NtonnementS- Prcis:
jährlich 9 Wart Halbj. 4 M. 50 P. : Bicrieljährlich
2 Wart 25 Psg. Kür auswärtige
1 Abonnenten mit dem betreffenden Postauftchlag. Die einzelne Num- mer 10 Psg.
M 47.
anauer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Montag den 25. Februar. I
Ansertion«- Preis:
Die Ispalttge Warmondzeile od. deren Kaum
10 Psg.
Die Lspalt. Zeile
20 Psg.
DieSspaltigeLeile 30 $fg.
1878.
Amtliche».
Gesunden: Ein Goldschmuck. Ein braun-seidenes Knüpf- tüchelche«.
Hanau am 25. Februar 1878.
____ ______ Königliches Landrathsamt.___________________
Tagesscha«.
Bismarck's Rede in Frankreich.
(A. d. Schw. Uteri.!
Paris, 21. Febr. Die Rede Bismarck's ist hier gestern stück weise, die erste Hälfte durch die Morgen-, die zweite durch die Abendblätter bekannt geworden. Man kannte sie in ihrem ganzen Umfange an der Börse, wo sie einen sehr guten Eindruck hervorrief. Im Ganzen hat sie in hohem Maße beruhigend gewirkt, wenn gleich Girardin in der France meint, daß der Reichskanzler gesprochen habe, um nichts zu sagen. Diese Ansicht steht in der hiesigen Presse bisher ziemlich isolirt, die andern Blätter haben zum Wenigsten aus der Rede herausgelesen, daß Deutschland den aufrichtigen Wunsch hegt, den Frieden zu erhalten für ganz Europa wie für sich selber, und von dieser Erklärung sind sie durchgängig erbaut. Die Libertä z. B. hält dafür, daß die Bedeutung der Bismarä'schen Rede über die orientalische Frage hinaus- geht, indem sie die künftige Rolle Deutschlands in einer für ganz Eu> ropa erfreulichen Weise kennzeichnet. Natürlich müssen die Franzosen besonders durch die Aeußerung des Kanzlers betroffen werden, die deutsche Regierung wolle nicht die napoleonische nachahmen und wolle sich nicht zum Schiedsrichter und Schulmeister Europas aufwerfen. Scan hat sich hierzulande seit lange mit dem Gedanken getragen, daß der Fürst Bismarck nichts Höheres anstrebe, als die Erbschaft Napoleons III. anzutreten. Temps meint, daß besonders in der Stelle, wo der Kanzler die Unwahrscheinlichkeit eines allgemeinen Krieges nachweist, seine Argumentation eine sehr starke sei. Republique sran^aise hebt besonders die Stelle hervor, worin Bismarck sagt, daß die Abmachungen des Pariser Vertrages von 1856 das Gesetz der allgemeinen europäischen Interessen bleiben, und daß alle neuen Abmachungen, welche an diesen Interessen rühren, dem Kongreß oder der Konferenz der großen europäischen Mächte unterbreitet werden müssen. Damit sehe Rußland mit einem Male wieder diesen Vertrag von 1856 vor sich, den es so oft verflucht hat, den es so gründlich zerstört zu haben glaubte. Dadurch gebe der deutsche Kanzler ein Pfand seines Wunsches, den Frieden in Europa aufrecht zu halten, insofern er nicht zu gefällig den russischen Ehrgeiz unterstützt. Dadurch auch zeige er, daß im Gegensatz zu abenteuerlichen Politikern er, selbst auf dem Gipfel der Allmacht, sich nicht in der Lage glaube, durch einen einfachen Willensakt Alles auf dem Festland über den Haufen zu werfen. Von allen Pariser Blättern ist keines in so hohem Grade durch die Rede befriedigt, wie die DSbats: »Wir hätten, sagen sie, nichts Besseres hoffen können und wir hatten nicht gezögert, Schlimmeres zu fürchten. Die pessimistischen Vermuthungen, welche wir vor einigen Tagen hegten, haben sich nicht verwirklicht. Fürst Bismarck hat nicht eine unbestimmte, banale, den russischen Ansprüchen günstige Rede gehalten, sondern eine freimüthig europäische Rede. Wenn Herr v. Bismarck, wie alle Welt, durch den raschen Gang der Ereignisse überrascht worden ist, so macht er heute wohl fühlbar, daß Deutschland eine Stellung einnimmt, welche ihm erlaubt, einen starken Einfluß bei der Lösung des orientalischen Problems zu üben, ohne sich darum die Rolle eines Schiedsrichters anzumaßen. Wenn die Politik des deutschen Kanzlers nicht ausschließlich russisch ist, welchen Charakter muß man ihr dann zuschreiben? Wir zögern nicht, zu wiederholen: einen freimüthig-europäischen Charakter. Die Rede des deutschen Kanzlers ist des großen Rufes des Redners und der außergewöhnlichen Stellung seines Landes würdig. In seinem persönlichen Werke hat Herr v. Bismarck eine mäßige Anhänglichkeit an die Verträge und eine schwache Sorgfalt für Europa und seine Interessen bewiesen. Aber es scheint, wie das immer zu gehen pflegt, daß der Erfolg ihn zum Konservativen gemacht hat. Also Herr v. Bismarck stellt sich ent= schloffen^ auf den Standpunkt Europas; er läßt nicht zu, daß Rußland seinen Sieg mißbrauche. Es ist unmöglich, nicht von der Wärme betroffen zu werden, mit der er sich über seine Freundschaft für Oestreich
und dessen Minister aussprach. Hat er mit denselben Ausdrücken von Rußland und dem Fürsten Gortschakoff gesprochen? Keineswegs. Es besteht also eine neue Schattirung in der Freundschaft Deutschlands für seine beiden Verbündeten und die Stunde ist vielleicht gekommen, wo Herr v. Bismarck sich einer europäischen Politik anschließen und den Einfluß seines Landes den allgemeinen Interessen zur Verfügung stellen wird."
