Einzelbild herunterladen
 

Mmm-mrütt» Preis:

Zährtich 9 MsrI. Halbj. 4 M- 50 P.

Bierteljätzrlich * Mark 25 Psg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffen- ten Postausschlag. Wie einzelne Num­mer 10 Psg.

Hlimim Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Insertian»- PreiS:

Die Ispaltige Garmondzeila od. deren Raum

io Pf».

Sie 2spalt. geilt

20 Psg.

DieSsPaltig-Let!« SO Psg

JE 60»

Dieustag -m 12. März.

1878.

Amtliches.

Bei den fortwährenden Klagen über Schwarzwildschaden hat der Herr Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten uns ermäch­tigt:

1) den Communalforstbeamten des hiesigen Bezirks für den Abschuß von Schwarzwild Schußprämien und zwar während der Sommer­monate April bis September, zum Betrage von 22 Mk. 50 Pfg., während der Wintermonate Oktbr. bis März zum Betrage von 15 Mark pro Stück zu gewähren;

2) denjenigen Privatförstern, Feldhütern und Jagdaufsehern unseres Bezirks, welche sich an der Erlegung des Schwarzwildes mit Eifer und gutem Erfolge betheiligt haben, ohne Rücksicht darauf, ob sie vereidigt sind oder nicht, Schußgelder in derselben Höhe, wie den Kommunalforstbeamten nach Prüfung des einzelnen Fal­les zu bewilligen.

Cassel, den 2. März 1878.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

______________________Kühne.__

Bewerber.um die erledigte 2te Schulstelle zu Seckbach, mit welcher ein Diensteinkommen von 1080 Mark nebst freier Wohnung und 90 Mark für Feuerung verbunden ist, wollen ihre Gesuche baldigst bei dem Schulvorstande zu Seckbach einreichen.

Hanau am 11. März 1878.

Der Landrath.

Tagesscha«.

Die Orientkrisis. (A. d. Trib)

Die Vorbedingungen für das Zustandekommen des „Berliner Songreffeä" sind jetzt sämmtlich erfüllt, die bisher noch ausstehenden Beitrittserklärungen, auch diejenige Englands, sind inzwischen in Wien eingegangen und die deutsche Regierung wird binnen Kurzem also in die Lage gesetzt sein, ihre Einladung an die Signatarmächte nach Berlin zu erlassen.

Als unsere Hauptstadt beim Auftreten des Congreßgedankens zum ersten Male vorgeschlagen wurde, war es gerade das diesseitige Cabinet, welches diesen Vorschlag ablehnte; die jetzt gegebene Zustimmung zu ihm zeigt, daß die deutsche Regierung auch darin den Wünschen be­freundeter Mächte nachgegeben hat. Undankbar und schwieriger ist die Aufgabe Deutschlands bei einem „Congreß in Berlin" jedenfalls, als sie bei einer „Conferenz in Baden-Baden" gewesen wäre. Ein Berliner Bericht der „Pol. Corr." versichert sogar, daß die Begeisterung für ernen „Congreß in Berlin" hier keineswegs groß ist, fo viel guter Wille andererseits bei unserer Regierung vorhanden sein mag, „das Geschäft zu Stande zu bringen." „Unser Publikum könnte ja eine gewisse Ge­nugthuung darin sinden, daß Preußen, dessen Ministerpräsident auf dem s° grobem Pomp infcentrten Pariser Congreß, wäre es nach dem Wunsche Englands gegangen, kaum Platz gefunden hätte, — vielleicht waren wir bedeutend bester daran, wenn wir nicht zu den „Signataren" jenes Vertrages gehörten, — jetzt den Congreß in seiner Hauptstadt sich versammeln sehen soll, welcher an die Stelle des Pariser Vertrages em neues Document zu setzen berufen wird, das den Christen im Orient hoffentlich eine bessere Zukunft verbürgt; aber der Wirth und Gastgeber geräth jedenfalls in eine eigenthümliche Lage gegenüber einer Anzahl von Gästen, von denen ein jeder mit einem größeren oder geringeren Grade von Appetit, ein jeder mit einem anderen Speisezettel und mit einem mehr oder minder lebhaften Mißtrauen gegen den Tischnachbar sich an die Tafel setzt. Es wird die ganze persönliche Liebenswürdig­keit und Geschicklichkeit des Wirthes erforderlich sein, um da die Mahl­zeit zu einer für alle Theilnehmer wirklich „gesegneten" zu machen."

