«»»«nemeKtS- PreiS:
Jährlich 9 Mart. Helbj. 4 W. 50 P.
Bierteljährlich
8 Mark 25 Pfg. Für auswärtige Monneutell Mit dem betreffenden Postausschlag. Nie einzelne Raute mer 10 Pfg.
HDW Änjeigcr.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanaru
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
SHferttone-
Pr-iS:
Die IspaMge »armondzcile ob. beten Kaum M Pfg.
Die SipaK. Beil«
20 Pig.
DicSsp°ltigaS-il«
30 Pfg.
M 6L
Mittwoch den 13, März.
1878.
Amtliches.
Das Sommer-Semester am Königlichen pomologischen Institute zu Proskau in Schlesien beginnt Anfang April.
Anmeldungen zur Aufnahme haben unter Beibringung der Zeugnisse schriftlich oder mündlich bei dem unterzeichneten Direktor zu erfolgen. Derselbe ist auch bereit, auf portofrei Anfragen weitere Auskunft zu ertheilen.
Proskau, im Februar 1878.
Der Direktor des Königlichen pomologischen Instituts.
______________Stoll.__________________________
Polizeiliche Vorschrift.
Unter Bezugnahme auf den §. 5, Abs. 3 der Verordnung über die Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867, wird nach Berathung mit der Stadtbehörde folgende polizeiliche Vorschrift erlassen:
Zur Durchführung der von den städtischen Behörden dahier ungeordneten vom 1. April d. J. ins Leben tretenden anderweiten Erhebung des Maktstandgeldes wird folgendes bestimmt:
Jeder den Markt besuchende Verkäufer ist verpflichtet, die ihm gegen Zahlung des tarifmäßigen Marktstandgeldes behändigt werdende Papiermarke so lange aufzuheben, als er auf dem Markt verbleibt, um solche dem Controleur des Erhebers auf Verlangen vorzeigen zu können, widrigenfalls nochmalige Zahlung gegen Lösung einer neuen Marke erfolgen muß.
Alle Marktstandgeldermarken sind nur für den Tag gültig, an welchem sie gelöst sind.
Wer versuchen sollte, eine solche an einem späteren Tage durch Vorzeigung bei dem Controleur nochmals zu verwenden, verfällt einer Strafe von 3 Mark eventuell 1 Tag Hast.
Hanau am 6. März 1878.
Verloren: Ein goldener Ohrring.
Gefunden: Ein großer Hundemaulkorb. Ein Hufeisen. Ein schwarzer Filzhut auf der Straße bei Roßdorf; Empfangnahme bei Ludwig Dörr I. zu Eichen. Eine goldene Brache.
Hanau am 13. März 1878.
Königliches Landrathsamt.
Die Ministerkrisis in Italien.
(A. d. Schw. Merk.»
Das erste Ministerium des Königs Humbert ist in voller Auflösung begriffen Von dem Eintritt Crispi's hatte sich der Ministerpräsident Depretis ganz besonders viel versprochen, und merkwürdigerweise hatte auch im Ausland, das durch die Rundreise desselben geschickt vorbereitet und beeinflußt worden war, diese Ernennung des Führers der parlamentarischen Linken ziemliches Vertrauen erweckt. Jetzt ist gerade dieser Minister schon nach wenigen Wochen der Stein des Anstoßes geworden, über dem das ganze Ministerium zu Fall kam. Zwei Umstände wirkten zu seinem Sturze mit, einmal und hauptsächlich die Privat- skandalgeschichte, die, wenn sie auch aus wenig ehrlichen Gründen von seinen politischen Gegnern hervorgezogen worden ist, doch den Minister unmöglich machte. Es war dem König nicht zuzumuthen, mit einem Minister des Innern an der Seite, auf dem eine solche Anklage ruhte, zur ersten Thronrede vor seinem Volke zu erscheinen. Aber auch politische Gründe führten einen Zwiespalt zwischen Crispi und seinen Kollegen herbei. So versicherte wenigstens Crispi's eigenes Organ, die Riforma, indem sie am 7. März folgendermaßen schrieb: „Nach dem gestern Abends gehaltenen Ministerrathe, welcher volle 3 Stunden dauerte, hat Crispi seine Entlassung vom Amte des Ministers des Innern eingereicht. Wegen einer Personalfrage, welche in den letzten Tagen von der Presse besprochen wurde, hatte sich Crispi vor drei Tagen mit dem Ersuchen an den königl. Prokurator zu Neapel gewandt, daß er veranlasse, daß der Staatsanwalt das geeignete Verfahren einleite. -Rührend der Dauer eines Prozesses, in welchem sein persönliches In
