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zu sehr in der Luft steht. Andererseits werden die Bundesstaaten, um die neue Einrichtung annehmbar zu finden, neue Bürgschaften ihres Einflusses verlangen. Diese könnten ihnen vielleicht verschafft werden durch eine festere Gestaltung der Ausschüsse des Bundesraths, welche den Reichsdienstzweigen entsprechen. Es könnten diese Ausschüsse eine ständigere Zusammensetzung und ein bestimmtes Kompetenzverhältniß zu den Reichsämtern erhalten. Hier aber stehen wir, wie man sogleich sieht, auf dem Boden der Reichsgesetzgebung und zum Theil der Verfassungsänderung. Es handelt sich also darum, die Initiative des Bundesrathes für Akte der Reichsgesetzgebung zu gewinnen. Schon darum kann von einer Lösung vor Anwesenheit des Reichstages nicht die Rede sein. . (Schw. Merk.)
— Berlin, 3. Jan. Dem Bundesrath ist der Etat über den Reichs-Jnvalidenfonds auf das Etatsjahr 1878—79 zur Berathung vorgelegt worden. (R. u. St.-A.)
— Wien, 3. Jan. Telegramm der „Presse" aus Sistowa, 2. d.: Seit gestern sind alle Donaubrücken auf das linke Ufer geschafft worden. — Deffertirte Tscherkessen berichten bei dem Corps des Generals Gurko, daß bei dem türkischen Corps bei Sofia Mangel an Lebensmitteln und Winterkleidern herrsche. Das Corps zählt 27,000 Re- difs und Baschibozuks, sowie 2000 Tscherkessen. (R. u. St.-A.)
— London, 3. Januar. Die „Morningpost" erfährt, daß der gestrige Kabineksrath dahin übereingekommen sei, die russische Antwort auf das Vermittlungsanerbieten Englands nicht als den Schluß der englischen Aktion zu betrachten. Es sei beschlossen worden, vor der Ue- bermittelung der russischen Antwort an die Pforte in St. Petersburg anzufragen, welche Bedingungen für einen Waffenstillstand die russischen Commandenre zu fordern instruirt seien. — Heute findet abermals ein Ministerrath statt. (R. u. St.-A.)
— Paris, 3. Jan. Das „Journal officiel" veröffentlicht die Ernennung Fourniers zum Botschafter in Konstantinopel; ferner die Berufung der Wähler in neun Bezirken, deren Deputirte nicht bestätigt worden oder ihre Mandate niedergelegt hatten, zu Nachwahlen am 27. d. M.
— Rom, 2. Jan. Die „Italic" erklärt die Gerüchte, nach denen der König bei dem gestrigen Neujahrsempfange kriegerische Worte gesprochen haben sollte, für unbegründet und fügt hinzu, der König habe sich nur darauf beschränkt, von der gegenwärtigen schwierigen Situation in Europa zu sprechen und Eintracht unter den Vertretern der Nation zu empfehlen. Die „Jtalie" hebt weiter hervor, daß auch alle Gerüchte von angeblichen Rüstungen, sowie von kriegerischen Absichten der Regierung unbegründet seien; ebenso unrichtig sei es, daß die Minister Unterredungen mit Gambetta gehabt hätten über die Allianzfrage und die Haltung, welche angesichts der bevorstehenden Ereignisse einzunehmm wäre. — Der sranzösische Botschafter, Marquis de Noailles, gab zu Ehren Gambetta's, welcher morgen nach Nizza abreist, ein großes Diner.
