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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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JK 6.
Dienstag den 8. Januar.
1878.
T a g e S s ch a n.
— Berlin, 6. Jan. Die neueren orientirten Meldungen über die Varziner Besprechungen bestätigen, was über die allgemeine Richtung verlautet hatte. Die Wirthschaftsreform steht wohl jetzt nicht in erster Linie, dürfte aber weiterhin jedenfalls wieder in Frage kommen. Daß die Personenfragen noch nicht erledigt sein können, liegt in der Natur der Sache. Der schließlich« Ausgang wird nicht nur von unbestrittener Bedeutung sein, sondern auch, wie die „Köln. Ztg." schreibt, auf die Behandlung, welche die Frage während der Zwischenzeit in der Presse gefunden hat, interessante Streiflichter fallen lassen.
— Berlin, 7. Jan. Der Reichskanzler hat dem Bundesrath eine Denkschrift des Staatssekretärs im Reichs-Justizamt, die Evidenthaltung der Personenstandsregister betreffend, zur Beschluhnahme vorgelegt. — Der Bundesrath trat heute zu einer Sitzung zusammen. (R. u. St.-A.)
— Das Berl- Tagebl. erfährt von bestunterrichteter Seite, daß auf Wunsch des Reichskanzlers Hr. v. Bennigsen in einer Denkschrift für den Fürsten alle diejenigen Punkte kurz zusammenfassen und begründen werde, die in Varzin besprochen wurden und deren legislatorische Vorarbeitung als Nothwendigkeit sich Herausstelle. Bennigsen unterziehe sich dieser Arbeit unter Beihülfe seiner vertrautesten Freunde, so daß also eine national-liberale Staatsschrift zu Stande komme, die sich zugleich über das Verhältniß der einzelnen Parteien unter sich und zur Regierung auslassen werde. — Nach der Wiener Pol. Korr. handelt es sich bei den Personalveränderungen, soweit sie bei den jetzigen Besprechungen bereits berührt sind, nicht um Bennigsen als preußischer Minister des Innern, da nur ein Altpreuße diesen Posten verwalten könne, sondern Bennigsen soll eventuell das preuß. Finanzministerium nebst der entsprechenden Stellung im Reich übernehmen, also Bismarcks Finanzplan durchzuführen haben; Forckenbeck soll preußischer Justizminister unter gleichzeitiger Berufung in das entsprechende Reichsamt werden. — Es heißt, der Präs, des Reichskanzleramts, Hofmann, wolle, da über wichtige Veränderungen in den Reichseinrichtungen ohne ihn verhandelt werde, abtreten und nach Darmstadt zurückkehren. Was an dem Gerücht Wahres ist, läßt sich nicht beurtheilen; daß es auftritt, liegt in der Natur der Sache; um somehr, da früher schon Herrn Hofmann keine lange Amtsdauer mehr zugeschrieben wurde.
— Der russisch-türkische Krieg äußert, je länger er anhält, einen immer ungünstigeren Einfluß auf alle Verhältnisse der deutschen Ostsee- Rhederei. Man schreibt der Kln. Ztg. darüber: Eine bedeutende Zahl deutscher Ostseeschiffe, besonders aus den pommerschen, ostpreußischen und schleswig-holsteinischen Häfen, betrieb bisher eine lohnende Frachtschifffahrt von den russischen Seeplätzen des Schwarzen Meeres nach England, Holland und Belgien, die nun in diesem Jahre gänzlich aufgehört hat, während wieder viele mecklenburgische, lübeckische und stralsunder Fahrzeuge als Frachtführer von Riga, Reval, Löbau, Petersburg nach England, Frankreich und Belgien fuhren. Auch letztere Thätigkeit vermindert sich jetzt sehr, da viele besonders vorsichtige englische und holländische Handlungshäuser ihre Verbindung mit den russischen Ostseehäfen möglichst einzuschränken suchen, aus Besorgniß des drohenden Konflikts zwischen Großbritannien und Rußland, welcher dann leicht eine Blokade der Häfen des letzteren Staates herbeiführen würde. Aus diesem Grunde ruht der früher so bedeutende Schiffsbau auf den deutschen Werften jetzt fast gänzlich, und in Stettin, Stralsund, Rostock und Wismar, wo sonst alljährlich Dutzende stattlicher Kauffahrteischiffe in Arbeit waren, sieht man jetzt nur ganz vereinzelte Fahrzeuge auf den Helgen. Unsere deutschen Kauffahrtei-Matrosen treiben sich zu Dutzenden unbeschäftigt umher oder suchen als Taglöhner kümmerlichen Verdienst, während die jüngeren nach Holland, England und Nordamerika aus« wandern, um dort Beschäftigung zu finden. Lange Listen von Hunderten anf solche Weise heimlich fortgegangenen deutschen Seeleuten, welche sich dadurch dem Marinedienst entzogen haben, werden jetzt in den Zeitungen aller deutschen Ostseehäfen veröffentlicht. (Schw. Merk.)