— B erlin, 23. Februar. Reichstag. (Fortsetzung.) Nach der Rede, mit welcher in der gestrigen (7.) Sitzung der Bevollmächtigte zum Bundesrathe, Staats Minister Camphausen, dre Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend die Besteuerung des Tabaks einleitete, sprachen zur Sache die Abgg. von Helldorf, Freiherr von Stauffenberg, Reichensper- ger (Olpe), von Kardorff, Kiefer, Bundeskommissar General-Steuer- Direktor Burghart, Abg. V. Wedell-Malchow, nochmals der Bevollmächtigte zum Bundesrath Staats-Minister Camphausen, sowie der Reichskanzler Fürst von Bismarck.
Um 4*/8 Uhr wurde die Fortsetzung der Debatte vertagt.
In der heutigen (8.) Sitzung theilte der Präsident mit, daß der zu Rio de Janeiro am 17. September 1877 unterzeichnete Auslieferungsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Brasilien eingegan- gen sei.
Weiter theilte der Präsident mit, daß der gesammte Vorstand des Reichstages Sr. Majestät dem Kaiser zu der im Königlichen Hause stattgefundenen Doppel-Vermählung die ehrfurchtsvollen Glückwünsche in einem Glückwunschschreiben des Vorstandes ausgesprochen habe, und daß Se. Majestät geruht hätten, diese Glückwünsche mit dem huldreichsten Danke entgegen zu nehmen.
Darauf setzte das Haus die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Besteuerung des Tabaks, fort.
(Fortsetzung folgt.) (R. u St.-A.)
— Berlin, 22. Febr. Das heutige Militärwochenblatt erklärt in einem Aufsatz, daß die augenblickliche Formation unserer Pioniere nicht allen Anforderungen des Krieges entspricht und „alle Stimmen" darin einig sind, daß etwas zur Abhülfe geschehen müsse, „und zwar je eher desto besser." Der Verfasser befürwortet die Trennung der Pon- toniere von den Pionieren.
— Berlin, 23. Febr. Sämmtliche Morgenblätter bezeichnen die Tabaksteuervorlage als aussichtslos; dieselbe werde schwerlich aus der Commission während dieser Session wieder hervorgehen. Aehnliches verlautet aus Reichstagskreisen. — In Abgeordnetenkreisen behauptet man allgemein, der Staats-Minister Camphausen habe gestern sofort nach der Sitzung dem Reichskanzler erklärt, er sehe sich genöthigt, seine Entlassung einzureichen, und hätte diesen Entschluß noch gestern ausgeführt. Die letztere Angabe wird von vielen stets gut unterrichteten Seiten aufrecht erhalten. Thatsache ist, daß der Staats-Minister Camphausen bei dem gestrigen Hofball, mit welchem d e Vermählungs-Feierlichkeiten schloffen, nicht anwesend war. Heute ist übrigens Herr Camphausen auf seinem Platze am Bundesrathstische im Reichstage erschienen und folgt mit sichtlichem Interesse einer eingehenden Rede des Abgeordneten Richter-Hagen gegen das Tabakmonopol. Es wird jedenfalls gerathen sein, von den Gerüchten Act zu nehmen. Der ibnen zu Grunde liegende Sachverhalt wird sich ja bald herausstellen müssen (Köln.Ztg.)
— Rom, 23. Febr. (Köln. Ztg.) Verschiedene auswärnge Cardinal-Bischöse sind beauftragt, eigehändige Briefe des Papstes den betreffenden Souveränen zu überbringen; Guibert, Erzbischof von Paris, welcher bereits abgereist ist, nimmt einen Brief an Mac Mahon mit, Kutschker an den Kaiser von Oesterreich, Dechamps an den König der Belgier, Benaoides an König Atsons, Moraes Cardoso an den Kömz von Portugal. Die officiellen Ankündigungen der Thronbesteigung sind durch die Nuncien übermittelt worden, nur Italien hat weder eine diplomatische noch eine persönliche an König Humbert gerichtete Ankündigung erhalten. Vielmehr wurde beschlossen, sich Italien gegenüber jedes o-si- ciellen Schrittes zu enthalten, bis die dem päpstlichen Hofe neu zu gebende Einrichtung nicht nur grundsätzlich und im Einzelnen festgestellt, sondern auch thatsächlich ins Werk gesetzt und die betreffenden Remter