teresse in Frage steht, schien es ihm angemessen, sich der Regierungsverantwortlichkeit zu entschlagen. Außer diesem persönlichen Grunde für Crispi, dessen in dem erwähnten Ministerrathe nicht gedacht wurde, bestimmten ihn noch andere, die politische und administrative Richtung des Kabinets betreffende Erwägungen. Crispi war nämlich nicht der Ansicht, daß man zu einem ausgiebigen Senatorenichube schreiten solle, dies stand im Widersprüche mit seinen Ideen über die Senatsreform. Desgleichen fanden die Ideen, welche Crispi in der Thronrede in Betreff der poli tischen Reformen und zwar insbesondere rücksichtlich der Wahlreform als Grundlage der wünschenswerthen administrativen und Steuerreformen niederzulegen gedachte, nicht den vollen Beifall der Mehrheit des Kabi-- nets. Auch die Minister Coppino und Perez boten ihre Entlassung an und beharren ungeachtet der gegenteiligen Bemühungen der Freunde, Herrn Crispi nicht ausgenommen, welche in den gegenwärtigen Behältnissen eine größere Kabinetskrise für inopportun halten, auf derselben." Diese theilweise Krisis des Ministeriums brach am Vorabend der Parlamentseröffnung aus und traf so zusammen mit der ungünstigen Wirkung der Thronrede, über deren unmäßige Länge und Weitschweifigkeit Jedermann den Kopf schüttelte. Diese ungünstige Wirkung fiel aber in erster Linie auf den Verfasser der Rede, auf Depretis zurück, der ohnedies, wie sich sofort bei der Wahl des Kammerpräsidenten zeigte, völlig verlassen dastand, ohne Mehrheit, ja ohne Partei. V w wenigen Tagen hatte sich die Kruppe Cairoli, die um eine Schattirung radikaler ist, als das bisherige Kabinet, in der Stärke von etwa 60 Mann vollends definitiv von der großen ministeriellen Fortschriitsm.tr- Heit getrennt, darüber zerfiel diese Mehrheit vollständig, und bei der Präsidentenwahl gab es keine ministerielle Partei mehr, die Stimmen der Linken sammelten sich vielmehr auf Benedetto Cairoli, der mit 227 Stimmen gewählt wurde gegen 123, die auf Biancheri, den Kandidaten der Rechten fielen. Damit sah sich Depretis völlig von der Kammer im Stich gelassen und er reichte mit dem ganzen Kabinet seine Entlassung ein, die auch der König schwerlich wird verweigern können. Die Loyalität des Königs und die Regelmäßigkeit, mit der" die konfü- tntionelle Maschine in Italien funktionirt, wird auch diese Stifts über-- winden, wie ja bei der Zersplitterung des Fraktionswesens diese Fälle immer sich wiederholen müssen. Doch ist diesmal die Krisis von größerer Wichtigkeit, weil es sich jetzt um den letzten Versuch handelt, die Demokratie am Ruder zu halten. Denn der Garibaldiner Cairoli, eine persönlich höchst ehrenwerthe und geachtete Persönlichkeit, „die Personifikation des Patriotismus und der Selbstaufopferung", wie er von einem Blatte genannt wird, ist der letzte Name, den die Linke, nachdem Depretis, Nicotera, Crispi verbraucht sind, noch aufzuwenden hat Ist auch Cairoli fertig, so ist der Kreislauf, der mit dem März 1873 begann, geschlossen, und man wird dann rückblickend die Wahrnehmung machen, daß die Jahre, in denen die Demokratie am Ruder war, für den italienischen Staat völlig unfruchtbar gewesen sind.
— Der „R. u. St.-A." enthält eine Bekanntmachung des Reichs-, kanzler-Amts d. d. Berlin 11. März, betr. die Ausgabe von Schatzanweisungen im Betrage von 15,000,000 Mk.
— Berlin, 11. März. Reichstag. (Fortsetzung.) In der heutigen (19.) Sitzung theilte der Präsident mit, daß eine Denkschrift über das Vorkommen der Rinderpest in Deutschland während der Jahre 1872 bis 1877 und über die bei den Maßregeln zur Abwehr und zur Unterdrückung der Seuche gemachten Erfahrungen eingegangen sei. Hierauf erstattete zunächst der Abg. Grumbrecht im Namen der Budgetkommß- sion Bericht über das Kap. 1 der Einnahme: „Zölle, Verbrauchssteuern und Aversen" und stellte folgenden Antrag:
Der Reichstag wolle beschließen: Den Anschlägen unter $:teI
2, 3, 5 und 6 in Rücksicht auf die Zunahme der Bevölkerung 2 % hinzuzusetzen und daher zu bewilligen; Titel 1. Zölle 106,550,479 Mk, Titel 2. Rübenzuckersteuer 47,369,720 Mk., Titel 4. Salzsteuer 33,980,180 Mk., Titel 4. Tabaksteuer (unverändert) 941,500 'Mk., Titel 5. Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von Branutwem 40,801,400 Mk., Titel 6. Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier