Einzelbild herunterladen
 

»bosnemeut!- Preis:

Jährlich 9 Mark. Halbj. 4 M. 50 P.

Vierteljährlich , Mark 25 Pf». (für auswärtige Abonnenten mit dem betreffen­den Poftaufjchlag. Die einzelne Num­mer 10 Pfg.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hauau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

.w

Freitag den 26 April

Jnserti»»»- Preist !

Die tipaMge »armondzeile * deren Raum

10 Pl»

Die «fpalt. 3*i»

20 Pf»

Die SipaltigeSeilC

SO Pi,

1878

Amtlicher-

Die Vorstellung der Militairpflichtigen der Stadt Windecken und der Landgemeinden findet in diesem Jahre nicht wie früher nach der Reihenfolge der Gemeinden, sondern jahrgangsweise statt. Es ist des­halb erforderlich, daß die Militairpflichtigen schon Morgens 8V2 Uhr zur Stelle sind. Die Herrn Ortsvorstände wollen hierfür Sorge tragen. Hanau am 23. April 1878.

Der Landrath.

Wochenschau.

R. F. Festliche Zeiten sind schlecht dazu angethan, politische ; Fragen zu entwickeln und die hinter uns liegende Osterwoche hat daher auch eine Magerkeit sonder Gleichen an politischen Begebenheiten im Gefolge gehat. Das Einzige, was sich in Deutschland und mehr noch in den meisten anderen Staaten des Erdtheils entwickelt hat, ist die Besorgniß, daß ein englisch-russischer Krieg unvermeidlich auSbrechen werde. Auch in den leitenden Kreisen Deutschlands wird anscheinend diese Besorgniß getheilt, denn der Kaiser Wilhelm hat seine Reise nach Wiesbaden, die er bereits Ende dieses Monats antreten wollte, wegen der difficilen politischen Verhältnisse aufgegeben und wird der Kaiser höchst wahrscheinlich noch einen vollen Monat in Berlin verweilen.

Der Streit über die angeblichen Steuerprojekte des Fürsten Bis- marck beschäftigt noch immer die Presse fast aller Parteien und der Reichskanzler hat, wenn ihn die auswärtige Politik nicht auch in seinen Musestunden beschäftigt, in Friedrichsruhe, wo er bis zum Beginn der Reichstagssitzung weilen will, Zeit zum ruhigen Lesen und Nachdenken über die fraglichen Zeitungsartikel. Der Reichskanzler mag oft nicht viel auf Zeitungsschreiberei geben, da er die Weltgeschichte selbst zu machen gewohnt ist, bezüglich der Finanzreform sollte der Fürst Bis- marck aber doch die Stimmen der Presse ein wenig mehr beachten, um daraus zu ersehen, daß für seine Steuer- und Zollpläne, zumal bezüg­lich deH-Tabaksmonopols, keine Neigung bei der Mehrheit des deutschen Volkes vorhanden ist.

Die Gerüchte von der bevorstehenden Errichtung einer General- direktion für die preußischen Slaatsbahnen sind bereits durch Organe, welche dem Handelsministerium nahe stehen, widerrufen worden. Wir erfahren, daß auch alle weiteren Mittheilungen über neue Organisatio­nen in dem gedachten Ressort hinfällig sind. Richtig ist, daß der Han­delsminister eifrig bemüht ist, das Eisenbahngesetz zum Abschluß zu bringen, welches indeß schon unter seinem Vorgänger ziemlich weit ge­fördert war. Immerhin handelt es sich noch um Differenzenpunkte zwischen den Regierungen einzelner Bundesstaaten, und keinesfalls ist anzunehmen, daß das Gesetz vor der nächsten Session für die parla­mentarischen Stadien reif sein wird.

Zu der bereits gemeldeten Verlobung der Prinzessin Marie von Preußen mit dem Prinzen Heinrich der Niederlande erfährt man noch, daß auf besonderen Wunsch des fürstlichen Bräutigams die Hochzeit bereits im Monat Juni stattfinden wird. Erfreulich für baS preußische Fürstenhaus und für Deutschland ist es, daß in Holland die Verlobung des Prinzen Heinrich mit der preußischen Prinzessin Marie überall den besten Eindruck gemacht hat. Die holländische Bevölkerung ist bemüht, ; dem Prinzen Heinrich durch allgemeine Beisteuer ein Hochzeitsgeschenk zu machen, woraus hervorgeht, daß der Prinz Heinrich zu den p;pu= lärsten Mitgliedern des niederländischen Herrscherhauses gehört. Sicher­lich wird diese Heirath das Ihrige dazu beitragen, daß zwischen Deutsch land und den Niederlanden herzlichere Beziehungen in Zukunft herrschen, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Da der jüngste Sohn ‘ des Königs, Prinz Alexander, in Folge eines Gehnnieidens schwerlich als regierungsfähig betrachtet werden kann, so gilt Prinz Heinrich als der Nachfolger des Königs und seine künftige Gemahlin daher als einstige Königin der Niederlande.

