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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Dienstag den 16. April.

1878»

KWLlicheS.

Beim Herannahen der Frühjahrsbestellung machen wir darauf aufmerksam, daß das Wiederauftreten des Kartoffelkäfers iColorado- käfers), dessen im Boden etwa vorhandene Puppen den miiben Winter überdauert haben können, wahrscheinlich ist. Wir verweisen deshalb auf die einschlägigen Belehrungen und Bekanntmachungen vom 12. und 20. Juli v. I. (S. Amtsblatt S. 244 und S. 251), sowie auf unsere untei'm 12. September v I. erlassene Polizei-Verordnung (S. Amts­blatt pag 317) und wiederholen, daß zur Abwendung der drohenden großen Gefahr es dringend nöthig ist, das erste Auftreten des Insekts so rasch als möglich zu erkennen und festzusteUen; denn nur hierdurch wird die Möglichkeit geboten, die erforderlichen energischen Vertilgungs- maßregeln alsbald in Anwendung zu bringen. Hierzu bedarf eS aber von bim Augenblick an, wo das Kartoffelkraut aufgeht, der sorgsamsten Aufmerksamkeit sowohl des Besitzers der Kartoffelfelder, als eines Jeden, welcher an solchem vorübergeht. Jede verdächtige Erscheinung, jede Fraßstelle am Kartoffelkraut muß zu einer genauen Nachforschung nach der Ursache des Fraßes Anlaß geben, denn das Kartl ffelkraut wird von anderen Insekt« n und Nagethieren verhälinißmäßig wenig und selten befcesien Jede Fraßstelle läßt deshalb das Vorhandensein des Colo- radokäsers vermuthen, selbst wenn Käfer und Larven, die namentlich bei kaltem und nassem Wetter sich oft der Beobachrung entziehen, nicht ge­funden find.

Um die erforderlichen Nachforschungen von sachverständiger Seite < auf das Schnellste vornehmen zu lassen, muß von bin erwähnten ver- dächtigen Erscheinungen am Kartoffellaube bei der Orrspolizeibehvrde sofort Anzeige gemacht werden.

Wir machen auch darauf noch ganz besonders aufmerksam, daß das Vernichten etwa aufgefundener Käfer und Larven diese Anzeige durchaus nicht überflüssig macht, da sich die Vernichtung auch auf die Eier und auf die in der Erde befindlichen Puppen erstrecken muß und diese eine eingehende Untersuchung und sorgsame Ueberwachung der Kartoffelfelder nöthig macht.

Möchte Jedermann, möchten insbesondere die Besitzer von Kar­toffelfeldern das Gesagte beherzigen! Wir erwarten von Ersteren, daß sie im eigenen Interesse und zu Abwendung der ganzen Umgegend drohender Gefahren sich den erwähnten Ueberwachungen und Untersuchun­gen mit Eifer und Umsicht freiwillig unterziehen werden.

Caffel, den 19. März 1878.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. Kühne.

Wird bekannt gemacht.

Hanau am 11. April 1878.

Der Landrath.

S a g e » | $ a «u

Berlin, 15. April. Die mehrfach verbreitete Nachricht, es habe neuerdings eine für die obschwebenden Verhandlungen bedeutungs­volle Korrespondenz zwischen Sr. Majestät dem Kaiser und Sr. Maje­stät dem Kaiser von Rußland stattgefunden, ist nachWolffs Tel. Bur." vollständig aus der Luft gegriffen

Berlin, 15. April. Die oft unterrichtete wiener Correspon- )enz des Journal des Debüts meldete unter dem 11. April, Oesterreich verfolge Rußland gegenüber noch immer, wenn auch auf anderen We­gen, eine ähnliche Politik wie England. Die Verständigung mit Ruß­land solle bie europäische Behandlung der Frage auf dem Congresse vorbereiten. Die Richtigkeit vorausgesetzt, wäre die Hoffnung Rußlands auf ein Sepa.atabkommen mit Oesterreich zur Jsolirung Englands, wo­von hier seit vorgestern verlautet hat, verfrüht. Die Zeit wird darüber aufklären. Erst wenn das angeblich bevorstehende russisch-österreichische Abkommen vorliegt, wird sich erkennen lassen, ob England zustim nen kann und der Friede vermittelst des Congress-s dadurch sichere Aussich- ken gewonnen hat. Die Verlobung des Prinzen Heinrich der Nieder­lande mit der Prinzessin Marie von Preußen ist gestern Nachmittag

vollzogen worden. Das Brautpaar weilt gegenwärtig zum Besuche der badischen Familie in Karlsruhe und wird zum Osterfeste b'er erwartet.

