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St. Petersburg, 2. Januar, Vormittags. Nach den hier eingegangenen Nachrichten glaubt man sich der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß Erzerum bald in unfern Händen fein wird.

Konstantinopel, 1. Januar. Nach hier vorliegenden Mel­dungen aus Sofia von gestern wird der an der Morawa bei Tschiblak- tepe stehende rechte Flügel feit 2 Tagen von einer aus 20 Bataillonen Infanterie, 3 Regimentern Kavallerie und Artillerie bestehenden russi­schen Truppenabtheilung gedrängt.

(Eine türkische Weissagung.) Die Weissagung, von der im Nachstehenden die Rede ist, verdient um so eher Beachtung, als sie, oder eine ähnliche, Einfluß auf Kaiser Nikolaus Entschluß, die Türkei zu bekriegen, geübt haben soll; wer weiß, ob nicht auch auf den Kaiser Alexander. In den Jahren 1544 bis 67 erschien in verschiede­nen Sprachen und Ausgaben, Wittenberg (mit Vorrede von Melanchton), Rom, Leyden, Antwerpen, eine Schrift von Barthol. Georgiewitz aus Kroatien, einem Jerusalempilger, der einst selbst Jahre lang in türki­scher Gefangenschaft geschmachtet hatte. Sie führt den Titel: von den Sitten der Türken (de Turcarum moribus), verbreitet sich über ihre Religionsgebräuche, Landbau, Kriegswesen, die Drangsale der von ihnen unterjochten Christen und enthält eine Predigt gegen die Türken. Das Merkwürdigste darin ist jedoch, nach einer Weissagung auf die weitere Ausbreitung der türkischen Herrschaft, die auf den Untergang der Tür­ken in dem abschließenden Satz: Hristianon (christliches) Keleci (Schwert) chrichar (erscheint oder wird gezogen» ol (welches) Turchi (den Türken) gheressine (gänzlich oder heimwärts) tuschure (in die Flucht schlagen wird). Uebersetzt man nun, nach dem Vorgang eines preußi­schen Theologen, die Worte lateinisch mit

C I I V L DIV I VI V C M L LI I

Christianus gladius apparcbit, qui Turcam late profligabit, so bekommt man chronogramatisch (d. h. indem man die römischen Buchstaben, die zugleich eine Zahl bedeuten, zusammenstellt und zählt) die Zahl 1877. Ob nun das Schwert einen christlichen König bedeute, der die Türkei mit großer Heeresmacht erobern, oder einen Verkündiger des Evangeliums, der durch seine Lehre die Türken zu unserem Glauben bekehren werde, darüber läßt sich, nach Georgievitz, streiten. Er sieht, wie wir, die Ursache des Bestehens und des damaligen Wachsthums der türkischen Macht in der Uneinigkeit und Gleichgültigkeit der euro­päischen Mächte und fordert sie auf, zusammenzustehen und die Türken aus Europa hinauszujagen. Das in diesen Tagen über dem Nacken des Türken geschwungene eiserne Schwert, so dünkt uns, bildet die Pflug- schaar, welche den Acker des Türkenreichs erst durchfurchen muß, um ihn zur Aufnahme des göttlichen Wortes zuzubereiten und so vorher der Bildung und Gesittung Bahn zu brechen. Wir fügen bei, daß die Evangelsation der Türkei seit Jahren von den in Konstantinopel und sonst hochangesehenen amerikanischen Missionaren, die ihren Türken den Jammer des Kriegs gerne erspart gesehen hätten, mit gutem Erfolg betrieben wird. In Folge davon ist es bei denkenden Türk-n so weit gekommen, daß unter ihrun die Rede geht,wir brauchen ein anderes Buch!" Vornehme Türken aus dem Divan haben unsern Landsmann Dr. Scheuffelen in Konstantinopel bei seiner Uebersetzung der Bibel ins Türkische mit Rath und That freundlich unterstützt. (Schw. Merk.)