Was nun dies Menu, die Grundlagen für die Berathungen selbst betrifft, so wird darüber im Augenblick unter den Mächten noch ver­handelt ; auch der Zeitpunkt für den Zusammentritt steht noch nicht fest. Lord Derby erklärte vorgestern, die Regierung verhandele jetzt mit den äderen Mächten, namentlich mit Oesterreich, über die Basen. Sie

habe bereits in der bekannten Depesche erklärt, daß es keine Verände­rungen in den durch den europäischen Vertrag getroffenen Arrangements anerkennen könne, bis dieselben die Zustimmung der übrigen Mächte erhalten habe. Die Regierung habe sich dahin ausgesprochen, daß nicht einfach ein Theil, sondern der ganze Vertrag zwischen Rußland und der Türkei dem Congresse unterbreitet werden sollte.

Einzelne Blätter scheinen anzunehmen, daß, sofern der Congreß unter Vorsitz des deutschen Kanzlers tage, es sich von selbst verstehen würde, daß auch die übrigen Regierungen durch ihre leitenden Minister vertreten würden. Dies trifft in Bezug auf England nicht zu. Lord Beaconsfield ist einmal bei hohen Jahren, sodann niemals Diplomat gewesen und schließlich während der Parlamentssession in London un­abkömmlich. Die englische Regierung wird deshalb durch Lord Lyons auf dem Congresse vertreten sein, der auch bereits zu dem letzten Cabi- netsrath zugezogen wurde.

In England selbst rückt man in elfter Stunde nun endlich mit seinem längst im Stillen genährten Wunsch heraus: die Annexion Aegyptens. Interessant und bezeichnend zugleich ist, daß sich die lei­tende Presse des Landes dabei einfach auf — den Rath b S Fürsten Bismarck beruft: Der Pariser Correspondent der „Times" schreibt:

„Es heißt, daß Deutschland — nachdem es einen Theil der Schwierigkeiten, die zwischen Oesterreich und Rußland entstanden, aus dem Wege geräumt — nunmehr versucht, England zu bewegen, alle Besorgnisse eines Zwistes mit Rußland durch eine Occupation Aegyp­tens unter irgend einer Form, die ihm beliebt, zu verscheuchen. Die Gründe, die von England zur Ergreifung dieses Schrittes urgirt Nor­den, sind folgende: Es ist unmöglich, die Türkei wieder in Europa zu installiren. Keine christliche Macht könnte es thun oder würde wagen, es zu thun. Es ist demnach unmöglich, die von Rußland vorgeschla­genen Grenzen Bulgariens einzuschränken; denn dies würde zur Folge haben, daß entweder die türkische Herrschaft wieder hergestellt oder die Oesterreichs dafür substituirt wird. Nun, da letzteres jetzt einen Krieg nicht führen will, könnte England dies an feiner Statt bloß wegen der bulgarischen Grenzfrage nicht thun. Dasselbe mag von Asien gesagt werden, denn Armenien kann nicht an die Türken zurückfallen. Nun, der Besitz Armeniens seitens Rußlands mag das Euphratthal und Sy­rien bedrohen. In diesem Falle ist es für England unmöglich, Aegyp- ten und den Suezkanal in Händen des Khedive als den Vasallen eines Staates zu lassen, der nicht länger im Stande ist, irgend Jemanden zu schützen. Die rvssiiche Erwerbung Armeniens legt demnach England die Besetzung und wirksame Beschützung Aegyptens auf. Dieses Verfahren hat nur eine einzige Unbequemlichkeit. Deutschland, Rußland und sogar Oesterreich würden begierig ihre Einwilligung dazu geben. Frankreich würde zwar unzufrieden sein, aber nur durch Vorurtheil, denn es hat daselbst kein wirkliches Interesse, und in diesem Augenblick könnte es keinen Finger heben, um es zu verhindern. Binnen Jahresfrist würde Frankreich überdies wahrnehmen, daß es kein Interesse in Aegypten hat, und daß es besser sein würde, daß England es besitzt als der Khedive. Es ist demnach für den Vortheil Englands und der Welt, daß England das Protectorat Aegyptens übernimmt, dessen Gläubiger — Opfer der mala fldes des Khedive — nicht die letzten sein würden, einem solchen Entschluß zu applaudiren. England dürfte durch den wirklichen Besitz Aegyptens einigermassen seine Hochstraße nach Indien schützen und zu gleicher Zeit dadurch zum Abschlüsse eines dauernden und für es selber günstigen Friedens beitragen." „

Das — fährt der Correspondent der „Times" fort — sind Argumente, die von England urgirt werden, und obwohl eine solche Maßregel hier mit Ungunst betrachtet werden würde, dürfte sie zu kei­nem Protest führen. Sie wird hier als ganz möglich betrachtet mb ich hörte heute folgende Bemerkung: „Wir sehen, daß England etwas thun muß und daß es durch die Besetzung Aegyptens etwas Wichtiges thun wird, ohne großes Risico zu laufen und ohne irgend ein Interesse zu compromittiren. Jedes Interesse würde vielmehr beruhigt werden."

Hat Lord Derby, als er dieser Tage im Oberhause von einer „dauerhaften" Lösung der Orientfrage sprach und die Nothwendigkeit