Einem Mitarbeiter desDeutschen Montags Blatt" gab der eben wieder nach Bukarest zurückgereiste rumänische Ministerpräsident Ivan Bratiano in einem längeren handelspolitischen Geip ach folgende Erklärungen ab:

Deutschland hat immense Interessen an der Dmau. Es ist im Osten durch Rußland eingeengt, das sich gegen Europa abzuschließen und Deutschland nun auch vom Süden abzudrängen sich bemüht, während alleidings gerade England auch im Westen durch seine numopolisirte Richtung auf dem Gebiete des Handels und des Kolomsationswesens Deutschland einpiercht. Gegenwärtig grivilirt auch der Handel der un­teren Donau nach England, aber dafür ist nicht die Politik, sondern allein die Konjunktur als Ursache zu betrachten. England hat gute Kohlen, kann sie billig liefern, da es auf die Rückfracht rumänischer Agrikultur Produkte zu rechnen in der Lage ist. Während der Handel mit Deutschland, durch die Taritschwierigkeiten der galizischen Bach en ge­drückt, selbst noch unter das Niveau der natürlichen Bedingungen gestellt bleü t. Auch die rumänischen Bahnen baden bisher unter einer gegen bin Wrnsch Rumäniens eingesetzten Verwaltung, deutsche und sogar österreichische Waare der schweizer und französischen gegenüber mrnach- lässigt, dies wird sich aber ändern. Eine Regelung der Bahnfrage ist allerdings von eimm Kongresse, wie man ihn in Aussicht genommen hat, wohl kaum zu erwarnn, dieselbe muß vielmehr dein Aufschwünge und der Kraftentialtung Rumän-ens selbst überlassen bleiben, welche durch den Kauf der Bahnen am besten d n deutschen Aktionären und sich selbst gerecht zu werden die Geleg«nheit suchen möchte."

Wie aber, so fnhr Herr Bratiano fort, soll dies gelöst werden, wie der Donauverkehr in Schwung gerathen, wenn nicht die Donau­staaten selbst endlich von dem Banne befreit werden, der ihre Keime so lange nicht zur Blüthe gelangen ließ. Herr Bratiano ist benu auch der Ueberzeugung, daß eine grandiose Entfaltung nicht nur Rumäniens, sondern auch des an Naturschätzen so reichen Bulgariens jetzt bevor- steht. (Deutsch Mont.-Bl.)

In der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich 31. März 1878 sind nach demR. u. St.-A ", int deutschen Zollgebiet an Tabak aller Art verzollt und in freien Verkehr gesetzt worden 935.155 Zentner (+ 675,380 Clr. gegen dieselbe Zeit des Vorjahres). Die Eingangs« abgabe dafür beträgt 11,714,585 Mk (+ 8,386.945 Mk Davon sind a. sofort eingezahlt 6,034,602 Mk (+ 4,301,903 Mt), b. kredltirt 5,679,833 Mk. (+ 4,085,042 Mk.) An unverzolltem ausländischen Tabak aller Art lagerten in den öffinttichen Niederlagen am 31. März 1878 249,376 Ctr. (+ 50,582 Clr.st

In den deutschen Münzstätten sind bis ztim 6. April 1878 geprägt worden, an Goldmünzen: 1,186,595,720 Mark Doppel­kronen, 365,365,510 Mark Kronen, 27,969,925 Mark halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 260,319,920 Mark; an Silbermünzen: 71,653,095 Mark 5-Markstücke, 97,810,892 Mark 2-Markstückc, 148,848,161 Mark l-Markstücke, 71,486,552 Mark bO-Pfennigstücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20 Pfennigstücke. Gesammtausprägung an Goldmünzen beirug: 1,579,770,445 Mark; an Silbermünzen: 425,514,794 Mark 20 Pf.

Wird ein Kausvertrag mit der Bedingung abgeschlossen, daß das Eigenthum des Kausgegensiaudes bem Verkäufer für den Fall Vor­behalten bleibe, daß das Kausgeld bis zu einem bestimmten Termine nicht gezahlt wird. so wird nach einem Erkenntniß des Reichs Ooer- Handelsgerichts, 111. Lenals, vom 28. Februar d. I. int Ge.n.ngsbe- reiche des Ailg Landrechts der Verkäufer seines Rechts verlustig, wenn er an dem bestimmten Termine oder nachher einen Theil des K m'z-ldeS ohne Vorbehalt seiner Rechte annimmt, dagegen wird er durch Annahme einer Theilrahlung vor dem bestimmten Termine oh:e Vorbehalt, seines Rechts auf Aufhebung des Kaufvertrags gegen Zurück-ah.nng. der,em­pfangenen Theilsumme nicht verlustig. Der Eruwand, daß b.e Theil- zahlung in oder nach dem Termine ohne Vorbehalt angenommen wor­den, ist vom Käufer zu beweisen.