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Zugleich Amtliches Lrga« fit Kreis und Stadt Hanau.
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SO Psg.
M 303. Sawstaz dm 29. Dezember.
1877.
Amtliches.
Die Herren Ortsvorstände der Gemeinden: 1) Großauheim, 2) Oberrodenbach, 3) Bruchköbel, 4) Dörnigheim, 5) Hochstadt, 6j Kilian- fiädten, 7) Mittelbuchen, 8) Niederissigheim, 9) Roßdorf, 10) Rüdig- heim, 11) Bergen, 12) Bockenheim, 13) Gronau, 14) Preungesheim, 15) Seckbach, 16) Eckcnheim, 17) Ginnheim, 18) Hüttengesüß, 19) Langendiebach, 20) Neuwiedermuß, 21) Ravolzhausen, 22) Rückingen, 23) Erbstadt, 24) Ostheim, werden hiermit an Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 15. Oktober d. I., Nr. 249 des Krcisblattes, betreffs Hebung der Obstbaumzucht innerhalb 3 Tagen erinnert.
Hanau am 24 Dezember 1877.
Die Ortsvorstände wollen die Forstgelder für Loosholz vor dem letzten Werktage des Monats September an die Königlichen Forstkassen einzahlen, weil die Forstkassen am letzteren Tage wegen des Abschlusses der Kassenbücher geschlossen sind.
Hanau am 24. Dezember 1877.
Der Landrath.
Wochenschau.
L. C. Fürst Bismarck verweilt noch immer in Varzin, doch soll er bis zur Eröffnung des Reichstages in Berlin ein treffen. Ab und zu verkehren auf seinem Landgute die preußischen Minister und Räthe, so Friedenthal und Friedberg und neuestens kam auch Bennigsen auf besondere Einladung des Reichskanzlers dahin. Man schließt daraus, daß dieser Führer der Nationalliberalen demnächst ins Ministerium eintreten werde. Dadurch würde natürlich die zukünftige Politik eine schärfer bestimmte Richtung erhalten. Ueber die letzten englischen Projekte legt man Bismarck das Wort in den Mund: „Wenn ma» die Türkei einen kranken Mann zu nennen pflegt, so könnte man England ein krankes Weib nennen." — Der elsaß-lothringische LandeSausschuß ist am 24. Dezember wieder geschlossen worden. In der letzten Sitzung wurde der Antrag Schneegans angenommen, der Landerausschuß möge den Wunsch aussprechen, daß das Land eine eigene Verfassung als Bundesstaat mit einem Regierungssitze in Straßburg und mit Vertretung im Bundesrathe erhalte. Der Antragsteller sprach bei Begründung seines Antrags aus, wie vielfach im Lande der Wunsch laut werde, daß an Stelle der gegenwärtigen Gesammt-Souveränität der ReichSregie- rungen die unmittelbare Souveränität des Kaisers treten möge und daß ähnlich, wie in Luxemburg, der Souverän in der Person eines Vertreters im Lande anwesend sei. Die Regierung hat die Vorarbeiten einer Vermehrung der Mitgliederzahl des Landesausschusses vorgelegt. — Die Antwort der deutschen Regierung auf das türkische Vermittlungs- gesuch ist in Konstantinopel eingetroffen. Sie lautet, wie vorauszu- sehen war, ablehnend und zwar, wie die deutsche Note hervorhebt, im Interesse des Friedens selbst. Auch die österreichische und italienische Regierung haben Antworten gegeben, die einer völligen Ablehnung gleichen.
Aus den Krawallen in Pesth läßt sich wenig Kapital schlagen. Nur dem Ministerpräsidenten Tisza bringen sie Gewinn, indem er einestheils seinen persönlichen Muth zu zeigen vermag, anderntheils von vielerlei Seiten Anerkennung erntet. Die Gemeindevertretung der nicht unwichtigen Stadt Debreczin hat sich mit großem Mißfallen gegen die anmaßenden aufrührerischen Vorgänge in der Landeshauptstadt ausgesprochen. — Von Wien aus ist neuestens wieder das Verlangen angekündigt worden, die Verhandlungeu über einen österreichisch-deutschen Handelsvertrag, welche am 22. Oktober abgebrochen worden waren, zu erneuern. Möglich ist es, daß die Person des HandelsministerS Chlu- mecky einem günstigen Verlaufe derselben im Wege stehen wird.
