Einzelbild herunterladen
 

Abonnements» Preis:

Jährlich 9 Mark. Halbj. 4 M. 50 P.

Vierteljährlich

2 Mark 25 Pfg. igür auswärtige

Abonnenten mit dem betreffen­den Postausschlag. Die einzelne Num­mer 10 Pfg.

fjnnnuet Anrötr.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Jnsertion»- Preis:

Die ispaltige Liarinondzeile °d. deren Raum io Psg.

Die Lspalt. Zeile 20 Psg.

DieSspaltigeZcile 30 Pfg.

M 44.

Donnerstag den 21. Februar.

1878.

Amtliches-

Die Ortsvorstände wollen veröffentlichen, daß nach §. 20 Nr. 6 des Gesetzes vom 23. Juli 1876 die Vermittelung der Rentenbank bei Reallastenablösungen nur dann stattfindet, wenn die Provocation bis zum 31. Dezember 1878 angebracht ist.

Hanau am 16. Februar 1878.

Entlaufen: Ein schwarzer Jagdhund, auf den NamenFeld­mann" hörend.

Gefunden: Ein Köcher. Eine alte gedruckte Schürze. Eine Orleanschürze.

Hanau am 21. Februar 1878.

Königliches Landrathsamt.

Tagesichan.

B e rlin, 20. Februar. Reichstag. (Fortsetzung.) Im wei­teren Verlauf der gestrigen Sitzung drückte der Abg. Dr. Hänel seine Anerkennung für die Erklärung des Reichskanzlers aus, daß Deutsch­land niemals sich zu einem Kriege entschließen werde, wenn nicht seine Lebensinteressen gefährdet seien. Freilich sei dieser Gedanke durchaus nicht überraschend. Er entspreche der allgemeinen Stimmung der Na­tion und den wiederholten Zusicherungen des Deutschen Kaisers. Die Haltung Rußlands während des deutsch-französischen Krieges lege Deutsch­land die Verpflichtung auf, ohne zwingende Gründe die bisherige tra­ditionelle wohlwollende Haltung Rußland gegenüber nicht aufzugeben; es frage sich jedoch, ob das gegenwärtige Vorgehen der russischen Poli­tik nicht den Bestand des Dreikaiserbündnisses und somit das Interesse Deutschlands selbst, das zu jenem Bündnisse geführt habe, zu gefährden geeignet sei. Auch das Interesse Oesterreichs, das mit dem des Deut­schen Reiches auf das Engste verknüpft sei, erfordere, daß man den allzu weit gehenden Forderung Rußlands entgegentrete. Nach den Grund­sätzen, die der Reichskanzler als die seinigen entwickelt habe, und die der allgemeinen Zustimmung der großen Majorität sicher feien, dürfe man hoffen, daß diesen Erwägungen die gebührende Berücksichtigung werde zu Theil werden.

Der Abg. Windthorst konstatirte mit Befriedigung, daß die vor­liegende Interpellation von denjenigen Parteien ausgegangen sei, die sonst die auswärtigen Angelegenheiten als ein noli me längere zu be­trachten pflegten. Allerdings sei die Interpellation schwerlich ohne Ge­nehmigung eingebracht worden, nachdem aber nun diese Erlaubniß ein­mal ertheilt worden sei, werde er selbst bei späteren Gelegenheiten von derselben Gebrauch zu machen nicht versäumen. Im gegenwärtigen Au­genblick habe er selbst und seine politischen Freunde bei der Erwägung des Ernstes der Lage von einer Interpellation absehen zu müssen ge­glaubt. Nachdem jedoch von anderer Seite eine Besprechung der orien- talischen Frage herbeigeführt fei, habe er das Wort genommen, um durch sein Schweigen nicht Mißdeutungen hervorzurufen. Seine Partei habe wie alle anderen den sehnlichen Wunsch, den europäischen Frieden erhalten zu sehen. Ob dies auf die Dauer nach den vorliegenden Frie- densbasen möglich sein werde, sei schwer zu beurtheilen, da dem Hause die Mittheilungen darüber nur mündlich gemacht worden seien, ohne daß ihm die Dokumente selbst vorlägen. In der Entwickelung der Dinge im Orient werde gleichzeitig die Frage entschieden, ob das slavische oder das germanische Kulturelement fortan das maßgebende sein werde. Der Besitz von Konstantinopel und den Dardanellen sei nach feiner Meinung die Vorbedingung für die Herrschaft der Welt. Seines Erachtens habe Rußland Oesterreich auf die gröblichste Weise dupirt. Ueber Deutsch­lands Interessen sei er durch die heutige Diskussion nicht besser insor- mirt worden. Für ihn habe die Diskussion hauptsächlich den Werth, daß die Redner, die hier geredet hätten, ihr warmes Interesse für Oesterreich ausgesprochen hätten. Es möge dies für den Reichskanzler ein Fingerzeig für die weiteren Verhandlungen sein.

