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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage^ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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JE 75.

Freitag den 29. März.

1878.

Amtlicher.

Zu der ersten öffentlichen Prüfung der mit Unterstützung des kommunalständischen Verbandes von dem landwirthschaftlichen Central- Verein für den Regierungsbezirk Cassel in Marburg gegründeten land­wirthschaftlichen Winterschule, welche Sonnabend den 6. April d. I., Vormittags 10 V2 Uhr, im dasigen Rathhaussaale statt- finden wird, laden die Herrn Landwirthe und Freunde der Landwirth­schaft ergebenst ein

Cassel und Marburg am 20. März 1878.

Der Vorsitzende des landwirthschaftlichen Central-Vereins:

W e n d e l st a d t, Regierungsrath.

Der Direktor der landwirthschaftlichen Winterschule:

. ____Dr. Rud. Hesse.______________________

Gefunden: Ein französisches Buch mit der InschriftCarl Matthäus." Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein Perlenbeutel, ebenfalls einige Pfennige enthaltend Eine Brille.

Zugelaufen: Ein kleiner Rauhpinscher mit rothem Halsband, m. Geschlechts.

Hanau am 29. März 1878.

Königliches Landrathsamt.

Wochenschau.

B. F. Unbekümmert um die wieder hochstürmenden Wogen der äußeren Politik setzt die Reichsregierung ihre Reorganisationsbcstrebun- gen fort, denn der Reichskanzler hat offenbar das löbliche Bestreben, erst die Regierung und dann die Verwaltung des Reiches zu reorgani- siren. Auch dem deutschen Bundesrathe ist ein Nachtragsetat zugegan­gen, welcher sich hauptsächlich auf eine Mehrforderung für die Errich­tung eines Reichsschatzamtes bezieht. Das Reichsschatzamt wird keine vollständig neue Institution werden, denn dasselbe war bisher bereits als eine Abtheilung des Reichskanzleramtes vorhanden und wird von diesem losgelöst, weil die Menge und Schwierigkeit der Reichsfinanz­geschäfte eine selbstständige Verwaltung beanspruchen. Die Mehrforde­rung im Etat beträgt für das Reichsschatzamt nur 34,250 Mark, hat also für das Reichsbudget so gut wie keine Bedeutung.

Nachdem in der Person des früheren Oberpräsidenten von Han­nover, Grafen zu Eulenburg, rasch ein Minister des Innern für Preußen gefunden worden war, ist dem in dieser Angelegenheit als Minister­präsident sungirenden Reichskanzler die Suche nach einem Finanzminister, welcher bekanntlich auch eine hervorragende Rolle im deutschen Bundes­rath zu spielen hat, recht sauer geworden. Unter einem halben Dutzend Verwaltungsbeamten fand sich keins, welches Lust hatte, die Erbschaft des Herrn Camphausen, welchem unter Belassung seines Titels und Ranges vom Kaiser der Abschied bewilligt worden ist, anzutreten, bis endlich der Oberbürgermeister von Berlin, Herr Hobrecht, das Finanz­ministerium Preußens übernommen hat. Es ist schwer zu sagen, ob Herr Hobrecht im Stande sein wird, die ihm übertragene Mission aus- zuführen.

Es mag wohl im Allgemeinen keine leichte Aufgabe sein, in einem feindseligen Lande Botschafter zu sein, wie es mit dem deutschen Bot­schafter in Paris der Fall ist. Es liegen jedoch trotzdem hinreichende Gründe vor, daß es der Vertreter Deutschlands in Paris, der Fürst von Hohenlohe, vorzüglich versteht, für ein deutsch-französisches Freund- schafts- und Friedensbstndniß zu agitiren. Schon jetzt kann behauptet werden, daß der Fürst von Hohenlohe von allen Botschaftern des Aus­landes in Paris die erste Rolle spielt und Arrangements zu treffen weiß, die entschieden dazu beitragen, um die Franzosen mit dem Deutsch- thum zu versöhnen. So hatte der Fürst von Hohenlohe am 23. März, nachdem er am Tage vorher mit der deutschen Colonie in Paris den Geburtstag Kaisers Wilhelm gefeiert hatte, fast alle Personen, die in Paris eine hervorragende Bedeutung haben, im deutschen Botschafter­hotel zu einer glänzenden Soiree versammelt. Es waren in derselben zugegen der Marschall-Präsident Mac Mahon nebst Gemahlin, alle französischen Minister nebst Gemahlinnen, das gesammte diplomatische Corps in Paris, fast alle sich in Paris zur Zeit aufhaltenden Fürst­

lichkeiten, hohe französische Beamte und Militärs, Senatoren und De- putirte von Rang und Bedeutung und Pariser Schriftsteller von Ruf. Desgleichen waren die Pariser Finanzbarone Rothschild und Hirsch beim deutschen Botschafter zur Soiree erschienen und selbst die Mitglieder des verflossenen Ministeriums hatten nicht verschmäht, sich auf dem neutralen Boden der deutschen Gastfreundschaft einzufinden. Man mag sonst über den Werth einer solchen Botschaftersoiree streiten, in der französischen Hauptstadt dürfte derselbe jedoch niemals unterschätzt werden.

