■tnnemcKtl* ¥«tS: Jährlich 9 Mark. Halbj. 4 M. 50 P.
Vierteljährlich 1 Marl 25 Psg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Lie einzelne Nummer 10 Psg.
miiuicr Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für KreiS und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
3»fetti«xi-
Preil:
Sie isp-lttg- «armondjeile »». »ereil Raum
10 Ps».
Sie Ljpalt. Seile ÄO Psg.
»ieSshaltigeZ-il«
SO Ps,.
Vttttwoch den 6. März.
1878.
Amtliches.
Am 12. und 13. März cr, findet die Pferdemusterung im Kreise Hanau statt. Die Musterung wird beginnen:
1) für die Ortschaften und Gutsbezirke der Amtsgerichtsbezirke Hanau, Windecken und Langenselbold am 12. März, Morgens 7^2 Uhr, in Wilhelmsbad;
2) für die Ortschaften und Gutsbezirke der Amtsgerichtsbezirke Bockenheim und Bergen im letzteren Orte am 13. März, Morgens 8 Uhr.
Die Herren Ortsvorstände haben dafür Sorge zu tragen, daß sämmtliche Pferde mit Ausnahme der nachstehend bezeichneten vorgeführt werden:
a. der Fohlen unter 3 Jahren,
b. der Hengste,
c. der Stuten, die entweder hochtragend sind oder noch nicht länger als 8 Tage abgefohlt ha^en In beiden Fällen ist eine vom Ortsvorstande ausgefertigte Bescheinigung vorzuzeigen.
d. der zum Dienstgebrauch der Beamten im Rerchs- oder Staatsdienste, sowie der zur Ausübung des Berufes der Aerzte und Thierärzte nothwendigen Pferde,
e. derjenigen Anzahl Pferde der Posthalter, welche zur Beförderung der Posten kontraktlich gehalten werden müssen,
Die Herren Ortsvorstände haben sich in den anberaumten Terminen persönlich einzufinden.
Hanau am 16. Februar 1878.
Gefunden: Ein Hundemaulkorb. Ein rothes Taschentuch. Auf hiesiger Post liegen geblieben: eine 10-Pf..Briefmarke; eine schwarze Hutfeder; ein Paar lederne und ein Paar Stoff Handschuhe; eine Akten-Mappe. Ein Sitzkissen aus einer Drösche.
Zugelaufen: Ein weiß-gelber Spitz, m. Geschlechts. Ein kleines schwarzes Hündchen mit braunen Pfoten und Brust.
Verloren: Ein silberner Zwicker.
Hanau am 6. März 1878.
__Königliches Landrathsamt._____________________ Landwirthschastlicher Lreis-Verein Hanau.
Samstag den 9. März 1878, Vormittags präcis 10 Uhr,
Probepflügen
an der Ehrensäule bei Hanau mit den von Herrn Moritz Weil jr. aus Frankfurt a. M. übersandten Pflügen. Nachmittags 2^2 Uhr Versammlung im goldnen Löwen in Hanau. Tagesordnung:
1) Saatkartoffel und Sommersaatgetreide. Diejenigen Mitglieder, welche im Besitze von guten Sorten sind und von solchen abgeben wollen, werden ersucht, Proben zum Austausch oder Verkauf mitzubringen.
2) Riesenmöhren. Referent: Ferd. Schwarz.
3) Obstbaumzucht. Referent: A. Riegelmann.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister wollen Vorstehendes veröffentlichen.
Hanau am 24. Februar 1878.
_____________________Der Landrath.
Tag erschau«
Der Friede.
(A. L. Echw. Wert.)
Der Friede ist geschlossen. Am Nachmittag des 3. März ist zu San Stefano das Friedensinstrument zwischen dem Großfürsten Nikolaus und den türkischen Bevollmächtigten unterzeichnet worden, und am gleichen Tage noch hat der Großfürst auf einer Truppenschau, die angesichts der Minarets von Konstantinopel gehalten wurde, den siegreichen Truppen die Unterzeichnung verkündigt Nicht der Jahrestag der Thronbesteigung Alexanders hat durch den Friedensschluß gefeiert werden können, aber er fällt auf einen anderen, mindestens ebenso bedeutenden Gedenktag.
