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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage^ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Donnerstag dm 14. März.
M 62.
H e s s ch a n.
Zeitbetrachtungen.
(». *. Schw Mer!)
Im gegenwärtigen Stadium der orientalischen Krisis ist kein Punkt wichtiger, als die Politik, welche Oestreich hinsichtlich Bosnien und der Herzegowina einschlagen wird. Beruhigend ist es, daß die seit Wochen für die nächsten Tage angekündigte Okkupation der genannten Länder noch nicht erfolgt ist, denn mit jedem Tage wird sie unwahrscheinlicher, weil weniger gerechtfertigt. Die Politik Napoleons III, an die preußische Regierung das Ansinnen zu stellen, einen Vortheil für Frankreich abfallen zu lassen, weil es dem Kriege gegen Oestreich ruhig zugesehen, ist prinzipiell allgemein verdammt worden; aber die Forderung war vor dem Friedensschlüsse gestellt und die Durchführung derselben mit Gewalt durchaus nicht hoffnungslos, da Oestreich nach dem kurzen Feldzug nicht im entferntesten sich in einem Zustand der Erschöpfung aller Hülfsquellen befand, wie jetzt die Türkei. Eine Okkupation könnte jetzt nach dem Friedensschluß nur als Vorbereitung zur Annexion aufgefaßt werden, und dazu fehlt jedes Motiv, wenn man nicht etwa ganz spat auf den Eid zurückkommen wollte, welchen der König von Ungarn dem Herkommen nach bei seiner Krönung aus dem Rakoschfelde zu" leisten hat: die Avulsa (abgerissenen Länder) zur St. Stefanskrone zurückzubrinzen. Eine Okkupation ohne ausgesprochenen Zweck wäre im Lauf des Krieges mehrmals ganz angezeigt gewesen und ist als Parallelaktion mehr als einmal erwartet worden; ihre Deutung konnte dann nach dem Lauf der Dinge beim Friedenschluß definitiv erfolgen. Eme Besetzung als Einleitung der Besitznahme von Seite Oestreichs würde den Konkurs eröffnen über die türkische Masse. Es würden sich dann noch andere am Kriege nicht betheiligt gewesene Mächte aus historischen oder geographische Gründen als Liebhaber .türkischer Gebietstheile anmelden und diese Ansprüche würden die gefährlichste Bedrohung des europäischen Friedens enthalten. Neben dieser europäischen Seite der Angelegenheit darf man nicht übersetzen, daß Rußland, welchem während der für seine Waffen ungünstigen Periode des Krieges die Parallelaktion vielleicht ganz erwünscht gewesen wäre, jetzt nach geschlossenem Frieden es für seine Ehrenpflicht ansehen wird, den darnie- dergeworsentn Gegner vor weiterer Beraubung zu schützen. Diese Forderung aber gegen Rußland mit Gewalt durchzusetzen, ist aussichtslos, angesichts der Stellung Rußlands an den von Rumänen und Serben bewohnten Grenzländern Oestreichs. Die höchst zweifelhafte Stärkung der östreichischen Monarchie durch slavische Elemente vorwaltend griechischer Konfession ist zu oft hervorgehoben worden, als daß wir etwas hinzuzufügen wüßten. So ist zu hoffen, daß die Partei, welche sagt: Weil wir so und so viel Quadratmeilen in Italien verloren haben, müssen wir so und so viel Quadratmeilen in Bosnien und der Herze- gowma gewinnen — daß diese Partei im Rath der Krone nicht siegen wird. (Nach den neuesten Erklärungen Andrassy's darf man annehmen, daß die Absichten Oestreichs auf Bosnien und Herzegowina mindestens vertagt sind.) -------------
— Berlin, 13. März. Reichstag. (Fortsetzung.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (19.) Sitzung empfahl bei der Berathung der gestern mitgetheilten, von der Budgetkommission beantragten Resolution, betr. die Aversen von Hamburg und Bremen, der Abg. von Kardorff die Annahme der Resolution, was auch mit großer Majorität geschah.
Es folgte der Bericht der Budgetkommission über die einmaligen Ausgaben des Etats der Eisenbahnverwaltung für 1878/79. Die Kommission beantragte die Bewilligung der in Ansatz gebrachten Summen, sowie den Reichskanzler aufzufordern, dem Reichstage alljährlich eine Uebersicht über den Fortgang des Baues der Reichs-Eisenbahnen vor- zulegen. Der Bevollmächtigte zum Bundesrath Unter-Staatssekretär Herzog erklärte, daß er die Resolution so auffasse, daß es der Budgetkommission darauf ankomme, dem Reichstage die Uebersicht über das jedesmal abgelaufene Etatsjahr vorgelegt zu sehen. Der Referent Abg. Richter (Hagen) bestätigte dies mit dem Hinzufügen, daß dem preußischen Landtage nicht blos das Resultat des vergangenen Jahren, sondern auch das für die Zeit vom 1. April bis zum 30. September vorgelegt worden sei.
