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Zugleich Amtliche- Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Donnerstag den 28. März.
1878.
Tagerfcha«.
Eine russische Stimme.
(A. d. Schw. Stert)
St. Petersburg, 22. März. Das Verhältniß mit England hat sich in den letzten Tagen erheblich zugespitzt. Vielleicht hat schon, ehe dieser Brief in Ihre Hände gelangt, der Telegraph eine Entscheidung nach der einen oder der andern Seite gemeldet. Es scheint, als ob England in der That den Krieg mit aller Gewalt wolle, denn anders läßt sich sein Verhalten nicht erklären. Schon sollten die russischen Truppen in Bujukdere eingeschifft werden, da erhebt Layard wieder Protest, die englischen Kriegsschiffe im Marmarameer werden nicht zurückgerufen, sondern ihre Zahl wird verstärkt. Da ist denn von Seiten Rußlands wohl nichts anders mehr möglich, als an das englische Ka- binet die bestimmte Frage zu richten: was es denn eigentlich wolle? Und diese Frage wirft denn das Journal de St. Petersb. Heute an erster Stelle in einepr längeren Artikel auf, dessen Inhalt ich in seinen wesentlichsten Punkten wieder zu geben nicht verfehlen will. „Der Prä- liminarfriede, so beginnt der Artikel, ist geschloffen und genehmigt. Der Kongreß ist zusammenberufen. Allen Kabinetten ist die vollständigste Freiheit, sowohl in Bezug auf Beurtheilung, als auf ihr Handeln vorbehalten. Es ist nicht zweifelhaft, daß die große Mehrheit der Vertreter auf dem Kongresse mit dem Wunsche erscheinen wird, einen soliden und dauerhaften Frieden herbeizuführen. Inzwischen ist es wiederum die englische Politik, welche die friedlichen Hoffnungen Europas in Frage setzt, indem durch sie Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten gehäuft werden, welche durchaus geeignet sind, die Eröffnung des Kongresses Hinauszu- schieben. Ferner ist die englische Flotte in die Dardanellen eingedrun- gen, ohne daß sie auf Grund der bestehenden Verträge ein Recht hiezu gehabt hätte, und ungeachtet dessen, daß der Sultan dagegen protestirt hatte. Endlich hat sich die Pforte in Folge eines Protestes des englischen Gesandten in Konstantinopel der Einschiffung der russischen Truppen in Bujukdere widersetzen müssen. „Ist es nicht an der Zeit", fährt das Journal wörtlich fort, „an das englische Kabinet die Frage zu richten, was es denn definitiv wolle? Will es den Krieg verlängern, wieder anfachen, ausbreiten, während Alle in Europa, sowohl die Kriegführenden, als auch die Neutralen, nach Wiederherstellung und Befestigung des Friedens trachten. Wenn dem so ist, dann möge das englische Kabinet es sagen, damit die Welt wisse, was und weshalb es das will. Wir sprechen nicht von den europäischen Interessen. Wir wiederholen, es ist unzweifelhaft, daß sie friedlicher Natur sind. Welches sind aber die englischen Interessen, welche bedroht sein sollten? Ist es Egypten? der Suezkanal? gewiß nicht! sind es die Meerengen? Aber die Lösung dieser Frage ist dem Kongreß vorbehalten worden, und es ist England ganz allein, welches den Zusammentritt desselben hinausschiebt. Ist es endlich Konstantinopel? Aber die Anwesenheit der russischen Truppen in San Stefano ist nur eine Folge der Anwesenheit der englischen Schiffe im Marmorameer, und es ist wiederum England allein, welches die Räumung des Landes von den russischen Truppen hinausschiebt. Wir stellen es mit tiefem Schmerze fest, aber es gibt für diese befremdliche Haltung der englischen Regierung nur eine einzige Erklärung. Durch ihre unschlüssige und übelgesinnte Politik seit dem Beginn der orientalischen Krisis und während der Dauer des ganzen Krieges kompromittirt, erblickt sie in dem Frieden, wie dieser im Präliminar- vertrag zum Ausdruck gekommen ist, nur einen russischerseits errungenen Erfolg und ein Attentat auf ihr eigenes Prestige im Orient. Was England jetzt braucht ist das: entweder Rußland eine Schlappe bei- bringen oder von seiner Uebermacht Zeugniß zu geben, indem es den durch Rußland geschaffenen vollendeten Thatsachen gegenüber eine andere, ihm nur allein zum Vortheil gewährende vollendete Thatsache schafft und entgegenstellt. Ziemt es Europa, es geschehen zu lassen, daß eine einzige Macht bte Interessen des Friedens auf's Spiel setze, daß sie neue Schlachtopfer im Orient und vielleicht sogar einen allgemeinen Weltbrand hervorrufe, blos um ihrer Eigenliebe und ihrem Prestige Genüge zu leistend Diese Frage drängt sich den Kabineten und der öffentlichen Meinung zu ernster Erwägung auf. Die Zeit der diplomatischen Erörterungen und der zweideutigen Erklärungen ist nun vorüber. Die ' ganze Welt will den Frieden.' England allein verhindert ihn. Wird Europa das dulden? Wenn nicht, dann möge es England vor seinen^
