WSsatitraestiS» Preis: Aäkrlich 9 Mark. 6at8j. 4 W. 50 P.
Vierteijäbrlich S Mark 25 Psg. Kür auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Sie einzelne Nummer 40 Psg.
Mauer Anzeiger
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
i
I»sertk«r*- Prei»,
Die lspa!»«- Varmoudiell, ek deren Rnn»
10 Psg.
Die 2sPalt. Pr«- 20 Pfg.
LirSspaltigeZr«« SO Psg.
M 302.
Freitag den 28. Dezember.
1877
Amtliches.
' Gefunden: Auf der Straße von Rückingen nach Hanau eine Peitsche; Empfangnahme bei Otto Schad zu Rückingen. — Zwei Hundemaulkörbe. Ein Notizbuch, die Ecken desselben mit gelbem Messingblech beschlagen.
Hanau am 28. Dezember 1877.
Königliches Landrathsamt.
Tagesschau.
— Das kürzlich ausgegebene Dezemberheft der „Preußischen Jahrbücher" bringt nach der „Trib." einen Aufsatz von Heinrich v. Treitschke über die europäische Lage am Jahresschluß, der Aufsehen erregt hat. Die Auslassungen des geistvollen Historikers und Publicisten werden auch für Diejenigen von Interesse sein, die feine Ansichten nicht in allen Punkten theilen. Wir begnügen uns, Einzelnes daraus her- vorzuheben. Ueber Frankreich bemerkt Treitschke: „Frankreichs Verfassung ist seine despotische Verwaltungsordnung. Dieses grandiose Werk des Testamentsvollstreckers der Revolution steht noch immer unerschütterlich fest, und die Nation befindet sich wohl dabei. Keine Partei, mit der einzigen Ausnahme der Socialisten, hat je versucht, dieses Präfektursystem ernstlich, in Frage zu stellen. Daran wäre nichts zu beklagen, da jedes Volk sein eigenes Maß der Glückseligkeit in sich trägt. Das Unglück ist nur, daß die geistreiche Nation sich nicht entschließen kann, die nothwendigen Folgen dieses in seiner Art vollendeten Verwaltungsdespotismus hinzunehmen. Der Unterbau dieses Staatswesens kann nur eine monarchische oder, geradheraus, eine despotische Spitze tragen." Treitschke hat wenig Zutrauen zur Befestigung der französischen Republik und unterzieht das Verhalten der Republikaner gegen Mac Mahon einer scharfen Kritik. Er bemerkt unter Anderm: „Wir Deutsche können nicht vergessen, daß die Unterwerfung der Jugenderziehung unter die Herrschaft des CleruS von einem republikanischen Ministerium beschlossen worden ist. Die bunte Gesellschaft, die sich unter dem republikanischen Banner zusammenfindet, von Victor Hugo bis hinüber zu Emil Girardin, würde den Bund mit dem Gottseibeiuns selber nicht verschmähen, wenn er ihnen einen sicheren Sieg über Deutschland verhieße. Der berühmte weise Friedensfürst der Partei, der alte Thiers, war der eigentliche literarische Erzvater des Chauvinismus und hat den leitenden Gedanken seines Lebens in seinen letzten Jahren keineswegs aufgegeben. Auch Gambetta denkt nicht anders." Die Franzosen werden für diese Beurtheilung vielleicht dadurch ihre „Revanche" nehmen, daß sie Herrn v. Treitschke als einen Typus des deutschen Chauvinismus hinstellen. Die verhältnismäßig besten Aussichten glaubt der Verfasser noch immer den Bonapartisten und dem kaiserlichen Prätendenten zuweisen zu können; immer deutlicher hebe sich am Horizont Frankreichs das Gestirn des vierten Napoleon hervor. Seiner Vorliebe für Rußland und seiner Abneigung gegen England gibt Treitschke wieder einen starken Ausdruck. Er verwünscht diejenigen, welche diesen frevelhaften Krieg heraufbeschworen haben, versteht aber beileibe nicht die Russen, welche den Krieg doch angefangen haben, sondern die Engländer, welche dagegen Verwahrung eingelegt. Am Schlimmsten kommen diejenigen weg, deren Sympathien in diesem Krieg nicht auf Seiten des ungerechten Angreifers stehen. Er nennt sie Leute, die beim Barte des Propheten schwören, Türkenschwärmer, Mekkapilger u. s. w. Auch unsere Fortschrittspartei kann sich nicht beklagen, daß Herr von Treitschke ihr ein Hehl mache aus seiner HerzenSmeinung. Er schreibt: „ES geht wirklich nicht mehr mit dem Ammenmärchen von der großen liberalen Partei. Die Fortschrittspartei war und ist unser Gegner, sie war und ist die gemeinschädlichste aller Parteien, da alle übrigen doch irgend ein Ziel verfolgen. Man schneide nur endlich das Täfeltuch entzwei zwischen dem positiven Liberalismus und der souveränen Kritik; diese Mohren wäscht man durch bedauernde Zärtlichkeit nicht weiß."
— Dem Bundesrath sind der Etat für die Verwaltung des Reichsheeres auf das Etatsjahr 1878/79 und die Einnahmen des Reichs an Zöllen, Verbrauchssteuern und Aversen für das Etatsjahr 1878/79 vorgelegt worden.
