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Bierteljährlich * Mark 25 Pfg.

Kür auswärtig« Abvnnenten mit dem betreffen- ben Pustaufschlag. Kie einzelne Num­mer 10 Psg.

Hinmer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstag- mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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M 37.

Mittwoch deR 13. Februar.

1878.

Amtliches-

Bürgermeister Laubach aus Eichen ist als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen verpflichtet worden.

Hanau am 6. Februar 1878.

Der Landrath.

Für den Karl Kämmerer zu Bockenheim ist um Entlassung aus dem preußischen Unterthanen-Verband behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 4. Februar 1878.

Der Landrath.

Tages schau.

Berlin, 12 Februar. In der heutigen (3.) Sitzung des Deutschen Reichstages theilte der Präsident mit, daß seit dem 3. Mai 1877 folgende Mitglieder gestorben seien: 1) der Abg. Graf von Kleist (7. Frankfurter Wahlkreis); 2) der Abg. Graf von Schönborn-Wiesen- theid (2. Wahlkreis Kitzingen des Königreichs Bayern); 3) der Abg. Hausmann (Lippe); 4) der Abg. Graf von Maltzan-Militsch (2. Bres- lauer Wahlkreis). Das Haus erhob sich, um das Andenken der Ver­storbenen zu ehren. Weiter theilte der Präsident mit, daß der Abg. Fürst von Hohen!ohe-Langenburg die Wahl zum zweiten Vize Präsi­denten mit Dank angenommen habe.

Wegen der Sitzungen des bayerischen Landtages wurde 21 Abge­ordneten der nachgesuchte Urlaub von 14 Tagen bewilligt.

(Forts. folgt.)' (R.- u. St.-A.)

Zu der Interpellation über die orientalische Frage hat sich im Reichstag diejenige Mehrheit vereinigt, welche als Ideal vorschwebt, wenn die bekannte Forderung einersicheren Mehrheit" aufgestellt wird: Nationalliberale Partei nebst Gruppe Löwe, Fortschrittspartei, freikon­servative und konservative Partei. Die höchst bescheiden gefaßte Inter­pellation lautet wörtlich:Im Anschluß an die Thronrede erlauben wir uns an den Herrn Reichskanzler die Frage zu stellen: Wird der Herr Reichskanzler und an welchem Tage dem Reichstage über die po­litische Lage im Oriente und über die hierbei von der Regierung des Deutschen Reichs eingenommene und einzunehmende Haltung Mitthei- lung machen?" Man nimmt an, daß die Anfrage im Einverständniß mit dem Reichskanzler gestellt ist, und daß dieser, der frühestens am Montag in Berlin erwartet wird, wenn dieselbe am Mittwoch im Reichstage zur Vorlesung kommen wird, die Beantwortung zusagen oder auch gleich ausführen werde. Die Interpellation bildet seit derjenigen, welche Herr v. Bennigsen im konstituirenden Reichstage über die Luxem­burger Frage einbrachte, den ersten Fall, daß die Regierung von der Mehrheit der Reichsvertretung über die auswärtigen Verhältnisse des Bundes und Reiches um Auskunft angegangen wird. Mit ihr trifft eine hervorragend friedliche Aeußerung über die auswärtige Lage zu­sammen, welche von der Nordd. A. Z. unter ausdrücklicher Berufung auf Informationen, die ihr geworden, abgegeben wird. Das gen. Bl. führt aus: Indem England die europäischen Regierungen von der Ent­sendung der Flotte nach Konstantinopel unterrichte und dieselben auffor- dere, sich diesem Vorgänge anzuschließen, verliere der Schritt Englands jede gegen Rußland gerichtete Spitze und erweitere sich zu der bereits im Okt. 1876 von Gortschakow vorgeschlagenen Parallel-Okkupation, die damals in Wien und London abgelehnt wurde.Mit diesem Akte Englands nähert das Orientdrama sich seinem Ende, der fünfte Akt scheint von kürzerer Dauer als die voraufgegangenen zu sein. Nach den vollkommen friedlichen Erklärungen, welche die englische Regierung im Parlament, sowohl über den Zweck der Flottensendung als auch über den des inzwischen mit großer Majorität bewilligten Kredits und über ihre künftige Politik gegeben, wonach auch England die Befreiung der Balkanchristen als vollzogene Thatsache anerkennt und sich auf die Sicherung der Wasserstraßen und Egyptens zurückzieht, erscheint wohl das Vertrauen gerechtfertigt, daß weitere Komplikationen in der Orient­frage nicht mehr entstehen werden. Diese aus den vorliegenden Nach- richten resultirende Auffassung der Lage stimmt mit den uns gewordenen

Informationen vollkommen überein " Dem Reichstag ist die Tabak- steuervorlage (Erhöhung der Tabaksteuer nach preußischem Vorschlag) zugegangen. Die Ablehnung der Tabaksteuer in ihrer jetzig-n Fassung gilt für ziemlich sicher. (Schw. Merk)

In den deutschen Münzstätten sind bis zum 2. Februar 1878 geprägt worden, an Goldmünzen: 1,165,337,820 Mark Doppel- kronen, 365,299,450 Mark Kronen, 26.666,810 Mark halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 239,0.62,020 Mark; an Silbermünzen: 71,653,095 Mark 5-Markstücke, 97,810,892 Mark 2-Markstücke, 146,426,666 Mark 1-Markstücke, 71,486,552 Mark 50 Pfennigstücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20 Pfennigstücke. Gesammtausprägung an Goldmünzen: 1,557,304,080 Mark; an Silbermünzen: 423,095,127 Mark 80 Pf.

