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— Madrid, 30. Jan. Ein entsetzliches Unglück wird von den heute hier erschienenen Journalen gemeldet: Der Seedampfer „Trise", aus Indien kommend, welcher außer der Schiffsmannschaft noch 450 Personen an Bord hatte, soll untergegangen sein. Auch nicht eine Person wurde gerettet. Nur ein Stück Strandgut wurde an der Küste von Galicien (im nordwestlichsten Theile Spaniens) aufgefunden.
— St. Petersburg, 1. Februar. Officielles Telegramm aus Adrianopel vom 27. Januar, Abends 9 Uhr. In der Nacht zum 25. nahm General Strakoff Lülleburgas ein, die Eisenbahnstation wurde von zwei Sotnien des Donschen Regiments Nr. 1 unter dem Oberstem Kuteinimoff nach vorausgegangenem Kampfe genommen. Wir hatten 1 Kosak todt, 1 verwundet; eine große Anzahl Türken wurde gefangen und 200 Waggons nebst einer Lokomotive wurden erbeutet. General Strakoff holte einen aus 10,000 bis 15,000 Wagen bestehenden Zug mit 50000 flüchtenden, bewaffneten, muselmännischen Einwohnern ein, hielt denselben an, nahm den Bewaffneten die Waffen ab, und beabsichtigt, die ganze Masse unter Eskorte nach Rodosto bringen zu lassen, von wo die Muselmänner dem Vernehmen nach an die asiatische Küste transportirt werden sollen. Ueber den Verbleib der türkischen Truppen fehlt es jetzt noch an genauen Nachrichten. Nach der Aussage von Gefangenen find etwa 15000 Mann unter Kerim Pascha, Hassan Pascha, Hadschi Hussein Pascha von Sliwno Kotol gegen Adrianopel mar- schirt, wurden jedoch, als sie am 18. in Hadschijenidsche ankamen, von dem dort eingetroffenen Mahomed Ali Pascha nach Kirkilissa und später am 21. nach Konstantinopel dirigirt. Gestern besetzte die Infanterie des Generals Schnitnikoff ohne Kampf Demotika-Usunkepri. Diemuselmän- nischen Einwohner empfingen unsere Truppen mit Brod und Salz und begrüßten sie als Befreier von den Baschibozuks und Tscherkessen. In der Stadt wurde ein Vorrath von Zwieback und anderem Mundvor- rath erbeutet. Heute kommt der Vortrab der Kolonne des General Radetzki in Adrianopel an. Großfürst Nikolaus wohnte heute einem Tedeum in der Kathedrale bei, die Bevölkerung war in großer Menge zugegen. Das Wetter ist warm, es regnet fast unaufhörlich, auch herrscht starker Wind. — Officielles Telegramm. General Zimmermann telegraphirt aus Medschidje vom 30. Januar, Nachmittags 3 Uhr 10 Minuten. In Folge der Affaüe vom 26. Januar zog sich der Feind in der Nacht vom 27. Januar eiligst auf Varna zurück. Am 27. Januar zog General Zimmermann mit den an der Spitze befindlichen Cavallerie-Abtheilungen in Basardschik ein, wo die Türken Depots von Waffen und Munution hinterließen, drei Moscheen, eine armenische Kirche, sowie große Proviant-Vorräthe wurden von denselben angezündet. Der Brand der bulgarischen Kirche wurde durch die Bewohner gelöscht. Die Stadt ist nicht zerstört. 3000 bulgarische und 150 muselmännische Familien sind in denselben verblieben. In Va- sardschik hinterließ der Feind ein Hospital des rothen Halbmondes nebst Sanitätspersonal, sowie 250 schwer verwundete Türken, 11 Egyp- ter und etwa 70 Bulgareu. Die Verluste des Feindes am 26. Januar waren bedeutend. Die Befestigungen von Basardschik sind sehr stark. Es herrscht starkes Regenwetter. Die Wege werden unpassirbar.
R.- u. St-A.
