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M 45.

Freitag dea 22. Februar.

1878.

Amtliches.

Gemeinderathsglied Peter L o tz zu Großauheim ist für das Amt der Untersuchung des Schweinefleisches aus Trichinen vereidigt worden.

Hanau am 18. Februar 1878.

Die Ortsvorstände der Genieinden Kesselstadt, Dörnigheim, Wachenbuchen, Bischofsheim, Niederdorfelden, Gronau, Bergen, Ecken­heim und Ginnheim werden an die Fertigstellung der noch rückständigen Landwegebau-Arbeiten erinnert und angewiesen, anher zu berichten, daß die Rückstände beseitigt sind.

Hanau am 18. Februar 1878.

Der Landrath.

Tagesschau.

Zur Orientdebatte im Reichstag.

(A. d. Schw. Merk.,

Am Dienstag wird man's ja erfahren", das war der Trost, den seit mehreren Tagen die Neuigkeitskrämerei sich selber gab, wenn sie daran verzweifelte, auf ihre ewige Hauptfrage, ob Krieg oder Frieden, eine auch nur entfernt sichere Antwort in der ganz ungewöhnlich ver­wickelten Lage zu finden. Aber auch ernsthafte politische Kreise in ganz Deutschland, ja man darf diesmal ohne Uebertreibung sagen in der ganzen Welt, waren auf Tag und Stunde ungemein gespannt, worin der bewährte und berühmte Staatsmann der schwerwiegenden Macht im Mittelpunkt Europas, Deutschlands Reichskanzler, vor den Vertretern der deutschen Nation seine Stimme erheben sollte, um Aufschluß über die Hergänge der Gegenwart zu geben, die einen Bölkerkonflikt zu drohen scheinen. Ein leidender Mann hat Bismarck doch mit Kraft und wie es scheint selbst mit gutem Humor seine Aufgabe erfüllt. Die bloßen Sensationspolitiker freilich, diePreßpolitiker" gewöhnlicher Art, wie er sie selbst von denStaatspolitikern" unterschied, mag er nicht befriedigt oder selbst enttäuscht haben, sofern diese aus den ersten kurzen Berichten nur dir paar Worte:Bismarck glaubt an keinen europäischen Krieg" herausgehört haben mögen, um dann durch die genaueren Mittheilungen belehrt zu werden, wie ernst Bismarck denn doch die europäische Lage auffaßt. Dagegen, wer sich vorher klar gemacht hatte, daß es sich für den deutschen Reichskanzler nicht darum handeln könne, Geheimnisse der hohen europäischen Politik an Neugierige auszuplaudern, dem ist dennoch über die thatsächliche Stellung der Mächte zu einander, über die ver­schiedenen Jnteressenkreise, die sich berühren und sich zu verwickeln drohen, über den wichtigsten Punkt, der zu regeln bleibt, die Dardanel- lenfrage, durch die Bismarck'sche Rede Aufklärung und Stoff zum Nach­denken genug gegeben. Das Wichtigste bleibt zunächst für die weitesten Kreise in Deutschland die Richtigstellung der Aufgabe der deutschcn Politik aus kompetentestem Munde. Sie wird durch den Reichskanzler vom Napoleonischen Weg auf den offenen und ehrlichen Weg eines Ge­schäftsmannes gewiesen; wir sollen weder Schiedsrichter noch Schul­meister in Europa sein wollen; wir haben keine anderen Interessen als unsere eigenen; diese müssen wir wahren, aber auch nur diese; wenn wir dazu an die Waffen appelliren müßten, könnte es und würde es unter einmüthiger Begeisterung der Station geschehen Wo bleibt bei diesen Worten des Reichskanzlers, und zumal bei der Wärme, womit er die Freundschaft mit Oestreich betonte, die angebliche Schleppträgerei für Rußland, wofür doch eine nationale Begeisterung gewiß niemals zu finden wäre? Und wo die angebliche Anmaßung, die Dinge in Europa durch teutonische Brutalität entscheiden zu wollen? Wo ist ein Zug von dem Bilde, das trügerische Politiker so gerne von Deutschland ent­werfen, als der Macht, die nur darauf sinne, wo und wie sie das nächste Attentat gegen den Frieden Europas unternehmen könnte? Im Gegentheil, wenn Deutschland allein den Frieden verbürgen könnte, so wäre er nach den von Bismarck gegebenen Aufschlüssen so gesichert, als es die geängstigte Geschäftswelt irgend wünschen mag. In diesem sinne friedlich, und zwar in hohem Maße, ist die Rede Bismarcks, trotz aller Einschränkungen.

DerR. u. St -A." veröffentlicht: Gesetz, betreffend die Fest­stellung des Staatshaushalts Etat für das Jahr vom 1. April 1878/79. Vom 9. Februar 1878.