Wien, 9. Febr. (Lotteriesturm) Der Tod des Papstes hat eine für dieses Ereigniß förmlich angestaute Wuth, in der Lotterie sein Glück zu versuchen, zum Du chbruch gebracht. Seit dem frühen Morgen sind bereits alle Lotterie- Kollekturen belagert und sind die In­haber derselben kaum im Stande, die Andrängenden mit ihren Wünschen und Forderungen zu befriedigen Der Nummein-Kvmbinatiomn, die der Tod des Papstes hervorgerufen, gibt es wohl mehrfache, die gang­barste ist jedoch, wie wir von einem Lotteriekundigen erfahren, die fol­gende: 4 (Stunde des Todes, 9 (Pius IX), 7 (Tag des Todes), 58 (Papst), 86 (Alter des Papstes). Zumeist kommen die Leute in die Kollekturen gestürmt und verlangen einfach diePapstnummern" besetzt. Auf solches Verlangen werden dann die obenerwähnten Nummern mit 5 (Quinterne) oder auch nur mit 3 Ziffern (lerne) besetzt. Da nun nicht allein in Wien dieses Ereigniß einen besonderen Lotteriefuror er­weckt, so wäre es wohl sehr interessant, nachträglich zu erfahren, wie viel diese Papstnummern dem Lotteriebudget eingetragen. (Presse.)

Wien, 11. Febr. Oesterreichs Flotte ist in die Dardanellen eingelaufen und dürfte bereits in Konstantinopel angelangt sein. Die Beziehungen Oesterreichs zu England sind vorzüglich, zu Rußland, wie es scheint, in Folge der durch Novikow endlich überreichten Note Gort- fchakow's sehr kühl. In diesem langen und wie versichert wird äußerst sorgfältig abgefaßten Schriftstücke nimmt Gortschakow die Conserenz- Jdee im Princip an, erklärt aber gerade die allerwichtigsten Frageu von vorn herein als n djt vor das Forum derselben gehörig und über­haupt undiskutirbar, so daß der Conferenz nichts bleiben würde, als Rußlands Absichten zu sanktioniren. Andrassy's Projekt, der Form nach angenommen, muß dem Wesen nach als gescheitert gelten. Fortwährend finden Berathungen der Reichs-Minister Statt und die ernstesten Ent­schließungen sind nicht unwahrscheinlich (Köln. Ztg )

Paris, 8 Febr. Die liberale Presse unterscheidet im All­gemeinen sorgfältig zwischen dem persönlichen Charakter Pius IX., wel­chen sie nur zu loben weiß, und seiner weltlichen und kirchlichen Poli­tik, die sie aufs Entschiedenste verurtheilt. Der Temps schließt seine Betrachtungen wie folgt: Nachdem Pius IX. seinen weltlichen Stütz­punkt verloren, hat er einen andern in dem Glauben gesucht und ge­funden. In allen Ländern hat sich eine halb religiöse, halb politische Partei gebildet, deren Oberhaupt der Papst ist, und welche sich der neueren Freiheiten bedient, um eine Macht zu gewinnen, welche diese Freiheiten dereinst unterdrücken soll; eine Partei, welche im Gegensatz steht zu unserer Wissenschaft, unserer ßiteiatur, unsrer Erziehung, un- fein Sitten, im Gegensatz zu dem gan;en neueren Geiste, welche aber den Vortheil hat, daß sie sich aus positive Glaubensätze stützt, auf eine absolute Hingebung ihrer Anhänger und gleichzeitig auf beträchtliche materielle Hilfsmittel. Von einem Ende Europas zum andern sind die Nationen heute in zwei Lager getheilt, dasjenige des Liberalismus und dasjenige der religiösen Reaktion. Das ist die neue Thatsache, welche die Geschichte des letzten Viertels dieses Zahrhunderts beherrschen wird, und deßhalb kann man sagen, daß Pius IX, der seinen Namen an diese Schwenkung der Kirche geknüpft hat, der letzte der Päpste, im konkreten und historischen Sinne des Wortes, ist.

__ Rom, 11. Febr, Abends. (Köln Ztg ) Heute früh wurden im Vatican die Maurerarbeiten in Angriff genommen, welche nothwen-