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M 19. Mittwoch den
23. Januar. 1878.
Amtliches.
Für den Goldarbeiter Franz Schott aus Hanau ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanenverband, behufs Niederlassung in der Schweiz, nachgesucht worden.
Hanau am 17. Januar 1878.
Die Herrn Bürgermeister zu Großkrotzenburg, Roßdorf, Bergen, Berkersheim, Seckbach, Eckenheim, Neuwiedermuß und Erbstadt werden an die umgehende Erledigung der im Hanauer Anzeiger Nr. 294 vom 17. v. M. erlassenen Verfügung, den Rechnungshaushalt der Gemeinden des Kreises betr., erinnert.
Hanau am 19. Januar 1878.
_____________________Der Landrath.________________________
Die Herren Ortsvorstände der Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlächtern werden unter Hinweisung auf den §. 4 unserer Bestimmungen über die Erziehung von Waisenkindern in Familien ersucht, die Gesuche um Verpflegung von solchen Waisen auf Kosten des hiesigen Waisenhauses mit den tabellarischen Nachweisungen und den vorgeschriebenen Zeugnissen baldigst bei den Königl. Landrathsämtern anzu- bringen.
Hanau am 19. Januar 1878.
Königl. Waisenhaus-Vorsteheramt.
Schr ötter.
Tagesschan.
Frankreich und die auswärtige Politik.
(A. d. Schw. Mcrk.j
Paris den 18. Jan. Während in der inneren Politik jetzt eine ziemliche Windstille eingetreten ist, richtet die Presse und das Publikum um so aufmerksamer ihre Blicke nach außen. Die Thronrede der Königin von England hat wohl betont, daß die Neutralität Großbritanniens in der Orientfrage nur eine bedingte sei, hat aber nicht angegeben, in welchem Falle sie der Jnterventions-Politik Platz machen werde. Frankreich ist aber um so mehr interessirt dabei, die Absichten Englands kennen zu lernen, als auch seine Neutralität keine unbedingte ist, und als möglicherweise dieselben Umstände, die das Kabinet von St. James eventuell zum Einschreiten veranlassen würden, auch hier ein ausreichender Grund zur Einmischung wären. Man ist französischerseits von jeher eifersüchtig auf England gewesen und wird nicht gestatten, daß dasselbe sich als Hauptvertreter der Interessen des Mittelmeeres gebühre, beansprucht vielmehr diese Rolle für die französische Diplomatie. Neben dieser Tendenz her läuft allerdings in gewissen Köpfen auch der Revanchewunsch hinsichtlich des deutschen Reichs, allein fast Niemand verhehlt sich, daß die Orientfrage für Kombinationen, die diesem Wunsche entsprächen, keinen Spielraum läßt. Dazu ist sie zu eng von den Thatsachen begrenzt worden. Die russischen Kriegserfolge, das müssen selbst die englischen Urquartisten anerkennen, machen starke Zugeständnisse Seitens der Türkei unabwendbar, und wenn die Westmächte auf der Schließung der Dardanellen beharren wollen, so wird sich voraussichtlich Rußland, da es hinsichtlich Oestreichs trotz allem Mißtrauen des letzteren gesichert scheint, im Donaugebiet und in Kleinasien schadlos halten. In diesem Fall wird sich aber hier so wenig als in London eine Kammermehrheit finden, die es wagte, sich für eine kriegerische Politik auszusprechen, und ein Ministerium, das offen eine solche Politik verträte, würde sehr rasch gestürzt sein, namentlich hier, wo man die ganze Wohlfahrt des Landes von dem Erfolg der Weltausstellung hat abhängig werden lassen. Ein Konflikt könnte also nur dann eintreten, wenn Rußland, durch seine Erfolge ermuthigt, eine Mittelmeerpolitik zur Geltung bringen wollte, welche die Interessen Englands und Frankreichs verletzt. Allein eine derartige Politik würde auch von Italien bekämpft werden, und von Deutschland, sowohl aus eigenem Interesse, als eben mit Rücksicht auf Italien, nicht vertheidigt werden können; also auch nach dieser Richtung hin wäre die Eventualität so ziemlich ausgeschlossen, daß die Orientwirren Europa in zwei feindliche Lager theilen, in welchen sich auf der einen Seite Deutschland, auf der andern Frankreich befänden. Uebrigens ist die Stimmung hier niemals so we
nig kriegerisch gewesen, als jetzt. Die Republikaner brauchen eine Aera des Friedens, um sich in den Besitz der Staatsgewalt einzunisten und namentlich Herrn der Armee zu werden, die im Kriegsfall eine beständige Gefahr für die jetzigen Einrichtungen sein würde. Die meisten Generale sind noch bonapartistisch gesinnt, das hat sich neulich klar herausgestellt; die Republikaner werden daher die Armee nicht mehr zu Worte kommen lassen, bis die jetzige Generation der höheren Offiziere zum großen Theil erseht ist und bis namentlich die obersten Kommandoposten sich in den Händen versassungstreuer Generale befinden.