— Wenn das Abgeordnetenhaus nach den Ferien auch von den Müben der Etatsberatbuna entlastet sein wird, so wird es doch nicht in
der Lage sein, Tag für Tag Plenarsitzungen abhalten zu können. Es soll in der ersten Zeit wenigstens den Commissionen zu ihren Arbeiten Zeit gegeben werden, da Commissionssitzungen neben Plenarsitzungen, wenn letztere auch selbst nur die gewöhnliche Stundenzahl dauern, sich als nicht sehr fruchtbar zu erweisen pflegen. Es wird so ziemlich der Januar verstrichen sein, ehe das Herrenhaus in die Berathnng des aus dem Abgeordnetenhause herübergekommenen Ausführungsgesetzes zur Justizorganisation eintreten kann. Dieses Gesetz muß aber im Laufe der gegenwärtigen Session zu Stande kommen, wenn nicht die gesammte Justizorganisation in Preußen eine Verzögerung aller bis zu ihrem Inkrafttreten noch zu durchlaufenden Stadien erfahren soll. Es wird große Anstrengungen kosten, um bis zu dem Zeitpunkt, wo der Reichstag spätestens zusammentreten muß, also Mitte Februar, jenes Gesetz zum legislativen Abschluß zu bringen. Die in den Commissionen des Abgeordnetenhauses der Vorberathung unterliegenden Gesetze aus dem Gebiete der Selbstverwaltung: die Novelle zur Städteordnung, das Commuualsteuergesetz, die Wegeordnung, können, soweit überhaupt auf ihr Zustandekommen Werth gelegt wird, auf keinen Fall so schnell durch die legislativen Stadien gefördert werden, daß sie bis zum Beginn der Reichstagssession fertig gestellt sein können. Es wäre demnach sachlich eine Fortsetzung der Landtagssession nach dem Schlüsse des Reichstags geboten. Eine solche Nachsession würde freilich nur dann fruchtbringend sein können, wenn zuvor die innere Lage sich geklärt hätte, da bei allen ; Vorlagen, die mit der Verwaltungsresorm Zusammenhängen, die Unklarheit über die Stellung der Regierung zu den großen Fragen, welche im preußischen Staate ihrer Lösung harren, sich in der ungünstigsten Weise fühlbar macht. Diese Unklarheit wird die Reichstagssession nicht überdauern dürfen, wenn nicht auch im Reich die öffentlichen Angelegenheiten des größten Nachtheil davontragen sollen. (Trib.)
— Dresden. Seit einigen Tagen sind die Landbriefträger mit Seitengewehren bewaffnet worden. Die leider immer mehr zunehmende Unsicherheit hat zu dieser Neuerung Veranlassung gegeben.
— Rom, 20. Dezember. Ein lebhafter Depeschenwechsel findet augenblicklich zwischen dem Staatssekretariat im Vatikan und dem Nun- cius zu Paris Statt, der Herrn Waddington auf den Zahn fühlen und je nach dem Ergebnisse seiner Forschungen von hier aus Weisungen erhalte» soll. In Folge des scharfen politischen Windwechsels zu Paris scheinen namentlich manche Pläne bezüglich des zukünftigen Conclaves in die Brüche gegangen zu sein. Das Veto der erstgeborenen Tochter der Kirche würde sich jetzt schwerlich zu dem ihm zugedachten interessanten Zwecke hergeben. Die ununterbrochene Reihe von Enttäuschungen, die der h. Stuhl erlebt, ist nebst dem Befinden des h. Vaters schuld, daß wegen des zukünftigen Consistoriums noch Alles im Unklaren ist, sogar die Frage, ob eine Allokution vertheilt werden soll oder nicht. Geht aber somit in der alten Welt Alles quer, so hat der h. Vater um so freiere Hände in der neuen. Dort, nämlich in den Republiken Argentina, Paraguay, Chili und Bolivien, hat er die apostolische Delegation wieder hergestellt, nachdem längere Zeit der Jnternuncius bei der brasilianischen Regierung die Jurisdiction über dieselben ausgeübt hatte. Der neue Delegat ist Monsgr. Angelo di Pietro. — Gerade vor Postschluß erfahre ich noch, daß eine Depesche des pariser Nuncius die bevorstehende Abberufung des Ba ons Baude, Botschafter beim H. Stuhle, ankündigt; — nicht für die unmittelbare Gegenwart, aber für die nicht ferne Zukunft und in Verbindung mit anderen Veränderungen im diplomatischen Corps der französischen Republik. (Köln. Ztg.)
— Paris, 27. Dezember. Das „Journal officiel" veröffentlicht das Dekret, betreffend das Inkrafttreten des neuen Telegraphen- Uebereinkommens mit Deutschland vom 1. Januar 1878 ab. — Ferner wird die Ernennung von 75 Generalr aths- Sekretären veröffentlicht; 22 sind abberufen, eine gewisse Anzahl ist versetzt worden. — Don Carlos ist aufgefordert worden Frankreich zu verlassen, und soll im Laufe des Bormittags abreisen.
— Telegramme. (Köln. Ztg.) Der Polit. Corresp. wird aus Bukarest vom 26. Dez. gemeldet: „Russischerseits werden Erhebungen über das Verschwinden zahlreicher, in türkische Gefangenschaft ge- i rathener russischer und rumänischer Soldaten angestellt, da Verdachts- ! gründe vorliegen, daß eine große Anzahl Gefangener niedergemetzelt