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M 94.

Dienstag den 23. April.

1878.

Amtliche».

Polizeiliche Vorschrift.

Unter Bezugnahme auf den §. 5, Absatz 3 der Verordnung über die Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Londestheilen vom 20. September 1867 wird nach Berathung mit der Stadtbehörde folgende polizeiliche Vorschrift erlassen:

Das Befahren der Wilhelmsbrücke über die Kinzig und die Stadtgrabenbrücke am Mühlthor mit jeglichem schweren Fuhrwerk wird unter Androhung einer Strafe bis zu 15 Mark oder ent­sprechender Haft untersagt.

Nur einfache Sandfuhrwerke sind ausgenommen.

Hanau am 17. April 1878.

Bewerber um die neu gegründete dritte Lehrerstelle in Dörnig- Heim, mit welcher neben freier Wohnung eventuell einer angemessenen Miethentschädigung und einer Geldentschädigung von 90 Mark für die freie Feuerung ein Einkommen von 840 Mark verbunden ist, werden zur Einreichung der Bi Werbungsgesuche mit den erforderlichen Zeug­nissen aufgefordert.

Hanau am 16. April 1878.

Für Maurer Heinrich Georg Friedrich zu Bockenheim ist um Entlassung aus dem "Preußischen Unterthanenverband, behufs Auswan­derung nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 16. April 1878.

Der Landrath.

T a ß e 8 f ch a

Berlin, 20. April. Nachdem der Reichstag beschlossen hatte, die auf Abänderung der Gewerbeordnung bezüglich der Wanderlager und Waarenauktionen gerichteten Petitionen dem Reichskanzler mit dem Er­suchen um Anstellung von Erörterungen darüber zu überweisen, ob und inwieweit den behaupteten Mißständen bei Revision der Gewerbeordnung oder sonstwie im Wege der Gesetzgebung zu begegnen sei, und nachdem der Bundesrath in seiner Sitzung vom 20. März 1876 diesem Be­schlusse beigetreten war, hat der Reichskanzler die Bundesregierungen um Anordnung der entsprechenden Erhebungen, sowie um Mittheilung des Ergebnisses und zugleich um gutachtliche Aeußerung über die etwa angezeigten gesetzgeberischen Schritte ersucht. Dieselben haben diesem Ersuchen entsprochen. Eine den Inhalt der Rückäußerungen zusammen­stellende Uebersicht hat der Reichskanzler jetzt dem Bundesrath zur wei­teren Beschlußfassung vorgelegt.

Wird Jemand durch Betrug zum Abschluß eines stempelpflich- tigen Vertrages verleitet, der alsbald wieder aufgehoben wird, so ist dieser Umstand, nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 28. März d. I., doch nicht geeignet, den Betrogenen von der verwirkten Stempelstrafe zu befreien, falls er die Stempelung der Vertragsurkunde unterlassen hatte.

Ueber eine in den ersten Tagen des vorigen Monats in Pa­nama stattgehabte große Feuersbrunst, bei welcher die Offiziere und Mannschaften der Korvette Elisabeth einen thätigen und wirksamen An­theil genommen haben, geht der Nordd. A Z. folgende Mittheilung zu: Das Feuer brach durch Explosion brennbarer Flüssigkeiten in einer Apotheke aus. Am Tage vorher waren die vom Typhus rekonvales- zenten Seekadetten, Graf Luckner, v. Pustan, Deubel und v. Schimmel­mann zur Erholung am Lande in einer Wohnung oberhalb dieser Apo­theke einquartirt. Der Brand verbreitete sich so schnell, daß die Flam­men bereits durch den Fußboden schlugen, ehe die Seekadetten die Treppe erreichen konnten und nur mit Noth und Dank dem energischen Ein­schreiten des Stabsarztes Dr. Essendorfer ihr Leben retten konnten. da­bei aber alle ihre Habseligkeiten einbüßten. Dem Seekadelten v. Schim­melmann gelang es noch dabei, ein Kind zu retten. Die Mannschaft der Elisabeth vertheidigte mit der Schiffsfeuerspritze, der einzigen, welche am Orte existirte, mit dem den Leuten eigenthümlichen Eifer und Aus- dauer eine Häuserreihe nach der andern, bis es gegen Abend gelang,

dem weiteren Fortgang Einhalt zu thun. Man hatte das seltene Schauspiel, daß 8 brennende Straßen ausschließlich von Matrosen der Elisabeth, unter Führung des Korvettenkapitäns Stubenrauch bewacht wurden, während weit und breit sich weder Beamte noch Offiziere oder Soldaten der Republik sehen ließen Nur dieser erfolgreichen Hülfe hat Panama die Erhaltung eines großen Theiles seiner Straßen und Häuser zu verdanken.