— Berlin, 22. Jan. Abgeordnetenhaus. «Fortsetzung.) In der heutigen (49.) Sitzung theilte der Präsident mit, daß die Kommission zur Vorberathnng des Gesetzentwurfs, betr. die Kreisverfassung im Kreise Herzogthum Lauenburg, gewählt sei und sich wie folgt konstituirt habe: Abgg. Delius (Vorsitzender), Dr. Hänel (Stellvertreter), Wittrock und Frhr. von Grote «Schriftführer).
Vom Finanz-Minister ist ein Bericht über die Verwaltung des Hinterlegungsfonds eingegangen.
Darauf legiündete der Abg. v. Wierzbinski seine Interpellation, betr. die Umwandlung von Ortsnamen in den Provinzen Westpreußen und Posen, nachdem sich auf eine Anfrage des Präsidenten der Staats- Minister Dr. Friedenthal zur sofortigen Beantwortung derselben bereit erklärt hatte. Die Interpellation lautet:
„In den letzten Jahren find in Westpreußen und im Großherzog- Ihum Posen, vornehmlich im Regierungsbezirke Bromberg, mehrere Hunderte alter geschichtlicher polnischer Ortsnamen von Dörfern und Städten in durchaus anders lautende deutsche umgewandelt worden. Durch dieses von den betreffenden Regierungsbehörden gutgeheißene und beförderte Verfahren werden geschichtliche, öffentliche und Privat- interessen in der empfindlichsten Weise berührt und beeinträchtigt.
Welchen Standpunkt nimmt die Königliche Staatsregierung diesem Verfahren gegenüber ein ?
Ist dieselbe bereit, demselben Abhülfe zu schaffen?"
Der Staats-Minister Dr. Friedenthal führte aus, daß die Aenderungen von polnischen Ortsnamen in den letzten Jahren nicht in erheblichem Umfange vorgenommen seien und nur, wenn die Mehrheit der Ortsvertretung resp, der Gutseigenthümer mit der Namensänderung einverstanden gewesen wären oder dieselbe beantragt hätten. Die Namen seien nur da geändert worden, wo das deutsche Element ein Interesse daran gehabt hätte und eine historische Erinnerung nicht verletzt worden sei. Die vom Interpellanten geschilderten Uebelstände seien nicht einge- treten. Im Uebrigen wies der Minister die unsubstantiirten Beschwerden des Interpellanten gegen die Staatsbeamten zurück. Werde der Centralinstanz der Beweis erbracht, daß der Majoritätsbeschluß der Gemeindevertretung erschlichen oder erzwungen sei, dann werde sie einen solchen Beschluß unberücksichtigt lassen.
Auf Antrag des Abg. Windthorst (Meppen) trat das Haus in die Besprechung der Interpellation ein.
Der Abg Dr. Wehr (Konitz) stellte die Berechtigung der Beschwerden des Interpellanten für Westpreußen in Abrede und wies darauf hin, daß es gerade den historischen Interessen diene, wenn die gewaltsam polonisirten Ortsnamen Westpreußens in ihrer alten deutschen Gestalt auf Antrag der Interessenten wiederhergestellt würden. _ _, (Fortsetzung folgt.) (R- «• St--A.)
— Berlin, 22. Jan. (Köln. Ztg.) Der Kronprinz ist heute Nachmittag 12 Uhr 35 Min. mit den Herren seines Gefolges im besten Wohlsein aus Rom hier wieder eingetroffen. Bald nach der Ankunft stattete er seinen Eltern im königlichen Palais einen Besuch ao.
— In den zustehenden Bundesrathsausschüfien werden, wie uns mitgetheilt wird, am Donnerstag die Berathungen über die Vorlage, betreffend die Erhöhung der Tabaksteuer, ihren Anfang nehmen. In den Ausschüssen begegnet der Entwurf keinem erheblichen Widerspruch; dagegen hört man, daß im Plenum Württemberg und Hessen das Ta- bakmonopol befürworten wollen, gegen welches die preußische Regierung sich bis jetzt noch energisch sträubt. . (Trib.)