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"1878.
Amtliches.
Die Herrn Schulvorsteher ersuche ich gemäß §. 8 des Reglements zur Ausführung des Reichs-Jmpfgesetzes vom 4. März 1875 — Amtsblatt pag 118 — in den vorgeschriebenen Formularen, welche per Couvert übersendet werden, die Nachrichten über die im Jahre 1866 geborenen Zöglinge einzutragen und die aufgestellten Listen demnächst an mich zurückzusenden, sowie ferner 4 Wochen vor Schluß des Schuljahres (1. März) ein Verzeichniß derjenigen Schüler einzureichen, für welche der Nachweis der Impfung nicht erbracht ist.
Hanau den 2. Januar 1878.
Die Königlichen Standesbeamten ersuche ich gemäß §. 7 des Reglements zur Ausführung des Reichs-Jmpfgesetzes vom 4. März 1875 — Amtsblatt pag. 118 — in den vorgeschriebenen Formularen, welche per Couvert übersendet werden, die Nachrichten über die im Jahre 1877 geborenen und noch am Leben befindlichen Kinder in die Rubriken 1 bis 5 einzutragen und die aufgestellten Listen demnächst an mich zurückzusenden.
Hanau am 2. Januar 1878.
Die Herrn Ortsvorstände der Gemeinden: 1) Großauheim, 2) Oberrodenbach. 3) Bruchköbel, 4) Dörnigheim, 5) Hochstadt, 6) Kilian- städten, 7) Mittelbuchen, 8) Niederissigheim, 9) Roßdorf, 10) Rüdig- heim, 11) Bergen, 12) Berkersheim, 13) Gronau, 14) Preunges- »H. 15) Seckbach, 16) Eckenheim, 17) Ginnheim, 18) Hüttengesäß, . ^- ?.angendiebach, 20) Neuwiedermuß, 21) Ravolzhausen, 22) Rückin- gen, 23) Erbstadt, 24) Ostheim werden hiermit an Erledigung der dies- seitigen Verfügung vom 15. Oktober d. I, Nr. 249 des Kreisblattes, betreffs Hebung der Obstbaumzucht innerhalb 3 Tagen erinnert.
Hanau am 24. Dezember 1877.
Bekanntmachung.
Wasserstand in Haßfurt am 3. d. Mts., Vormittags 10 Uhr: 2,50 Meter, in Würzburg Vormittags 11 Uhr: 1,84 Meter; Wasser im Steigen.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 4. Januar 1878.
Der Landrath.
Tagesschan.
— (Die Verhandlungen in Varzin.) Die Nat-Ztg. schreibt: Die Verhandlungen in Varzin haben den sensationellen Abschluß nicht gefunden, gegen dessen Prophezeiungen wir unausgesetzt warnten: denn viel zu verwickelt sind die Verhältnisse, zu tiefgehend die zu lösenden Fragen, zu diskret sind die mit den sachlichen Dingen eng verwebten Personalien, als daß die Lösung wo anders als in Berlin gesucht und gefunden werden könnte. Nichtsdestoweniger glauben wir nicht annehmen zu sollen, daß jene Varziner Vorbesprechungen fruchtlos verlaufen sind; sie werden jedenfalls gezeigt haben, wo die Punkte sind, über welche ein allgemeines Ein Verständniß angenommen werden kann und wo eine Verständigung noch anzustreben ist. Daß die nat.-lib. Partei stets und in alle Wege sachliche Gesichtspunkte verfolgt hat und persönliche hiut- angesetzt hat, das werden ihre bittersten Feinde ihr nicht abstreiten. Ihre Führer werden sicher auch in diesem Augenblick den charakteristischen Zug nationalliberaler Politik nicht verleugnen; denn auf ihm beruht Ansehen der Partei bei der Nation, und damit ihre Kraft und Bedeutung, wie die Kraft, die sie einer neuen Verwaltung zuführen könnte. Es wäre unnütz, in einen sachlich unhaltbar gewordenen Zustand noch neue Kräfte, um sie in den bekannten Schwierigkeiten fchnell vernutzt zu sehen, einzuwerfen, darüber ist wohl prinzipiell auf allen Seiten Einverständniß vorhanden; die Frage, welches Maß bei der Ausführung dieses Gedankens angelegt werden soll, ist allerdings damit nicht gelöst. Es handelt sich vor Allem bei dem Reich um dringende Nothwendigkeiten der Existenz; in der bisherigen Schwebe können die Organisationsverhältnisse ohne schwersten Schaden nicht bleiben. Der
Patriotismus des Reichskanzlers wie der der parlamentarischen Mehrheit wird es nicht zu ertragen wissen, die junge, der Nation so theure Schöpfung dem Marasmus zu überliefern, den die Post schon jüngst an einer der obersten Reichsinstanzen feststellte. In diesen Punkten liegt der Mittelpunkt des Interesses des gegenwärtigen Augenblickes; nicht in Personalfragen oder in jenem untergeordneten Treiben, das eine große Entscheidungskrisis unseres öff. Lebens behandelt, wie in einem Offiziers- kasino die erlauschten Geheimnisse über das nächste große Avancement, ein Verhalten, gegen das wir im Interesse des öff. Lebens wiederholt protestiren. Das große Geheimniß, mit dem hantirt wird, ist, daß, wenn von parlamentarischen Männern die Rede ist, zunächst an die beiden Präsidenten Bennigsen und Forckenbeck gedacht ist, eine Sache, die sich Jeder an den Fingern abzählt.
