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Jährlich 9 Mari. Hälbj. 4 M. 50 P. vierteljährlich

* War! 25 Ps» für auswärtige atonuenten

Mit dem Betreffen« »W Postausschlag. Me einzelne Num­mer 10 Psg.

Hamuer Inniger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstag- mit der Berliner Provinzial-Correspondenj.

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Bereit B«m» 10 Big.

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20 Psg.

Lte SspalligcLcU, 80 Psg

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Samstag den 4. Mai.

1878,

Amtliches.

Peter Krämer zu Großkrotzenburg hat um Gestaltung zur An­lage einer Schlächterei in seiner an der s. g. Haagstraße gelegenen Hofraithe Karte N. Nr. 56 — Brandversicherung Nr. 57 — nachge­sucht.

Unter Bezugnahme auf §. 16 der Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 wird dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Pläne und Beschreibungen 14 Tage lang dahier offen liegen, während welcher Zeit etwaige Einwendungen bei Meldung der Ausschließung vorzubringen sind.

Hanau am 30. April 1878.

Der Landrath.

Tagesscks«.

Ueber die Reform der kaufmännischen Zahlungsweise, Veson- ders durch das Trattensystem.

(Aus den Mittheilungen des Handels-Bereins Ulm Nr. 15, vom 29. November 1877.)

Wenn wir die Credit- und Zahlungsverhältnisse der größeren Handelsvölker vergleichen, besonders die der Franzosen, Engländer und Deutschen, so drängt sich uns sofort die Wahrnehmung auf, daß Deutsch­land seine diesbezüglichen Einrichtungen am allerwenigsten entwickelt hat. Die Ursachen hiervon sind im Wesentlichen auf die politische Gestaltung zurückzuführen, welche bis in die letzten Jahre hinein eine einheitliche gesunde Währung, sowie ein planmäßig organisirtes Bankwesen nicht aufkommen ließ. Besonders Süddeutschland entbehrte das letztere voll­ständig und der bei uns vorwiegende Umlauf ausländischer Münzsorten stellte in den meisten Fällen der Bezahlung größerer Wechselsummen an kleineren und mittleren Plätzen fast unüberwindliche Hindernisse ent­gegen. So ergab sich aus der Erschwerung des Wechselverkehrs noch ferner eine Unbeliebtheit, ja sogar Discreditirung desselben. An die Stelle der unmöglichen Mobilisirung der Buchforderungen mußte ein ersetzendes Creditmittel treten, und dieser Ersatz bildete sich in Süd­deutschland mehr und mehr aus in Gestalt des von Bankfirmen ge­währten sogenannten Blanco- resp. Accept-Credites. Wer nun unter den oben erwähnten erschwerenden Verhältnissen doch auf sich trassiren ließ, kam leicht in den Verdacht, keinen Bank-Credit zu genießen. Aus allen diesen Ursachen entstand besonders bei den besseren Geschäftssinnen, das zwar jetzt seltener gewordene, aber vielfach immer noch nicht auf­gegebene, sogenannte „Prinzip", nicht auf sich ziehen zu lassen, in gut deutsch übersetzt: das „Prinzip", ein genau fixirtes Ziel nicht anzuer- kennen und nach Willkühr zu bezahlen. Wie sollte aber eine Zahlungs­form durch die kleineren Handelsbeziehungen durchgreifen, welche in den größeren so vollständig verworfen wurde?!

Auch die Art der Zahlungsweise hängt vielfach von Gewohnheit und Ueberlieferung ab. Es gehört eine gewisse Energie, oder starker äußerer Zwang dazu, große Veränderungen hier durchzuführen. Der Deutsche Handel entbehrte bis jetzt mehr oder weniger dieser beiden Impulse. So bildet bei uns im Gegensatze zu andern großen Handels­völkern der meist nur formell begrenzte, factisch aber dehnbare Buch- Credit (oder vielmehr Pump) die Regel, während die coulante gewissen­haft pünktliche Erfüllung kaufmännischer Verbindlichkeiten als seltene Ausnahme heute noch besonderes Lob erntet. Hiermit ist ein unendlich trauriges, aber im Allgemeinen wahres Urtheil über die moralische und technische Durchschnittsbildung des deutschen Handelsstandes ausgesprochen. Hierin liegt auch einer der hauptsächlichsten Gründe, warum die deutsche Industrie selbst unter sonst gleich günstigen Bedingungen dem Auslande unebenbürtig gegenübersteht. — Ferner hat die aus der laxen Zahlungs­weise entstehende Unterschätzung des Begriffes „Waarencredit" die Ver­hältnisse vielfach total verschoben, indem sie zu ungesunder Ausdehnung der Geschäfte auf Grundlage dieses elastischen Borgsystems geführt hat, welche sich dann in Zeiten einer Krisis, wie die jetzige, in empfindlichster Werse fühlbar macht und den Ruin selbst vieler lebensfähiger Geschäfte herbeiführt.

