Einzelbild herunterladen
 

Sisuittmtntg* Preis: Jährlich S Mari. Halbj. 4 M- 50 P.

Vierteljährlich 2 Mark 25 Ps». gilt auswärtige

Abomimte» mit heut betreffen» »m Poffausjchlag. Ivie einzelneMum- iner 10 Pfg.

Hanauer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, 'und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Jnserti»»«» - Preis,

Die Ispalttge Earmrndzetle ein deren Raum

10 Pfg.

Die Ljpalt. ZeN» 20 Pfg.

Die3spaltigcZeiI« 30 Pfg.

Freitag den 12. April.

1878.

Amtliches.

Bei den fortwährenden Klagen über Schwarzwildschaden hat der Herr Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten uns 'ermäch­tigt:

1) den Communalforstbeamten des hiesigen Bezirks für den Abschuß von Schwarzwild Schußprämien und zwar während der Sommer­monate April bis September, zum Betrage von 22 Mk. 50 Pfg., während der Wintermonate Oktbr. bis März zum Betrage von 15 Mark pro Stück zu gewähren;

2) denjenigen Privatförstern, Feldhütern und Jagdaufsehern unseres Bezirks, welche sich an der Erlegung des Schwarzwildes mit Eifer und gutem Erfolge betheiligt haben, ohne Rücksicht darauf, ob sie vereidigt sind oder nicht, Schußgelder in derselben Höhe, wie den Kommunalforstbeamten nach Prüfung des einzelnen Fal­les zu bewilligen.

Cassel, den 2. März 1878.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. K ühne.

Wegen Abbruch der Lachbrücke ist die Straße in Neuenhaßlau gesperrt.

Die Nothbrücke ist nur für leere oder leichte Fuhrwerke passirbar.

Hanau am 7. April 1878.

Christian Dietz ist als Wasenmeister für, die Gemeinde Ober- dorfelden vereidigt.

Hanau am 9. April 1878.

Für den Kaufmann Heinrich Eduard Wilhelm Schmidt zu Hanau, 28 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem Preußischen Unter­thanenverband, behufs Niederlassung in Wien, nachgesucht worden.

Hanau am 11. April 1878.

Gefunden: Zwei Portemonnaies mit etwas Geld. Zwei weiß­leinene Hemden mit neu eingesetzter Brust, sowie zwei weiß-leinene Kissenüberzüge. Ein weißes Taschentuch.

Zugeflogen: Ein Bastard von Distelfink und Kanarienvogel.

Hanau am 12. April 1878.

______________________Königliches Landrathsamt._____________________ Landwirtschaftlicher Kreis-Verein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 27. April, Nachmittags

21/« Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.

Tagesordnung:

1) Beschaffung von Pflänzlingen zur Obstbaumzucht.

2) Vieh- und Fruchtmarkt in Hanau.

3) Sonstige Mittheilungen.

D er Vorstand.

Die Herren Bürgermeister wollen Vorstehendes in ihren Gemein­den publiciren.

Hanau am 25. März 1878.

__Der Landrath.

Wochenschau.

R. F. Ohne unsere inneren Verhältnisse schwarz malen zu wol­len, müssen wir doch konstatiren, daß eine gewisse Unfertigkeit in den deutschen Regierungsverhältnissen immer noch hervortritt. Der neue Unterstaatssekretär der Finanzen, über welchen der Reichstag in dieser Woche verhandelte, hat hierfür mehr als einen Beweis geliefert. Der Fürst Bismarck hat das löbliche Bestreben, verschiedene seiner umfang­reichen RegierungSobliegenheiten abzuzweigen und ein Unterstaatssekretär der Finanzen soll unter den Augen des Reichskanzlers die Dienste eines Reichsschatzmeisters verrichten. Bei der Berathung der betreffenden Vor­lage wußte der Reichstag jedoch nicht, wo die Funktionen dieses Fi­nanzbeamten in die Reichsverwaltung eingreifen sollten und auch der Präsident des Reichskanzleramtes Hofmann konnte darüber keine genü­

gende Auskunft geben. Fürst Bismarck, der wohl allein im Stande gewesen wäre, über den Endzweck des Reichsschatzmeisters die nöthige Auskunft zu geben, fehlte im Reichstage, wahrscheinlich wegen überhäuster diplomatischer Geschäfte, und so geschah es, daß auf Antrag der natio­nalliberalen Partei die zweite Lesung der Vorlage vom Reichstage be­anstandet wurde, bis bessere Informationen über die Vorlage vorhanden seien. Der in den letzten Debatten des Reichstags angeregte Partei- kampf hat übrigens bitterböse Früchte getragen. Von der Seite der Schutzzöllner wurde die Auflösung des Reichstages in die Debatte ge­zogen und die Auflösungsfrage wurde förmlich auf die Tagesordnung gesetzt.