New-Iork, 31. Dezember. Der DampferHolland" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen.

Lokales.

Hau au, 3. Januar 1878.

(Stadtth e ater.) Die Schlußvorstellungen des verflossenen Jahres waren:Philippine Weiser" undHotel Klingebusch." Die sentimentale Kost der Redwitz'schen Muse hatte vorzugsweise das schöne Geschlecht angelockt und ein gutbesetztes Haus erzielt. Obgleich das Stück recht exact gegeben wurde, so vermißte man doch jenes Mitfüh­len, welches das Publikum zu lauten Beisallsäußerungen hinreißt und daran war zum großen Theil schuld, daß man Frl. Lieder (Philip­pine) nicht gewöhnt ist in dergleichen jugendlich sentimentalen Rollen zu sehen. Gespielt hat Frl. Lieder die Rolle brav. Der Ferdinand des Herrn Berthold war bis auf wenige Momente, wo er etwas weicher in seinen Modulationen hätte sein müssen, sehr gut. In seiner Erscheinung war er ganz der alles gewinnende jugendliche Erzherzog. Sehr lobend müssen wir die Leistung des Herrn B e r st l (Weiser) er­wähnen Verständnißvoll und kräftig schön sprach er namentlich vor dem König, welch letzterer auch von Herrn Pavel anerkennend reprä- sentirt wurde.

Hotel Klingebusch" hatten wir bei der ersten Aufführung schon besprochen und bleibt uns heute nur übrig, des Debüts von Frl. H e i- m ann zu gedenken, welche dieJulie" spielte. Ihre Vorgängerin in dieser Rolle Frl. Al b ini war darin so vortrefflich, daß es schwer sein dürfte bald eine ebenso tüchtige junge und doch routinirte Vertreterin des Faches der jug. naiven und sentimentalen Liebhaberinnen zu finden; ba Frl. Heimann wenn auch von Mutter Natur nur als Person ev miniatur geschaffen Jugend, wohlklingendes Organ und auch

ziemliche Gewandheit besitzt, so können wir unS^ damit genügen lassen und froh sein dies verwaiste Fach wieder besetzt zu sehen. Die Vor­stellung gefiel auch diesmal wieder sehr gut und lohnte das zahlreiche Auditorium die guten Einzelleistungen mit Beifall.

Somit hätten wir die erste Hälfte unserer diesjährigen Saison geschlossen. Von Seiten der Direktion wurde unstreitig viel geboten, wir möchten behaupten weit mehr als die meisten Provinzbühnen selbst größere nicht ausgenommen gewöhnlich bieten. Nicht blos, daß eine große Zahl Novitäten in Scene gingen, sondern die Dar­stellungen selbst bewiesen den größten Fleiß und das tiefernste Streben, das Kunstinteresse im Publikum nicht nur zu wecken und rege zu hal­ten, sondern den Geschmack desselben zu läutern und den Kampf mit den trivialen Offenbachiaden siegreich zu beenden und denjenigen Theil des Publikums dem heimathlichen Musentempel wieder zuzuführen, wel­cher in letzter Zeit leider nur zu oft wenig besucht war und manchen Flüchtigen zählen konnte, der den Klängen von Mlle. Angot, Fatinitza lieber lauschte, als unseres Schiller's Versen.

Als Neujahrgeschenk gab uns Herr Direktor Frey das Preislust­spiel von Henle:Durch die Intendanz." Wenn uns auch manches an dem Stücke einen gelinden Zweifel wachrief: ob dies Opus wirklich das Beste unter den vielen nach Wien gesandten gewesen sei so kön­nen wir dem Stücke nicht absprechen, daß es leicht hübsch fließenden Dialog enthält und viele recht gelungene Scenen. Die am besten ge­zeichneten Figuren sind unstreitig die des Lieutenants v. Rotteck, der Hedwig und der Frau Commerzienräthin, welche sich auch in den Hän­den des Herrn Hermann I, der DamenFrl. Ihm und Frl. Riondä recht gut befanden. Frl. Ihm war alsBackfisch" sehr nett; wün- schenswerth wäre es aber, wenn sie auf ihre Aussprache recht viel Fleiß verwendete, denn sie spricht noch etwas Dialect. DieMarie" des Frl. Nötiger konnte man sich anders nicht denken, wenn sie nicht aus dem Rahmen heraustreten wollte und derHans Waldau" war eine gelungene Figur unseres Herrn Berthold, der die Rolle recht wirk­sam gestaltete. Auch der Commerzienrath des Herrn Pavel darf nicht unerwähnt bleiben, sowie die Herren Rohland (Strohberger) und K o l l i n e r.