Soll der deutsche Handel auf eine dauernd lebens- und concur- renzfähige Stufe gelangen, so müssen vor Allem die Creditverhältnisse

eine durchgreifende Veränderung'erfahren. Der Begriff Credit muß in seinem inneren Wesen aufgefaßt werden, das unabweisbar auf die aller- strengste Erfüllung der durch ihn geschaffenen Verbindlichkeiten hinweist. Die Zahlungsfristen müssen genau ausgesprochen und pünktlich einge­halten werden. Wer diesem Gebote nicht nachkommt, darf den Namen des Kaufmanns nicht verdienen. Tann wird auch von selbst der Begriff Credit, sowohl nach Höhe als nach Zeit, als etwas streng Begrenztes aufgefaßt werden; Niemand wird selbst mehr Credit gewähren, als seine Mittel und sein eigener, genau zu prüfender, Credit es erlauben; kein Kaufmann wird in Geschäfte oder Käufe sich einlasseu, deren pünktlichster Abwickelung er nicht im vornherein sicher ist.

Je mehr der Handelsstand von diesen Grundsätzen sich durchdrin­gen läßt, desto mehr wird er vor Allem sowohl activ als passiv auf pünktliche Einhaltung der Zahlungsfristen bedacht sein! Als das natür­lichste Mittel aber, diese Zahlungsfristen in eine feste jeder Zeit ver­werthbare Form zu bringen, stellt sich der Wechsel dar. Die Wechsel- verbindlichkeit hat Schrecken nur für denjenigen, der sie leichtsinnig ein- geht: Wer von dem Wunsche erfüllt ist, auf den Tag Zahlung zu leisten, der wird kaum Ausland nehmen dürfen, den moralischen Wechsel, wel­chen er durch Verpfändung seines kaufmännischen Wortes ausstellt, in ein wirkliches Accept zu verwandeln!

Betrachten wir den allmähligen Uebergang zu diesem System nach beiden Seiten hin, so gewährt dasselbe als hauptsächliche Vortheile dem Gläubiger:

1) Die leichte Mobilisirung seiner Buchforderungen. Die verkaufte Waare setzt sich sofort wieder in verfügbares Capital um, und zwar in der möglichst einfachen und wohlfeilen Weise, indem

2) die kostspieligen und für Credilnehmer wie Creditgeber gefährlichen, unkontrolirbarcn Blanco- und Accept-Credite dadurch entbehrlich gemacht werden. Durch die Accepte solider Kunden ist der Kauf­mann im Besitze eines Creditmittels, das nicht von Zufälligkeiten so sehr abhängt und auch in schwierigen Zeiten ihm nicht versagt.

Die Verwandlung der Buchforderungen in die Wechselform gestattet somit eine

3) viel ruhigere, klarere und uuabhängigere Disposition über die Mittel, die gewährt

4) die Möglichkeit, genauer zu calculiren und somit unter Ausschluß eines unvorhergesehenen Zinsenverlustes billiger zu verkaufen, concurrenzfähiger aufzutreten,

5) vermindert sie durch raschere Abwicklung sowohl als durch schnel­lere Wirkung der Justiz das Credit-Risico. Das protestiite Ac­cept ist ein lautes, selbstthätiges Warnungssignal, während die im Buche todt ruhende Schuld eine immerwährende dirccte Controle erheischt. Und endlich

6) schließt das Accept die in Deutschland so sehr eingebürgerte Sitte nachträglicher Chicanen und Abzüge vollständig aus.

Gewiß Vortheile, wichtig genug, um jeden einsichtigen Kaufmann ernsthaft ans Werk dieser Reform zu treiben!

Aber auch für den Schuldner, welcher seine Verbindlichkeiten auf dem Wege des Accepts erfüllt, sind die Vortheile nicht minder groß.

Er gewinnt dadurch und kaun beanspruchen:

1) den möglichst billigen uud vortheilhaften Einkauf, welcher ihm vom Verkäufer je lieber gewährt werden wird, je früher er sich entschließt, auf diese Art der Zahlung überzugehen.

2) Die Möglichkeit, ohne kostspielige Geldversendung und langwierige Abrechnung seine Verbindlichkeiten im eigenen Comptoir oder in dem der Bankfirma, bei welcher er domizilirt, abznwickeln, und endlich hat er

3) darin seinerseits wieder einen vortrefflichen Regulator, welcher ihn sofort mahnt, wenn er in Verkennung der Ausdehnung des Ge­schäfts und der Mittel seinen Umsatz und seine Einkäufe zu sehr ausdehnt.

Möglich, ja sogar wahrscheinlich ist es, daß durch diese Erkennt­niß bei einer Einführung des Trattensystems die Einzel- und die Ge- sammtumsätze im Anfang abnehmen würden, allein dies wäre durchaus