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H Mauer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Mittwoch den 24- April.
1878.
Amtliches.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Hundemaulkorb. Eine Manschette mit weißem Knopf. Ein schwarz-brauner rechter Glacehandschuh, daran ein weißes Knöpfchen mit den Buchstaben L. K. Ein Paar graue Glacehandschuhe. Ein Paar Dumenhandschuhe mit grünen Knöpfen. Ein weißes Taschentuch. Eine schwarze Frauenjacke. Ein Paar schwarz und roth geringelte Handstauchen.
Hanau am 24. April 1878.
Königliches Landrathsamt.
Taresschau.
— Berlin, 23. April. (Köln. Ztg.) Englands kundgegebene grundsätzliche Geneigtheit, zu einer Einschränkung der militärischen Stellungen im Orient die Hand zu bieten, wird dadurch erklärt, daß man nicht sagen lassen wollte, England habe die Anbahnung eines friedlichen Zustandes verhindert. Aber England mußte natürlich Bürgschaften verlangen, damit sein Zugeständniß nicht einseitig von Rußland verwerthet werde. Die heutigen Telegramme au« London und Petersburg bestätigen in jedem Punkt unsere gestrigen Meldungen, die mit Bezug arischen nahen Zusammentritt des Congresses und was damit zusammen - hängt keineswegs hoffnungsvoll gewesen waren. Die Lage ist auch heute in diesem Sinne unverändert.
— Der Gedanke, den jedesmaligen deutschen Kronprinzen zum Statthalter von Elsaß-Lothringen zu machen, scheint (so schreibt die Rat. Lib. Korr.) in maßgebenden Kreisen in der That ernstlich in Erwägung gezogen zu sein. Offenbar steht indeß das Projekt noch viel zu sehr im weiten Felde, als daß man sich über seine Realisirbarkeit ein bestimmtes Urtheil bilden könnte. Welche Hoffnungen die elsässischen Autonomisten an den Plan knüpfen, ist kein Geheimniß. Sie erwarten, daß Elsaß-Lothr. auf diesem Wege die Stellung eines vollberechtigten Partikularstaates gleich den übrigen deutschen Bundesstaaten erlangen werde. Es ist nicht zu verkennen, daß das Problem, neben der Selbst- ständigkeit Elsaß-Lothringen doch einen starken Einfluß des Reichs auf das neu erworbene Grenzland sicher zu stellen, in der Uebertragung der Souveränität auf, den Kaiser bezw. den Erben der Kaiserkrone als Statthalter eine ziemlich plausible Lösung finden würde. Aber es ist doch sehr fraglich, ob die Zeit, das bisherige Reichsland ganz auf die eigenen Füße zu stellen, bereits als gekommen erachtet werden kann. Selbstverständlich erwarten die Elsaß-Lothringer ein konstitutionelles StaatSwesen. Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen würde es aber noch immer ein sehr gewagtes Experiment sein, wollte man die Regierung mit der elsaß-lothr. Landesgesetzgebung in letzter Instanz von der Zustimmung einer dortigen Volksvertretung abhängig machen, während ihr heute bekanntlich von einem verneinenden Votum des blos begutachteten Landesausschusses der Rekurs an den Reichstag zusteht. Eine andere Schwierigkeit bildet die Frage der Vertretung Elsaß-Lothringens im Bundesrathe. Die Forderung, in dieser Körperschaft vertreten zu sein, ist aus dem Reichslande schon wiederholt laut geworden, Niemand aber hat bisher zu sagen gewußt, wie die Kontroverse über das Er- nennungsrccht geschlichtet werden könne. Diese Schlichtung würde sich nun sreilich, wenn der Kaiser als Landesherr von Elsaß-Lothr. anerkannt wäre, von sebst ergeben; die Ernennung der betr. Bevollmächtigten zum Bundesrathe würde alsdann durch den Kaiser bezw. dessen Statthalter erfolgen. Da aber selbstverständlich die Instruktion der elsaß lothr. Bundesrathsmitglieder niemals im Widerspruch zu derjenigen der preußischen stehen würde, so würde diese Einrichtung thatsächlich auf eine Verstärkung der Position Preußens im Bundesrathe um 3 Stimmen (so viel würde man nach Analogie anderer ungefähr gleich großer Staaten annehmen müssen) hinauskommen Man braucht aber nur die ängstliche Sorge, mit welcher die Mittelstaaten jede Stärkung des preuß. Einflusses zu verhindern suchen, in Rechnung zu ziehen, um zu erkennen," daß sie ihre Zustimmung zu einer solchen Einrichtung nicht gerne geben würden. Und da es sich um eine Aenderung der Reichs- verf. handeln würde, so würden ihre 14 Stimmen genügen, den Plan scheitern zu machen. Angesichts dieser Schwierigkeiten werden die Elsaß-
Lothringer die Verwirklichung ihrer Hoffnungen wohl noch lange ver- tagen müssen.