Der vom Bundesrathe und Reichstage beabsichtigte Abstecher nach Kiel zur Besichtigung der Marineetablissements, welcher am 1. oder 2. Mai bei Gelegenheit der Taufe der KorvetteBavaria" stattfinden sollte, wird entweder ganz aufgegeben oder doch verschoben werden. Die Hauptursache dieses anderweitigen Beschlusses liegt zunächst in dem Stande der parlamentarischen Arbeiten des Reichstages, denen eine Verzögerung sehr unzuträglich wäre und außerdem in der rauhen Wit­terung an der deutschen Ostseeküste, welche in der Regel bis Mitte Mai anhält.

In der gefahrvollen äußeren Situation des Erdtheiles hat eine kleine Schwenkung zum Besseren stattgefunden. Rußland, welches in erster Linie die Krisis durch sein starres Festhalten an dem Vertrage von San Stefano hervorgerufen hat, ist sehr nachdenklich geworden, als es sah, mit welchem Ernste sich England und Oesterreich den russischen Forderungen widersetzten und man kann wirklich konstatiren, daß die russische Regierung in Folge dessen klein beigegeben hat. Der Retter aus der Noth soll, wie es scheint, für Rußland die deutsche Regierung werden, denn eine Friedensvermittelung Deutschlands zwischen den Großmächten Rußland, England und Oesterreich wird vielfach diskutirt. Man dürfte sich jedoch in Petersburg täuschen, wenn man sich dem Glauben hingibt, daß sich Deutschland nur im specifisch russischen In­teresse bei den Kabinetten von Wien und London verwenden würde. Das Deutsche Reich hat außer der Freundschaft für Rußland auch noch andere Interessen und diese können unmöglich der russischen Orientpolitik geopfert werden. Das einzige Mittel, um aus diesem europäischen Di­lemma herauszukommen, ist noch das Zustandekommen eines CongresseS der Großmächte, auf welchem auch von Rußland, Oesterreich und Deutschland hingearbeitet wird. Eine gewisse Hoffnung kann man auch «och von diesem Congresse hegen, da ohne Zweifel keine der intereffirun Großmächte den Krieg lieber sieht als den Frieden.

Trotz der energievollen Haltung Englands, die sich durch Lord Salisbury's Rundschreiben und die englischen Kriegsrüstungen kundgibt, überlegt man im britischen Reich die ferneren pclitischen Unternehmun­gen doch mit großer Sorgfalt, indem der Stand der Orientsrage noch einmal Gegenstand eingehender Parlamentsberathungen geworden ist. Die allerdings noch ausstehende Antwort Rußlands auf die englische Rundnote muß für England den Krieg oder den Frieden bringen, da England bei einer zurückweisenden Antwort des russischen Cabinets of­fenbar gezwungen ist, für seine Forderungen mit den Waffen einzustehe«, wenn eS sich nicht in den Augen der ganzen Welt lächerlich machen will. Eine barsche Zurückweisung der englischen Forderungen durch Rußland ist aber aus den vorerwähnten Gründen das weniger wahrscheinliche, daher ist es jetzt die Aufgabe Englands, sich eine paffende Antwort für die Modalitäten, welche Rußland wahrscheinlich in der Orientfrage Vor­bringen wird, zurechtzulegen.

Um den Ereignissen, die da kommen können, möglichst vorbereitet entgegentreten zu können, läßt es sich Oesterreich sehr angelegen sein, aus dem Umschwünge der öffentlichen Meinung in den Kleinstaaten der Balkanhalbinsel möglichst viel Kapital für eine österreichische Mission im Orient zu schlagen. Lange schon sahen sich Rumänien, Serbien und Montenegro durch Rußland bitter getäuscht und da sie merkten, daß Europa ihretwegen keinen Krieg gegen Rußland unternehmen würde, so greifen sie jetzt nach dem Rettungsanker, der sich ihnen in einer öster­reichischen Freundschaft bietet. Rnmänien, welches mit Rußland fO gut