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machen, daß das Reich für die Deckung seiner Ausgaben nur zum Theil eigene Einnahmen besitzt, zum andern Theil dafür auf Beiträge der Einzelstaaten angewiesen ist. Als einem Staatsmanne, der nicht blos den Augenblick, sondern die Zukunft bedenkt, wird ihm die Möglichkeit vorschweben, daß Zeiten des Krieges oder anderer Gefahr eintreten können, in denen die Matrikularbeiträge so sehr in die Höhe geschraubt werden müßten, daß sie ein schneidiges Agitationsmittel aller partikula- ristischen Parteien abgeben könnten; und er wird andererseits erwägen, daß das Reich, wäre es durch ergiebige eigene Einnahmen finanziell selbstständig, durch nützliche, den Volkshaushalt fördernde Verwendungen die Anhänglichkeit aller Klaffen an den jungen nationalen Staat stärken und vertiefen könnte. Das sind Gesichtspunkte, mit denen die gesammte nationale Partei, liberaler wie konservativer Färbung, nur übereinstim- men kann. Auch ist ihnen niemals von den Mittelparteien widersprochen worden; ebensowenig ist aus der Reihe derselben ein grundsätzlicher Widerstand gegen den Bismarck'schen Gedanken geleistet worden, die neuen Reichseinnahmen aus einer erhöhten indirekten Besteuerung, namentlich des Tabaks, zu ziehen; die prinzipielle Abneigung der Liberalen gegen die indirekte Besteuerung ist, so weit sie überhaupt in weiteren Kreisen dieser Partei, nicht blos bei wirtschaftlichen Theoretikern vorhanden war, längst gewichen. Die Schwierigkeit ist eine andere. Der Ertrag der im Reiche zu eröffnenden Geldquellen wird, wenn man diese nicht vernutzen, sondern wirklich ausbeuten will, weit über das augenblickliche Bedürfniß des Reiches hinausgehen, auch über das Mehrbedürfniß, welches in Preußen im Gefolge des Unterrichtsgesetzes in erheblicher Höhe eintreten muß: dadurch entsteht die Gefahr, daß in Preußen und anderen Einzelstaaten, wo die gesetzlichen Einnahmen ohne jährliche Neubewilligung erhoben werden, in Folge der Ersparung an Matrikularbeiträgen dem Volke mehr Steuern würden abverlangt werden, als zur Bestreitung der Ausgaben erforderlich sind. Hiergegen eine konstitutionelle Gewähr zu schaffen, darauf kommt es an; der Zusammenhang zwischen der Regierungs- resp. Kanzlerkrisis und der Finanzfrage ist dieser: die parlamentarische Mehrheit muß in die Lage gebracht werden, ohne konstitutionelle Bedenken an der Vollendung eines ausreichenden Reichsfinanzsystems mitwirken zu können; für das Ergreifen der Maßregeln, welche dazu im Einzelstaat nothwendig sein werden, muß sie eine Gewähr in den Personen erhalten.
— Der Pariser „Moniteur" enthält folgende Note: „Mehrere Blätter haben über eine Unterredung des Grafen von Paris mit dem deutschen Kronprinzen Berichte veröffentlicht, welche zahlreiche Unge- nauigkeiten enthalten. Auch der „Figaro" hat behauptet, daß der Kronprinz, nachdem er die wärmsten und aufrichtigsten Wünsche für den Frieden ausgesprochen, gesagt haben soll, daß Alles durch den Willen Bismarck's zerstört werden könne. Wir sind in der Lage, zu versichern, daß dieses Gespräch nicht geführt wurde. Ebenfalls können wir versichern, daß die Einzelheiten, welche ein deutsches Blatt über die Unterhaltung berichtet hat, durchaus falsch sind. — Für deutsche Leser würde es der ernsthaften Abwehr eines Gerüchts, das dem Thronfolger des Reichs einem fremden Prinzen gegenüber derartige Aeußerungen über den Leiter der deutschen Politik in den Mund legte, kaum erst bedurft haben.
