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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage^ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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M 65.
Moutag Nil 18. März.
1878.
Tagesschan.
— Berlin, 16. März. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (66.) Sitzung beschäftigte das Haus die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die evangelische Kirchen- verfassung in der Provinz Schleswig-Holstein und in dem Amtsbezirke des Konsistoriums zu Wiesbaden und nahm es denselben nach längerer Debatte unverändert an.
In der heutigen (67.) Sitzung theilte der Präsident zunächst mit, daß ein Gesetzentwurf, betreffend die Feststellung eines Nachtrages zum Staatshaushalts-Etat für 1878/79 eingegangen sei.
In der Generaldebatte der dritten Berathung über den Gesetzentwurf, betreffend den Forstdiebstahl, sprach der Abg. Graf Bethusy-Huc für die Annahme, der Abg Seydel für die Ablehnung des Entwurfes, welchen Letzterer noch nicht reif zur Beschlußfassung hielt.
(Fortsetzung folgt.) (R. u. St.-A.)
— Berlin, 16. März. (Köln. Ztg.) Der Wunsch Spaniens, in Berlin eine Botschaft zu errichten, soll noch mit anderen Combinationen zusammenhängen, namentlich wegen der Besetzung des Postens in Wien. Die Bestimmung, falls sie sich verwirklicht, würde aber selbstverständlich dem Beschlusse der spanischen Kammern untergeordnet bleiben, die sich übrigens bei anderen Gelegenheiten gegen einseitige Botschaften ohne Gegenseitigkeit ausgesprochen haben.
— Berlin, ^16. März. (Köln. Ztg.) In parlamentarischen Kreisen befestigt sich die, indessen immer noch der Bestätigung bedürfende Annahme, daß der deutsche Botschafter in Wien, Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode zum Stellvertreter des Reichskanzlers ersehen sei. Zufällig scheint jedenfalls sein Eintreffen in Berlin nicht, nachdem er als künftiger Vicekanzler schon seit Anfang der vorigen Woche mehrfach genannt worden war. Schon als Präsident des Herrenhauses hat er sich als ein Mann von Umsicht und sehr versöhnlichen Formen gezeigt; auch ist er seit längerer Zeit für eine Verwendung im höheren Reichs« dienst in Aussicht genommen. Trotzdem will man hier und da seine Berufung zum Vicekanzler bezweifeln, während Abgeordnete wissen wollen, die Entscheidung sei bereits gestern getroffen worden.
— In Beantwortung der Anfrage des Reichskanzlers, wie die Regierungen sich zu der Frage des Tabaksmonopols stellen würden, hat sich, nach dem „D. Mont.-Bl.", die Mehrzahl der größeren Bundesregierungen, namentlich Baiern, Sachsen und Baden gegen die Einführung des Monopols ausgesprochen und die eingehende Erörterung der Frage als nothwendig bezeichnet, ob die Fabrikalsteuer in Deutschland eingeführt werden könne. In Folge dessen hat das preußische Staatsministerrum beschlossen, die in Aussicht genommene Enquete auch auf die Fabrikatsteuer auszudehnen, während nach der ursprünglichen Absicht der preußischen Regierung der Gesetzentwurf betreffend die statistische Erhebung über die deutsche Tabaksindustrie die Einführung des Monopols vorbereiten sollte. Wie wir hören, hat der Finanzminister Camphausen sich außer Stande erklärt, die so in ihrem Zielpunte modifizirte Vorlage vor dem Reichstage zu vertreten und dieserhalb auf der sofortigen Genehmigung seines Entlassungsgesuchs bestanden.
— In den deutschen Münzstätten sind bis zum 9. März 1878 geprägt worden, an Goldmünzen: 1,177,688,200 Mark Doppelkronen, 365,229,960 Mark Kronen, 27,782,965 Mark halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 251,503,540 Mark; an Silbermünzen: 71,652,415 Mark 5-Markstücke, 97,810,530 Mark 2-Markstücke, 148,214,428 Mark 1-Markstücke, 71,486,388 Mark 50-Pfennigstücke, 35,717,718 Mark 20 Pf. 20-Pfennigstücke. Gesammtausprägung an Goldmünzen betrug: 1,570,701,125 Mark; an Silbermünzen: 424,881,479 Mark 20 Pf.
— Weimar, 15. März. Der Landtag beschloß in seiner heutigen Sitzung, in Weimar und Eisenach Landgerichte zu errichten und wegen des Neustädter Kreises sich mit den reußischen Fürstenthümern über die Errichtung eines gemeinschaftlichen Landgerichtes in Gera zu vereinigen.
