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Hanauer Anzeiger.
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Freitag den 5. April.
1878.
Amtliches.
Die Herrn Ortsvorstände von: 1) Großkrotzenburg, 2) Hochstadt, 3) Kefselstadt, 4) Rüdigheim, 5) Bergen mit Enkheim, 6) Bischofsheim, 7) Seckbach, 8) Ginnheim, 9) Ravolzhausen, 10) Ostheim, 11) Nieder- dorfelden werden hierdurch an die umgehende Einreichung der Uebersichten über die durch den Verkauf des im verflossenen Jahre geerndeten Obstes den Gemeindekassen zugeflossenen Einnahmen erinnert. (Siehe Hanauer Anzeiger Nr. 68.)
Hanau am 3. April 1878.
Für den Goldarbeiter Löser Alt von Lichenroth, wohnhaft zu Hanau, ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanenverband, behufs Niederlassung in Bayern, nachgesucht worden.
Hanau am 1. April 1878.
Der Landrath.
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W o ch e n f ch a n.
R. F. Nachdem am Ende der vergangenen Woche der preußische Landtag geschlossen worden ist, hält der deutsche Reichstag nur noch allein eine parlamentarische Nachlese. Da die Steuerreformen bis auf Weiteres von der Regierung vertagt worden sind, bleibt dem Reichstage auch weiter nichts zu thun übrig, als die noch ausstehenden geringfügigen Etatsberathungen und einige Interpellationen zur Erledigung zu bringen. Am ersten April erfolgte im Reichstage auch noch die Berathung des wichtigen Gesetzentwurfes bezüglich des Verkehrs mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen, welcher hauptsächlich gegen die Fälschung der Lebensmittel gerichtet ist. Trotz der häufigen Verfälschungen von Nahrungsmitteln in Deutschland konnte sich der Reichstag doch nicht entschließen, den zum Theil drakonischen Gesetzentwurf ohne Weiteres anzunehmen und er gelangte deshalb nach einer längeren Diskussion an eine Commission von 21 Mitgliedern. In der darauffolgenden zweiten Berathung des Eisenbahnetats wurde derselbe vom Reichstage nach dem Commissionsantrage genehmigt. Bezüglich des Gesetzentwurfes wegen Uebertretung der Vorschriften gegen die Einführung der Rinderpest wurde in der ersten Sitzung der Beschluß gefaßt, denselben im Plenum zu berathen. Außerdem erledigte der Reichstag im Laufe der Woche noch kleinere Gesetze und Etatspositionen.
Dem Deutschen Reiche ist in der vergangenen Woche eine erwäh- nenswerthe Satisfaktion gewährt worden. Der rentralamerikanische Kleinstaat Nigaragua hat schleunigst die wegen Mißhandlung des deutschen Consuls Eisenstuck nebst Bruder verlangte Genugthuung gewährt, als man sah, daß sich drei deutsche Kriegsschiffe an der Meerenge von Panama unangenehm bemerkbar machten. Diese Angelegenheit wird voraussichtlich nicht verfehlen, den deutschen Namen in fernen Erdtheilen in größere Achtung zu bringen.
Zur letzten Session des preußischen Landtages erwähnen wir, daß in derselben an größeren Vorlagen nur erledigt wurden die beiden Jnstizorganisationsgesetze und die Gesetze über den Forftdiebstahl und die Unterbringung verwahrloster Kinder. Der bei weitem größere Theil der Entwürfe ist'dagegen unerledigt geblieben. Ohne uns auf weitere Untersuchungen hier einzulaffen, bemerken wir nur, daß die vorzüglichste Ursache der schwerfälligen Erledigung der Vorlagen wohl in dein durch Krankheit gebotenen Fernbleiben des Reichskanzlers zu suchen ist, dessen thatkräftiges Eingreifen oft vermißt wurde. Auch die schwankenden Zustände innerhalb der einzelnen Ministerien dürften znr Verzögerung der Landtagsarbeiten mit beigetragen haben. Jetzt ist das preußische Mi- nisterium wieder vollständig rekonstruirt und die noch bevorstehende Schöpfung eines Vicekanzler, welcher auch Vicepräsident des preußischen Staatsministeriums sein wird, dürfte die Regierungsfunktionen bald wieder in das rechte Geleise bringen.
