Einzelbild herunterladen
 

»»««r»estS- Preis:

SSHrlich 9 Mor!. HsILj. 4 M. 50 P.

Vierteljährlich I Mark SS PfA. Für auswärtige Abonnenten »tt dem betreffen­des Postaufichlag. M« einzelne Num» mer 10 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage^ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Torrespondenz.

ffnferti»»* Prei»!

Die IjPaltlg« Garmondzetle »K deren Raum

10 P,g.

Sie Sspalt. 8*0«

80 Pfg.

Sie SjpaltigeSetU 80 Pig.

JE 71.

Momaq den 25. März.

1878.

ÄmtltcheK.

Polizeiliche Vorschrift.

Unter Bezugnahme auf den §. 5, Abs. 3 der Verordnung über die Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867, wird nach Berathung mit der Stadtbehörde folgende polizeiliche Vorschrift erlassen:

Zur Durchführung der von den städtischen Behörden dahier ange­ordneten vom 1. April d. J. ins Leben tretenden anderweiten Erhe­bung des Maktstandgeldes wird folgendes bestimmt:

Jeder den Markt besuchende Verkäufer ist verpflichtet, die ihm gegen Zahlung des tarifmäßigen Marktstandgeldes behändigt werdende Papiermarke so lange auszuheben, als er auf dem Markt verbleibt, um solche dem Controleur des Erhebers auf Verlangen vorzeigen zu können, widrigenfalls nochmalige Zahlung gegen Lösung einer neuen Marke er­folgen muß.

Alle Marktstandgeldermarken sind nur für den Tag gültig, an welchem sie gelöst sind.

Wer versuchen sollte, eine solche an einem späteren Tage durch Vorzeigung bei dem Controleur nochmals zu verwenden, verfällt einer Strafe von 3 Mark eventuell 1 Tag Haft.

Hanau am 6. März 1878.

Gefnnden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld u. 2 Schlüsseln.

Verkoren: Ein goldener Federring. Ein brauner Alpacca- Regenschirm mit Holzgriff.

Hanau am 25. März 1878.

Königliches Landrathsamt.

Tagesscha«.

Ein TheilungSprojekt der Türkei 1782.

(A. d. Schw. Wert.)

Seitdem die Türken aufhörten gefährlich zu sein, hatte Oestreich sie gern zu Nachbarn. Während der. Kriege, welche Maria Theresia in Deutschland und Italien führte, hatte sich gezeigt, wie erwünscht an der untern Donau ein ohnmächtiger Nachbar sei. Als Katharina II. nach dem Frieden von Teschen (1779) ihre Pläne gegen den Bestand des türkischen Reichs offenbarte, glaubte man in Wien die russische Macht nicht der Aufgabe gewachsen, das Reich der Osmanen zu zertrümmern, und war der Ansicht, Oestreich könne im Bunde mit Rußland ohne Gefahr erwünschte Eroberungen machen. Ein wirkliches Bündniß zwi­schen Oestreich und Rußland wurde indeß bei Maria Theresia's Leb­zeiten nicht geschlossen und auch nach ihrem Tode (f 29. Nov. 1780) nur in der Form von Briefen, welche Josef und Katharina seit dem 18. Mai 1781 austauschten. Am 21. Sept. 1782 fixirte Katharina ihre Gedanken in folgender Weise. Aus Moldau, Wallachei und Bes- sarabien wird ein unabhängiger Staat Dakien unter einem griechisch­gläubigen Fürsten gebildet, wozu Potemkin in Aussicht genommen war. Rußland direkt behält die eroberte Krim, bekommt dazu Otschakow, das Land vom Bug bis zum Dniester und zu Handelszwecken eine oder zwei Inseln im Archipel. Das übrige türkische Reich in Europa sollte unter der Herrschaft des Großfürsten Konstantin, Enkels der Kaiserin Katha­rina, das griechische Reich bilden; dessen Krone nie mit der russischen vereinigt werden kann. In der Erwiderung vom 13. Okt. 1782 for- mulirt Josef II. seine Wünsche, ohne sich auf da» türkische Reich zu beschränken, in folgender Weise. Oestreich erhält in der Moldau Chotim mit seinem Bezirk zum Schutz von Galizien; die kleine Walachei bis zur Aluta, dann von dem rechten Donauufer von der Aluta aufwärts einen drei Meilen breiten Streifen mit den Festungen Nikopolis, Wid- din, Orsova und Belgrad; ferner alles Land westlich einer möglichst geraden Linie, die von Belgrad nach dem Golf von Drina am adria- tischen Meere gezogen würde, also außer türkischem auch venetianer Be­sitz und die Republik Ragusa; endlich außer diesem Dreieck noch das gesammte Gebiet Venedigs auf dem Festlande, welches früherseinem Staat" entrissen worden sei, wobei Josef das deutsche Reich und seine Erbstaaten verwechselte. Venedig könnte durch Morea und Kandia rc. entschädigt werden. An diesem Plan ist besonder» da» intereffant, daß

manche dieser Landurecken später von Oestreich erworben und wieder verloren worden sind (Belgrad, Venetien rc.).