— Es gilt als feststehend, daß ein neues Reichsdienstgebäude auf dem bereits erworbenen Grundstück in der Voßstraße aufgeführt wird Md zwar behufs Ausnahme des Reichsjustizamts und des Amts für
Elsaß-Lothringen. Die Räume in dem ehemals Decker'schen Hause, welche jetzt das Reichsjustizamt inne hat, erweisen sich in jedem Betracht als unzureichend, während das Patentamt, dessen Bureaus gleichfalls in jenem Hause untergebracht sind, sich ebenso über Raummangel beklagt, zumal eine Erweiterung seiner Thätigkeit und eine Vermehrung des Beamtenpersonals noch bevorsteht. Für das erwähnte Dienstgebäude ist bereits die erste Rate in dem nächstjährigen Etat gefordert, und es steht also zu erwarten, daß nach Bewilligung dieser Forderung schon im nächsten Frühjahr mit dem Ban vorgegangen werden wird. (Trib.)
— Die Rivalität zwischen England und Rußland hat jüngst einen eigenthümlichen Protest zur Folge gehabt. Die englischen Kolonien im westlichen Afrika, und zwar die Niederlassungen der Goldküste, von Senegambien, Lagos und Fierra-Leom, sowie die Falklands-Jnseln und die britischen Honduras, hatten um Ausnahme in den Welt-Post-Verein ersucht. Die Zulassung mußte jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt werden, weil die russische Regierung Einsprache erhob. Sie verlangte, daß die Kolonien als ein Bestandtheil des Postgebiets von Großbritannien angesehen würden und keine berathende Stimme im Postverein haben sollten. (Deutsche Mont.-Ztg.)
— Stuttgart, 7. Jan. Heute Nachmittag fand unter militärischem Gepräge die Ueberführung der Leiche des Generals v. Schwarzkoppen nach dem Bahnhöfe statt, behufs Verbringung nach Merseburg, wo morgen Nachmittag die Beisetzung erfolgt.
— Pforzheim, 5. Jan. Soeben, Nachmittags kurz nach 1 Uhr, begab sich Fabrikant L. N. . . . in ein Kaffeehaus am Markte. Am Eingänge in dasselbe begegnete ihm Fabrikant L. K. . . ., welcher mit jenem einige Zeit zuvor eine gerichtliche Streitigkeit hatte, und feuerte zwei Revolverschüsse auf ihn ab, die jedoch nicht trafen. Den dritten gab, als jener sich geflüchtet hatte, der jedenfalls in höchster Aufregung sich befindliche K. auf sich selbst ab, jagte sich die Kugel durch den Mund in den Kopf. Die Art der Verletzung ist uns nicht bekannt. (Mannh. Tgbl)
— London, 7. Jan. Die Regierung hat am Bord eines englischen Dampfers in Cardiff 200 Kisten mit für die Türkei bestimmten Patronen mit Beschlag belegen lassen.
— London, 7. Jan. Den „Daily News" wird aus Bukarest von gestern telegraphirt, ein Offizier derLomarmee melde, daß General Radetzky den Balkan durch den Schipkapaß überschritten habe^ nachdem die Türken in Folge der strengen Kälte von dort abgezogen seien.
— Ueber die Ernennung des Hrn. Fournier zum französischen Botschafter in Konstantinopel sagt das „Journal des D6bats": „Die Wahl des Hrn. Fournier, eines gewandten und auf Posten, wo Feinheit mit Festigkeit zu verbinden war, erprobten Diplomaten, ist in jeder Beziehung vortrefflich. Die Politik, die sich für Frankreich in der orientalischen Frage geziemt, ist bekannt und Hr. Fournier wird dieselbe sicherlich in vollständig angemessener Weise vertreten. Sie ist keine Aktionspolitik, aber auch keine Politik der Gleichgültigkeit. Unsere materielle Lage ist die Bürgschaft für unsere Urparteilichkeit; wir können heute kein anderes Interesse haben und haben auch kein anderes als dasjenige Europas, das heißt das Allen gemeinsame."
— Univers veröffentlicht ein Rundschreiben des Cardinal-Erzbi- schofs von Paris, welches öffentliche Gebete bei Gelegenheit der Bereinigung der Kammern anordnet, diese Gelegenheit aber benutzt, um den Republikanern und allen Blättern, die von den Uebergriffen des Clerus auf das politische Gebiet geredet haben, zu Leibe zu gehen. Der Erz- bischof betheuert in diesem Schreiben: „Niemals zeigte die Geistlichkeit eine größere patriotische Selbstverleugnung, noch größere Vorsicht und Weisheit, als zu gegenwärtiger Zeit.....Wenn unser theures Vaterland unter seinen Kindern Feinde zählt, so konnte man sie nicht in unsern Reihen finden."
— Paris, 7. Jan., Mittags. Die gestrigen Mumzipalrathswah- len sind in ganz Frankreich sehr günstig für die republikanische Partei ausgefallen, in der Mehrzahl der Städte sind ausschließlich die von den Republikanern aufgestellten Kandidaten gewählt worden. . In Paris wurden 73 Republikaner und 4 Konservative gewählt, außerdem sind 3