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Samstag den 20. April.
1878»
VL^ Des hohen Osterfestes wegen erscheint die nächste Nummer Dienstag den 23. April.
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Beim Herannahen der Frühjahrsbestellung machen wir darauf aufmerksam, daß das Wiederaustreten des Kartoffelkäfers (Coloradokäfers), dessen im Boden etwa vorhandene Puppen den milden Winter überdauert haben können, wahrscheinlich ist. Wir verweisen deshalb auf die einschlägigen Belehrungen und Bekanntmachungen vom 12. und 20. Juli v. I.' (S. Amtsblatt S. 244 und S. 251), sowie auf unsere unter'm 12. September v. J. erlassene Polizei-Verordnung (S. Amtsblatt pag. 317) und wiederholen, daß zur Abwendung der drohenden großen Gefahr es dringend nöthig ist, das erste Auftreten des Insekts so rasch als möglich zu erkennen und festzustellen; denn nur hierdurch wird die Möglichkeit geboten, die erforderlichen energischen Vertilgungsmaßregeln alsbald in Anwendung zu bringen. Hierzu bedarf es aber von dem Augenblick an, wo das Kartoffelkraut aufgeht, der sorgsamsten Aufmerksamkeit sowohl des Besitzers der Kartoffelfelder, als eines Jeden, welcher an solchem vorübergeht. Jede verdächtige Erscheinung, jede Fraßstelle am Kartoffelkraut muß zu einer genauen Nachforschung nach der Ursache des Fraßes Anlaß geben, denn das Kartrffelkraut wird von anderen Insekt, n und Nagethieren verhältnißmäßig wenig und selten Betreffen. Jede Fraßstelle läßt deshalb das Vorhandensein des Coloradokäfers vermuthen, selbst wenn Käser und Larven, die namentlich bei kaltem und nassem Wetter sich oft der Beobachtung entziehen, nicht gefunden sind.
Um die erforderlichen Nachforschungen von sachverständiger Seite auf das Schnellste vornehmen zu lassen, muß von den erwähnten verdächtigen Erscheinungen am Kartoffellaube bei der Ortspolizeibehörde sofort Anzeige gemacht werden.
Wir machen auch darauf noch^ganz besonders aufmerksam, daß das Vernichten etwa aufgefundener Käfer und Larven diese Anzeige durchaus nicht überflüssig macht, da sich die Vernichtung auch auf die Eier und auf die in der Erde befindlichen Puppen erstrecken muß und diese eine eingehende Untersuchung und sorgsame Ueberwachung der Kartoffelfelder nöthig macht.
Möchte Jedermann, möchten insbesondere die Besitzer von Kartoffelfeldern das Gesagte beherzigen! Wir erwarten von Ersteren, daß sie im eigenen Interesse und zu Abwendung der ganzen Umgegend drohender Gefahren sich den erwähnten Ueberwachungen und Untersuchungen mit Eifer und Umsicht freiwillig unterziehen werden.
Kassel, den 19. März 1878.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Kühne.
Wird bekannt gemacht.
Hanau am 11. April 1878.
Der Landrath.
Als Sachverständiger für die Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen in der Gemeinde Niederissigheim ist das Gemeinderathsmitglied Johannes Schneider bestellt und vereidet worden.
Hanau am 16. April 1878.
Gefunden: Vier Stück weiße Damen-Kragen. Ein farbiges Taschentuch. Ein Leihhauszettel Nr. 23398. Ein weißes Taschentuch. Eine weiße Kinderschürze mit Stickereien.
Hanau am 20. April 1878.
Königliches Landrathsamt.