— Der wichtige, gestern telegraphisch erwähnte Artikel, worin die freikons. Post ihre Gedanken über die Verschmelzung des obersten Reichsund preußischen Staatsdienstes ausführte, lautet mit unwesentlichen Kürzungen: Wenn wir in diesen Tagen als Neuigkeit gehört haben, daß eine Lösung der obschwebenden inneren Fragen erst bei dem Beginn des Reichstages zu erwarten sei, so scheint dieser Aufschub in der Natur der Sache zu liegen. Es handelt sich um eine Verbindung der wichtigsten Zweige des Reichsdienstes mit den entsprechenden Zweigen des preuß. Staatsdienstes. Eine solche Veränderung wird doch mindestens in gewissen Punkten Akte der Reichsgesetzgebung erheischen. Die erwartete Veränderung muß also zuerst in den Vorlagen an den Reichstag, kann nicht sofort in kaiserlichen Verfügungen an das Licht treten, welche der Reichsanzeiger zur Kenntniß bringt. Die endgültigen Beschlüsse über Gestalt, Grad und Umfang der Reform stehen wohl überdies noch aus, und das ist sehr erklärlich, wenn man die kurze Zeit bedenkt, seit welcher die geschäftlichen Verhandlungen darüber begonnen haben. Uit- unterrichtet wie wir wohl mit der gesammten Presse über die fraglichen Plane find, unternehmen wir es doch, uns den möglichen Umriß derselben zu verdeutlichen, um die Bedeutung und die Hindernisse, sowie die zur Besiegung der letzteren nöthigen Mittel richtig würdigen M können. Es sind 5 Zweige des Reichsdienstes, deren Verschmelzung miL den entsprechenden Zweigen des preuß. Staatsdienstes als eine naturgemäße dem ersten Blick sich aufdrängt. Der Reichsdienst wird ein Reichskriegsamt und als dessen Vorstand einen Staatssekretär des Krie-- ges nicht länger entbehren können. Der Vorstand dieses Zweiges kann aber nur der preuß. Kriegsminister sein, ohne daß darum beide Verwaltungen verschmolzen zu werden brauchen, noch dürfen. Das Reich besitzt längst ein Auswärtiges Amt und es ist lediglich eine geringe, aber doch nicht bedeutungslose Formalität, wenn der Vorstand desselben künftig formell die interföderalen Geschäfte des sog. preußischen Auswärtigen Ministeriums leitet. Das Reich bedarf eines selbstständigen Finanzamtes, Staatssekretär der Reichssinan^en kann aber nur, wie sogleich einleuchtet, der preußische Finanzminister sein. Das Reich besitzt ein Eisenbahnamt, das unter Einbeziehung der Sorge für Kanäle und Flüsse vielleicht zu einem Verkehrsamt zu erweitern wäre, dessen natürlicher Vorstand der preuß. Minister der öff. Arbeiten ist. Als eine ähnliche Forderung ergibt sich, daß das Reichsjustizamt und das preußische Justizministerium eine und dieselbe Person zum Vorstand erhalten. Mit dieser Verschmelzung würden gewisse Veränderungen im preuß. Staatsdienste zusammenhängen. Das Finanzministerium wäre von^der dem landwirthsch. Ministerium zu übertragenden Verwaltung der Domänen und Forsten zu entlasten, ob auch von der Gewerbepoutit und Gewerbepolizei kann wenigstens in Frage kommen. Vielleicht waren Gewerbepolitik und Agrikulturpolitik in Einer Behörde zu vereinigen, in einer andern die Verwaltung des gesammten Staatsbesitzes an Domänen, Forsten und Bergwerken. Wir erwähnen diese Veränderungen nicht, um sie technisch zu prüfen, sondern um ihre politische ^.ragweite einleuchtend zu machen. Wir sehen diese Tragweite darin, den preuß. Staat mehr und mehr zum kaiserlichen Reichsland zu machen, aber wir verkennen auch nicht, wie bequem den Reichssemden die Parole gemacht wird von der „Verpreußung" des Reichs. Der jetzige Zustand kann nicht beibehalten werden, weil bei demselben die Reichsverwaltung viel