®8»»w $***«• Vreile
Mhrlich 9 M-rL 6<tI6j. 4 M. so P.
Vierteljährlich 3 Mari 25 Ps» Für auswärtig« Abonnenten mit dein betreffen- hen Postaufschlag. Me einzelne Num- ater 10 Pfg.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis mtb Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Freitag den 15. Februar
ertöt
Sie 1U>«W •«raeBljd» *, leren Seus 10 $fe.
Sir Sfpnit 3*»
*0 $fa.
Skrsx°ItigeZ«S,
*0 Lk
1878
Amtliches«
Johann Andreas Kronenberger aus Großauheim ist als Bürgermeister vereidigt worden
Hanau am 11. Februar 1878.
Der Landrath.
Tagesschau«
— Berlin, 14. Febr. Reichstag. (Fortsetzung.) In der heutigen (4.) Sitzung gelangte ein Schreiben des Abg. Bürcklin, dessen Beförderung zum Ober-Schulrath betreffend, zur Verlesung. Das Schreiben ging an die Geschäftsordnung^Kommission.
Darauf motivirte der Abg. Bürgers seinen in Gemeinschaft mit den Abgg Dr. Hirsch und Walter gestellten Antrag, betreffend Beseitigung der Beschwerden wegen Benachteiligung des freien Gewerbebetriebes durch die gewerbliche Gefangenenarbeit. Der Antrag lautet:
„Der Reichstag wolle beschließen: Den Herrn Reichskanzler auf- zufordern, mit Rücksicht auf die wegen Benachtheiligung des freien Gewerbebetriebes durch die gewerbliche Gefangenenarbeit erhobenen Beschwerden und behufs Erlangung einer Grundlage für die in dem Strafvollzugsgesetz zu lösenden Fragen über die Art der Beschäftigung der Gefangenen die Bundesregierungen zu ersuchen, diese Beschwerden, soweit sie thatsächliche Anführungen enthalten, einer eingehenden Untersuchung, möglichst unter Zuziehung von Vertretern der Beschwerdeführer, zu unterziehen und über deren Ergebniß in Verbindung mit einer Statistik über die Gefangenenarbeit im Reiche dem Reichstage demnächst Mittheilung zu machen."
Der Präsident des Reichskanzler-Amts, Staats-Minister Hofmann, bezeichnete es als eine Konsequenz der bisherigen Haltung der Reichsregierung in dieser Frage, wenn er sich dem vorliegenden Anträge gegenüber nicht ablehnend verhalte. Der Grundgedanke desselben sei durchaus richtig; man müsse Erhebungen veranstalten, um unbegründete Beschwerden als solche darzuthun und begründeten Beschwerden Ab- Hülse zu schaffen. Er hoffe, daß die vom deutschen Handelstage eingeleitete diesbezügliche Enquete in Gemeinschaft mit den Bemühungen der deutschen Regierungen dieses Ziel erreichen werde.
(Fortsetzung folgt.) (R. U St.-A.)
— Berlin, 14. Febr. Saadullah Bey, der türkische Botschafter in Berlin, welcher zum zweiten Bevollmächtigten der Türkei für die Conferenz von Adrianopel, in welcher der Friedensvertrag mit Rußland ausgearbeitet werden soll, ernannt ist, wird noch heute Berlin verlassen, um sich über Brindisi nach Konstantinopel zu begeben. Der erste Botschaftssekretär, O. Bagdadtian Effendi, ist während der Abwesenheit des Botschafters zum türkischen Geschäftsträger in Berlin ernannt worden. — Fürst Bismarck trifft heute Abenv 6 Uhr hier ein. Die Verlesung und, wie man hofft, die Beantwortung der Interpellation über die orientalische Frage im Reichstage wird am Dienstag den 19. d. M. Statt finden. Morgen wird der Reichstag nach den jetzigen Bestimmungen nur über die geschäftliche Behandlurg des Budgets sich verständigen, in die Berathung der Steuervorlagen jedoch erst von Dienstag ab eintreten. (Köln. Ztg.)
— Berlin, 14. Febr. Fürst Bismarck ist heute Abend 5 Uhr 50 Minuten mit Familie hier eingetroffen.
— In einer Untersuchung gegen einen Redacteur wegen Beleidigung hat das Ober-Tribunal in einem Erkenntniß vom 24. Januar d.
3- folgenden Rechtssatz ausgesprochen: Zum Thatbestände einer strafbaren Beleidigung ist die Nennung des Namens des Beleidigten nicht erforderlich, vielmehr genügt die Bezeichnung desselben in einer erkennbaren Weise. Die Strafbarkeit wird dadurch nicht aufgehoben, daß der Redacteur gar nicht den Beleidigten kennt und überhaupt nicht weiß, auf wen sich die in dem ihm zugeschickten Artikel ausgesprochene Beleidigung bezieht.