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1878.
Der Antrag der Kommission wurde angenommen.
Vierter Gegenstand der Tagesordnung war der Bericht über den Etat der Verwaltung der Kaiserlichen Marine für 1878/79.
Bei Kap. 53 (Naturalverpflegung) wurden in Folge der zu Kap. 52 gefaßten Beschlüsse 12,000 Mk. weniger bewilligt.
Zu Kap. 7 der einmaligen Abgaben beantragte die Kommission zwei Positionen als erste Raten für den Bau zweier neuer Panzerschiffe im Betrage von 876,000 und 462,000 Mk. zu streichen.
Der Referent Abg. Rickert bemerkte, diese nothwendige Einschränkung sei begründet, weil in Betreff der Panzerschiffe fast schon d e Forderungen des Flottengründungsplanes erfüllt seien. Auch habe der Chef der Admiralität zugegeben, daß die neuen Ecfindungeu im Torpedowesen Modifikationen im Baue der Panzerschiffe erforderlich machten, wozu namentlich die Erfahrungen im russisch-türkischen Kriege Vecan- lassung gäben.
Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Chef der Admiralität, Staats-Minister von Stosch erkannte das letztere Motiv an und sprach die Erwartung aus, daß ihm im nächsten Jahre die Mittel gewährt werden würden, den Bau der beiden Panzerschiffe zu beginnen.
Die Positionen wurden demnach gestrichen, ebenso ohne Debatte 450,000 Mk zum Bau und zur ersten Ausrüstung von zwei Feuerschiffen für das Gjedser-Riff.
Bei Kap. 19 der Einnahme (Außerordentliche Zuschüsse aus der Anleihe) Titel 15 (zu einmaligen Ausgaben der Marineverwaltung) wurde ohne Debatte statt der in Ansatz gebrachten Summe von 33,368,665 Mk. die Summe von 32,580,165 Mk. eingestellt.
Die übrigen Titel wurden nach dem Anträge der "Kommission bewilligt.
Es folgten Berichte der Wahlprüfungskommission. Dieselben betrafen die Erledigung von Beschlüssen, welche das Haus bri der P:u- fung der Wahlen der Abgg. Staudy, Freiherr von Tettau, v. Gordon, Dr. Wolffjon, Götting und Berger gefaßt hat. Sämmtliche Kommis- sionsanträge wurden ohne Debatte angenommen. (Schluß 33/4 Uhr.)
In der heutigen (20.) Sitzung erklärte das Haus auf den Antrag der Wahlprüfungskommission, in deren Namen der Abg. Dr. Nieper referirte, und gegen den Widerspruch des Abg. Hasenclever die Wahl des Abg. Dr. Beseler im 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreise für gültig Hierauf ging das Haus zu der Berathung von Petitionen über.
(Fortsetzung folgt.) (R. u. St-.A.)
— 65. Plenarsitzung des Hauses der Abgeordneten. Donnerstag, den 14. März 1878, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, den Forstdiebstahl betreffend. — Zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die evangelische Kirchenverfassung in der Provinz Schleswig-Holstein und in dem Amtsbezirke des Konsistoriums zu Wiesbaden.
— Berlin, 12. März. Die Frage des Vorsitzes auf dem Con- greß hat das englische Parlament beschäftigt. Man glaubt hier, Fürst Bismarck werde präsidiren und sollte er zeitweilig verhindert sein, vielleicht doch nicht durch Gortschakoff, sondern durch den Minister v. Bülow vertreten werden. — Von der Bezeichnung des Prinzen Reuß als Fürsten von Bulgarien will man hier nur aus den Zeitungen erfahren haben, wo auch schon früher davon die Rede war. Das Gerücht ist jedenfalls verfrüht. Es könnte auch ein Eingeborener Gouverneur werden. — Alle Gerüchte über hiesige Ministerwechsel werden offiziös für verfrüht erklärt. Es bleibt also Alles vorläufig in der Schwebe. Die fraglichen Angaben waren ohnehin durchweg unsicherer Natur und an vorsichtigen Stellen als solche bezeichnet.
— Berlin, 13. März. (Köln. Ztg.) Es wird uns bestätigt, daß Fürst Bismarck für die nächste Zeit Berlin nicht verlassen wird, da ihn die Congreß-Angelegenheiten dauernd in Anspruch nehmen. — Die Commission für die Rechtsanwalisoidnung ist mit ihren Arbeiten so weit vorgeschritten, um dieselben in allernächster Zeit abschließen zu können. — Die Budgetkommission des Reichstags hat die Forderung der Regierung für die Wiederherstellung der Kathedrale zu Oppenheim gestrichen. Im Plenum sollen, namentlich von hessischen Abgeordneten,