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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage^ sind Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Dienstag den 7. Mai
1878.
Amtliches.
Lau-Wirthschastlicher Kreisverein Hanau.
Nächste Sitzung Samstag den 11 Mai, Nachmittags 2*/, Uhr, im „goldenen Löwen" zu Hanau.
Tagesordnung:
1) Beschaffung von guten Pflänzlingen zur Obstbaumzucht.
2) Vieh- und Fruchtmarkt zu Hanau.
3) Hagelversicherung.
4) Hufbeschlag.
5) Das Halten von Feldtauben.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, Vorstehendes bekannt machen zu lassen.
Hanau am 7. Mai 1878.
Der Landrath.
TKffesschan.
Die Tabaks st euer frage.
(Schluß.)
Aber noch eine andere verhängnißvolle Seite der Fabriksteuer ist in Betracht zu ziehen, wie aus dem Nachfolgenden erhellt:
Die Manipulationen mit dem Tabak Zwecks der Cigarrenfabri- kation sind so mannigfaltig, daß für einen rationellen Fabriksbetrieb freie Bewegung und freie Hantirung unerläßliche Bedingung ist. In der Natur des Tabaks und der Eigenart der Cigarrenfabrikation ist es daher begründet, daß keiner der mit inländischer Steuer belegten sonstigen Artikel und Producte in der Schwierigkeit der Controlle mit derjenigen verglichen werden kann, welche für die Sicherung der Fabrikatsteuer für den Tabak erforderlich wäre, da die verschiedenen Gattungen der Roh- tabake bald in trockenem, bald in nassem und feuchtem Zustande — also in variirendem Gewichte — verschiedene Stadien von Hand zu Hand zu durchlaufen haben. Die Folge davon wäre, daß dem Fabrikanten in seinen Einrichtungen und Organisationen, und den Fabriken in ihrem Verkehr mit der Außenwelt Beschränkungen auferlegt und solche vexa- torische Beaufsichtigungen eingeführt werden müßten, wie sie peinlicher nicht gedacht werden können, und selbst zu den Zeiten, als noch zahllose Zollschranken jeglichen freien Verkehr hemmten, schlimmer nicht existirt haben. Niemals hat Preußens schöpferische Initiative großartigere Erfolge erzielt und um die Entfaltung der Industrie und die Entwickelung gesunden volkswirthschaftlichen Gedeihens größere Verdienste erworben, als durch die mit Gründung des Zollvereins bewerkstelligte allmälige Beseitigung jener Zollschranken im gemeinsamen Vaterlande und nun, wo wir mit Befriedigung auf die wohlthätigen gedeihlichen Folgen dieses erstrebten freien Verkehrs zurückblicken, sollten wir Umkehr halten und Zustände hervorrufen wollen, welche aus jeder einzelnen Tabaksfabrik eine Zoll-Enclave, einen Zollstaat im Kleinen schaffen würden?! — Daß diese Schranken sich lediglich gegen den Tabak und die hierauf bezügliche Defraudation richten, macht die damit verbundene Beaufsichtigung darum nicht weniger belästigend und hemmend für den freien Verkehr, und das sich entwickelnde, gegen die Tabaks-Defraudation gerichtete Späher- und Denunciantenwefen wird, weil es den Tabak allein betrifft, darum nicht von minder schädlichem Einfluß sein. Hier gibt es nur Eine Alternative: entweder die Controlle und Beaufsich- rigung wird strenge und zuverlässig geübt und dann führt sie zu geradezu unerträglichen Zuständen, in welchen Fabrikanten, Händler und Detaillisten von der Willkür oder dem Wohlwollen der einzelnen Beamten abhängig sind, oder man geht mit einer gewissen schonenden Nachsicht zu Werke und dann ist der Defraudation Thür und Thor geöffnet, durch welche der gewissenhafte Geschäftsmann in nachtheilige Coucurrenz mit denjenigen gebracht wird, die weniger fcrupulös in ihren Grundsätzen sind oder je nach der örtlich mehr oder weniger scharfen Aufsicht mit der Umgehung der Steuer freiere Hand haben. —
Die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit einer sicheren Ausführung der