Die Rolle, welche Oesterreich in letzter Zeit zu spielen angefangen erinnert lebhaft an diejenige eines politischen Karnickels und zwar ^Oesterreich ein zwiefaches Karnickel, das Karnickel der Ungarn und £as Karnickel der Russen. Die Ungarn sind bereits stolz darauf ge­

worden, daß durch ihr Veto die innere Politik im österreichischen Kai­serstaate lahm gelegt werden kann und so taumelt Oesterreich in seiner Finanzpolitik von einem Projekte zum andern, ohne j-mals zu einem erklecklichen Resultate zu gelangen. In seiner Politik nach Außen ver­steht es Oesterreich Rußland gegenüber auch nicht, irgendwie seinen Vortheil im Orient energisch zu wahren. Die österreichische Regierung sammt ihrem „officiösen Anhänge" hat nur das Bedürfniß, dann und wann den Mund einmal recht weit auszuthun, um dann wieder zu schweigen. Neuerdings wird zwar wieder aus Wien gemeldet, daß Oesterreich zwar keinen Gebietszuwachs, aber eine Erweiterung seiner Machtsphäre im Orient beanspruche. Doch was ist das wieder für un­gewaschen Zeug? Wie kann Oesterreich auf die halbcivilisirten Staaten der Balkanhalbinsel Einfluß ausüben, wenn es dieselben nicht an einem starken Zaume hält? Die Halbheiten scheinen gänzlich zur zweiten Natur der österreichischen Politik geworden zu sein.

In der Orientfrage erwarten die betheiligten Mächte, daß es der deutschen Regierung gelingen werde, den arg verschlungenen Knoten der Orientwirren zu lösen. Die Rolle des Vermittlers wird dabei Deutsch­land respektive dem Fürsten Bismarck fast aufgedrängt und können wir konstatiren, daß der Reichskanzler dem Verträum, welches man ihm in dieser Hinsicht entgegenbringt, auch bereits gerecht geworden ist. Seine Idee, eine Vorkonferenz einzuberusen, scheint bei den streitenden Mächten Rußland und England Anklang gefunden zu haben, verschiedene Anzei­chen lassen dies glaublich erscheinen. Besonders hervorzuheben ist auch der Vorschlag Bismarck's, daß die russischen Truppen wie die englische Flotte sich gleichzeitig in entsprechende Entfernung von Konstautinopel zurückziehen sollen. Es würde durch eine solche Maßregel, welche neuerdings wieder geplant wird, die Gefahr, daß die jetzt Auge in Auge einander gegenüberstehenden Gegner handgemein werden sonnten, bedeu­tend herabgemindert werden. Verhandlungen über einen derartigen Rückzug von Konstantinopel finden zwischen den beiden Mächten noch statt.

Die Türkei setzt inzwischen ihre Rüstungen fort. Trotz der Vor­stellungen der russischen Regierung arbeiten die türkischen Truppen eif­rig an den Befestigungen von Konstantinopel und Bujukdere, auch die Räumung der Städte Batum, Varna und Schumla seitens der Türken wird lässig und wie es scheint mit absichtlichem Zögern betrieben. Allem Anschein nach will die türkische Regierung sich für alle Even­tualitäten einigermaßen sichern

Ein Gleiches thut auch England, ungeachtet der Unterhandlung, die es mit seinem Gegner über die Vorschläge des deutschen Reichs­kanzlers angeknüpft hat. Die „Times" meldet aus Kalkutta, es sei der Befehl ergangen, die sämmtlichen Regimenter von Eingebornen auf volle Kriegsstärke zu bringen, auch seien die Vorbereitungen zum Transport der indischen Truppen nach Malta im Gange und würde die erste Bri­gade des Expeditionskorps am 29. April dahin eingeschiff! werden. So bedrohlich diese Nachrichten auch Hingen, so werden die Maßregeln Englands wohl mehr als Demonstration, denn als wirkliche Drohungen aufzufassen sein, da man nicht gut glauben kann, daß die englische Re­gierung durch ein derartiges politisches Doppelspiel die Bemühungen Deutschlands um Erhaltung des Friedens ignoriren sollte.

Auf die inneren Verhältnisse Rußlands hat der kürzlich erledigte Prozeß Trepow-Saffulitsch ein grelles Streiflicht geworfen, welches die Gegensätze in den Anschauungen der Regierung zu d-njenigen des russi­schen Volkes deutlich erkennen läßt. Während das Volk mit der frei- geiprochenen Sassulitsch sympathisirt, genießt General Trepow noch die ungeminderte Gnade seines Kaisers und besuchen ihn sämmtliche Groß­fürsten mit Ausnahme des Thronfolgers. Bezeichnend für d'e russischen Zustände ist der an die Polizeimannschaften ergangene Befehl, den ge- ringiten Versuch zur Unruhe sofort mir der blanken Waste zu unter­drücken, sowie ein Brief der Sassulitsch, in welchem sie erklärt, sie müsse sich verborg n halt-n, da die Regierung sie sonst maßregeln würde.

Im Vatikan dürfte, wie sich aus verschieden n Anzeichen schließen läßt, die bisherige Gefangenschaftskomödie ein baldiges unerwarrete« Ende nehmen. Man versichert entschieden, daß der Papst auf den Rath