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ausaehänqt; mehrere Gemeinderäthe beschlossen, dem verstorbenen König Denkmäler zu errichten. Das Parlament ist zum 16. d. einberufen worben. _ ii, Jan. Der Papst hielt gestern eine Berathung mit mehreren Cardinälen darüber ab, welche Antwort zu geben sei, wenn der Hof um Ueberweisung einer Basilika Roms zu den bevorstehenden Trauerfeierlichkeiten bittet. Die Versammlung entschied nach längerer Berathung, daß die kirchlichen Funktionen dem verstorbenen Könige nicht zu verweigern seien; doch soll der päpstliche Hof Abstand nehmen von jeder offiziellen Betheiligung; von den intra muros belegenen Basiliken könne nur Santa Maria Maggiore zur Verfügung gestellt werden, weil die übrigen dem Papst Vorbehalten seien. Auch fei die Bedingung zu stellen, daß in den Exequien die Formel Regem uostrum vermieden und die Leiche als die eines Königs Don Piemont behandelt werde. Da der königliche Hof indessen noch keine Verhandlungen wegen der Begräbnißfeierlichkerten angeknüpft hat, so ist einstweilen noch nichts end­gültig entschieden. Einen ausgezeichneten Eindruck macht hrer dre Mittheilung des Diritto, daß je ein Prinz des deutschen und öster­reichischen 'Kaiserhauses zur Leichenfeier des Königs h,eher kommen werde. (Köln. Ztg.)

Konstant in opel, 11. Jan. Die hiesigen Blätter bestätigen, daß die Russen den Saison bei Katschidere und Jchtiman überschritten, Kansanlyt besetzt und die Garnison des Schipkapasses abgeschnitten ha- ben. Der Minister des Innern, Hamdi Pascha, ist an Stelle Edhem Paschas zum Großvezier ernannt worden. (R. u. St.-A)

Konstantinopel, 10. Jan. (Köln. Ztg.) Ich erhalte aus bester Quelle die Mittheilung, daß an die russischen Höchstkomman- dircndcn, die Großfürsten Nikolaus und Michael, von hier aus das Er­suchen gerichtet worden, sie möchten Ort und Zeit zu einer Begegnung mit den türkischen Oberkommandanten bestimmen, um eine Besprechung wegen eines Waffenstillstandes zu ermöglichen. Südlich des Balkans kommandirt Mehemed Ali als Generalissimus, nördlich vom Balkan der Kriegs-Minister Reuf Pascha, welcher nach Varna abgereist ist, in Asien Ismail Kurd Pascha.

Lokales.

Hanau, 12. Januar 1878

(Eingesandt.) Die Bettelei hat gegenwärtig in unserer Stadt einen wahrhaft erschreckenden Höhepunkt? erreicht. Wer sich aber die Mühe nimmt, den Grund dieser traurigen Erscheinung, deren demorali- sirender Einfluß unverkennbar ist, festzustellen, wird bald einsehen, daß verhältnismäßig selten der hiesigeschlechte Geschäftsgang" eine Person zum Betteln nöthigt. Vielmehr sind fast alle Bettler von auswärts und zerfallen in zwei Hauptklassen: 1) solche, die sich hier so lange durchbetteln, bis sie zwei Jahre lang ihren Aufenthalt in Hanau gehabt haben und dann mit Frau und Kindern unserer Central-Armenkasse zur Last fallen; 2) solche, die sich vorübergehend hier aufhalten und das hier zusammengebettelte Geld in ihrem Heimathsort verzehren. . Von beiden Klassen wird die Bettelei gewerbsmäßig betrieben, denn He oft gehörte Behauptung, man suche hier Arbeit, wird gewöhnlich dadurch sofort widerlegt, daß bei Nachweisung einer Arbeit dieselbe unter einem nichtigen Vorwand verschmäht wird. Deshalb kann es nur im Interesse eines jeden Menschenfreundes liegen, den bereis früher von der Redak­tion dieses Blattes angeregten Gedanken eines Armen-Vereins, wie man ihn kürzlich in Frankfurt a. M. verwirklicht hat, ernstlich zu erwägen, dann aber auch der Hausbettelei mit aller Energie entgegenzutieten. Auch die Aufmerksamkeit der hiesigen Behörde möchten wir durch diese Zeilen dem beregten Gegenstände zuwenden, denn Betteln, Betrügen und Stehlen ist ein böses Kleeblatt, dessen Fortwuchern in unserer Zeit sich nur allzu fühlbar macht. Durch gewerbsmäßige Bettelei kann die hier so schön geordnete Armenpflege, wie sie von der Kommission und den hiesigen milden Stiftungen geübt wird, nur erschwert werden.e.

BerstetgerungS- und Berpachtnngs-Kaleuder

für Montag den 14. Januar.

Vormittags 9 wird im Geschäftslokal des Herrn Oberförster Men- ger zu Forsthaus Neuhof die Eiserndte im Steinbruch (Distrikt Peter­stein), sowie in der abgegrabenen Kinzig und im Franzosenloch ver­pachtet.

Für morgen und Montag. Morgen Abend 8 Uhr Generalversammlung desKatholischen Kasino zur Eintracht." Montag: Spritze Nr. 1 in den3 Gänsen"; Spritze Nr. 5 bei Sees".

Wohin gehen wir morgen? Vergnügungs-Anzeiger für Hanau und Umgegeud.

