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ASHrlich 9 Mark ©ilij. 4 M. 50 P.

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WMer Anjnger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilüg«^ und Samstag- mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Donnerstag den 4. April.

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1878.

Amtliches..

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Frühjahrs-Control-Versammlungen im Kreise Hanau finden an nachstehenden Orten, Tagen und Stunden statt.

4. Bezirks-Compagnie:

Am 8. April, früh 10 Uhr, in Mittelbuchen,

9. 10 Hanau,

10. 10 Hanau,

11. 10 Langenselbold.

5. Bezirks-Compagnie:

Am 8. April und 9. April, früh 9 Uhr, in Bockenheim, am 10. April, früh 9 Uhr, in Mainkur, 10. 11 Bergen,

11. ,, 10 Windecken.

Dies wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die zum Er­scheinen verpflichteten Leute sämmtliche Militairpapiere mit zur Stelle zu bringen haben.

Hispensationen können nur in ganz dringenden Fällen stattfinden und müssen darauf bezügliche Gesuche bis spätestens 4. April cur. an die betreffende Bezirks-Compagnie resp, das diesseitige Commando ge­richtet werden.

...... ^eic^ettig werden sämmtliche Mannschaften, welche etwaige ÄrtU< ssveränderung bei dem Bezirksfeldwebel noch nicht gemeldet ha- Hen, aufgefordert, diese Meldung unverzüglich zu bewirken.

Frankfurt a. M., den 11. März 1878.

Königliches Commando des Reserve-Landwehr-Bataillons

______(Frankfurt a. M.) Nr. 80._______________

Bewerber um die erledigte 2te Lehrerstelle m Seckbach werden zur Erreichung der Bewerbungsgesuche aufgefordert.

Das Stelleneinkommen beträgt neben freier Wohnung 1080 Mark, einschließlich 90 Mark für Feuerung.

Hanau am 28. März 1878.

Gefunden: Ein weißes Taschentuch. Ein farbiges Taschentuch. Ein blau-seidenes Knüpftüchelchen. Ein Portemonnaie mit Geld. Eine Kegelkugel. Ein goldener Ring. Eine Pistole. Ein Portemonnaie mit Geld. Eine s. g. Maurer-Kelle.

Verloren: Ein Leihhauszettel.

Hanau am 4. April 1878.

Königliches Landrathsamt.

Die Orientkrisrs"

A. 6. Trib.)

General Jgnatieff hat seine Mission in Wien beendet und ist nach Petersburg zurückgekehrt. Daß seine Sendung ein bestimmtes Ergebniß, sei es positiv, sei es negativ, aufweise, ist durchaus nicht nöthig, und die Vermuthung von deinScheitern" seiner Aufgabe ist genau so müßig wie diejenige vomGelingen", soweit man bei dem letzteren etwa bin­dende Abmachungen im Auge hat. Der Hauptzweck der Reise Jgnatieff's nach Wien war offenbar ein informatorischer; der General hat die lei­tenden Kreise Oesterreich-Ungarns über den Standpunkt Rußlands zu den Interessen der Habsburger Monarchie unterrichtet und seinerseits dafür nähere Aufschlüsse über die Stellung Oesterreichs zum Frieden von San Stesano entgegengenommen. In diesem Sinne der beidersei­tigen Verständigung wird der Besuch nicht ohne Resultat gewesen sein.

Was jetzt an diplomatischen Versuchen, das Aeußerste hintanzu- halten, noch geschehen soll, braucht Eile. Ein Blick auf die bereits bekannten Telegramme der letzten beiden Tage zeigt, wie der allmähliche Verlauf der Dinge sich stündlich schärfer in der Richtung des englisch- russischen Cvnflikts zusammenzieht. Ueber das augenblickliche Vorstadium dieses, drohenden Zusammenstoßes, an dessen wirkliches Eintreten wir auch jetzt noch nicht zu glauben vermögen, erhalten wir von unserem fachmännischen Herrn Berichterstatter folgende orientirende Ausführung: v. p. Fürst Gortschakoff's Wort:Das siegreiche Rußland werd sich nicht auf die Anklagebank setzen", ist zur Beurtheilung der Situation nicht minder wichtig, als die Thatsache, daß eine langer dauernde Kriegs­

bereitschaft den finanziellen Ruin Rußlands herbeiführen muß. Ruß­land hätte wohl schon längst den Krieg erklärt, wenn es in der Lage wäre, England an greifen zu können; so bleibt ihm nur übrig, sich gegen einen Angriff von Seiten Englands in die möglichst günstigste Position zu setzen, seine erste Vertheitigungslinie auf türkisches Gebiet vorzuschie- ben, die Türkei entweder zu einer Allianz zu zwingen oder sie zu ent­waffnen und den Bosporus zu sperren. Während der Typhus überall, wo der Krieg gewüthet, grauenvolle Nachlese hält, gestattet die neue drohende Situation den Russen nicht, ihre Truppen aus den verpesteten Gegenden zu ziehen, wo die Frühjahrsregen schlecht verschüttete Gräber öffnen, verwesende Leiber der Sounengluth preisgeben.

