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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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M 92. Donnerstag den 18. April. 1878
Amtliches.
Partikulier Johann Conrad Mähler dahier hat behufs Niederlassung in den K. K. Oesterreichischen Staaten um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen-Verband nachgesucht.
Hanau am 12. April 1878.
Gefunden: Eine Brille nebst Futteral.
Verloren: Ein Messer mit schwarzer Schale, Kneip, Brodmesser, Korkzieher, Stahl- und Pfeifenraumer. Ein schwarzer langer Rock; dem Wiederbringer eine Belohnung von 3 Mark.
Hanau am 18. April 1878.
Königliches Landrathsamt.
Tagesschaw,
— In den Blättern wird vielfach die Ernennung des Kronprinzen zum Regenten von Elsaß-Lothringen ventilirt. Dieser Gedanke geht von Elsaß-Lothringischen Kreisen aus, ist aber, wie die „Post" hört, in den Berliner Regierungssphären überhaupt noch nicht in Erwägung gezogen worden
— Prinz Heinrich von Preußen hat, wie der „Nordd. Allg. Ztg." aus Kiel geschrieben wird, am 13. d. nach gutbestandenem Abgangsexamen die kieler Marine-Akademie verlassen und ist nach Wilhelmsha- ven abgereist, um an Bord des Renown einen Artilleriecursus durch- zumachen.
— Fürst Bismarck wird, officiöser Meldung zufolge, während der Osterzeit eimn kurzen Ausflug nach seinen lamndurgischen Besitzungen machen. Von weiteren Reiseplänen für den Sommer ist noch nicht die Rede. Abgesehen davon, daß der Fürst bekanntlich es nicht liebt, längere Zeit vorher solche Dispositionen zu machen» so gestattet das gegenwärtig insbesondere auch nicht die Rücksicht auf den Gang der diplomatischen Verhandlungen sowie auf den Lauf der parlamentarischen Geschäfte. (Trib.)
— Mit dem Beginn der Osterferien ist in der Session des Reichstages ein Abschnitt eingetreten, der zu einem Ueberblick über die Lage der parlamentarischen Arbeit Anlaß gibt. Der Schwerpunkt der positiven Thätigkeit hat in den letzten zwei Monaten in der Berathung des Budgets gelegen Und man darf sagen, daß das Resultat ein befriedigendes gewesen. Nach dem Regierungsvoranschlage wäre die Last der Matrikularbeiträge um mehr als ein Drittel ihres bisherigen Be- laufs gesteigert worden, oder man hätte dem Volke neue Steuern auflegen müssen. Im Verlaufe der Verhandlungen hat sich herausgestellt, daß jene Steigerung bis auf den unwesentlichen Betrag von 6 Mlll. Mark reduzirt werden konnte, ohne daß es neuer Steuern bedurfte. Im Uebrigen trug die Budgetberathung den herkömmlichen Charakter. Es mag sein, daß sich die Verhandlung: n ohne Schaden für das allgemeine Beste noch erheblich abkürzen ließen, aber andererseits kann nicht daran gedacht werden, die in unsern Parlamenten einmal eingewurzelte Gewohnheit, die Etatsberathung zur Vorbringung von allerlei Wünschen und Beschwerden zu benutzen, ganz zu beseitigen. Die bedauernswerthe Thatsache, daß der Etat auch diesmal wieder zu dem gesetzlichen Termine nicht fertig gestellt werden konnte, war jedenfalls nicht Schuld des Reichstags. Neben dem Etat und der mit ihm zusammenhängenden Vorlagen wurde das Gesetz über die Stellvertretung des Reichskanzlers erledigt. Die lebhaften Kämpfe, welche dasselbe verursacht, drehten sich um außerhalb seines Rahmens liegende Wünsche und Befürchtungen. Das Gesetz, wie es jetzt in Kraft steht, kann in Zukunft der Ausgangspunkt für eine konstitutionelle Ausgestaltung der Reichszentralverwaltung werden, einstweilen ist es wirklich, wie sich die Thronrede ausdrückte, nur die Ausfüllung einer Lücke im Wortlaute der Verfassung. Sonst sind aus den letzten Monaten ausgereifte Früchte von namhafter Bedeutung nicht zu nennen, es sei denn, daß man die Resolutionen wegen Erweirerung des Haftpflichtgesetzes und einer Novelle zu dem Gesetze betr. die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften dahin rechnen wollte. Die Lösung aller jener bedeutsamen Aufgaben, welche der gegenwärtigen Session die Signatur zu verleihen