— Telegramme. Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus Gallipoli vom 31. Januar rücken die Russen in drei Kolonnen, zusammen 10,000 Mann stark, gegen Rodosto und Keschan vor. Transportschiffe kommen fortwährend an und einige gehen mit Truppen beladen nach Konstantinvpel. Suleiman befindet sich in Gallipoli.
— Einem Privatbriefe aus New-Iork entnimmt die „Kreuz- Ztg." Folgendes: Die Zeiten sind hier eben so schlecht, wie in Europa. Hier sind zur Zeit etwa 150,000 Arbeiter ohne Arbeit und zahlreiche junge Leute ohne Stellung. Es ist daher jedem jungen Manne abzu- rathen, ohne Engagement hierher zu kommen, da er Gefahr läuft, sich Monate laug beschäftigungslos herumtreiben zu müssen. In Californien ist jetzt ein gleiches Darniederliegen der Geschäfte; auch im übrigen Nord-Amerika sieht es traurig aus.
Lokales.
H an au, 2. Februar 1878
MK** Für nächsten Montag ist im Abgeordnetenhause das Gerichtssitzgesetz auf die Tagesordnung gesetzt.
Q Nächsten Sonntag den 3. ds. Mts., Nachmittags 2 Uhr, wird im Saale der „Centralhalle" Herr Prediger Voigt von Offenbach vor hiesiger freireligiöser Gemeinde über das interessante Thema predigen: „Die religiöse Bewegung der Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit." Herr Prediger Voigt versteht es ausgezeichnet, einen Stoff gründlich wissenschaftlich und dabei dennoch für Jedermann faßlich zu behandeln und machen wir deshalb Alle, welche sich für die religiöse Bewegung der Gegenwart interessiren, auf diesen interessanten Vortrag aufmerksam.
— Morgen hält die Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde ihre 55. Jahresversammlung ab. Zu diesem Zwecke ist Vormittags 11 Uhr eine Sitzung der stimmberechtigten Mitglieder in's Gesellschaftslokal anberaumt. 1
— (Hanauer Stadttheater.) Unsere erste Heldin und Liebhaberin Fräulein Fernande Lieder, die sich die Gunst der Hanauer schnell zu verschaffen, aber auch zu erhalten wußte, feiert nächsten Mittwoch ihr Benefice mit dem Birch-Pfeiffer'schen Schauspiel „Anna von Oesterreich". Wir wünschen der beliebten Künstlerin, daß sie an ihrem Ehrenabend auch in einem recht vollen Hause die Gunst des verehrl. Publikums erblicken möge.
— Die diesjährige Generalversammlung des Hanauer Thierschutzvereins wird Freitag den 22. Februar, Abends 8V2 Uhr, im Gasthause zur Post abgehalten werden.
— Die Untersuchungen auf Farbenblindheit sind sowohl bei dem Personal der Hess. Ludwigsbahn als der Bebraer Bahn nunmehr neuerdings zum Abschluß gebracht worden; das Resultat war ein fast durchaus günstiges zu nennen.
— Nach dem „Main- u. Kinzigboten" stimmten im Herrenhause bezüglich der Frage, ob Fulda oder Hanau zum Landgerichtssitz zu erwählen sei, von 80 anwesenden Mitgliedern nur etwa 20 für Fulda.
— Gutem Vernehmen nach wurde Herr Zimmermeister Adam Stroh dahier von Sr. Königl. Hoheit dem Herrn Landgrafen Friedr. Wilhelm von Hessen zum Hof-Zimmermeister ernannt.
— Bei der nächsten Montag beginnenden Schwurgerichtssitzung kommen folgende Fälle zur Verhandlung: 1) Montag den 4. Februar: Anna Fischer, wegen versuchten Giftmords; 2) Dienstag den 5. Februar: Damian Merl 0, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; 3) Mittwoch den 6. Febr.: 1. Johann Pa ppert, 2. Mina Schwabe, wegen Doppelehe; 4) Donnerstag den 7. Febr.: Wilh. Vielme d e r, wegen Nothzucht; 5) Freitag den 8. und Samstag den 9. Febr.: Anton Wissert, wegen Widerstands rc.; 6) Montag den 11. Febr.: Friedr. Freund, wegen Unzucht; 7) Dienstag den 12. Febr.: Philipp Lach, wegen Widerstands; 8) Mittwoch den 13. und Donnerstag den 14. Febr.: Simon Glauberg, wegen Meineids rc.; 9) Freitag den 15. Febr.: Wilh. Heinr. Lochmann, wegen Meineids.