Die türkische Staatsschuld beträgt ß1^ Milliarden, England ist bei derselben mit 2250 Millionen betheiligt, Rußland gar nicht, aber es fordert eine Milliarde Kriegsentschädigungsgelder. Der Wunsch Englands, die Türkei zahlungsfähig zu erhalten, läuft also wohl ziem­lich scharf neben seinen übrigen Interessen her, aber seine feindselige Haltung vereitelt einen Congreß, auf welchem Fragen geordnet werden sollten, mit welchen die Lebensinteressen anderer Völker verknüpft sino. Der Friede kehrt nicht ein in entvölkerte und verwüstete Provinzen. Rumänien ist eine russische Caserne, Griechenland im Begriffe, jene Aufgabe, welche Rußland in sein Panier geschrieben, jetzt im Interesse griechischer Christen angesichts der Gräuel, welche die Türken verüben, englischer Hülfe zu empfehlen. Ein neuer Krieg wird vorbereitet.

Die Ostseestaaten dürften wohl auch ein sehr lebhaftes Interesse daran haben, daß England keine Blockade der russischen Küsten hier in Scene setzt. Der Werth einer Blockade ist ohnehin dadurch sehr ver­ändert, daß jetzt überall Eisenbahnen existiren, welche die blockirende Macht außer Stand setzen, es völlig zu verhindern, daß der Gegner Handel treibt und Zufuhren erhält. Für alle Fälle trifft Rußland Vorkehrungen, die Baltischen Küsten in Vertheidigungszustand zu setzen, Torpedo's für den Bosporus bereit zu halten und ein englisches Lan­dungscorps, wo es erscheinen sollte, zu empfangen.

Frankreich will vorläufig neutral bleiben, auf eine thätige Hülfe Oesterreichs hat England wohl nicht zu rechnen, denn Rußland wird vermuthlich Alles daran setzen, eine österreichisch-englische Allianz zu verhindern und die Besetzung von Bosnien, der Herzegowina, Albanien Oesterreich gestatten. So bleibt England außer Griechenland nur die Hülfe türkischer Vasallenstaaten übrig. Aus Calcutta wird berichtet, daß der General-Gouverneur von Indien sich durch die Haltung der Muhamedaner bewogen gesehen, die Preßfreiheit aufzuheben; es bürste fraglich sein, ob England von dort Truppen fortziehen kann; Aegypten und Tunis können Hülfstruppen von zweifelhaftem Werthe liefern. Was die Rüstungen in Canada und in England selbst betrifft, so wird zwar viel von Begeisterung der Milizen gesprochen, aber der jüngst von derTimes" gemachte Vorschlag, die Soldaten tätowiren zu lasst n, um den überhand nehmenden Desertionen zu steuern, gestattet Bedenken, ob die Milizen in den verpesteten Landstrichen des Orients ebenso begeistert sein werden, als daheim auf der grünen Insel.

Die türkische Armee ist das Weib, um welches Russe und Brite jetzt buhlen. Die in Rußland internirten Gefangenen abgerechnet zahit sie ca. 120,000 Mann; es wird lebhaft an ihrer Reorganisation gear­beitet, und es muß sich bald entscheiden, für wen sie in's Feuer gehen wird. In Syrien und Arabien denkt man schon daran, die Dynastie der Osmans abzusetzen. Rußland ist in der Lage, eine Vereinigung der türkischen Streitkräste zu verhindern, wenn diese Englands Partei ergreifen, und da es diesmal den britischen Angriff an Gestaden erwartet, welche England zu jeder anderen Zeit als Operationsbasis benutzen konnte, hat England die Zeit zu einem Kriege so schlecht a!s möglich gewählt.

Gesetzt auch, die britische Flotte forcirte den Bosporus, so würde doch die Nothwendigkeit, die Passage durch Dardanellen und Bosporus sich zu jeder Zeit ungestört zu erhallen. eine sehr bedeutende Tiuppen- macht absorbiren, welche sich in Besitz der Küsten zu setzen und niesen Besitz für die Dauer des Krieges festzuhalten hat. An den Gestaden des Marmara Meeres und des Bosporus befinden sich aber außer dem