entgegenzunehmen geruht und mich ausdrücklich beauftragt, dem Reichstage Seinen herzlichsten Dank für diese Kundgebung der Theilnahme auszusprechen. Ue- berzeugt, meine Herren, daß ich im vollen Einklänge mit dem Reichstage in dessen Vertretung gehandelt habe, ersuche ich Sie zum Zeichen dessen, sich von den Plätzen zu erheben und mit mir einzustimmen in den Ruf der Treue und Ehrerbietung: Se. Majestät der Deutsche Kaiser, König Wilhelm von Preußen, Er lebe hoch!
Die Versammlung und das Publikum auf den Tribünen erhob sich und stimmte mit Begeisterung in den Ruf ein.
Der Präsident fuhr fort:
Nach dem Beschlusse des Reichstages sollte ich heute in Kiel anwesend sein. Unter den obwaltenden Umständen habe ich meinen Stellvertreter, den Herrn Vice-Präsiventen Frhrn. von Stauffenberg, ersucht.