Die Exposition bei der zweiten Aufführung etwas gekürzt würde dem Stücke nur Vortheilhaft sein.

Das neue Jahr hat für unser Theater nach jeder Richtung gut be­gonnen, möge es so bleiben.

Wie sehr unsere Postbeamten (Sortirer und Briefträger) am Neujahrstage angestrengt waren, geht daraus hervor, daß neben den laufenden Eingängen eine außergewöhnlich große Anzahl Gratulations­karten zur Bestellung eingelaufen sind.

Alle, welche die in Nr. 301 desHananer Anzeiger" von 1877 näher erläuterten Vermächtnisse der Demoiselle Marie Elisabeth Fassin beanspruchen zu können glauben, haben solches morgen, den 4. Januar, Nachmittags 4 Uhr, bei den Mitgliedern der Diaconie der wallonischen Gemeinde (in dem wallonischen Waisenhause, Frankfurterstraße) geltend zu machen.

MS*- Zur Beachtung! Gestern Abend traf bei Königl. Land­rathsamt dahier folgende Depesche ein:Wasserstand in Staßfurt am 2. d. Vormittags 10 Uhr 2,30 Meter, in Würzburg Nachmittags 3 Uhr 1,38 Meter; Wasser im Steigen." (Wir werden alle weiteren dahin einschlägigen Depeschen, welche nach Schluß der Redaktion ein­treffen sollten, in dem Aushängekasten vor dem Waisenhause zur Kennt­niß des Publikums bringen. Die Red.)

Versteigerungs- und Verpachtungs-Kaleuder für Freitag den 4. Januar.

Holzversteigerung in der Oberförsterei Wolfgang; Zusammenkunft Vorm. 10 Uhr bei Wirth Amrhein zu Neuwirthshaus. Dem Verkauf sind ausgesetzt: kleinere und größere Partieen Eichen-, Buchen- und Erlen-Brennholz; außerdem 2 Kiefern-Stämme, 500 do. Stangen, 775 Raumm. do. Scheit- und Prügel, 150 do. Stockholz, sowie 62 Hundert do. Reisig (s. Nr. 299Han. Anz.").

In unserer Samstagsnummer erscheint das bereits fällige Preis-Räthsel für das 4. Quartal 1877. Das Blatt wird Nach­mittags gegen 2 Uhr ausgegeben und kann von Abonnenten oder deren Angehörigen bei unserer Expedition in Empfang genommen werden. An den beiden Preisen concurriren die sechs ersten richtigen Eingänge. Lösungen erbitten wir in geschlossenem Couvert in unserem Redak­tionszimmer abzugeben. Red. desHanauer Anzeiger".

Im Wäldchen vor Schlüchtern wurde eines Abends in der vorigen Woche nach denFrankftr. Nachr." ein Metzgergeselle aus Schlüchtern von 2 fremde« Strolchen überfallen und hingeworfen, ihm auch das Geld abverlangt. Auf den Hülferuf des Metzgers sprang der gut dressirte Hund herbei und biß den einen der Angreifer derart, daß derselbe erhebliche Wunden davon trug, während der Andere durchging. Der Metzgerbursche kam infolge dessen noch mit dem bloßen Schrecken davon.

Dem Vorstände des Rettungshauses zu Hrf Raith bei