a&eur.mcKtS- Preis:
Zährlich 6 Mark Halbj. 4 M. 80 P.
Vierteljährlich L Mark 26 Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne Nunv in er 10 Psg.
«liniier Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Jnsn ti»»S-
Preis:
Die ispaltige Earmondzeile od. deren Raum 10 Psg.
Die 2»clt Zeile 20 Psg.
Die 8ss>altigcZeile 30 Pfg.
^ 43.
Mittwoch se» 20. Februar.
1878.
Amtliches.
Die Königlichen Beschäler treffen am 26. Februar c. auf Station Wilhelmsbad ein, was den Züchtern mit dem Bemerken bekannt gegeben wird, daß von jetzt ob das Deckgeld auf 5 M ark herabgesetzt und das Füllengeld auf 1 Ö Mark erhöht ist.
Hanau am 20. Februar 1878.
________________ Der Landrath. ________
Tages schau.
Die Lage während der Waffenruhe.
(*. b. „Xr.,"
Im Friedensschlüsse zu Paris 1856 wurde der Vertrag vom Jahre 1856, welcher die Pforte verpflichtet, die zum Schwarzen Meere führenden Seestraßen den Kriegsschiffen aller Mächte zu verschließen, und welcher das Schwarze Meer neutralisirt, bestätigt. Vier der stärksten Panzerschiffe der englischen Flotte haben ohne Erlaubniß des Sultans den Hellespont passirt und bei den Prinzen-Juseln, zwei Meilen von Koustantinopel, Anker geworfen: zwei Panzerschiffe haben bei Gallipoli Posto gefaßt. Es ist hiermit der Pariser Vertrag gewaltsam gebrochen worden. Die Ausstellung zweier Panzerschiffe in der Nähe der Dardanellenschlösser beweist, daß man für alle Fälle die Verbindung der vorgeschickten Flotie mit dem ägäischen Meere sicher stellen will. Der Hellespont ist 85 Seemeilen lang. Von Abydos in Europa schwamm Leanter noch Scstos in Asien zur schören Hero; auch Lord Byron vermochte es, die Meerenge schwimmend zu passiren, über welche einst Xerxes die erste Schiffbrücke geschlagen; es liegt also auf der Hand, daß es leicht wäre, die Seestraße für Schiffe abzusperren.
Die Dardanellen-Fret- waren jedoch nie genügend armirt, wenn wenn sie ihicn Zweck erfüllen sollten. 1770 formte der russische Admiral Elphinstone die Meerenge, 1807 that der englische Admiral Duckwoith ein Eleiuses, ohne den geringsten * erlust zu erleiden. Da, wie es heißt, die schweren Geschütze der Dardonellen-Forts vor einiger Zeit in die Verschauzungslinie von Konstantinopel gebracht worden, wagten die Engländer diesmal nicht viel. Der eigentliche Hafen von Koustantinopel — der prächtigste Hafen der Welt — wird durch eine Meerenge gebildet, nulche sich zwischen dem Serail und Galata nach Ejub hinzieht. Die Engländer haben demnach nur eine Position in der Nähe von Konsiantiuopel eingenommen, vielleicht aber dadurch Rußland gewarnt, die unmittelbar in das Schwarze Meer führende Seestrase unter bessere Aussicht zu stillen, als dies bei den Dardanellen der Fall gewesen.
Eine Forcirung der Dardanellen konnte mit dem Vorwande, die Engländer in Stombul zu schützen, entschuldigt werden, eine Forcirung des Bosporus aber würde die unleugbare Absicht bekunden, Rußlands Verbindungen auf dem Schwarzen Meere jeden Augenblick bedrohen zu können. Die Seestraße des Bosporus ist 26 Seemeilen lang, die sagenbekränzten Gesinde ziehen sich in sieben Windungen bis zu den Symplegaden oder cionnäischen Felsen, welche der Pontus Euxinus bespült. Schon tinmal führte die bei Sizepoli — dem nächsten Hafen vor Konstantinopel — ankernde russische Flotte Landungstruppen nach Skutari; es geschah das 1833, als Kaiser Nicolaus die Türken gegen die Heranmarschirenden Acgypter beschützte. Bei Jalikoi, wo Tarius einst eine Brücke geschlagen, ist der Bosporus sehr schmal; hier genügen Wenige Torpedos, die Schifffahrt zu verbieten, auf den mit Cypressen- Wäldern bekränzten Höhen lassen sich überall Srrandbattcrien errichten, welche die schmale Fahrstraße beherrschen.
Der Krimkiieg hat es gezeigt, daß England selbst mit der Hülfe Frankreichs nicht viel gegen Rußland vermochte. Admiral Napier erklärte Kronstadt für unangreifbar, nur die Franzosen konnten durch die Einnahme von Bomarsuud auf den Aland-Inseln im Bottnischen Meerbusen einen Ersolg ausweisen. Obwohl damals das Schwarze Meer den Gegnern Rußlands geöffnet war, scheiterten die auf ein in der Dobrudscha gelandetes Corps gesetzten Hoffnungen, man vermochte Odessa nicht zu nehmen und erreichte mit den ungeheuersten Opfern den zweifelhaften Erfolg bei Scbastopol.