— Wien, 16. März. Der „Presse" wird aus Bukarest gemeldet, Rustschuk und Silistria seien von den Russen bereits wieder in Ver
theidigungszustand gesetzt. Wie sich das gedachte Blatt ferner berichten läßt, hätte die rumänische Regierung beschlossen, im Falle einer gewaltsamen Okkupation Bessarabiens durch die Russen nicht nur auf die Do- brudscha zu verzichten, sondern auch die Donaumündungen und die abwärts von der Pruthmündung in der Donau liegenden Inseln den Russen preiszugeben und den Mächten die Entscheidung darüber zu überlassen, ob ein solcher russischer Besitz den Interessen Europas entspreche.
— Die Republique Franyaise äußert: „Die Ausdehnung, welche der Vertrag von San Stefano der Bulgarei anweist, ist geradezu unanständig; es wäre eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn Kawala und ein Theil des Archipelagus, worin das bulgarische Element, in Mitte einer beinahe ausschließlich hellenischen Bevölkerung, nur durch ein paar Sackträger repräsenürt ist, dem neuen Fürstenthum einverleibt werden sollte. Warum nicht die Bulgarei bis an den Peloponnes, bis an das Cap Makapan unter dem Borwande ausdehnen, daß Fallmerayer geschrieben hat, Griechenland sei nur noch von Slawen bevölkert? Von den fünf Millionen Einwohnern, welche der zukünftige dem General Jgnatiew so theuere Staat enthalten soll, sind beinahe zwei Millionen von hellenischer Race und Cultur; sie sind hauptsächlich im Süden des Balkans angesiedelt und würden ungeduldig das Joch der bulgarischen Herrschaft ertragen."
— Der Messager d'Athenes bringt folgende Betrachtungen über die Gränzen der Bulgarei und die ethnographische Vertheilung der Bevölkerung dieser Provinz:
„Die Bulgaren sind seit einigen Jahren der Gegenstand der wohlwollenden Fürsorge der Panslavisten und des Cabinettes von Petersburg. Die Conferenz von Konstantinopel hat sie so zu sagen als verzogene Kinder behandelt, und man spricht jetzt von der Herstellung einer Bulgarei, in deren Gränzen zahlreiche Völkerschaften einbegriffen sein werden, die mit ihnen nichts gemein haben. Wir meinen die Hellenen verschiedener Bezirke von Thrakien und Macedonien, die sich gar nicht geschmeichelt fühlen werden, wenn sie unter die Herrschaft der Bulgaren kommen werden. Mehr als zwei Millionen, die einzigen legitimen Besitzer dieser Gegenden, würden Unterthanen der Bulgaren werden, welche, wie die Russen an Ort und Stelle feststellen konnten, für dieselben noch ärgere Tyrannen sein würden, als selbst die Muselmänner. Panslavisten, welche seit zwanzig Jahren ihre Umtriebe auf die griechischen Provinzen Thrakien und Macedonien gerichtet hatten, haben es geschickt verstanden, eine große Verwirrung in den von den Bulgaren besetzten Gebieten zu schaffen. Ihre zahlreichen Publikationen, begründet auf eingebildete Thatfachen, haben eine Zeit laug die Welt glauben gemacht, daß die Griechen in Thrakien und Macedonien in der Minderzahl seien und daß die Bulgarei nicht weniger als sechs bis sieben Millionen Einwohner zähle. Man ist heute besser unterrichtet über diese Zahlen, aber man beharrt bei dem Glauben, daß die ethnographischen Arbeiten des Geographen Kiepert die Frage über die Gränzen der Bulgarei vollkommen aufgeklärt hätten. Die Bevollmächtigten der Großmächte auf der Conferenz von Konstantinopel und Herr v. Bismarck selbst haben sich durch diesen Glauben beeinflussen lassen. Die trefflichen ethnographischen Arbeiten der Herren Bianconi und Synvet, begründet auf Erhebungen am Orte selbst, haben aber seitdem die Karte von Kiepert vollständig widerlegt. Nach diesen bemerkenswerthen Studien ist das griechische Element vorwiegend unter einer Linie, die sich vom Adriadischen Meere über Berat bis Missiwri am Schwarzen Meere erstreckt und über Sta- rowa, Ochrida, Kritschowo, Köpcülü, Radowiti, Meonia, Tatar-Basard- schik, Eskisaghra, Jamboli und Aidos läuft. Zwischen dem Meere und dieser Linie findet man Bezirke mit einer gemischten Bevölkerung, welche sich beide Nationalitäten streitig machen, aber die griechische Bevölkerung ist auf der ganzen Linie von Aidos nach Philippopel eine kompakte. Landstriche unter dieser Linie in die Bulgarei einschließen, würde dem Grundsätze der Nationalitäten Widerstreiten, auf welche Rußland sich für seine Schützlinge beruft. Es bleibt noch die Frage der Bezirke mit gemischter Bevölkerung, wie derjenigen der Umgegend von Varna und der Striche von dieser Stadt bis Missiwri zu erledigen. Ein einfaches