Einzelbild herunterladen
 

AKEt«ext8- drei«' jährlich 9 MarL. Halbj. 4 M. 50 P.

Vierteljährlich 8 Mark 25 PfK. Für auswärtige Abonnenten

Mit dem betreffen­den Postaufschlag. Wie einzelne Num­mer 10 Pfg.

3rwftrtt»l* »teilt

St» l!#amn etmeui>äri& «d» leren tHeue io St».

Sie 2fpalk && so Pf,.

M 32.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilagen und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

DöMerMg Zerr 7, Februar.

SSeSfpaltigeSd»

so P.

187&

Tagesschan.

Der W a ffenstill stand und die europäische Conferenz.

(A. d. Trib.)

Bon der Höhe von Constantinopel", wie General Jgnatieff an­gekündigt haben soll, haben die Russen den Frieden allerdings noch nicht dictirt", und schon darin mag man einstweilen den Hinweis dafür sehen, daß der in Adrianopel jetzt unterzeichnete Waffenstillstands- und Präliminarvertrag, so lange und lebhaft man beiden auch entgegensah, uns doch noch nicht an's Ende der Gefahren bringt.

Die Friedensgrundlagcn, wie sie von Rußland gestellt und von der Pforte angenommen worden, sind von den Bevollmächtigten beider kriegführenden Theile durch Unterschrift besiegelt. Das erste officielle Telegramm mit dieser Nachricht kam aus Petersburg vom Sonntag Morgen, nachdem andere, weniger autorisirte Meldungen ihm bereits voranfgegangen waren. Gleichzeitig mit dem Präliminarfrieden ist der Waffenstillstand unterzeichnet worden und der Befehl zur Einstellung der militärischen Operationen an alle Detachements der bulgarischen und j der kaukasischen Armee entsendet worden.

Ueber den Inhalt der getroffenen Abmachungen ist bis jetzt noch nichts Erschöpfendes bekannt. Der officielle Telegraph begnügt sich mit der Mittheilung, daß sämmtliche Donaufestungen sowie Erzerum von den Türken geräumt werden sollen, doch ist damit der militärische Theil der Bedingungen schwerlich erfüllt, von dem politischen ganz zu schweigen.

In Petersburg fand am Sonntag zur Feier des endlichen Ab­schlusses in den Kirchen besonderer Dankgottesdienst statt. Militärisch wurde das Ereigniß durch Artilleriesalven verkündet. Die Stadt war überall festlich geflaggt und für den Abend eine allgemeine Illumination vorbereitet. Kaiser Alexander benutzte eine gleichfalls am Sonntag stattfindende Regimentsbesichtigung, um in Beziehung auf die soeben abgeschlossenen Verhandlungen in einer Ansprache an die versammelten Generale und Offiziere Folgendes zu äußern:

Ich beglückwünsche die Herren zu dem Waffenstillstände, dessen Bedingungen so befriedigend sind. Wir verdanken ihn unseren braven Truppen, welche bewiesen haben, daß ihnen nichts unmöglich ist. Aber es ist dies noch nicht das Ende. Wir müssen uns in Bereit­schaft halten, bis wir einen dauerhaften und Rußlands würdigen Frieden erreicht haben, wozu uns Gott helfen möge."

Es ist noch nicht das Ende!" Wie ein dumpftönendes War­nungszeichen klingt dies Czarenwort in den etwas voreiligen Friedens­jubel der Petersburger Bevölkerung hinein und wird seine dämpfende Wirkung vermuthlich auch im übrigen Europa finden. Aus England kommen bereits Meldungen von ähnlich düsterer Klangfarbe. Wie tele­graphisch aus London signalisirt wird, hat die Thatsache der Unterzeich­nung der Friedenspräliminarien nicht das Geringste an der als sehr ernst zu betrachtenden Stimmung in englischen Regierungskreisen geän­dert, wiewohl der russische Botschafter Graf Schuwaloff große Anstren­gungen macht, die zwischen Rußland und England schwebenden Fragen auf das Terrain gegenseitiger Concessionen hinüberzusprelen.

Der Krieg steht; die Kriegführenden sind durch die physische Ge­walt der Lage unter sich eins geworden; zur Rechtsgültigkeit dieses Uebereinkommens indeß gehört in allen Punkten, die das europäische Vertragsrecht und die Jnteressenfragen anderer Staaten berühren, eine ausdrückliche Verständigung mit den Signatarmächten des letzten Pariser Friedens. Das ist der Fundamentalsatz des europäischen Rechtrstand- Punkts, von dem aus betrachtet, die Adrianopeler Abmachungen in ihren wesentlichen Punkten nur vorbereitenden, interimistischen Werth besitzen. Der Weg zum Waffenstillstand war ein langer, nach Lage der Dinge jedoch ziemlich sicherer; der Weg zum Frieden ist bei Weitem länger, und Niemand in Europa vermag heute Bürgschaft dafür zu übernehmen, daß er sein Ziel mit derselben Sicherheit erreicht.