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Wochenschau
K. F. Die unmittelbare Nähe der Osterfeiertage hat auch der deutschen Politik eine Ruhepause auferlegt. Auf den Reichstag, der bereits in der vergangenen Woche in die Ferien ging, hatte sich naturgemäß der Schwerpunkt in unserer inneren Politik hingezogen, und jetzt,
wo man der weiteren Thätigkeit des Reichstages nach den Ostertagen entgegensieht, bilden die Erörterungen der noch schwebenden parlamentarischen Angelegenheiten das Hauptinteresse.der inneren Politik. Die mit der Steuerreform innig zusammenhängende Tabaksteuerfrage ist es, die in dieser Beziehung hauptsächlich diskutirt wird. Die Freunde des Tabaksmonopols und unter diesen seltsamer Weise die schutzzöllnerischen Parteien erhoben ein Zetergeschrei über die Haltung der gemäßigt liberalen Reichstagsfraktion, welche die Annahme des Tabaksmoncpols entschieden abgelehnt hat und man war sogar in manchen Kreisen der Ansicht, daß es eine Anmaßung der nationalliberalen Partei sei, schon jetzt ihr Veto gegen die Einführung des Tabaksmonopols kundzugeben. Es ist dies aber lediglich nur deshalb geschehen, um den wahrscheinlichen Reichsverhandlungen über diesen Gegenstand ihren negativen Charakter zu rauben. Die meisten Parteien, ja selbst solche, die früher für eine Einführung des Tabaks monopols schwärmten, haben übrigens eingesehen, daß das Monopol in Deutschland politisch unmöglich ist, eine entschiedene Stellungsnahme gegen dasselbe muß daher auch vollständig für angezeigt erachtet werden.
Eine schon längst als Gerücht kursirende Eheverbindung einer hervorragenden deutschen Prinzessin mit einem ausländischen Prinzen hat sich nunmehr als eine beschlossene Sache herausgestellt. Am Hofe zu Karlsruhe hat am 14. April das Eheverlprechen zwischen dem Prinzen Heinrich der Niederlande und der Prinzessin Marie von Preußen, der ältesten Tochter des Prinzen Friedrich Karl, stattgefunden. Da der Prinz Heinrich der Niederlande der wahrscheinliche Thronfolger des kinderlosen Königs von Holland ist, so hat diese Verbindung für Deutschland entschieden eine mehr als gewöhnliche politische Bedeutung.
Die Vermittelungsrolle, die man in der Orientkrisis dem deutschen Reiche von allen Seiten zumuthet, wird unserem Reichskanzler recht sauer. Er soll zwischen Rußland und England eine goldene Brücke bauen, doch will keiner von diesen Staaten ein wesentliches Zugestandmß als Grundpfeiler für die Friedensbrücke machen. Man darf sich daher auch nicht wundern, wenn der deutsche Reichskanzler die Vermittlerrolle sehr lau handhabt und schließlich den respektiven Cabinetten in London und Sankt Petersburg überläßt, sich allein zu verständigen. Wir erwähnen hier auch, daß alle Nachrichten über direkte Unterhandlungen zwischen dem deutschen und dem russischen Kaiser zur Beseitigung der Orientkrisis auf keinen Thatsachen, sondern auf leeren Gerüchten beruhen.
Eine vollständige Klärung in der Ocientkrisis hat sich noch immer nicht vollzogen und man weiß daher auch noch nicht, auf welche Weise sich der politische Zwiespalt zwischen Rußland und England lösen wird. Beide Staaten glauben im Orient eine große Mission zu haben, nur daß England dem russischen Staate die Eigenschaft abspricht, im Interesse Europas zu handeln. Aus diesem Grunde will die englische Regierung die russische in die Schranken jener völkerrechtlichen Position zurückweisen, wie sie dmch die Verträge der Großmächte von 1856 u. 1871 geschaffen worden ist. Dem gemeinschaftlichen Rathschlusse der Großmächte soll sich daher nach der Forderung Englands Rußland unterwerfen. Zum Kongresse, wo der gemeinschaftliche Rathschluß der Großmächte allein abgegeben werden kann, will aber England vorläufig auch nicht gehen. Die Kluft zwischen England und Rußland ist daher noch ebenso gefahrdrohend als je vorher. Als weitere Schritte in der Orientkrisis ist zunächst zu konstatiren, daß zwischen Rußland und England ein officiöfer Meinungsaustausch über die beiderseitigen Standpunkte stattfindet und daß die Türkei eine Rundnote an die Großmächte über ihre schwierige Lage gerichtet hat.
Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Oesterreich und Rußland in der Orientfrage sind zwar ernster Natur, aber sie sind bei Weitem noch nicht in das kritische Stadium wie zwischen England und Rußland gerathen. Es findet vorläufig zwischen den Kabinetten von Wien und Sankt Petersburg ein vertraulicher Gedankenaustausch statt, ohne daß jedoch bis jetzt von Rußland eine entscheidende Antwort erfolgte, denn die Nachricht von einer russischen Rundnote an Oesterreich war verfrüht. — Verhängnißvoll für Oesterreich-Ungarn ist die Coalition,