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M 78.

anantr Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage^ und Samstag- mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Dienstag den 2. April.

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1878.

AmtliLeS.

Landwirthschastlicher Kreis-Verein Hanau.

Das Probepflügen in Langenselbold findet nicht den 6. d. Mts., sondern erst Fr e ita g den 12. April, Vormittags 11^/2 Uhr, Statt.

Der Vorstand.

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Tages schau.

Di e Lage der Tür kei.

(S d. Scdw Merk)

Der Besuch, den der Großfürst Nikolaus beim Sultan abstattete, ist erst nach vielen Schwierigkeiten zu Stande gekommen, aber er war dafür um so gründlicher. Er dehnte sich zu einem längeren Aufenthalt des von seinen Generalen Gurko und Skobeleff begleiteten Großfürsten aus. Womit die Gäste die Zeit verbrachten, wird nicht verrathen; es heißt nur, daß die Begegnungen zwischen Sultan und Großfürst stets überaus „herzlich" waren, und diese Herzlichkeit erhält eine Beleuchtung durch die Ordensauszeichnungen, welche der Sultan dem Großfürsten und seinen Generalen wegen ihrer Verdienste um das türkische Reich verliehen hat. Die Vermuthung liegt nahe, daß der verlängerte Aufent­halt des Großfürsten mit politischen Verhandlungen zusammenhing, die natürlich das Verhalten der Türkei in einem russisch-englischen Kriege zum Gegenstand hätten. Es gilt für Rußland, sich der Türkei zu ver­sichern; diese soll vorangeschoben werden und den ersten entscheidenden Schritt thun: sie soll die englische Flotte auffordern, aus dem Mar- marameer sich zurückzuziehen. In der eisernen Umarmung, in der sich Konstantinopel befindet, ist hier ein eigener Wille nicht mehr möglich. Es mag noch heftige Kämpfe geben, in denen die unglückliche Pforte zwischen englischen und russischen Einflüssen hin- und Hergezerrt wird, aber bei dem Gewicht, mit dem das russische Heer auf die Hauptstadt selbst drückt, kann der Ausgang nicht zweifelhaft fein. Wenn die Russen jetzt bereits die Rückkehr der türkischen Gefangenen gestatten, so scheinen sie über die künftige Haltung der Pforte vollkommen beruhigt zu sein. Natürlich ist im einen wie im anderen Fall, die Pforte mag sich so oder so entscheiden, auf Rußlands oder Englands Seite treten, der Untergang der Türkei gewiß. Sie ist aller Wahrscheinlichkeit nach dazu be­stimmt, die Kosten eines englisch-russischen Zusammenstoßes zu tragen. So verblendet wird man ja bei aller kriegerischen Hitze in London nicht sein, daß man dort glaubt, die zerbrochene Türkei wieder zusammenzu« leimen, die Resultate des Kriegs ungeschehen machen, Rußland um einen wesentlichen Theil seiner Erfolge bringen, seine Heere aus Bulgarien hinausschlagen zu können. An all das kann man in London nicht denken. Wie Rußland zur See, so ist England zu Lande ohnmächtig. Wenn also der Krieg, wie es scheint, unvermeidlich geworden ist, so kann die Berechnung Englands dabei nur die fein, bei der Liquidation des türkischen Geschäfts sich in den Besitz derjenigen Gegenstände zu setzen, die es für die eigenen „Interessen" für unentbehrlich hält. Ob es hierbei auf Gallipoli, auf Kreta, auf Egypten abgesehen ist, das wird sich finden. Aber wie an Gebiete rühren, die in türkischem Besitz, im Besitz des alten Verbündeten sind? Antwort: was man dem alten Verbündeten nicht anthun kann, das kann man um so ungescheuter dem Verbündeten Rußlands anthun. Ist die Türkei der nothgedrungene Freund und Kampfgenosse der Russen geworden, so braucht England keine Rücksichten mehr zu nehmen. Ebendeßwegen darf man wohl den Krieg zwischen England und Rußland, wenn er unvermeidlich wird, doch nicht so tragisch nehmen, wie er aussieht. Es wird sich bald zei­gen, wie unangreifbar jeder der Kriegführenden in seinem Gebiete ist; die Auskunft, auf Kosten eines Dritten sich zu vertragen, wird beiden als erwünscht sich aufdrängen. Vielleicht besinnen sie sich noch und vertragen sich noch vorher, bevor sie einen Kampf beginnen, für den ja nicht das Marmarameer der richtige Schauplatz ist, der vielmehr nur in Asien einst au-gefochten werden kann.

— Der „R u. St.-A." enthält: Gesetz, betreffend die vorläufige Erstreckung des Haushalts-Etats des Deutschen Reichs für das EtalS- jahr 1877/78 auf den Monat April 1878. Vorn 30. März 1878.

