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Im Württembergischen Landtage wurde ein Antrag des Oberstaats­anwalts Lenz angenommen, demzufolge die polizeilichen Strafen, welche gegen Verfälscher von Lebensmitteln verhängt werden, von Gemeinde­wegen öffentlich bekannt gemacht werden.

Der Fall Plewnas am 10. und die Gefangennahme des schwer verwundeten Osman Pascha und seiner 42,000 Mann erweckte die alte Aktionslust der Magyaren. Zwei Interpellationen, die den Krieg verschämt und offen verlangen, wurden von einer Volksversammlung in Pesth überholt, welcher an 68000 Menschen beiwohnten. Krieg, so wie ihn die ungarische Presse fordert, war die Losung. Es gab dabei auch einen Sturm auf das Palais Tisza's und sonstige Ausschreitungen. Tisza empfing die Deputation nicht und in der Kammer vertheidigte er diese Weigerung, indem er erklärte, die innere und äußere Politik ließe sich nicht durch Volksversammlungen entscheiden. In Agram und Lai­bach feierte man die Ergebung der besten türkischen Armee auf Gnade und Ungnade durch Gottesdienste und Illumination, während die unga­rische Regierung jede Feier in dem Belgrad benachbarten Semlin ver­bot. Mehrere Versuche, in Prag einen Festesjubel zu veranstalten, scheiterten an der Theilnahmslosigkeit der Bevölkerung.

Was verlangen jetzt die englischen Blätter nicht Alles? Tag für Tag findet Ministerrath statt, in denen wichtige Beschlüsse zu fassen sind und entweder Disraeli oder die friedliebenden Gesinnungen Derby'S und Salisbury's zum Siege gelangen müssen. Die Regierung versäumt mittlerweile keine Maßregel, um Gibraltar und Malta für alle Mög- lichkeiten in den tüchtigsten Vertheidigungsstand zu bringen und Alles für den Krieg vorbereitet zu halten. So find ihr SO Tankschiffe zur jederzeitigen Beförderung von je 1000 Mann vertragsgemäß 'von deren Besitzern znr Verfügnng gestellt. Das hindert den Kriegsminister Hardy nicht, für den Frieden einzutreten mit der Betonung, daß er gemacht werden muß. Ein leichter Anlauf dazu schien mit einem Gesuch der Pforte an die Mächte um ihre Friedenstzermittlung gemacht zu sein. Aber dasselbe fand überall taube Ohren, da man nicht gesonnen ist, hinter die Beschlüsse der Conferenz zurückzugehen und das neueste Ge­such durchaus Nichts von Bürgschaften enthält. Deutschland räth ohne- hm, daß die beiden kriegführenden Mächte sich direkt verständigen, wo­zu aber die Türkei trotz der nicht mehr günstigen militärischen Lage nicht willens ist. Die englische Regierung wartet sehnlichst auf eine passende Gelegenheit, das Ende des Krieges bald herbeizuführen. Allein sie mag sich dabei verrechnen, denn die Nachricht von Plewna hat den Czaren, der jetzt auf längere Zeit nach Petersburg zurückgekehrt ist, zu der Aeußerung gebracht: damit ist der Krieg noch nicht beendet. Und rn Konstantinopel forderten die Blätter, wenn auch nur zwei Tage den Krieg bis aufs Aeußerste fortzusetzen, und der Sultan selbst sprach dem Wredereröffneten Parlament die Hoffnung aus, daß noch weiter Aller freudig zur Vertheidigung des Vaterlandes bereit sei. Sodann würde, wenn die Zwecke des Krieges schon alle erlangt wären, Serbien am 14. gswiß nicht den Krieg gegen die Türkei erklärt und seine Truppen über die Grenze gegen Nisch geschickt haben. Auf der Seite DiSraeli- Beaconsfield's steht die Königin Viktoria, welche ihm sogar einen Be­such auf seinem Landgute Hughenden abstattete.