Nach langen Geburtswehen ist endlich ein neues italienisches Mi­nisterium zu Stande gekommen. An seiner Spitze steht Cairoli; seine Mitglieder sind den verschiedenen Schattirungen der vorgeschrittenen Linken entnommen. In der auswärtigen Politik wird, wie man fest glaubt, das neue Kabinet die Enthaltsamkeit seines Vorgängers nach- ahmen; im Innern erwartet man eine Aenderung der bisherigen Eisen­bahnpolitik, nämlich ein Abgehen der Regierung von d^n früher beab­sichtigten Verträgen mit den Privatbahnen.

Die Orientfrage zeigt seit einigen Tagen wieder ein recht ernstes Gesicht. England hat von Rußland gefordert, trotzdem dieses bereits sämmtlichen Großmächten den Friedensvertrag übermittelt hat, den Frie­densvertrag noch einmal dem Songreffe zu unterbreiten und sämmtliche Punkte diskutiren zu lassen. Nach einigem Zögern hat das russische Cabinet diese Forderung Englands rundweg abgewiesen und es kann hieraus um so eher ein Confliklssall entstehen, weil England offenbar böse Absichten hat, sonst würde es Rußland nicht durch reine Formen­fragen chikaniren. Wenn auf diese Weise der Congreß der Großmächte nicht zu Stande kommt, wird Rußland jedenfalls versuchen, sich mit jeder einzelnen Großmacht zu verständigen, doch sehen wir hierin keinen Vortheil für England. Wenn dieses wirklich Rußland aus dem Oriente verdrängen will, so mag es Rußland mit seinem eigenen Schwerte da­raus vertreiben, das übrige Europa wird sich deshalb nicht auch in einen blinden Krieg stürzen. Vielleicht wird man sich aber freuen, wenn die englischen Wollsäcke, die den Frieden des europäischen Festlaudes gefährden wollen, einmal tüchtig ausgeklopft werden.

Wenn die Beziehungen zwischen England und Rußland befürchten lassen, daß die Orientfrage friedlich zum Austrage komme, so hat es wenigstens auf der anderen Seite, zwischen Rußland und Oesterreich, den Anschein, als ob man zu einer Verständigung gelangen werde. Um Oesterreich zu befriedigen, soll die russische Regierung die beffarabische Frage vertagt und auch Zugeständnisse bezüglich der bulgarischen Grenz- regulirung gemacht haben; ferner hätte die russische Regierung der österreichischen eine dieser beliebigen Gestaltung der Verhältnisse in Bos­nien vollständig anheimgestellt. Wenn der österreichische Kanzler dies Alles durch die Creditbewilligung der sechzig Millionen Gulden erreicht hat, kann er sich zu seiner Politik gratuliren. Es ist jedoch auch möglich, daß es Rußland vorzieht, sich nicht gleichzeitig mit England und Oesterreich auf schlechten Fuß zu stellen, damit es am Ende nicht genöthigt wird, nach zwei Seiten hin Krieg zu führen.

In der Türkei dauern, wie es kaum anders lxin kann, die ver­worrenen Zustände fort. In den türkischen RegieruMs^ezsen hat man sich von den Schicksalsschlägen noch nicht so weit erholt, um mit neuem Muthe Hand an ein neues Staatsleben zu legen. Die Schwierigkeiten für die Türkei sind aber auch enormer Natur. Hunger und Elend herrschen in den noch übrig gebliebenen Provinzen und in Thessalien und Epirus wüthen sogar Aufstände, von denen die Türkei zwar neuer­dings einige mit blutiger Keule niedergeschlagen hat, die jedoch immer und immer wieder emporlodern. Außerdem herrscht in den türkischen Staatskassen eine vollständige Ebbe und die spärlichen Einkünfte der übrig gebliebenen Provinzen müssen wohl zum größten Theile dazu be­nutzt werden, um die Kriegsentschädigung an Rußland zu bezahlen. Unter diesen Umständen nimmt es sich fast ironisch aus, wenn der Sul­tan Abdul Hamid sich an einzelne begabte türkische Staatsmänner klam- mert und dem aus der russischen Gefangenschaft heimkehrenden Dman Pascha, dem Helden von Plenum, einen Ehrensäbel mit Diamanten ver­leiht, damit der türkische Staat noch vor gänzlichem Untergänge gerettet werde.