— Berlin, 1. April. Reichstag. (Fortsetzung.) In der heuti­gen (26.) Sitzung theilte der Präsident mit, daß vom Reichskanzler eine Denkschrift, betreffend die Ausgrabungen in Olympia eingegangen sei. Die Interpellation des Abg Dr. Buhl erklärte der Präsident des Reichskanzler Amts Staats-Minister Hofmann in einer der nächsten Sitzungen beantworten zu wollen.

Es folgte die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und ^ebrauchsgegenstän- den. Nachdem der Abg. Staudy die Vorlage empfohlen hatte, ergriff der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Staatssekretär Dr. Friedberg das Wort, um darauf hinzuweisen, daß die Klagen wegen Verfälschung der Nahrungsmittel namentlich in den letzten Jahren unverhältnißmäßig zu- genommen hätten, indem man unbegründeter Weise unser Strafgesetzbuch als unzulänglich und lückenhaft in Bezug dieser Vorkommnisse bezeichnet habe. Das Strafgesetz, falls es nur richtig und konsequent zur Anwen­dung komme, reiche vollkommen auch hierfür aus, aber die Regierung verfolge mit dieser Vorlage die Tendenz, die bcregten Schäden auch präventiv abzustellen, worin die Gesetzgebungen anderer Länderer uns schon vorangegangen seien.

(Fortsetzung folgt.) (R. u. St.-A.)

— Berlin, 31. März. Nach einem amtlichen Telegramm aus Corinto über Panama hat die Regierung von Nicaragua nach dem Er« scheinen des deutschen Geschwaders die deutschen Bedingungen angenom­men. Der Streit ist beigelegt. Nähere Nachrichten fehlen noch.

— Berlin, 1. April. (Köln. Ztg.) Die Annäherung Oester­reichs und Englands wird bestätigt; daher der zweifelhafte Erfolg der Mission Jgnatiew's, deren Entscheidung Oesterreich mindestens vertagt hat. Andrassy will eine Vermittlung zwischen Rußland und England versuchen, worin die Gerüchte von Wiederaufnahme des Congreßplanes ihre Erklärung finden; aber sie setzen das ernstliche Entgegenkommen Rußlands voraus und bedürfen vorerst noch jedenfalls der Bestätigung.

— Mit einiger Wahrscheinlichkeit spricht man davon, daß der jetzige Bürgermeister Duncker zum Oberbürgermeister in Berlin und sein Nachfolger im Syndikat, Zelle, zum Bürgermeister ausersehen werden möchte. Der Oberbürgermeister von Breslau, Reichstagspräsident von Forckenbeck, würde jede Wahl für Berlin ablehnen. Uebrigens soll in den letzten Tagen das Augenmerk auch auf den Oberbürgermeister von Görlitz, Herr Gobbin, ein thätiges Mitglied des Herrenhauses, gerichtet worden sein.

— Von den Abg. Lucius, v. Kardorff und Schmid (Württ.) ist für die Berathung des Tabaksteuergesetzes folgender Antrag bei der Budgetkomm'ss. eingebracht woideu: Die Komm, wolle beschließ n: In Erwägung, daß der Gesetzentwurf nicht geeignet erscheint, die Grundlage zu bilden für die nach bin dort angeführten Motiven beabsichtigte Steuerreform, wohl aber eine empfindliche Schädigung vointmlich des Tabakbaues befürchten läßt: 1) die Vorlage abzulehn n, 2) die Auffor­derung an den Reichskanzler zu richten, unter Zuziehung technischer Kräfte aus der Privattabakindustrie über die Leitung und Ergebn sie des französ. Tabakmonopols einerseits und der Tabaksteuer in den Ver. Staaten von Amerika andererseits genaue Ermittlungen an Ort und Stelle anstellen zu lassen, um aus Grund dieser Ermittlungen durch eine demnächstige Gesetzesvorlage die erstrebte Steuerreform zu ermöglichen, 3) den Reichskanzler zu ersuchen, die hiefür etwa nöthigen vorbereiten­den Gesetzesvorlagen (womöglich) schon in dieser Session dem Reichstage zu machen

— Die „Post" schreibt unterm 1. April: Der Reichskanzler Fürst BiSmarck vollendet am heutigen Tage sein dreiundsechzigstes Lebensjahr. Die Musikcorps des 2. Garde-Regiments zu Fuß und des Kaiser- Alexander-Garde-Grenadier Regiments Nr. 1 brachten dem Fürsten im Laufe deS Vormittags eine Morgenmusik. Von zahlreichen Seiten auS allen Theilen des deutschen Vaterlandes liefen seit früher Morgenstunde Briese und Telegramme ein, welche dem leitenden Staatsmanne d« besten Wünsche zum Geburtssest übermittelten. Wie in früheren Jahren, so war auch Hure das alte Palais deS Reichskanzlers daS Ziel für