— Für heute und morgen. Heute. Philharmonischer Verein: Abends 9 Uhr Generalversammlung. — Morgen. Oratorien- Verein: Vorm. 11 Uhr Probe für den Damenchor.
Wohin gehen wir heute und morgen? Vergnügungs-Anzeiger für Hanau und Umgegend.
Heute Abend Kisfelstein'scher Maskenball in der Krone.
Morgen: Nachmittags: Concerte im „Deutschen Haus", auf „Dörr's Felsenkeller", sowie im „goldenen Löwen" (Vorstadt). — Hanauer Stadttheater: Zum ersten Male: „Größenwahn", Schwank in 4 Auszügen von Julius Rosen; Anfang Abends 6^2 Uhr. — Zur „Schwedischen Krone": Abends 7 Uhr große Tanzstunde.
— Der heutige Markt war mittelmäßig befahren; die Preise stellten sich folgendermaßen: Butter 90 Pf. bi^ 1 Mk., Eier 7—8 Pf., Käse 4—6 Pf., Zwiebel 18—20 Pf. und Erbsen, Linsen und Bohnen 30-35 Pf. das Doppelliter, ein Hahn 2 Mk, ein Huhn 1,50 bis 1,75 Mk., Holz 10—11 Mk., Heu 2,80 bis 3 Mk. und Stroh 1,90 bis 2,10 Mk. = 50 Kilo.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Montag den 4. Februar.
Nachm. 1 Uhr wird im Geschäftszimmer des Königl. Oberförsters Herrn Nickel zu Altengronau die Fischerei in der Jossa auf 12 Jahre öffentlich meistbietend verpachtet (s. Nr. 21 „Han. Anz."). — Nachm. 2 Uhr kommen im Gerichtslokal: Sopha, Kommode, Kleiderschrank, Firmenschild, Glaskasten, Regenschirme, 9 Blechbüchsen rc. gegen Baarzahlung zum Verkauf.
— Das K. Prov.-Schul-Collegium macht bekannt:
1. Zur Abhaltung der Rektorats-Prüfung haben wir Termin auf den 27. Juni d. J. und folgende Tage angesetzt. Diejenigen Geistlichen, Lehrer und Candidaten der Theologie oder Philologie, welche sich dieser Prüfung zu unterziehen beabsichtigen, haben sich bis znm LOsten März d. I. schriftlich bei uns zu melden. Die Prüfung findet im Sitzungssaal des Collegiums statt und haben sich die Examinanden, sofern ihnen nicht anderweite Weisung zugeht, am 26. Juni d. I., Mittags 12 Uhr, bei dem Vorsitzenden der Prüfungs Commission, Herrn Provinzial- Schulrath Kretschel (in dessen Geschäftszimmer am Rondel Nr. 1), persönlich zu melden.
2. Zur Abhaltung der Prüfung der Lehrer an Mittelschulen haben wir Termin auf den 21. Juni d. I. und folgende Tage angesetzt. Die Prüfung findet im Sitzungssaal des unterzeichneten Collegiums statt und haben sich die Examinanden, sofern ihnen nicht anderweite Weisung zugeht, am 20. Juni d. I., Mittags 12 Uhr, bei dem Vorsitzenden der Prüfungs-Commission Herrn Provinzial-Schulrath Kretschel (in dessen Geschäftszimmer am Rondel Nr. 1) persönlich zu melden.
— Nied erme iser, 30. Januar. Heute morgen starb hier in fast vollendetem 83. Lebensjahre der pensionirte Lehrer Cantor Hermann Wiegand, nachdem er über fünfzig Jahre als Lehrer in hiesiger Gemeinde thätig war.
— Kassel, 30. Jan. Herrn I. W. Schulz, Hüttenwerkdirektor hierselbst, ist ein Patent auf einen Füllofen mit Luftzuführung in ver-