Der Friede, der die Christen vom türkischen Joch erlöst, ist an demselben Tage geschlossin worden, an welchem vor 15 Jahren das Manifest des Kaisers erschien, das die Leibeigenen des russischen Reichs für frei erklärte. Indem der Großfürst in seiner Meldung an den Kaiser an dieses Datum erinnert, gibt er dem Frieden von San Stefano seine Signatur: Seine Bedeutung ist, wenn man sie in Ein Wort fassen will, die Befreiung der Christen der Balkanhalbinsel von der doppelten Fremdherrschaft, eines fremden Volks und eines fremden Glaubens. Die Balkanländer gehören fortan wieder den Europäern und dem Christenthum, wie es bis zum Einbruch der Türken der Fall war, der vor 400 Jahren unter nicht geringeren Gräueln erfolgte, als sie jetzt ihre Wie- dervertreibung begleiteten. Diese Vertreibung ist keine vollständige, keine ausgesprochene, sie ist gar nicht in den Friedensbedingungen stipulirt, aber sie wird die mittelbare, unvermeidliche Folge des gegenwärtigen Friedens sein. Jetzt schon werden die einen christlichen Völker ganz frei, die andern halbfrei, von den übrigen wird doch der schlimmste Druck genommen werden. Der Padischah verliert nicht seine Herrschaft in Europa, aber sie wird zu einem bloßen Vorwerk für seine Macht in Asien; sie ist auch da, wo er sie behält, bedenklich erschüttert und er wird die Reste, die ihm bleiben, nur dann behalte« können, wenn den Christen endlich wirklich die Behandlung zu Theil wird, die ihnen in so vielen Hats schon zugesagt worden ist. Bedeutungsvoll meldet der Großfürst an den Kaiser: „Gott verleihe uns Glück, die von Eurer Majestät begonnene große heilige Sache zu beendigen." Was die einzelnen Bestimmungen des Friedens betrifft, so sind dieselben noch unbekannt, so viel aber läßt sich schon heute sagen, daß die Gefahr eines kriegerischen Konflikts zwischen den europäischen Mächten verschwunden ist. In London sah man in den letzten Tagen trotz des Lärms in den Arsenalen offenbar mir Ergebung der Unterzeichnung des Friedens entgegen und zugleich mit der Zuversicht, daß Rußland seine anfänglichen Bedingungen nicht unerheblich herabstimmen werde. Das letztere scheint namentlich in Bezug auf die Erwerbung der türkischen Flotte der Fall zu sein, und auf die damit zusammenhängende Frage Der Kriegsentschädigung. Dagegen ist anzunehmen, daß Rußland auf die Bedingungen des Einmarsches eines Theils der Truppen in Konstantinopel nicht verzichtet hat. In Konstantinopel selbst war man vollkommen überzeugt und gefaßt, daß die Russen, ob der Friede unterzeichnet werde oder nicht, in diesen Tagen in der Stadt erscheinen würden. Die symbolische Bedeutung des Einzugs eines siegreichen christlichen Heeres in die Straßen von Stambul ist auch zu sehr in die Augen fallend, als daß die Russen darauf verzichten könnten. Noch bedeutungsvoller wäre es freilich, wenn die Türken im Friedensschluß genöthigt würden, die Hagia Sophia, den Bau Justinians, der seit 400 Jahren die Hauptmoschee des Islam ist, dem Christengott zurückzugeben.
— Berlin, 5. März. Reichstag. (Fortsetzung.) In der gestrigen 13.) Sitzung theilte der Präsident mit, daß die zwischen Preußen und Waldeck abgeschlossene Militärkonvention vom 24. November 1877 nebst zugehörigem Schlußprotokolle eingegangen sei.
Die Uebersichten der Ausgaben und Einnahmen des Deutschen Reichs für die Rechnungsperiode vom 1. Januar 1876 bis 31. März 1877 wurden auf Antrag des Abg. von Benda der Rechnungskommission überwiesen.
Darauf wurde die erste Berathung der Gesetzentwürfe, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung und betreffend die Gewerbegerichte, fortgesetzt und nach längerer Debatte an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Schluß 3' 4 Uhr.
In der heutigen (14.) Sitzung theilte der Präsident mit daß b« Allgemeinen Rechnungen über den Haushalt des DeutfchiN Rerchs chr das Jahr 1874 eingegangen seien.
Das Haus trat sodann in die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Stellvertretung des Reichskanzlers.
(Fortsetzung folgt.) (R. u St.-A.)
— Die nächste Sitzung des Hauses der Abgeordneten findet am 14. d. M., Vormittags 11 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung steht