Richterstuhl berufen und es auffordern, sich auf den Standpunkt des Rechts zu stellen und die Meerengen mit einer formellen Verpflichtung, in dieselben nicht mehr einzulaufen, zu verlassen. Wenn je, dann wäre es mit der Unabhängigkeit des Kontinents zu Ende und der Friede der Welt wäre der Willkür der englischen Politik preisgegeben." In einem weiter folgenden gewöhnlichen Leitartikel weist das Journal dann die Times ein wenig zurecht, welche von der Rede des Grafen Androssy sagte, sie sei von der höchsten Wichtigkeit, „weil man sie dahin auslegen könne, daß Deutschland seinen Einfluß geltend machen würde, um Rußlands Bedingungen zu mäßigen", und daß man „in diesem Falle auf eine friedliche Lösung hoffen könne." Das Journal macht die Times darauf aufmerksam, daß eben die Schwierigkeiten der Lösung nur von England kommen, und daß es von einer ungewöhnlichen Ungeschicklichkeit zeuge, Deutschland eine solche Rolle zuzuschreiben. Nicht ohne Bedeutung ersch.int folgende Stelle in diesem Artikel: „Wenn Europa vor die Wahl gestellt würde, entweder sich vom Kabinet Beaconsfield Vorschriften ertheilen zu lassen, oder aber ohne seine Mitwirkung zu verhandeln, so würde die Jsolirung doch viel schmerzlicher von letzterem als von ersterem empfunden werden, und es würde für die kontinentalen Mächte nicht ganz unmöglich fein, ihren Frieden mit soliden und dauernden Garantien zu versehen, und zwar bis zu dem Grade solide und dauerhaft, daß sie in keiner Weise mehr Gefahr laufen würden." Der Schluß wird dann versöhnlich und gibt der Hoffnung Ausdruck, England möge den richtigen Weg wiederfinden zu einer Verständigung mit den europäischen Mächten, und dadurch die Stellung unter ihnen wieder einnehmen, welche ihm gebühre. Wie man sieht, die Sprache ist ernst, aber hoffentlich geht der Sturm vorüber. Daran zweifeln wir hier nicht mehr, daß im Kriegsfalle England allein Rußland gegenüber stehen wird. Die Stimmung im Lande in allen Klassen ist gegen England eine im höchsten Maße erbitterte geworden. Aber man wünscht den Frieden allgemein und so hofft man auch, daß er erhalten bleibe.
— Berlin, 27. März. Reichstag. (Fortsetzung.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (23.) Sitzung führte das Haus die zweite Berathung des Etats der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung für das Jahr 1878/79 zu Ende und wurde der Etat nach den Vorschlägen der Commission bewilligt.
(Schluß 4'/- Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr.) (Fortsetzung folgt.) (R. u. St-.A.)
. ,— Berlin, 27. März. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In
der heutigen (73.) Sitzung theilte der Präsident mit, daß der Abg. Hansen (Flensburg) gestorben sei. Das Haus ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen.
Hierauf setzte das Haus die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Staatshaushalts-Etat für das Jahr vom 1. April 1878/79, fort.
(Fortsetzung folgt.) (R. u. St.-A.)
_ 241 Plenarsitzung des Deutschen Reichstages, Donnerstag, den
28. März 1878, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Erste und zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die vorläufige Erstreckung des Haushalts-Etats des Deutschen Reichs für das Etatsjahr 1877/78 auf den Monat April 1878. — Fortsetzung der Berathung des mündlichen Berichts der Kommission für den Reichshaushalts Etat über die derselben zur Vorberathung überwiesenen Theile des Etats der Reichspost- und Telegraphenverwaltung für das Etatsjahr 1878/79. — Mündlicher Bericht der Kommission für den Reichshaushalts-Etat über die derselben zur Vorberathung überwiesenen Theile des Etats für die Verwaltung des Reichsheeres auf das Etatsjahr 1878/79. — Mündlicher Bericht der Kommission für den Reichshaushalts-Etat über die derselben zur Vorberathung überwiesenen Kapitel 1, 3, 9 und 12 der Einmaligen Ausgaben und Kapitel 16 und 18 der Einnahmen des Reichshaushalts - Etats für das Etatsjahr 1878 79. — Erste und zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Zuwiderhandlungen gegen die zur Abwehr der Rinderpest erlassenen Vieh-Einfuhrverbote. — Erste und zweite Berathung des Gesetzrntwurfs, betreffend den Bau von Eisenbahnen in Lothringen. — Erste und zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Beglaubigung öffentlicher Urkunden. — Berathung des Berichtes . der Reichsschulden-Kommission. — Mündlicher Bericht der Wahlprn-