Nachmittags: Extragroßes Streich-Concert imDeutschen Haus", Großes Concert aufDörr's Felsenkeller". Hanauer Stadtheater: »Die Journalisten", Lustspiel in 4 Akten von Gustav Freitag; Anfang ßVa Uhr. Abends 8 Uhr im Gasthofzum Riesen": Metzgerball.

Der heutige Markt war ziemlich gut befahren; bte Preise stellten sich folgendermaßen: Butter 80 Pf. bis 1 Mk., Eier 68 Pf., Käse 46 Pf., Erbsen, Linsen und Bohnen 3032 Pf- und Zwrebel

20 Pf. das Doppelliter, ein Hahn 1,30 bis 1,50 Mk., ein Huhu desgl., eine Ente 2,30 Mk., Fische: Eisbarben 4550 Pf. = 0,5 Kilo, Stroh 1,40 bis 2 Mk. und Heu 2,50 bis 3 Mk. = 50 Kilo, Holz 11 Mk.

DieFranks. Ztg " schreibt aus Berlin unterm 10. d. Mts.: Die Justizkommission des Herrenhauses arbeitet mit großem Eifer täg­lich von 11 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags an dem Gesetz über die Landgerichtssitze. Zahlreiche Bürgermeister, die von nah und fern herbeieilten, um noch ein letztes Wort für die von ihnen vertrete­nen Städte einzulegen, antichambriren jetzt im Foyer des Herrenhauses. Die Justizkommission desselben hat bereits eine Aenderung an den Be­schlüssen des Abgeordnetenhauses vorgenommen, indem sie das projektirt c Landgericht in Stieg abgelehnt und aus dem Entwürfe entfernt hat; die dem Landgericht Stieg überwiesenen Bezirke werden dem Landge­richte Breslau zugeschlagen. Im Abgeordnetenhause ist man der Mei­nung, daß an den vom Herrenhanse zum Sitzgesetze gefaßten Beschlüssen keine Aenderung mehr vorgenommen werden dürfe, da sonst das Zu- Zustandekommen des Gesetzes leicht gefährdet werden könnte.

Fulda, 11. Jan. Gegenwärtig circnlirt unter der hiesigen Bürgerschaft ein Gesuch an das'Oberbürgermeisteramt, ix welchem ge­beten wird, der Intention des ProvinziallSchulcollegiumS zu Kassel, die hiesige höhere Bürgerschule in eine Realschule 1. Ordnung zu reorgam- siren, Folge zu geben, indem sich die Unterzeichner gleichzeitig zu einer mäßigen Erhöhung des Schulgeldes bereit erklären. (Fuld. Krsbl.)

Hersfeld, 10. Jan. Wie wir hören, wird uns Herr Gym­nasiallehrer Dr. Steiger Ostern verlassen. Seinem Wunsche gemäß ist er nach Wiesbaden Nassau ist seine Heimath versetzt worden und zwar an das dortige Realgymnasium. Es ist ihm dort die erste ordent­liche Lehrerstelle übertragen worden, während er hier die vierte beglei­tet. Das hiesige Gymnasium, an welchem er auch den Turnunterricht gibt, verliert an ihm einen sehr tüchtigen Lehrer. Um die Stadt hat er sich durch die Reorganisation der Feuerwehr und als deren Brandmeister außerordentlich verdient gemacht. (Jntell.-Bl.)

Aus der Umgegend.

DerFrankfurter Anzeiger" schreibt unterm 11. Januar aus Frankfurt am Main: Frankfurt zählt dieses Jahr genau ebensoviel Advokaten wie vor 25 Jahren, nämlich 86. Der Unterschied zwischen jetzt und damals ist jedoch der, daß 1853 die Ausübung der Advokatur in der Hand von nur wenigen lag, die anderen mit dem Titel und den meist erheiratheten Mitteln zufrieden waren, jetzt dagegen sich fast sämmtlich sich der Praxis hingeben.

DemFrankfurter Jntelligenzblatt" entnehmen wir folgende Notiz aus Frankfurt a. M. vom 11. Januar: Der 14jährige Sohn eiues hier wohnenden Dienstmannes hat sich vorgestern Morgen um 8 Uhr, um in die Schule zu gehen, aus seiner elterlichen Wohnung ent­fernt und ist bis jetzt nicht wieder zurückgekehrt.

Thermometer st and.

11. Januar: Tiefster Stand 6V20, Abends 7 Uhr 21/a°;

12. Januar: Morgens 7 Uhr ö1^0, Vormittags 10 Uhr 4°.

V ö glein im Schnee.

Starr liegt die Flur, der Wald verschneit, Rings die Natur im Sterbekleid. Wohin die spähn'n, des Winters Bann,

O denkt an uns. Wir fleh'n Euch an.

Vöglein im Schnee.

Wir haben treu zur Sommerzeit

Mit Lied und Hilfe Euch erfreut.

Denkt gute Menschen jetzt daran.

Wir hungern ach! und flehn' Euch an

Vöglein im Schnee.

Den Hungrigen brecht Euer Brod."

O nehmt der Liebe fromm Gebot.

Auf in die Herzen mild und weich, Helft uns'rer Noth; wir bitten Euch.

Vöglein im Schnee.

Wenn vor dem Lenz der Winter flieht

Mit unserm Frühlings-Jubellied,

Das eig'ne Fühlen lohnt's Euch dann, Daß gut Ihr war't. O denkt daran.

Vöglein im Schnee.

W. Wilibald-Wulff.

Börsennachrichte«.

Nr. Hanau, 11. Januar 1878.

Das neue Jahr konnte uns nichts Erwünschteres bringen als die Hoffnung auf baldige Wiederherstellung des Friedens. Die Waffenstill-