Marschall Mac Mahon hat sich rückhaltslos unterworfen. Alle Verhandlungen mit der Rechten scheiterten noch einmal, da sich kein Finanzminister vorfand, der nach einer Budgetverweigerung hätte fort­wirthschaften wollen. So war er zwei Tage, nachdem er jede Versöh­nung^ zurückgewiesen hatte, gezwungen, zurückzutreten oder zu gehvrchen, so wie es Gambetta in Aussicht gestellt hatte. Auch von den Konsti­tutionellen des Senats aufgefordert, zog er es vor, aus dem Parlament ein Ministerium zu bilden, sich der Antwort des Landes willig zu zei­gen und ernannte daher den Senator Dufaure zum Präsidenten, Mar- core zum Minister des Innern und den Protestanten Waddington zum Minister des Auswärtigen, lauter feste Republikaner aus dem Centrum und zum Schrecken der Klerikalen drei Protestanten zählend. Noch erfreuender war seine Botschaft an die beiden Kammern, welche von der Linken mit großem Jubel ausgenommen wurde. Die Niederlage der Bonapartisten, welche vor Wuch schäumen, und der Klerikalen, welche Resionation heucheln, ist ungeheuer. Mac Mahon verspricht Alles, viel­mehr unterschrieb, was die Minister ihm als Botschaft vorgelegt hatten.

.E^ ch^ue Aera des Gedeihens für Frankreich beginnen und die Krisis sich nicht wieder erneuern. Und was mußte er sonst noch zuge­stehen? Unbegreiflich, daß die Idee der Rettung und des Septennats ^u^Herzog von Magenta so beherrscht, daß er nicht abzugehen ver«

Plewna im Besitze der Russen gestattet ihnen, nach drei Seiten die dort gestandenen Truppen als Verstärkungen zu vertheilen. Bei Sofia hat General Gurko eine Schlappe erlitten, er ist berufen, mit den Serben unter Horvatovits gemeinsam zu operiren. Die Rumänen bleiben an der Donau und suchen mit den Serben Widdin zu cerniren. An der Lomlinie hat Suleiman Pascha bei Metschka an der Donau *m 11. zurückweichen müssen, ebenso mußte er am 15. Elena wieder auf- geben und auch im Centrum mißlang sein Angriff, so daß seine Auf­

stellung sich jetzt zwischen Rustschuk-Schumla befindet. Der Aufstand im kaukasischen Daghestan ist niedergeschlagen.

Tagesscha«.

Wird vom höchsten Gerichtshöfe ein vorinstanzliches Strafur- theil vernichtet und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Ent­scheidung in die Vorinstanz zurückgewiesen, so muß, nach der Strafpro­zeßordnung vom Jahre 1867, dem Angeklagten das fchriftliche Erkennt­niß des höchsten Gerichtshofs vor dem neuen Verhandlungstermin be- händigt werden. Geschieht dies nicht und stellt auch der Angeklagte in dem Verhandlungstermin keinen Antrag auf Behändigung jenes Ur­theils, so macht diese Unterlassung, nach einem Erkenntniß des Ober- Tribnnals, Senats für Strafsachen vom 28. November 1877, das Ver­fahren nicht ungültig; der Angeklagte kann in diesem Falle das Ver­fahren der Instanz nicht nachträglich mit Erfolg anfechten. (R.u. St.A.)

S. M. gedeckte KorvetteLeipzig", 12 Geschütze, Komman­dant Korvetten-Kapitän Paschen, ist am 2. d. Mts. Nachmittags, von Plymouth kommend, auf der Rhede von Funchal zu Anker gegangen und beabsichtigt am 5. oder 6. d. Mts. die Reise nach Montevideo fortzusetzen. An Bord Alles wohl.