Inzwischen ist den Friedensverhandlungen der Mächte die Stätte schon bereitet worden. Die österreichisch-ungarische Regierung hat dem russischen Cabinet den Vorschlag einer europäischen Conferenz zur Lösung Der Fragen gemacht, und Rußland hat diesen Vorschlag angenommen.

Die Conferenz wird nicht wie es in einem vorgestrigen Telegramm seltsamerweise hieß in einem Staatezweiten" Ranges, sondern sie wird in Wien tagen, und bereits am Sonntag hat das Wiener Cabinet die formelle Einladung zu ihrem Zusammentritt an alle Mächte ergehen lassen, die den Pariser Vertrag vorn Jahre 1856 unterzeichnet haben.

Die Annahme des Conferenzprojekts durch Rußland wird man zunächst als einen Act des Entgegenkommens gegen Europa ansehen dürfen. Das Petersburger Cabmet erkennt damit den europäischen Rechtsstandpunkt an und gibt zu, daß in den wichtigsten Friedensponktett durch das Uebereinkommen von Adrianopel keine vollendeten Thatsachen geschaffen werden können Die Stellung Rußlands auf der Wiener Conferenz wird seiner Stellung in Kasanlik und Adrianopel ähnlich sein. Es erscheint auch hier als der fordeinöe Theil; allein es sieht sich gegenüber, nicht wie dort einen geschlagenen und zu Boden geworfenen Feind, sondern das versammelte Europa, dessen Mächte in ihrer Mehr­zahl wenigstens über das Negative ihres Willens einig sind.

Die Constantinopeler Conferenz vor dem Kriege halte kein Ergeb­niß, weil einmal damals die Türkei die es jetzt wohl bereuen mag zur Nachgiebigkeit nicht zu bewegen war, und weil andererseits Eu­ropa, veranlaßt durch die isolirte Stellung Englands dem Berliner Memorandum gegenüber, nicht envg werden konnte. Ein Congreß wäh­rend des Krieges hätte vermuthlich denselben Zustand wieder gefunden. Die jetzt bevorstehende Conferenz nach dem Kriege hat wenigstens den doppelten Vorzug, daß sie die Türkei widerspruchslos und gefügig, und daß sie England auf demselben Wege mit dem übrigen nicht-russischen Europa findet.

Wenn die europäischen Mächte nach Wien gehen, so werden sie es in dem Bewußtsein thun, dort nicht, wie in Constantmopel, ein diplo­matisches Schaustück aufzuführen, sondern ernste und folgenschwere Ar­beit zu finden, nicht, nur vorübergehende Gefahren abzuwenden, sondern dauernde positive Schöpfungen aufzuführen, die der Balkanhalbinsel die Ordnung und Europa den Frieden sichern.

Oesterreich-Ungarn ist es, welches die Großmächte des Welttheils zur Schlichtung der orientalischen Frage jetzt zusammenruft. Wir gön­nen dem Grafen Andraffy dies ehrenvolle Vorrecht gern und können nur wünschen, daß es dem europäischen Areopag gelingt, die widerstrei- tenden Interessen kraft seiner Autorität zu allseitiger Befriedigung zu versöhnen. Wir dürfen uns aber nicht verhehlen, daß dieser Wunsch noch manches Hinderniß zu überwinden hat, ehe er zu sicherer und fester Zuversicht werden kann. ;--

Berlin, 6. Febr. Nach demR. u. St.-A." hat der Vice- Präsident des kgl. preuß. Staatsministerium, Finanzminister Camphau­sen im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs heute Nachm.

2 Uhr den Reichstag mit folgender Thronrede eröffnet:

Geehrte Herren!

Se. Majestät der Kaiser haben mir den Auftrag zu ertheilen ge­ruht, die Sitzungen des Reichstages in Allerhöchstihrem und der ver­bündeten Regierungen Namen zu eröffnen.

Ihre Thätigkeit wird in der bevorstehenden Session durch eine Reihe wichtiger Berathungsgegenstände in Anspruch genommen sein.

Der Entwurf des Reichshaushaltsetats, welcher Ihnen unverzüg­lich zugehen wird, liefert aufs Neue den Beweis, daß die unabweislichen finanziellen Bedürfnisse des ordentlichen Reichshaushalts in stärkerem Maße zunehmen als die Erträgnisse der dem Reiche zugewiesenen eigenen Einnahmequellen. Den verbündeten Regierungen erscheint es nicht rath- sam, die Deckung des Mehrbedarfs durch Erhöhung der Beiträge der einzelnen Staaten herbeizuführen, vielmehr weist die finanzielle Gesammt- lage Deutschlands auf Verstärkung der eigenen Einnahmen des Reiches hin. In dieser Richtung werden Ihnen Gesetzentwürfe über die Erhe­bung von Reichsstempelabgaben und die höhere Besteuerung des Tabaks vorgelegt werden.

Soweit die außerordentlichen Ausgaben nicht durch besondere Ein­nahmen gedeckt sind, werden, wie im vorigen Jahre, die Mittel auf dem Wege des Credits zu beschaffen sein. Der Entwurf eines Anleihegesetzes wird Ihnen zugehen.