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht dem Vice- Präsidenten des Staats-Ministeriums, Staats- und Finanz-Minister Camphausen unter Belassung des Titels und Ranges eines Staats- Ministers die nachgesuchte Dienstentlassung zu ertheilen-

Der Reichskanzler hat dem Bundesrath eine Ergänzung z» dem gegenwärtig der Besch^ußnahme des Reichstags unterliegenden Entwurf des Reichshaushalts-Etats für 1878 - 79, sowie den Antrag Preußens, betreffend den Entwurf eines Gesetzes wegen Uebernahme bisher aus preußischen und sächsischen Landesfonds gezahlter Pensionen auf das Reich, zur Beschlußnahme vorgelegt. )

Berlin, 23 März. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In der heutigen (72.) Sitzung theilte der Präsident von Bennigsen zunächst mit, daß Se. Majestät der Kaiser die Glückwünsche des Hauses, die Ihm gestern durch das Präsidium überbracht seien, huldvollst und mit herzlichem Danke entgegengenommen. haben.

In der Generaldebatte über den Entwurf eines Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetze ergriffen die Abgg. Dr. Miguel, Dr. Lasker, Dr. Wehr (Conitz) und Dr. Gneist, sowie zu wiederholten Malen der Justiz-Minister Dr. Leonhardt für die Beschlüsse des Herren­hauses das Wort, während der Abg. Windthorst (Meppen) sich gegen dieselben erklärte.

Ehe das Haus in die Spezialdebatte eintrat, gelangte ein Schrei­ben des Präsidenten des Staats-Ministeriums, Fürsten von Bismarck, zur Verlesung, durch welches derselbe anzeigt, daß des Kaisers und Kö­nigs Majestät durch Allerhöchste Ordre vom heutigen Tage dem Vize- Präsidenten des Staats-Ministeriums, Staats- und Finanz-Minister Camphausen, die nachgesuchte Dienstentlassung zu ertheilen geruht haben.

In der Spezialdiskussion wurden sodann die §§. 149 (darunter auch die vom Herreuhause abgeänderten §§. 21 und 27) ohne Debatte angenommen. Die ebenfalls abgeänderten §§. 50 und 51 wurden in namentlicher Abstimmung mit 203 gegen 165 Stimmen angenommen; 13 Mitglieder enthielten sich der Abstimmung. Endlich wurde das Ge­setz im Ganzen mit sehr großer Majorität in der Fassung des Herren­hauses genehmigt.

(Fortsetzung folgt.) (R. u. St.-A.)

Berlin, 23. März. (Köln. Ztg.) In Abgeordnetenkreisen ist man fest überzeugt, daß die Errichtung eines Eisenbahn-Ministeriums für jetzt abgelehnt werden wird. Die Ministersuche ist noch nicht be­endigt ; bis gestern Abend hatte der Regierungs-Präsident Hoffmann, der übrigens ursprünglich wegen Eisenbahnverwaltung hierher berufen war, die Uebernahme des Finanz-Ministeriums noch nicht zugesagt. Fürst Bismarck ist über die vielen Ablehnungen so aufgeregt, daß er davon gesprochen hat, die Flinte ins Korn zu werfen. Sein Befinden ist in der That so leidend, daß seine Familie dringend wünscht, er möge seine Entlassung begehren. Der Regierungs-Präsident in Danzig, Hoffmann, hat die Uebernahme des Finanz-Ministeriums entschieden abgelehnt. Man unterhandelt mit dem Ober-Bürgermeister von Berlin, Hobrecht, wegen Uebernahme des Finanz-Portefeuilles. Wie es heißt, hat derselbe sich dazu bereit erklärt. Hobrecht war früher Ober-Bür­germeister von Breslau und vorher Vortragender Rath im Ministerium des Innern. Er gehört politisch der altliberalen Richtung an. Zur Hebung noch immer auftauchender Zweifel in Betreff der Anrechnung der letzten Kriegsjahre als Kriegsdienstzeit hat das Kriegs-Ministerium erläutert, daß unter Frankreich nicht das heutige Gebiet desselben, son­dern jene Grenze zu verstehen sei, wie sie vor dem Beginn des Krieges bestanden. Bei zweimonatlichem dienstlichen Aufenthalt jenseit dieser Grenzlinie ist jedes Dienstjahr, worin solcher Aufenthalt Statt gehabt, selbst dann doppelt zu rechnen, wenn die Betreffenden in keinem Gefechte betheiligt oder zeitweilig durch Krankheit dienstunfähig waren. Auch die, welche immobilen oder Ersatztruppen angehört und jenen Bedingun­gen genügt, haben gleichen Anspruch.

Wilhelmshaven, 21. März. (Wes. Ztg.) Heute Nach­mittag 3 Uhr fand auf der hiesigen Kaiserlichen Werft durch den Ma-