— Petersburg., 2. Jan. (Köln. Ztg.) Offizielles Telegramm aus Bogot vom 31. Dezember. Ueber die Einnahme von Pirot durch die serbischen Truppen gehen folgende Mittheilungen ein: Nach der Besetzung von Babinaglava und der Einnahme des Passes St. Nikolaus wurde eine starke Abtheilung gegen das befestigte Lager von Buzendol gesandt, welches Pirot von Norden her deckte. Das Lager bestand aus mehreren Reihen von Befestigungen auf beiden Ufern der Nissava zwischen den Dörfern Stanetschno Nischar und Sapot. Da es stark besetzt war und beinahe unangreifbar von der Fronte her erschien, wurde beschlossen, zuerst Akpalanka und dann Pirot anzugreifen. Am 24. Dezember begann der Angriff. Die rechte Colonne griff Akpalanka an und nahm dasselbe ein. Die linke Colonne eröffnete an diesem Tage eine Kanonade gegen Buzendol und führte demonstrative Angriffe gegen diesen Ort aus, um die Aufmerksamkeit des Feindes abzulenken. Die gesammte Reserve blieb in Babinaglava. Am 26. Dezember rückte die rechte Colonne von Akpalanka aus gegen Pirot vor. Am 27. Dezember, Morgens 8 Uhr, griff dieselbe die linke Flanke der türkischen Stellung an, besetzte am Nachmittag gegen 4 Uhr Blata und Belajewe und verweilte daselbst während der Nacht. Bei dem ersten Schuß, welcher von der rechten Colonne abgegeben wurde, begann die linke Colonne den Angriff von der Front her, bemächtigte sich Skanetzkas und stellte die Fühlung mit der rechten Colonne her. Am 28. Dezember bei Anbruch der Morgendämmerung wurde der Kampf auf der ganzen Linie wieder ausgenommen. Schon um 2 Uhr Morgens zog die rechte Colonne in Pirot ein und wurde daselbst von den Einwohnern, an deren Spitze sich die Geistlichkeit befand, empfangen. Die linke Colonne überwand den hartnäckigen Widerstand der Türken erst, nachdem diese die Nachricht erhalten hatten, daß die in ihrem Rücken befindlichen Befestigungen genommen seien. Der Verlust der serbischen Truppen beträgt über 50 und gegen 150 Verwundete. Die Türken, welche sechs Tabors stark waren, haben sehr große Verluste erlitten. Die ganze Stellung war mit Leichen bedeckt, 23 Geschütze fielen in die Hände der Serben. — Cin werteres Telegramm aus Bogot vom 31. Dezember meldet: Nach hier erugegangenen Meldungen vom 30. Dezember sind die Truppen des
westlichen Detachements von der Front bis Babakonak vorgerückt unir befinden sich auf dem Vormarsch gegen die türkischen Positionen bei Arabkonak und Schandernik, welche Ortschaften der Feind besetzt hält. Am 29. Dezember räumten die Türken Lutikowo; dieses wurde von den Russen besetzt. — Das Wetter ist in den Berge« sehr ungünstig, der Eisgang auf der Donau dauert fort; es ist zu^erwarten, daß das Eis bald feststehen bleibt.
— Petersburg, 3. Jan. (Köln. Ztg.) Amtliches Telegramm aus Bogot, 2. Januar. Nach achttägigem Kampfe mit Frost, Schnee und Sturm und dem bergigen Terrain hat General Gurko den Balkan überschritten und ist mit seinem Corps in die Ebene von Sofia hinabgestiegen. Am 31. v. M. besetzte er nach einem hartnäckigen Kampfe bei Taschkosen, welcher bis 6 Uhr Abends dauerte, die befestigten Positionen dieses Ortes mit Ausnahme einer Schanze bei einem Wachtposten In der Nacht verließen die Türken sämmtliche Stellungen. Am 1. d. früh begannen die Russe« die Verfolgung des Feindes und besetzten Arab Konak, Schsudernik und Dolni Komarzi (oder Kamirli). Ein Theil der russischen Infanterie drang in der Richtung auf Petrikiöi (oder Petritschewo) vor, eben dahi« auch die Garde- Cavallerie über Bailavo und Tscherkeßkiöi. Den