— London, 8. Jan. Für Mittwoch, den 16. d. M., ist abermals ein Ministerrath anberaumt. Der „Morningpost" zufolge fänden zwischen dem hiesigen und dem St. Petersburger Kabinet wichtige Pour- parlers auf telegraphischem Wege statt, über deren Erfolg unmöglich sich etwas Bestimmtes voraussagen lasse. — Die in Cardiff mit Beschlag belegte, aus 2000 Kisten bestehende Munition ist wieder freigegeben worden, da dieselbe ^nicht aus Patronen, sondern nur aus Patronenhülsen bestand. (R. u. St.-A)
— Schw eben. Am 1. Weihnachtstag ertranken im Oerskärsund bei Stockholm 15 Personen, welche auf dem Rückwege von der Kirche von einem Schneesturm überfallen wurden, wodurch das Boot zum Kentern gebracht wurde, fo daß alle 15 ihren Tod fanden.
— Rom, 7. Jan., Nachts. (Köln. Ztg.) Der König verbrachte den Tag ziemlich ruhig, der Krankheitszustand ist stillstehend. Der allgemeine Zustand hat sich gebessert. Aus allen Theilen Italiens einlangende Telegramme bekunden den schmerzlichen Eindruck, welchen die Krankheit des Königs überall auf die Bevölkerung hervorgebracht hat. — In Florenz fand das Leichenbegängniß Lamarmora'S unter allgemeiner Betheiligung Statt. Der Leichnam wurde nach Biella über- führt, wo feierlicher Empfang bereitet war. — Der hiesige türkische Gesandte Turthan Bey hat sich im Auftrage des Sultans nach Florenz begeben, um an dem Leichenbegängnisse des Generals Lamarmora theil- zunehmrn als ein Zeichen der Anerkennung der Türkei für den einstigen Commandanten der piemontesischen Truppen im Krimkriege.
Lokales.
Hanau, 9. Januar 1878
— (Stad tth e ater.) Nochmals sei auf das heute stattfindende Benefice unseres sehr beliebten Regisseurs Herrn A. Bert Hold aufmerksam gemacht. Die Wahl des Stückes für den heutigen Abend ist eine gute und entspricht sicher dem Wunsche des weitaus größten Theiles der Theaterbesucher. Herr Berthold hat uns schon so viele ge
nußreiche Stunde bereitet, daß er berechtigt ist, heute Abend in einem vollen Hause die Anerkennung des geehrten Publikums zu erblicken.
— Gestern Abend ging die Eingangs unseres heutigen Blattes abgedruckte Petition bezüglich der Landgerichtsfrage, mit einer sehr großen Anzahl Unterschriften versehen, nach Berlin ab und wird heute Morgen um 8 Uhr an Stelle angekommen sein. Sie kommt noch zu rechter Zeit, weil die Commission des Herrenhauses in der uns so nahe berührenden Angelegenheit noch nicht verhandelt hat. Selten dürfte eine Petition so schnell zu Stande gekommen sein als die fragliche. Vorgestern Abend wurde sie entworfen und redigirt und gestern Abend ging sie mit zahlreichen Unterschriften an Ort und Stelle ab.
— Welche Gefahr für Kinder das Spielen mit Bohnen im Gefolge haben kann, dürfte folgendes beweisen: In C a st e l spielten gestern mehrere Kinder mit Bohnen, indem sie solche sich in die Nase steckten. Bei einem der Kinder waren die Bohnen nicht mehr herauszubringen und wird eine Operation nothwendig werden.
VersteigerungS- und Berpachtungs-Kalender für Donnerstag den 10. Januar.
Vorm. ValO Uhr findet Termin zur Vergebung der Verpflegungsbedürfnisse für das hiesige Garnison-Lazareth im Bureau des Lazareths statt ff. Nr. 5 „Han. Anz.").
— Für heute. Abendgottesdienst in der Marienkirche, gehalten durch Herrn Pfarrer Sopp; Anfang 7 Uhr. — Hanauer Stadttheater: Zum Benefice des Herrn A. Berthold: „Der Glöckner von Notre- Dame", Romantisches Drama in 6 Tableaux von Charl. Birch-Pfeiffer; Anfang 7 Uhr. — Turn- und Fecht-Club: Abends 9 Uhr Generalversammlung im Gasthause „zur Post". — Spritze Nr 1 in den 3 Gänsen, nicht wie gestern irrthümlich berichtet war in den 3 Schwanen.