berufen sind, ist noch im Rückstände. Da sind zunächst die wichtigen Gesetzentwürfe sozialpolitischen Charakters. Die Novelle zur Gewerbeordnung wegen anderweitiger Regelung der Lehrlings- und Fabrikar- beiterverhältnisse, sowie die Vorlage über die Gewerdegerichte stehen zur 2. Berathung im Plenum bereit. Schon aber liegt ein neuer und sehr tiefgreifender Gesetzentwurf der Deutschkonservativen wegen weiterer Abänderung der Gewerbeordnung vor, und im Bundesrathe beschäftigt man sich mit einem theilweise in gleicher Richtung gehenden Anträge Preußens. Der gegen die Verfälschung von Nahrungsmitteln u. s. w. gerichtete Gesetzentwurf bedarf noch einer Superrevision der betr. Kommission, während derjenige über den Feingehalt von Gold und Silberwaaren die kommissarische Berathung vollständig passirt hat. Alle diese Gegenstände werden freilich im Plenum noch beträchtliche Zeit in Allspruch nehmen, aber soweit sie die 1. Lesung bereits hinter sich haben, sind die Differenzpunkte nicht derart, daß man ihr Scheitern befürchten müßte. Bedenklicher steht es mit der Gruppe von Vorlagen, welche mit der Justizrefonn im Zusammenhangs stehen. Die sogenannten Kostengesetze befinden sich noch in der kommissarischen Berathung; die Rech'sanwaltsordnung andererseits ist über dies Stadium zwar hinaus, aber die Vorlage hat in der Komm, derartige Aenderungen erfahren, daß die schließliche Verständigung mit dem Bundesrathe höchst zweifelhaft erscheint Dies alles tritt aber bei einem Ausblick in den zweiten Theil der Session ganz in den Hintergrund vor den sinanz- und wirth- schaftspolitischen Problemen, welche unsere innere Lage beherrschen. Wie die Steuervorlagen den ersten Wochen der Session das Gepräge auf- drückten, so werden sie im Zusammenhang mit dem Tabaksenqueteentwurf den Mittelpunkt des Interesses im kommenden Monat bilden. Außerdem ist anzunehmen, daß die Zollfrage auf dem Plane erscheinen wird, wenn nicht in Form bestimmter Gesetzentwürfe, so wenigstens in Anknüpfung an die dem Reichstage vorliegende Denkschrift über die Verhandlungen mit Oestreich. Allem Anscheine nach wird in diesen Dingen ein heftiger Zusammenstoß der Gegensätze unvermeidlich sein. Mit welchem Ergebniß, wird heute schwerlich Jemand prophezeihen wollen. Man darf sagen, daß der Reichstag in der ersten Hälfte der Session einen einzigen wirklich frohen Tag gehabt hat, den Tag der Orientdebatte. Ob ihm aber in der zweiten Hälfte die Freude ungetrübten nationalen Hochgefühls selbst nur in diesem beschiensten Maße vergönnt sein wird? (Schw. Merk.)
— „Die künftige Organisation der preußischen Staatseisenbahnverwaltung" lautet die Uebelschrist eines Aussatzes im Aprilheft der Preuß. Jahrb., der eine durch die bekannte Vorlage im preuß. Landtage brennend gewordene Frage sachkundig behandelt. Die preuß. Staatsbahnen sind gegenwärtig unter 10 Direktionen vertheilt, welche keineswegs nach einheitlichen Verwaltungsnormen verfahren. Der Ven. zählt einige der augenfälligsten und wichtigsten Verschiedenheiten der Organ.- sation auf Das Radikalmittel, welches der Vers, zur Beseitigung dieser Uebelstände vorschlägt, besteht in der Beseitigung sowohl der einzelnen Direktionen in ihrer jetzigen Verfassung als der Staatseisenbahn- abtheilung des Handelsministeriums in seiner Eigenschaft als Zentral- verwaltungsbehörde und in der Einsetzung einer einzigen Generaldirektion für die preuß. Staatsbahnen mit dem Sitz in Berlin.
— Der Amtsantritt des neuen Handelsministers, Herrn Maybach, hat — Eisenbahnangelegenheiten anlangend — eine Erleichterung gebracht. Die Frist für Be- und Entladung der Wagen, sofern selbige Sache des Publikums ist, war bis jetzt allgemein auf 6 Stunden festgesetzt. Die Kürze dieser Frist hatte für den Versender bezw. Empfänger mannichsache Mißstände im Gefolge. Herr Maybach hat nunmehr Wandel hierin geschaffen, insofern, als er für die Staatsbahnen und für die unter Staatsverwaltung stehenden Privatbahnen eine Verlängerung der Frist auf 12 Stunden und unter besonderen, im Einzelnen festzustellenden schwierigen lokalen Verhältnissen sogar auf 24 Stunden ungeordnet hat. Die sechsstündige Frist dalirte bekanntlich aus der Zeit des Wagenmangels her. Seitens der Interessenten dürfte diese Anordnung, welcher hoffentlich auch die Privatbahnen in Bälde folgen, freudig begrüßt werden. " (Hess. Mgztg.)