übrigen Theil der ermatteten Mannschaften ließ General Gurko ausruhen und begann sodann den Vormarsch gegen Sofia. Am 1. d. mußte sich die Abtheilung von Etropol mit der Abtheilung von Tschelopeja unter General Brock vereinigen, um nach Möglichkeit die Türken von Petritschewo abzuschneiden. Der Verlust der Russen am 31. v. M. betrug 700 Todte und Verwundete. Unter letzteren befindet sich der Commandeur des Volhynischen Regiments, General Mirkowitsch. (General Gurko ist also auf jener ver- hältnißmäßig guten Straße vorgedrungen, die von Plewna nach Orchanie führt und alsdann den Etropol-Balkan überschreitet, um sich an dessen Südfuße in zwei Arme, einen westlichen in der Richtung nach Sofia und einen östlichen in der Richtung «ach Slatitza und Philippopel, zu theilen. Auf dieser Straße fanden im November die erbitterten Kämpfe zwischen Mehemed Ali und General Gurko Statt, der damals nur einen nach Plewna gerichteten Entsatzversuch zu vereiteln strebte. Die oben erwähnten Orte liegen sämmtlich südlich vom Balkan, und zwar läßt die Erwähnung eines bevorstehenden Angriffs auf Petritschewo annehmen, daß die Russen, einstweilen auf die Einnahme Sofias verzichtend, in östlicher Richtung durch die Thäler der Topolnitza und Maritza gegen Tatar Bazardschik und Philippopel vorzudringen beabsichtigen.)
— New - Iork, 2. Januar. Der Dampfer „England" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) und der Hamburger Postdampfer „Pommerania" sind hier eingetroffen.
Lokaler.
H anau, 4. Januar 1878
— In den hiesigen Standesamtsbüchern sind im verflossenen Jahre 191 Eheschließungen, 789 Geburten, sowie 697 Sterbefälle eingetragen worden, somit natürlicher Zuwachs 92.
— Ein Dienstmädchen, welches im Verdachte stand seiner Herrschaft mehrfach Schnittwaaren entwendet zu haben, wurde des Dienstes entlassen, wußte sich jedoch auch das Vertrauen der nachfolgenden Herrschaft (in einer Wirthschaft) zu verschaffen. Nachgerade stellte sich jedoch heraus, daß der s. Z. erhobene Verdacht vollständig begründet war, worauf die Verhaftung der Person erfolgte.
WM- Zur Beachtung! Nach eingelaufenen Depeschen (s. land- räthliche Bekanntmachung) zeigt der Wasserstand in Würzburg 1,84 Meter, 46 Centimeter mehr ats Tags vorher. — Aus Aschaffenburg 4. Januar, 9 Uhr 40 Min.: „Wasserstand hier Vormittags 8 Uhr 1,50 über Null; steigt langsam." Es dürfte daher Interessenten Vorsicht anzuempfehlen sein.
— Für heute. Hanauer Stadttheater: Zum zweiten Male: „Die Braut von Messina", Trauerspiel in 5 Aufzügen von Fr. von Schiller (die Besprechung der ersten Aufführung dieses Stückes fiel sehr günstig aus). — Marken-Consumverein: Abends ^29 Uhr Generalversammlung im Vereinslokal.
— Am 31. v. M., Nachmittags gegen 4 Uhr, ist auf der Bahnstrecke Elm-Gemünden zwischen Elm und Vollmerz im Rothschieferein- schnitt des Kuhberges in Folge plötzlichen Aufthauens des massenhaft gefallenen Schnees eine Rutschung und dadurch eine Geleis-Verschüttung eingetreten. Bis zu deren Beseitigung, welche voraussichtlich in drei Tagen erfolgt sein wird, ist der Betrieb für den Güterverkehr unterbrochen.
— Herr Appellationsgerichtsrath Schmedes zu Posen (welcher längere Zeit bei unserem Kreisgerichte amtirte) wurde an das Äppella- tionsgericht zu Naumburg a. S. versetzt.
— Kassel, 2. Januar. Nach einer von Berlin eingetroffenen Verfügung muß das hiesige Postamtsgebäude bis zum 1. März er. vollständig getäumt werden, da am 1. Mai er. mit den Bauarbeiten zum neuen Postgebäude begonnen werden soll. (C. Tpst.)