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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,' und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Montag den 24. Dezember.
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1877.
Tagesschau.
— Nach der „Post" bestätigt sich in militärischen Kreisen die Nach« richt, daß General v. Flatow zum Direktor der Militär-Akademie an Stelle des Generals v. Ollech, des künftigen Gouverneurs des Jnva- lidenhauses, bestimmt sei. Herr v. Flatow, Brigade-General in Wür- temberg, hat schon früher Gelegenheit gehabt, den Dienstzweig, für welchen er jetzt ausersehen ist, kennen zu lernen.
— Der aus Varzin nach Berlin zurückgekehrte Chef deS ReichS- GesundheitsamteS, Dr. Struck, hat sich, wie verlautet, in Gesprächen mit Abgeordneten nicht sehr erbaut über den Gesundheitszustand der Reichskanzlers gezeigt. Es scheint, daß die geistige Arbeit, welcher sich Fürst Bismarck andauernd hingibt, nahezu die gute Wirkung wieder aufhebt, welche der ländliche Aufenthalt herbeizuführen vermochte.
— Das Obertribunal hat entschieden, daß der in §. 56 deS Reichsgesetzes über die Beurkundung des Personenstandes gebrauchte Ausdruck „Wochentag" (jeder Sterbefall ist spätestens am nächstfolgenden Wochentage axzuzeigen) schon feinem Wortlaute nach im Gegensatze zu „Werktag" die Feiertage mit umfaßt und nur die Sonntage aus- schließt und da die Reichsgesetze den Landesgesetzen vorgehen, eS in Bezug auf die Pflicht zur Anzeige von Sterbefällen nicht darauf ankommt, ob «ach der preußischen Gesetzgebung die Festtage in Hinsicht ihrer Feier den Sonntagen gleich zu achten sind.
— Nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals, vom 29. Novbr. 1877, ist die Entwendung bereits geernteter Bodenerzeugnisse in geringer Quantität oder von unbedeutendem Werthe von Feldern oder Wiesen oder aus Gärten in nicht gewinnsüchtiger Absicht als eine Ueber- tretung der Feldpolizei-Ordnung, nicht aber als Diebstahl auf Grund des §. 242 des Reichs-Strafgesetzbuches zu bestrafen. Befinden sich jedoch die Früchte in auf Feldern aufgestellten Mieten, in welchen sie bis zu ihrer schließlichen Verwendung verwahrt bleiben sollen, so ist die Entwendung aus einer Miete als Diebstahl zu bestrafen.
— S. M. Gattdecks-Korvette „Freya", 6 Geschütze, Kmdt. Korv.- Kpt. von Nostitz, ist am 20. d. M., von Malta kommend, in Smyrna eingetroffen. — S. M. Kanonenboot „Albatroß", 4 Geschütze, Kmdt. Korv.-Kpt. Meusing I., beabsichtigt am 23. d. M. von Smyrna nach Singapore in See zu geheu.
— W ien, 22. Dezbr. Telegramme der „Presse" : Aus P era. Ein Theil der für Erzerum bestimmten Verstärkungen ist nach Adrianopel dirigirt worden. 3m Seraskierate hofft man dort 120,000 Mann konzentriren zu können. — Ans Sistowa: Der Fürst von Rumänien und dessen Gefolge verlasse« Poradim. Die Armee Suleiman Paschas setzt ihren Rückzug von Lom weiter. — Der „Presse" wird auS Sistowa gemeldet: Die Armee des Großfürsten-Thronfolger hat den Lom überschritten; der linke Flügel hat die Straße von Rustschuck nach Pisanza besetzt. — Die Eisenbahnverbindung zwischen Rustschuk und Varna ist durch Kosaken unterbrochen worden. (R. u. St.-A.)
— Pest, 23. Dezember, 11 Uhr 5 Min. (Spezialtelegr. des D. Mont.-Bl.) Wie ich erfahren, haben Fürst Gortschakoff und die serbische Regierung die Anfrage nach Wien gerichtet, ob Oesterreich eine Einwendung zu machen hätte, wenn serbische Truppen die Türken aus Addakale (Neu-Orsowa) vertrieben? Graf Andraffy erwiderte: „Gegen die Vertreibung der Türken würde er keine Einwendung machen; eine Okkupation Addakales durch fremde Truppen aber könne Oesterreich nicht dulden." Diese Antwort wurde auch der Pforte notifizirt. Die hier eingetroffenen Nachrichten aus Athen lauten entschieden im Sinne der Unterlassung jeder Aktion. — Alle Sondirungen, welche gemacht wurden, um der russischen Regierung eine offizielle Mittheilung ihrer eventuellen Friedensbedingungeu zu entlocken, sind bis jetzt vergeblich gewesen, dagegen finden russischerseits fortwährend neue Truppennachschübe statt. Bisher steht fest, daß der Czar den Durchzug seiner Truppen durch Konstantinopel (ähnlich dem Pariser Durchzug der deutschen Truppen) wünscht, das dann sofort wieder verlassen werden soll. Für diesen Plan soll jetzt die Zustimmung der Mächte angestrebt werden.