Die Russen dürf en diesmal in der Lage fein, England den Ein
tritt in das Schwarze Meer zu versperren oder doch die jedesmalige Passage von Schiffen derart zu erschweren, daß vielleicht Panzer- nicht aber Transportschiffe durchkommen. Behauptet man, daß bei einer etwaigen Allianz Englands mit Oesterreich ähnliche Verhältnisse eintreten könnten, wie 1854, wo die österreichische Armee unter Caronini in Siebenbürgen die Rückzugslinie der Russen über den Pruth bedrohte, so scheinen uns die Verhältnisse jetzt doch anders zu stehen. Abgesehen davon, daß Rußland durch die Besetzung von Burgas und Midiah am Schwarzen Meere in Stand gesetzt ist, seine Truppen zur See aus der Türkei zu ziehen, ist die Kriegsmacht der Russen an den Südgrenzen Oesterreichs stark genug, um, auf die Donaufestungen gestützt, eine Offensive wagen zu können und mit dieser jeder Bedrohung seiner Commuuicationen zuvorzukommen. Eine ernste Verwicklung mit Oesterreich scheint aber kaum denkbar, ohne daß auch deutsche Interessen in Frage kommen, und da wäre Rußland die Nachgiebigkeit wohl geboten, wäre ihm aber auch leicht, denn es hat bisher immer nur dann besondere Trümpfe ausgespielt, wenn englische Drohungen dazu herausforderten.
— Berlin, 18. Febr. Die Vermählung der beiden Prinzessinnen hat programmmäßig Statt gesunden. Anläßlich der Feier herrschte schon seit frühem Morgen bewegtes Leben in den Straßen, namentlich Unter den Linden und in der Friedrichsstadt. Alle öffentlichen und städtischen Gebäude, viele Privatgebäude sind beflaggt und sonst festlich geschmückt. Vor dem kaiserlichen und bem kronprinzlichen Palais bewegt sich eine dichtgedrängte Menge, welche den Kaiser und den Kronprinzen, sobald sie sich zeigten, mit begeisterten Zurufen begrüßte. In der Stadt ist vielfach illuminirt.
— Berlin, 19. Februar. Reichstag. (Fortsetzung.) In der heutigen (6.) Sitzung theilte der Präsident mit, daß der Abg. v. Dzia- lowski (4 Wahlkreis des Reg -Bez. Danzig) am 16. d. Mts. gestorben sei. Das Haus erhob sich, das Andenken des Verstorbenen zu ehren.
Weiter theilte der Präsident mit, daß an Vorlagen eingegangen seien: die Denkschrift über die Verhandlungen wegen Abschlusses eines neuen Handels- und Zollvertrages mit Oesterreich Ungarn und die Uebersicht über bin gegenwärtigen Stand der französisch, n KriegSkosten- entschädigung
Die Kommissionen für die Wahlprüfungen und die Rechtsanwalts- ordnung haben sich wie folgt konstiluirt: I Abg. Dr. Marquardsen (Vorsitzender), Dr. Nieper (Stellvertreter des Vorsitzenden), Loporte, Dr. Mayer Donauwörth (Schriftführer). II. Dr. von Schwarze (Vorsitzender), Dr. Völk (Stellvertreter des Vorsitzendeni, Eysoldt, Grütering (Schristf.) Die Kommission zur Vorberathung des vom Abg. Schulze- Telitzsch beantragten Gesetzentwurfs, betr. die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften hat sich in folgender ^^H^ konstituirt: Abg. Dr. Kapp (Bors.), Traeger (Stellv.), Dr. Sle- vogt, Dr. Hopf (Schristf. .
Sodann trat das Haus in die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Ausnahme einer Anleihe für die Zwecke der Verwaltungen der Post und Telegraph, n, der Marine, des Reichsheeres und zur Durchführung der Münzreform.
Auf den Antrag des Abg. Grumbrecht wurde die Vorlage an die Budgetkommission verwiesen. , .
Darauf begründete der Abg. von Bennigsen seine in Gemernschaft mit den Abgg. Dr. Hänel, Dr Löwe, Dr. Lucius und Uhden emge- brächte Interpellation, welche lautet:
„Im Anschluß an die Thronrede erlauben wir uns an den Herrn Reichskanzler die Frage zu stellen:
Wird der Herr Reichskanzler und an welchem Tage dem Reichstage über die politische Lage im Grünte und über die hierbei von der Regierung des Deutschen Reichs eingenommene und einzunehmende Haltung Mittheilung machen?"
Der Interpellant schilderte die friedliche bisherige Haltung der deutschen Politik in der orientalischen Frage, wie sie sich in den Thron-