Fabrikatsteuer nach Amerikanischem System erweist sich denn auch am besten durch den Umstand, daß in Amerika trotz der drakonischsten und colossalsten Strafbestimmungen, deren bekannte Einzelnheiten zu schildern wir wohl hier unterlassen dürfen, nach sachkundiger Berechnung 3/s des Consums auf dem Wege der Defraudation dennoch der Versteuerung entzogen wird, sowie denn überhaupt das System Amerika's, dessen ganze Zoll- und Steuer-Einrichtungen im Wesentlichsten auf der Selbstversteuerung und Selbstdcclaration, verbunden mit einer fast geschäftsmäßig behandelten Eidesbekräftigung, basirt sind, am allerwenigsten mit unsern Gebräuchen und mit dem Wesen eines Zollstaats in Einklang zu bringen sein dürfte, welcher, wie der unsere, in seiner musterhaften Genauigkeit und Gründlichkeit den Verbleib und den Nachweis der kleinsten Quantitäten und Beträge zu ergründen und sestzustelleu gewohnt ist und es bedarf wohl nicht des Hinweises auf die bekannten Amerikanischen Verwaltungsverhältnisse, um „Amerikanisches System" schon in seinem Fundament für unsere Verhältnisse als ungeeignet erscheinen zu lassen. —
Wir maßen uns nicht an, für eine etwaige mit den Reichsbedürfnissen in Einklang zu bringende Steuerreform die richtige Lösung zu finden oder vorschlagen zu wollen, aber Einen Steuer-Modus glauben wir vor allen anderen abwehren zu müssen: den Modus der unter allen Umständen zu verpönenden Fabrikat st euer. Welche Art von Belastungen und Schädigungen auch über die Tabaks- und Cigarrenfabrikation verhängt werden sollte, keine würde in der Cigarren-Jndustrie so schädigend nnd belästigend empfunden werden, als das peinliche und verderblich wirkende System der Fabrikatsteuer, gleichviel ob sie hoch oder nieder in ihrem Betrag sein würde! —
Die Erörterung ßer ebenfalls ventilirten Frage des Tabaksmonopols glauben wir hier unterlassen zu dürfen, da die Gefahr einer solchen unwirthschaftlichen Institution wohl als beseitigt angesehen werden darf und die Frage der Einführung schon an den Pekuniären Hindernissen der Expropriation und Ablösung zum Scheitern kommen würde, und so schließen wir denn mit der gehorsamen Bitte, hoher Reichstag wolle
1) bei allen bezüglich des Tabaks in Betracht kommenden Steuerreformen den Modus der Fab r ik atst en er grundsätzlich ausschließen ;
2) das demnächst zur Berathung kommende Enquete-Gesetz bezüglich der Tabakssteuer ablehnen und die mit demselben bezweckten Endziele — Monopol oder Fabrikatsteuer — schon in ihrem Ausgangspunkte beseitigen.
Hanau, den 1. Mai 1878.“
Die Republik und die Ausstellung.
(Ä- b. Schw Merl)
Paris, 3. Mai. Gambetta hat gestern gesagt, daß die Erfolge, welche am 1. Mai mit der feierlichen Eröffnung der Weltausstellung begonnen haben, entscheidend für die Geschichte der Republik sein werden. In der That war die Geschichte der französischen Republik bisher keine heitere; seit ihrer Gründung haben sich die Monarchisten aller Färbun- gep gegen den gemeinsamen Feind verbündet und, die ganze aus dem Kaiserreiche ihnen überlieferte bonapartisti;che Verwaltung in der Hand, konnten die Gegner der gesetzlichen Ordnung der Dinge oft mit Recht hoffen, ihre Umsturzplane zu verwirklichen. Daher das beständige Schwanken in den inneren Zuständen, das seit 1870 zweimal seinen Höhepunkt erreicht hat, in dem Sturze Thiers' und in dem Handstreich vom 16. Mai, und so kräftig war, daß sogar die meisten der republikanischen Führer fürchteten, das neue Regime werde diese Stöße nicht überleben. Dies war um so wahrscheinlicher, als die Republik nicht, wie das Kaiserreich, eine Epoche der Wohlfahrt aufzuweisen hatte und deßhalb von dem Gros der nichtpolitischen Bevölkerung, insbesondere von den Bauern, deren Produkte unter dem Kaiserreich bedeutend in die Höhe gegangen sind, mit Mißtrauen angesehen wurde. Die Monarchisten schürten dasselbe unermüdlich in ihren Blättern, und die republikanischen Organe mögen noch so sehr die Ursache der Wohlfahrtsjahre des Kaiserreichs als ganz unabhängig von der Regierungskunst des letztem schildern, sich in wissenschaftlichen Erklärungen über die Ursachen der allge-