— Paris, 22. Dez. Von den Präsidentenwahlen der Generalräthe sind bis jetzt 44 bekannt. Gewählt sind 25 Republikaner und
19 Konservative. Die Republikaner haben fünf Sitze gewonnen und einen verloren. — Der Minister Barroux sagte in einer Rede, welche er als Präsident des Generalrathes in Clermont hielt, daß die Krisis durch den Patriotismus des Marschall-Präsidenten gelöst worden sei, und fügte hinzu: unsere parlamentarische Republik ist wie das großmüthige Frankreich allen Leuten von gutem Willen offen. — Das Memorial Diplomatique sagt, England verzichte für den Augenblick darauf, eine Vermittlung auzubieten. Die Königin Victoria soll die Entscheidung, die sie in Bezug auf Rußland und Serbien gefaßt, in der Thronrede ankündigen.
— Paris, 23. Dezember, 8 Uhr 40 Minuten Vormittags. In diplomatischen Kreisen gilt die Ernennung des Grafen Banneville zum Botschafter in Konstantinopel für ausgemacht; alle übrigen Veränderungen in der diplomatischen Vertretung Frankreichs sind noch ungewiß; thatsächlich ist nur, daß Personalveränderungen auf den Posten London, Wien, Petersburg und Rom beschlossen sind, Herzog Decazes bemüht sich, seine Ernennung für Petersburg durchzusetzen und soll sich der hiesige russische Botschafter Orloff für ihn verwenden. Der neue Minister des Auswärtigen Herr Waddington hat ein Rundschreiben in Betreff seines Amtsantritts erlassen, doch soll dasselbe nicht veröffentlicht werden. — 11 Uhr Mittags. England hat vertrauliche Schritte bei dem neuen französischen Kabinet unternommen, um dasselbe zu einer mehr aktiven Politik im Orient zu engagiren. Das Kabinet * von St. Lamas hat eine höfliche aber direkte Ablehnung erfahren. Der Minister Waddington beabsichtigt, die „Politik der Zurückhaltung" seines Vorgängers in allen Fragen, die nicht direkt Frankreichs JnteresselO^ - berühren, fortzusetzen. Betreffs der Orientfrage rechnet Waddington auf eine gemeinschaftliche Lösung durch die Signatarmächte des Pariser Vertrags. Seine eigene Meinung auszudrücken, behält er sich für den Moment der thatsächlichen Unterhandlungen vor und hält inzwischen Frankreichs unbedingte Neutralität aufrecht.
(Spezialtelegr. des Deutschen Montags-Blatt.)
— London, 22. Dezbr. Die Handelskammer von Manchester beschloß, die dringende Petition an die Regierung zu richten, daß die neutrale Haltung Englands nicht aufgegeben werde; andere Kammern bereiten ähnliche Petitionen vor. — Die „Times" empfiehlt der Regierung, die türkische Cirkularnote zum Ausgangspunkt zu machen, um die Pforte über die wirkliche Lage und ihre Aussichten aufzuklären. Eine klare und unumwundene Darstellung der englischen Regierung dürfte die Türkei nöthigen, die gebieterische Nothwendigkeit zu begreifen und Unterhandlungen anzuknüpfen. (R. u. St.-A.)
— Ueber die demuächstigen Operationen auf dem Balkan-Kriegs- schauplatze schreibt die „W. Presse" :
„Suleiman Pascha ist in Konstantinopel eingetroffen und die türkische Feldarmee innerhalb des Festungsvierecks soll bereits den Befehl erhalten haben, sich südwärts des Balkan nach Rumelien zurückzuziehen, um die Vertheidigung der nach Adrianopel und Konstantinopel führenden Operationslinien zu übernehmen. Damit hat sich ein Ereigniß vollzogen, das von uns schon seit längerer Zeit als die nächste Folge der Kapitulation von Plewna bezeichnet wurde. Die unmittelbare Konsequenz des Rückzuges Suleiman Paschas wird die Vorrückung der beiden russischen Armeen sein, welche in den letzten Monaten ihre Aufstellungen am Lom und am Trajanswalle genommen hatten. Die Armee des Thronfolgers und des Generals Zimmermann betragen zusammen mindestens 120,000 Mann, von denen gewiß zwei Dritttheile genügen werden, die Festungen Rustschuk, Silistria, Schumla und Varna zu cerniren. Etwa 40,000 Mann werden dann disponibel und im Stande sein auf den beiden von Schumla und Varna über den östlichen Balkan führenden Straßen nach Rumelien vorzurücken. Vorläufig ist die erste geschlossene Vertheidigungslinie der Türken im Tundschathale von Kasanlik bis Sliwno zu suchen, welche mit ihren im Balkan vorgeschobenen Posten das Debouchiren der russischen Armee nach Rumelien einige Zeit lang verhindern kann. Dagegen müssen die Russen nach Ueberwindung der Balkanpässe trachten, zuerst in den Besitz des Tund- schathales zu gelangen, da sonst ein Ausmarsch der russischen Armee