Hierauf entgegnete der Reichskanzler Fürst von Bismarck in länge­rer Rede, worauf Der tabg. Graf Bethusy-Huc erklärte, er halte es für eine einfache Pflicht der Dankbarkeit, den russischen Bestrebungen mit Sympathie zu folgen. Beide Reiche seien darauf angewiesen, im In­

teresse des Friedens zusammenzuhalten, und die Anerkennung dieser Thatsache werde hoffentlich auch dazu führen, dem bisherigen wirthschaft- lichen Absperrungssystem, das man in Rußland zu Gunsten einzelner bestechlichen Beamten noch immer aufrecht erhalte, endlich ein Ende zu machen. Den Bestrebungen des Reichskanzlers und der Unterstützung der befreundeten Mächte werde es hoffentlich gelingen, den Frieden dau­ernd aufrecht zu erhalten.

Der Abg. Dr. von Komierowski sprach den Wunsch aus, daß man auf der bevorstehenden europäischen Konferenz auch die polnische Frage zur Lösung bringe. Der Abg. Dr. Löwe erwiderte dem Vorredner, daß ein solches Hineinziehen anderer Fragen in den Kongreß das nothwen­dige Resultat haben müsse, nicht den Frieden, sondern den Krieg herbei- zuführen. Deutschland habe nicht den Beruf, den Frankreich früher zu haben glaubte, die Rolle eines europäischen Schiedsrichters zu spielen, und wenn Oesterreich feine Interessen gefährdet glaube, so habe Deutsch­land, obwohl es mit diesem Nachbar auf das innigste verbunden sei, doch nicht die Aufgabe, sich für die Vertheidigung dieser Interessen auf- zuwerfen, statt es zunächst Oesterreich selbst zu überlassen, dieselben zu vertreten Der Abg. Liebknecht tadelte die bisherige Haltung der deut­schen Politik als eine Rußland wohlwollende Neutralität, welche noth­wendig zum Verderben Oesterreichs und Deutschlands führen müsse. Ein Hülfsmittel gegen diese Eventualität sei die Wiederherstellung Polens als eines Bollwerks gegen Rußland.

Hierauf nahm der Reichskanzler Fürst von Bismarck nochmals das Wort.

Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. von Helldorff wurde die Debatte geschlossen. Die Interpellation war damit erledigt.

Schluß 4s/4 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr.

(Fortsetzung folgt.) (R. u St.-A.)

Der Reichskanzler hat dem Bundesrath einen Antrag Preußens, betreffend die Veranstaltung einer Untersuchung über die Lage der deut­schen Eisenindustrie, zur Beschlußnahme vorgelegt.

Ueber die Stärke der englischen Flotte unter dem Kommando des Admirals Hornby sind folgende Einzelheiten von Interesse. Das Admiralschiff Alexandra ist gepanzeit, sührt 12 Kanonen und hat eine Besatzung von 680 Offizieren und Mannschaften. Der Agincourt, eben­falls gepanzert, führt 17 Kanonen und eine Besatzung von 700 Mann; eine gleiche Besatzung hat das Panzerschiff Achilles mit 16 Kanonen. Von den übrigen Panzerschiffen hat der Temeraire 8 Kanonen und 450 Mann Besatzung; der Sultan 12 Kanonen und 630 Mann. Das ein­zige nicht gepanzerte Schiff des Geschwaders ist die Korvette Ruby, welche 12 Kanonen führt und eine Besatzung von 240 Mann. Außer diesen größern Kriegsschiffen stehen noch unter dem Befehl des Admi­rals die Kanonenboote Torch. Flamingo, Antilope, Cockatrice und der Avisodampfer Salamis mit einer Gesammtausrüstung von 13 Kanonen und einer Besatzung von 360 Offizieren und Soldaten. Hornby ver­fügt demnach im Ganzen über 104 Kanonen und 4300 Mann. Es fehlen in dieser Aufzählung Raleigh und Holspar, welche mit der Kor­vette Ruby in der Besikabay verblieben sind.

Wie der Polit. Corr. aus Konstantinopel geschrieben wird, hat Server Pascha dem griechischen Banquier Zarifi, als dieser seine Verwunderung über den russcnfieundlichen Umschwung bei der Pforte ausdrückte, folgende Antwort ertheilt:Europa hat uns verlassen, nach­dem es uns direkt oder indirekt zum Widerstände gegen Rußland aus- gemuntert hat. Wenn wir das spätere Verhalten Europas vermuthet hätten, würden wir die Bedingungin der londoner Conferenz (des Pro­tokolls vom 31. März 1877) angenommen haben. Jetzt erübrigt uns nichts, als uns in die Arme Rußlands zu werfen. Dadurch erreichen wir vielleicht noch Manches. Tritt dadurch eine europäische Berwiet.ung ein um fo besser. Wir haben nichts mehr zu verlieren und man wurde sich nur um unsere Theilung streiten Wenn man aber, was wahr­scheinlicher ist, Rußland gewähren läßt, dann ist es unser wohlveistan- denes Interesse, uns an dasselbe anzulehnen. Rußland hat uns in Eu­ropa noch nöthig; es wird eine schwache Türkei am Bosporus emer von ganz Europa garantirten neuen Staatsbildung verlegen. unsers