Wien, 20. Dez. DerPol. Corr." wird ans Belgrad vom heutigen Tage gemeldet: Der Besetzung von Prokoplje durch serbische Truppen ging ein mehrstündiger Artilleriekampf voraus. Die Türken steckten vor ihrem Rückzüge 30 Häuser und Magazine in Brand. Un­ter den Gefangenen befindet sich ein verwundeter englischer Arzt. Die Serben besetzten auch Kurschumlje, südwestlich von Prokoplje.

London, 21. Dezember. Einem Telegramm desReuterschen Bureaus" aus Erzerum zufolge befinoet sich das Gros der russischen Armee jenseits des Soghanli. 10 Bataillone russischer Infanterie sollen von Alexandropol nach Kars abgesandt sein. Der Kommandant der Division von Bajazid, General Tergukassoff, soll mit 12 Bataillonen nach Batum marschiren. (R.- u. St.-Anz.)

New-Iork, 20. Dezember. (W. T. B.) Der Hamburger PostdampferFrisia" und der Dampfer der National-Dampfschiffs- Kompagnie (C. Messing'sche Linie)Jtaly" sind hier eingetroffen.

Lokales.

Hanau, 22. Dezember

Protokoll der öffentlichen Sitzunng des Ge-"^ meinde-Ausschusses vom 20. Dezbr. er.

Anwesend die Herren: Kehl, Vorsitzender, Brenner, Gioth, Dr. Heuser, Herold, Kalb, Koch, Körner, Kreuter, Dr. Roll, Ohl, Pelissier, Schleißner, Spatz, Una, Weishaupt, Wirth.

Protokoll der Sitzung vom 29. November wird versesen und ge­nehmigt.

Sodann ertheilt der Gem.-Ausschuß seine Zustimmung zu zwei Verpachtungen und zu den beantragten Nachverwilligungen von Mark 1900 und Mark 220 zu den Koste» der Stadtkämmerei.

Zur Nachricht dient die Mittheilung des Stadtrathes, daß die von dem preuß. Staatsministerium abschläglich beschiedene Reclamation wegen Rückerstattung der bayerische» Einquartirungskosten von 1851/52 demnächst wiederholt an den Communallandtag gerichtet wer­den soll.

Wir entnehmen demMain- und Kinzigboten" folgenden auf unsere Landgerichtsfrage bezüglichen Artikel:Die in der Landgerichts- frage nach Berlin abgereifte Deputation, bestehend aus den Stadtraths­mitgliedern Herrn I. F. Zimmermann und W. Heräus und dem Vorsitzenden unserer Handelskammer, Herrn W. Una, ist Mittwoch den 19. d. Mts. hierher zurückgekehrt, nachdem sie bei den in dieser Frage in Betracht kommenden Ministern und sonstigen maßgebenden Persön­lichkeiten einen Empfang gefunden hat, der zu dem Schlüsse berechtigt, daß die Regierung an ihrer Vorlage, Hanau zum Landgerichtssitze zu machen, im Herrenhause festhalten wird. Somit ist noch keineswegs alle Aussicht geschwunden, daß unsere Stadt das Landgericht erhält.

Unser Abgeordneter Z i e g l e r ist in der Sache unermüdlich thätig gewesen, wie den Deputirten allerseits in anerkennendster Weise ver­sichert wurde. Nachdem die Justiz-Commission aber dennoch mit nur 1 Stimme Majorität den bekannte» für Hanau ungünstigen Beschluß gefaßt hatte, stellte Herr Ziegler am 17. Dezbr. folgenden Antrag im Abgeordnetenhause:

Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen:

Unter Abtheilung des Kreises Hersfeld zum LandgerichtSbezirk Caffel die Regierungsvorlage bezüglich des Landgericht- Hanau wieder herzu stellen. Unterstützt wurde dieser Antrag von 29 Abgeordneten. Unter denselben bemerken wir von hessischen Vertre­tern die Herren Dr. Bähr (Caffel), Baumgard (Witzenhausen), Gumpert (Eschwege), Dr. Oetker (Rinteln), Schöffer (Geluhau- fen), Vogeley (Hofgeismar), Dr. Wehrenpfennig (Ziegenhain).