— Von deutschen Kriegsschiffen befand sich nach den letzten Nachrichten der Aviso Pommerama zur Verfügung des deutschen Botschafters vor Konstantinopel. Außerdem befindet sich in den türkischen Gewässern, d. h. im Mittel- bezw. im ägäischen Meer ein kleines Geschwader unter
dem Oberbefehl des Kavitän Kinderling, bestehend aus den Korvetten Hertha und Gazelle. Das Kanonenboot Albatroß, welches ursprünglich dem Geschwader angehörte, ist vor Kurzem über Suez nach China ab- gegangen. Eine Verstärkung des Geschwaders durch Panzerschiffe würde zunächst nur durch die Schiffe Kaiser Wilhelm und Kronprinz erfolgen können, welche binnen Kurzem feebereit sein könnten; außerdem die Panzerkorvette Hansa. Die übrigen sind entweder noch in der Ausrüstung oder in Ausbesserung begriffen oder befinden sich auf auswärtigen Stationen. Ueber die im Falle ernsterer Verwicklungen im Orient zu ergreifenden Maßregeln hat bereits nach dem „Schw. Merk." anfangs voriger Woche eine Konferenz des Kaisers mit d.m Feldmarschall Graf Moltke und dem Chef der Admiralität, General v. Stosch, stattgefunden.
— (Diplomatische Aktenstücke.) Aus dem neuesten Blaubuche heben wir das Memorandum hervor, welches Oberst Wellesley am 7. Aug. 1877 dem Grafen Derby überreicht hat, und zwar mir einem Begleitbriefe, worin erwähnt wird, daß Kaiser Alexander das Memorandum vor Wellesleys Abreise aus dem russischen Hauptquartier am 30. Juli selbst gelesen und richtig befunden hatte. Es lautet wie folgt: „Seine Majestät der Kaiser hielt es wegen der in England um- laufenden falschen Gerüchte über angebliche russische Grausamkeiten für zweckmäßig, daß ich selbst der englischen Regierung über die Sachlage berichte. In einer Unterredung vor meiner Abreise machte Se. Maj. folgende Bemerkungen mir gegenüber und ermächtigte mich, dieselben meiner Regierung mitzutheilen. Se. Maj. wiederholte, was er schon Lord A. Loftus in Livadia und mir in Simnitza gesagt hatte: der Zweck des gegenwärtigen Krieges sei nur die Verbesserung der Lage der christlichen Bevölkerung der Türkei. Die von dem Kaiser verlangten Friedensbedingungen sind die kürzlich durch den Grafen Schuwaloff dem Grafen Derby mitgetheilten und werden so lange unverändert so bleiben, wie England seine neutrale Stellung beibehält; sollte jedoch England diese Stellung verlassen, so tritt die Sache in eine neue Phase. Se. Maj. denkt nicht an Annexionen, mit Ausnahme vielleicht des von Rußland im Jahre 1856 verlorenen Gebiets und vielleicht eines gewissen Theiles von Kleinasien. Der Kaiser wird Konstantinopel nicht um den militärischen Ehre willen besetzen, sondern nur, wenn solcher Schritt durch den Gang militärischer Ereignisse nothwendig gemacht wird. Se. Maj. ist bereit zu Friedens Verhandlungen, wenn der Sultan passende Vorschläge macht; Vermittlung aber zu Gunsten der Türkei ist unzulässig. Europa wird behufs endgültiger Festsetzung der Friedensbedingungen zu einer Konferenz geladen. Der Kaiser hat nicht den leisesten Wunsch oder die Absicht, in irgend einer Weise die Interessen Englands hinsichtlich Konstantinopels, Egyptens, des Suezkanals oder Indiens zu bedrohen. Hinsichtlich Indiens hält Se. Maj. das nicht nur für unmöglich, sondern für thöricht, wo überhaupt möglich. Se. M. versicherte mir, der Dreikaiserbund sei zur Bewahrung des Friedens gebildet, ohne einen Gedanken des Angriffs oder der Gegnerschaft gegen England. Zeitweilige Besetzung der Bulgarei werde nothwendig sein. Se. Maj. habe niemals feindliche Gefühle gegen England gehabt, noch es zu kränken gewünscht. Der Kaiser fürchtet aber, daß die jetzige Politik Englands nur dazu angethan sei, die Türken zu ermuthigen und folglich den Krieg zu verlängern, und glaubt, daß, wenn England seinen Einfluß auf die Pforte ausüben wollte, der Sultan bereit sein würde, Frieden zu schließen, und so ein von ganz Europa beklagter Krieg zu baldigem Ende kommen werde." (Schw. Merk.^
— Hamburg, 10. Febr. Der Polizei gelang es gestern, eine Falschmünzerbande in voller Thätigkeit zu überraschen. Dieselbe betrieb die Anfertigung von Zehnguldennoten Oesterreichs und hatte dort eine Reihe von Helfershelfern zur Verbreitung der Noten. Die Seele der Werkstatt ist ein Oesterreicher, Pederer, die Platten zu den Noten verfertigte ein Hamburger Lithograph Namens Tappe.
— München, 11. Febr. Nach nunmehr ersolgter neuerer Anordnung des hiesigen erzbischöflichen Ordinariats werden die Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Papst erst nach Beenoigung jener in Rom und zwar ganz in der nämlichen Weise gehalten werden, wie dies beim Tode des vorigen Papstes, Gregor's XVI., der Fall war. Das