Fast in der gesammten äußeren Politik dreht sich gegenwärtig das Interesse um die Mission des russischen Diplomaten Jgnatieff in Wien. Die wichtige Aufgabe, Oesterreich-Ungarn für die Annahme der russischen Friedensbedingungen durch einige Concessionen zu gewinnen, scheint Jgnatieff beim Grafen Andrassy in Wien nicht gelungen zu sein, denn
Jgnatieff, der sich auch nach Berlin, Paris und London begeben wollte, ist am Anfang der Woche wieder nach Petersburg zurückgekehrt. Oesterreich will sich offenbar nicht mit einem Linsengericht in der Orientfrage abspeisen lassen und verlangt, wie man aus Wien vernimmt, die politische Oberherrschaft direkt oder indirekt über das ganze Westbalkanland bis nach Albanien, ja selbst bis nach Saloniki hinunter. Im russischen Cabinete wird man sich wundern, wie auf einmal Oesterreich, nachdem die Türkei niedergeschlagen ist, dasselbe im Westen des Balkans für sich beansprucht, was Rußland sich im Osten der Halbinsel ausbedungen hat. Doch vielleicht kommt Jgnatieff mit neuen Concessionen noch einmal nach Wien, da Rußland die Gefahr der gegenwärtigen Situation sich nicht verhehlen kann.
Ein russisch-englischer Conflikt kann, wie die Sachen jetzt zwischen England und Rußland stehen, jeden Tag ausbrechen. Beide Staaten gleichen zwei trotzigen Männern, welche sich auf einem schmalen Stege nicht ausweichen wollen und die schließlich durch den Ringkampf versuchen müssen, sich einen Weg zu ebnen. Rußland und England verlangen gegenseitig von einander, daß ihre betreffenden Streitkräfte aus der Umgebung des Bosporus zurückgezogen werden, doch keine Macht will den Anfang dazu machen. Auch scheint es England fast auf einen Krieg abgesehen zu haben und dabei einen bestimmten politischen Plan zu verfolgen. Eine Botschaft der Königin an das Parlament betont die Mobilisirung der Armeereserve zum Schutze der bedrohten englischen Interessen und außerdem zieht das englische Kriegsministerium aus den entferntesten Colonieen, selbst aus Canda, überflüssige Truppen nach Europa. Desgleichen hatte der englische Oberbefehlshaber über das Expeditionskorps, Lord Rapier of Magdala, eine Unterredung mit dem ägyptischen Kriegsminister, der zu diesem Zwecke nach Malta gekommen ist. Es scheint uns daher, daß England ähnlich wie Rußland seine vermeintliche Erbschaft im Orient antreten will. Rußland darf aber nicht zuviel erben, dies ist der Gegenstand des in Aussicht stehenden russisch-englischen Krieges. Die englische Nation steht zur Zeit auch fast vollständig auf der Seite der Regierung und diese selbst hat durch den Rücktritt des Lord Derby als Minister des Aeußeren an Actionsfähigkeit nur gewonnen. Als Nachfolger Derby's gilt der thatkräftige Marquis of Salisbury, welcher bisher Staatssekretär für Englisch- Ostindien war.
Es scheint fast, als meint von der orientalischen Frage noch Länder politisch angesteckt werden sollten, die im Grunde genommen mit der Orientfrage nicht das Geringste zu thun haben. So kursirte vor wenigen Tagen das Gerücht, daß Spanien beabsichtige, mit England ein Bündniß bezüglich der Orientfrage abzuschließen. Doch dürften derartige Nachrichten, zumal wenn dieselben mit einer Zurückgabe Gibraltars an Spanien von England in Verbindung gebracht werden, bis auf Weiteres leere Erfindungen sein.
In Frankreich werden die Gemüther durch den drohenden englisch- russischen Krieg in einer furchtbaren Aufregung erhalten, weil man dadurch das Zustandekommen der Weltausstellung in Paris, die schon in vier Wochen eröffnet ist, für gefährdet hält. Die Hauptsorge lastet natürlich auf Paris und eine solche Weltausstellung ist auch wirklich ein gutes Stück Risiko. Die Unkosten der Weltausstellung sind von 9 Millionen auf 45 Millionen gestiegen und die Stadt Paris ist direkt dabei mit circa 16 Millionen eugagirt. Doch der Schaden, den die Pariser Geschäftswelt haben würde, dürfte sich bei einem Fiasko der Weltausstellung aus noch größere Summen belaufen. , ,
In Hinblick auf einen russisch-englischen Krieg hat die Türker eine außerordentlich schwierige Lage. Sie kann wählen, was sie will, sie kommt in neues Kriegsgewühl. Verbündet sie sich mit Rußland, so hat sie, zumal an den' Küstenländern die englischen Angriffe auszuhalten und wird sie Englands Bundesgenosse, so marschiren die Russen gleich von der anderen Seite in Constantinopel ein. Bleibt aber die Jurtu neutral, so werden wohl Rußland und England das türkische Gebiet nicht schonen, wie es ja auch bereits jetzt der Fall ist. Die Türkei wird sich daher wohl in ihr unvermeidliches Schicksal fügen müssen. Dieses Schicksal kann aber in keiner Weise unser Mitleid erwecken, denn selbst