— Für morgen. Spritze Nr. 2 im König von Schweden.— Spritze Nr. 3 bei Beck.
Auszug aus dem Central-Handelsr egister.
(Eintragungen bei Kgl. Kreisgericht, I. Abth., Hanau.)
Zufolge Anmeldung vom 24. Dezember 1877 ist die Firma Hausmann & Haub dahier, und sind als deren Inhaber die Kaufleute Heinrich August Hausmann und Conrad Haub, welche ein Silber- waarengeschäft betreiben, in das Handelsregister eingetragen worden.
— Bocken heim, 6. Jan. Nach der vom Provinzial-Schul- kollegium in Cassel ausgearbeiteten Instruktion für das Curatorium unserer neu gegründeten Realschule besteht dasselbe aus 6 Mitgliedern und zwar dem Bürgermeister als Vorsitzenden, dem Direktor der Schule, einem Mitgliede des Stadtraths und des ständigen Bürgerausschusses, sowie zwei Vertretern der Einwohnerschaft und werden die vier letzteren vom Stadtrathe und Bürgerausschuffe gewählt. Das Curatorium ist dem kgl. Provinzial-Schulkollegium untergeordnet und sind demselben alle Anträge, welche einer staatlichen Genehmigung bedürfen, zu unterbreiten. Neben der Ueberwachnng der finanziellen Angelegenheiten steht dem Curatorium die Präsentation der Lehrer und Hülfslehrer, sowie die Kündigung der provisorisch angestellten Lehrer zu, jedoch vorbehaltlich der Genehmigung des Provinzial-Schulkollegiums. Zum ganzen oder theilweisen Erlaß von Schulgeld armer und würdiger Schüler ist die Genehmigung des Stadtrathes in dem Falle einzuholen, wenn die für folche Fälle vorgesehene Summe allenfalls überschritten werden sollte. (Fr. Anz.)
— Kassel, 8. Jan. Dem Vernehmen nach ist bis zur Fertigstellung des neuen Postgebäudes am Königsplatze das frühere Palais der Fürstin von Hanau zu Bnreauzwecken von der Kaiserlichen Ober- Postdirektion ermiethet worden. (Fr. Hess. Ztg.)
— Die Termine der im Jahre 1878 abzuhaltenden Lohmessen sind auf den 11. März in Steinau, auf den 16. März in Eschwege, auf den 15. März in Kassel und den 13. März in Kirchhain Vormittags 10 Uhr festgesetzt. . r (H- M.)
__ In Vöhl ist in den letzten Tagen ein schreckliches Brandunglück durch Petroleum vorgekomme». Die Ehefrau des Lehrers Sandlos daselbst, Emilie, geb. Heinzerling, ist von dem ersten Kindbette glücklich genesen und eben daran, die Kuchen zum Taufschmaus zu bereiten. In der glücklichsten Stimmung geht sie mit der Lampe über den Hausflur, als plötzlich die Lampe zerbricht, das umherspritzende Petroleum sich entzündete und bald stand Frau S. in hellen Flammen. Der alsbald herbeieilende Gatte findet seine liebe Gattin schrecklich entstellt, mit verkohlten Haaren und Kleidern im Hausflur vor. Nach 26stündigem schweren Leiden hauchte die Unglückliche ihren Geist aus. Der zum Tauffeste bestimmte zweite Weihnachtstag wurde der Begräbnißtag der Unglücklichen. (Marb. Tgbl.)
AnS der Umgegend.
— Der „Frankfurter Anzeiger" schreibt unterm 8. Januar auS Frankfurt am Main: Auf dem Ostbahnhof gerieth gestern beim Rangiren ein Eisenbahnarbeiter bei Verlassen der Güterschuppens zwischen einen im Einfahren begriffenen Wagen und den Thorpfeiler, wodurch ihm die Brust zerdrückt und das Schlüsselbein zerbrochen wurde. — Die Preise für Schweine sind seit Wochen im hiesigen Viehhof außerordentlich I niedrig, 58—60 Pf. per Pfd., trotzdem ist der Verkaufspreis noch 80 I Pf. für das Pfd.