Die Einberufung des englischen Parlaments zeitigt wunderbare Früchte. Es wird hin und her gestritten, ob es wirklich nothwendig ist, daß das Parlament schon um drei Wochen früher als gewöhnlich zusammentritt. Jedermann sucht zu berechnen, wozu der Extra- kredit, den die Regierung verlangen wird, herhalten sott, allein die Gewißheit hierüber wird wohl erst der 17. Januar bringen. Nicht min
der beschäftigt die öffentliche Meinung das Hervortreten der Königin, welche den Russen abhold ist, und die dem Lord Beaconsfield zu Theil werdenden Auszeichnungen. Die Kriegspolrtck des 73jährigen Disraeli kann nicht besser begünstigt werden, als daß die Königin zuerst den Premier selbst besucht, dann die Weihnachtsfeiertage nicht auf der Insel OSborne, sondern nahe bei London auf Windsor Castle zubringt und nun auch dorthin den Lord Beaconsfield einladet und bei sich behält. Was wird Disraeli für ein Geschäft machen? fragt sich die überraschte, aber auch gedrückte Geschäftswelt. Man spricht von Kreta, Cypern, der türkischen Kriegsflotte, was Alles zu kaufen sei. Nebenbei bemerkt, schreibt man auch Rußland die Absicht zu, daß es die türkische Kriegsflotte als Kriegszahlung nebst der Eröffnung des Bosporus und der Dardanellen fordern werde. Es wird zurückgerufen, daß der Prinzregent Albert seiner Gemahlin einst einschärfte, nie persönliche Politik zu treiben. Jetzt aber, meint man, sei sie von diesem Grundsätze abgewichen. Das Regierungsorgan „Standard" fordert zunächst einmal eine Allianz oder die Abhängigkeit Aegyptens. Die Herrschaft über die Meerengen, sagt es, welche das schwarze Meer mit dem ägäischen und mittelländischen Meere verbinden, dürfe nicht in feindliche Hände fallen. Was Antwerpen oder Belgien für England als eine europäische Macht sind, sei Konstantinopel für England als den Herrn Indiens. Rume- lien dürfe nicht besetzt und Konstantinopel nicht bedroht werden, sonst müsse die ganze Finanz-, See- und Militärmacht des britischen Reiches in die Waagschale geworfen werden. Im Falle eines Sonderfriedens jedoch werde England von Rußland Bürgschaften verlangen. Nichts sagt deutlicher, daß etwas Bedeutendes geplant wird, aber schön wird die allgemeine Spannung zu lange hingehalten. Indessen gibt es wieder antirussische und antitürkische Versammlungen. Die Geschäftswelt hingegen bittet um die dauernde Einhaltung der bisherigen Neutralität, so die Handelskammer von Edinburg.
Die neuen 83 französischen Präfekten sind schnell an ihre Sitze abgegangen, um noch der Eröffnung der neuen Generalräthe bei- zuwohnen. Bei den Bureauxwahlen in denselben haben die Republikaner in 49 gegen 41 Generalräthen gesiegt. Mit den neuen Präfekten, Out denen die Meisten schon vor dem 16. Mai im Amte standen, sind nur die Radikalen unzufrieden, weil sie glauben, die Orleanisten hätten zu viel und sie zu wenig bekommen. Die Minister und Präfekten befleißigen sich einer großen Energie und einer festen Sprache. Im Grunde genommen muß eben Alles wieder vor den 16. Mai zurück- und dann noch weitergeführt werden. Waddington wies einfach alle unehrlichen Republikaner vor die Thüre seines Auswärtigen Amtes hinaus. Graf St. Vallier, der neue Gesandte für Berlin, zeichnete sich im Generalrathe der Aisne durch eine schwungvolle für die Republik begeisterte Rede aus. Daß Mac Mahon in feiner Stellung geblieben ist, wird von Allwissern dem Drucke der deutschen Regierung zugeschrieben. Es ist unglaublich, daß solches Zeug wirklich geplaudert wird, allein eine Ursache für den verzweifelten Entschluß des Präsidenten muß doch auf- gefunben werden. Andere nun behaupten, Mac Mahon hätte dem Einfluß des Vatikans, wie in allen Dingen, gehorcht, welcher auf fein Verbleiben ihm neue Pläne konstruirt. Mac Mahon hat seinerzeit nach dem 16. Mai, so auch jetzt nach dem 14. Dezember den Ausstellungsplatz besucht. Leichtgläubige versichern, es sei nunmehr noch die Möglichkeit vorhanden, auch Deutschland zur Beschickung der Weltausstellung zu bewegen. Zwischen Frankreich und England scheint ein gemeinsames Handeln in Orientdingen angestrebt zu werden, obwohl Aegypten resp, der englische Wunsch nach feinem Besitze das einigende Band gerade nicht knüpfen dürfte.
Daß Rußland den Frieden nicht anbieten wird, leuchtet aus den Worten hervor, welche der Czar der Municipalität von Petersburg gegenüber aussprach: „Viel bleibt noch zu thun; möge Gott uns helfe unser heiliges Unternehmen zu einem glücklichen Ende zu führen." ebenfalls zurückgekehrte Gortschakoff hat die Leitung des Ausw Amtes wieder übernommen. Der Kaiser, welcher auf seiner überall freudigst begrüßt wurde, Großfürst Nikolaus, All- mehr den Stern von Rumänien. Dagegen haben Für^