7. Plenarsitzung des Deutschen Reichstages Freitag, den 22. Februar 1878, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Besteuerung des Tabaks. Erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erhebung von Reichs- Stempelabgaben. Erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend den Spielkartenstempel.

Die unter dem 4. Februar d. Js von der Hohen Pforte er­lassene und von derselben dem Kaiserlichen Botschafter in Konstantinopel mitgetheilte amtliche Bekanntmachung über die Aufhebung der Blockade der russischen Küste des Schwarzen Meeres lautet, nach demR. u. St-A.", in deutscher Uebersetzung, wie folgt:

Nachdem in Folge des zwischen der Kaiserlichen Regierung und der Regierung Sr Majestät des Kaisers von Rußland abgeschlossenen Waffenstillstandes die Feindseligkeiten sowohl zu Lande wie zu Wasser eingestellt worden sind, hat ein Kaiserlicher Jrade für die ganze Dauer des Waffenstillstandes die Aufhebung der durch die amtliche Bekannt­machung vom 3. Mai 1877 üb-r die russischen Küsten des Schwarzen Meeres verhängten Blockade angeordnet.

Demgemäß erklärt die ottomanische Regierung und gibt kund, daß alle auf diese Blockade bezüglichen, durch die vorerwähnte Bekannt­machung zur Kenntniß der Beiheiligten gebrachten Maßnahmen von heute ab eingestellt sind und daß der Schiffahrt der unter ottomanischer, russischer oder neutraler Flagge fahrenden Schiffe zwischen den Häfen des ottomanischen Reiches und den russischen Häfen oder den zur Zeit von den russischen Armeen besetzten Häfen kein Hinderniß bereitet wer­den wird."

Der im Bundesrath eingebrachte Antrag Preußens wegen Ver­anstaltung einer Untersuchung über die Lage der deutschen Eisenindustrie wird voraussichtlich feinen Schwierigkeiten begegnenIn der That ist kein Grund vorhanden, weßhalb man ihm entgegentreten sollte", bemerkt dieNat.-L>b. Corr.";daß Enqueten dagegen, w^nn sie auf bestimmt abgegränzte Gebiete gerichtet sind und auf Grund einer zweckmäßigen Fragestellung vorgenommen werden, durchaus nicht zu unterschätzen sind, ist auch im Reichstag allseitig zugegeden worden."

Der Hanuovr. Kur. erinnert bezügl-ch der Stellvertretungs­vorlage, daß es Seitens der Mittel- und Kleinstaaten unklug wäre, die föderativen Grundlagen" des Reichs allzu nachdrücklich zu betonen. Denn das geschriebene Stimm- und Machtverhäitn.ß gegenüber dem wirklichen setze die kleineren Staaten so sta-k in Bortheil, daß diese zu rücksichtsvollem Gebrauch ihrer Rechte veranlaßt wären. Von den 42 Millionen Einw. des Reiches gehören 26 zu Preußen, dieses aber ist im Bundesrath nur durch 17 Stimmen unter 58 vertreten; überdies können bekanntlich 14 St. jede Verfassungsänderung verhindern.Ge­genüber der Loyalität und Sachlichkeit, mit welcher die Rewrmfrage bisher behandelt worden, wird der Bundesrath nicht umhin können, ebenso loyal und sachlich jede Forderung zuzugestehen, deren Ueberflül- sigkeit vom Standpunkte der Reichsinteresseu aus man nicht nachweifen kann. Aber lediglich auf die Frage, was das Interesse des Reiches erfordert, kann es auch im Bundesrathe ankommen. Kcinenfalls wird in dieser Angelegenheit, wie eS wohl bei früheren Anläsfin geschehen, Preußen, bezw. die Reichsregierung um des Friedens willen nachgeben. Einzelheiten der Vorlage, welche irren Zweck, die Ermöglichung einer g-ordneten Regierung des Reiches, nicht berühren, mögen geändert wer­den; in der Hauptsache wird wohl die Meldung, bei der Einbringung des Entwurfs im Bundesrathe habe der Reichskanzler die Annahme zur Kabinelsfrage gemacht, nur verfrüht gewesen sein Die Bunoesregre- rungen aber dürfen kein Gelüst nach der Situation tragen, welche ent­stände, wenn in einer Angelegenheit, in welcher Fürst Bisma-ck die Mehrheit des Reichstages und d r Nation auf feiner Seite hatte, ein Theil des Lundesrathes zusammen mit den Ultramontanen und ihren Alliirten die Opposition bildete." Glücklicherweise gehen die Nach­richten dahin, daß, wenn auch nicht ohne Adändcrungcn des Ursprung-