Wien, 18. April. DieWiener Abendpost" schreibt: Sollte es, wie nach zahlreichen Andeutungen wieder angenommen wird, zu ei­ner Vorkonferenz kommen, so wird man wohl annehmen dürfen, daß damit nur eine einleitende Berathung im Sinne des ursprünglichen Ber­liner Vorschlages zum Zwecke der Feststellung formeller Vorfragen des Kongresses, der Prüsidialfrage rc., beabsichtigt werde.

Wien, 20. April. In osficiösin Kreisen hat sich die Hoffnung auf einen Eongreß schon erheblich verringert. Ueber Andrassy's letzte Mittheilung an das englische Cabinet wird bedeutsam geschwiegen. Be- merkenswerth ist, daß heute das Fremdenblatt wiederum erklärt, Eng­land stehe erhaben über jeden Verdacht, als handle es aus Hartnäckig­keit, kleinlichem Formwesen oder Eifersucht auf den Ruhm der russischen Waffen. Man ist offenbar bestrebt, die unleugbar vorhandene Ver­stimmung Englands wieder zu beseitigen oder doch zu verheimlichen. Die Annexionspartei tritt wieder für die Besetzung der Nachbarprovin­zen ein, da sonst die Anarchie an den Grenzen permanent würde. Sollte auch ein Weltkrieg Dank Deutschlands Vermittlung verhindert werden können, ein englisch-russischer Krieg dürfte schwerlich mehr so meint das Fremdenblatt verhütet werden. (Köln. Zig.)

DerN. Fr. Pr." wird aus Widdin vom 17. April ge­schrieben: Die Erbitterung zwischen Russin und Rumänien ist im Zu­nehmen begriffen. Gestern kam es bei Lom-Palanka zwischen einer Ab­theilung Rumänen, bestehend aus einem Offizier und zwanzig Soldaten einerseits und einem Detachement Russen andererseits, zu einer heftigen Schlägerei. Die Rumänen versuchten nämlich ein von ihnen in Grund geschossenes türkisches Schiff zu heben und aus Land zu bringen, was die Russen verhinderten."

Aus den Niederlanden wird derLeipz. Ztg." unter dem 11. April geschrieben: Die Niederlande werden das dreihundertjährige Ju­biläum der Utrechter Union mit einem großartigen Nationalfeste feiern. In allen Theilen des Landes haben sich bereits Comites gebildet, welche die Beschaffung der zu würdiger Ausführung der groß angelegten Pläne erforderlichen bedeutenden Geldmittel zum Zwecke haben. Das Ehren­präsidium hat der Prinz Heinrich der Niederlande übernommen. Der Architekt Nieuwenhuis in Utrecht hat die Zeichnung für ein Denkmal, durch welches die Erinnerung an den Abschluß der Union verherrlicht werden soll, nach den vom Professor Beets für dieses Werk angegebenen Ideen entworfen Das Monument stellt eine aus sieben kleineren Säu­len (sieben Provinzen, die der Utrechter Union beitraten) zusammenge­setzte große Säule dar, die das Bild der Freiheit trägt und auf dem Piedestale von dem Nassauer Löwen bewacht wird. Das ganze Denk­mal wird eine Höhe von 31 Meter haben. Die Kosten für dasselbe find auf reichlich hunderttausend Gulden veranschlagt. Es wird beab­sichtigt, das Monument auf dem Bollwerke Lepelenburg zu errichten. Unter dem Ehrenpräsidium des Prinzen Alexander der Niederlande hat sich ein Cvmiiö gebildet, um bei Gelegenheit des dreihmidertjähn- gen Jubiläums der Geburt Hugo de Groots (10. April 1883) das Andenken an diesen großen Gelehrten zu ehren.

London, 20. April. DerJuvincible" ist nach den Darda­nellen abgesegelt. DerSiandard" glaubt, wenn die Indienststellung von Kriegsschiffen fortdauere, werde die Einberufung der Flotim-Re- serve erster Klasse eintreten. Der Herzog von Edinburgh bleibe vor­läufig auf seinem Schiffe im Mittelmeer. DerDailp News" zu­folge wäre der Vorschlag, der Kongreß solle die Verträge der Jahre 1856 und 1871 revidiren, von Rußland angtnommen und von England abgelehnt worden. DirTimes" schreibt, England wolle R^lWd nicht demüthigen; es verlange kein prälimiuares Zugeständnis ke-nen mate­riellen Vortheil. England selbst fordere nicht einmal den Abzug der