— Die Reichslande (schreibt die Strßb. Z.) werden von Frankreich aus mit katholisch-sozialistischen Flugschriften geradezu überschwemmt. Kleine Brochüren von der Art der Bulletins des Oeuvres de Saint- Frangois d’Assise, de Saint-Francois de Sales, de la Sainte-Enfance, de Saint-Joseph, de FArchiconfrtrie du cordon seraphique werden zu Hunderten über das Land und selbstverständlich namentlich in Arbeiterkreisen verbreitet. Zahlreiche Annales, Messagers, Revues werden von den Leitern der kath. Arbeiterbewegung in Frankreich, an deren Spitze der bekannte Bischof und Kanonikus von St Tenis und päpstlicher Hausprälat Monseigneur de Segur, Präsident des Centralbureaus der Union des Oeuvres ouvrieres catholiques steht, nach Elsaß-Lothr. verschickt. Elsaß-Lothringen soll eben kirchlich in partibus von Frankreich aus fortregiert werden. So werden u. a. bei Aufführung der katho- lisch.sozialistischen Gesellschasts- oder BruderschaftSgenossen, bei Aufzählung der Beiträge, der Sammlungen u. s. w. die Birthümer Straßburg und Metz häufig unter der Bezeichnung: Alsace fransige, Lorraine fran^aise angegeben. Es darf als feststehend betrachtet werden, daß die Versuche, im Elsaß eine katholische Wochenschrift mit Kaplanen als Redakteuren, mit Rixheim als Druckort, mit Winterer als Geranien aufzuthun, darauf Hinausliesen, eine Verbindung der kath. Arbeiterbevölkerung hier zu Lande mit der sranzös. herbeizuführen. Wir glauben auch gut unterrichtet zu sein, wenn mir sagen, daß der Patron und die leitende Persönlichkeit der katholischen Arbeiterpropaganda in Frankreich in direkten Beziehungen zu oberelsässischen Abbe's stehen. (Wie bekannt, ist deßhalb die Herausgabe des projektirten Winterer'schen Blattes vom Oberpräsidenten untersagt worden.)
— Wird in einem Proceß dem Gegner ein Eid zugeschoben und der Eid von dessen mit gewöhnlicher Vollmacht versehenen Vertreter acceptirt, so steht dies, nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals, vom 19. März d. I, der eigenen Annahmeerklärung des Delaten gleich. Stirbt dieser vor der Eidesleistung, so ist mit dem Augenblicke seines Todes die gesetzliche Fiktion von der wirklich stattgehabten Eidesleistung eingetreten.
— S. M. S. „Gazelle" ist am 22. d. Bits., Vormittags, in Gibraltar eingetroffen und beabsichtigte am 24. d. M. die Reise weiter fortzusetzen. t
— München, 20. April. Bezüglich der Verwendung der, nach dem mit dem Reichstage vereinbarten Gesetze, betreffend die an den Verpflegungsgeldern für die Okkupationstruppen in Frankreich erzielten Ersparnisse, auf Bayern treffenden Quote, welche 613,500 Mk. betrügt, wird, wie die „Allg. Ztg." vernimmt, den Kammern während der bevorstehenden Landtagssession ein besonderer Gesetzentwurf vorgelegt werden.
— Worms, 18. April. In der am Lutherplatze gelegenen Besitzung des Herrn Rittmeister Heyl stießen die Arbeiter auf ein noch wohlerhaltenes Gewölbe, das die Jahreszahl 1626 trägt. (W. Z,)
— Coblenz, 19. April. Wie wir aus zuverlässiger Quelle vernehmen, ist vorgestern Nachmittag ein mit 4 bis 5000 Zentner Kohlen beladenes Schiff, welches nebst drei anderen Fahrzeugen im S^le^ tau eines Remorqueurs der Niederrheinischen Tanerei-Gesellschaft sich befand, bei der Bergfahrt in der Nähe von Leutesdorf gesunken. Der Unfall soll dadurch entstanden sein, daß ein schweres eisernes Kastenschrff, welches hinter dem versunkenen Schiffe anhing, beim Umdrehen wider letzteres anrannte Der Schaden ist ein bedeutender.
— Die Pulverfabrik von Martin & Comp. in Baden-ruch in die Luft geflogen. „ „, _ _ ... .
- In Unterstraß (Zürich) starb plötzlich Herr Svr-Okvrer. „Er nimmt mit sich den Ruhm ins Grab", schreibt die „Lymrnat , „der beste Friedensrichter der Welt gewe en zu fern. Kamm die Parteien, so stellte er ein Glas von seinem Guten auf und in einer haeben Stunde schon schlugen in der Regel die Gläser der Streitei.den irr. bester Harmonie zusammen an." ... , .
— Paris, 22. April. Heute hielten dieGeneralcomunssanen der