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gierungskommissar Geheime Ober-Finanz-Rath Marot erklärte, daß die Regierung mit einer Fixirung der Gehälter der Steuerempfänger vor­gehen wolle, während jetzt das Tantiämesystem bestehe. Der Abg. Bronn befürwortete dringend die Beseitigung des jetzigen Systems der Steuer­empfänger, das dem Publikum große Unbequemlichkeiten und Kosten verursache. Die Beschwerden der Abgg. Magdzinskl und Kantak über zu hohe Steuerveranlagung in der Provinz Posen wiesen der Abg. Rickert und der Regierungskommissar, Geheime Ober-Finanz-Rath Ma­rot, als unbegründet zurück. Außerdem sprachen hierzu die Abgg. Quadt und Hundt von Hassten.

(Fortsetzung folgt.) (R. u. St.-A.)

— Berlin, 8. Dez. (Köln. Ztg) Die österreichische Gesetz­vorlage wegen Verlängerung der Handelsverträge verstärkt die Aussicht auf ein Provisorium zwischen Oesterreich und Deutschland; doch soll die sechsmonatliche Dauer hier noch auf Hindernisse stoßen. In Abgeord­netenkreisen glaubt man, daß, wenn selbst die Verhandlungen scheitern, der thatsächliche Zustand auch wegen des Zollcartells vorläufig fort­dauern werde. — Auf Grund des vor zwei Jahren ergangenen Re­glements erfolgt gegenwärtig wieder nach Anordnung der Minister des Kriegs und des Innern in verschiedenen Landestheilen eine Vormusterung des Pferdebestandes und der MobilmachungSpferde. Solche Vormuste- rungen geschehen von sechs zu sechs Jahren.

— Das Resultat der Zeichnungen auf die 50 Millionen Mark 4procentige Preußische Consols hat eine Gesammtsumme von etwas über 287,000,000 Mark ergeben. Hinsichtlich der Repartition wird auch dies Mal genau so verfahren werden, wie bei der letzten Subscription auf die Deutsche Reichs-Anleihe, d. h. es wird jeder einzelnen Zeich­nungsstelle der auf sie entfallende Betrag von 50 zu 287 überwiesen und ihr überlassen werden, sich hinsichtlich der Repartirung im Einzelnen mit ihren Subscribenten ins Einvernehmen zu setzen. (Trib.)

— Nach dem officiellen Bericht des Washingtoner Cabinets über die Einwanderung in die Vereinigten Staaten hat sich die Zahl der deutschen Einwanderer im Verhältniß zu früheren Jahren nicht nur bedeutend vermindert, sondern es ergibt sich auch, daß die Zahl derje­nigen Deutschen, die nach kurzem Aufenthalt in ihre Heimath zurückge­kehrt sind, eine sehr beträchtliche ist.

— Hamburg, 7. Dezbr. Der Capdampfer „European", nach Southampton bestimmt, ist am 5. d., Abends, bei Quessant auf Klippen gerathen und gesunken. Post und alle auf dem Schiffe befindliche Per­sonen wurden gerettet.

— S. M. Kanonenboot „Albatroß", 4 Geschütze, Kommandant Korvetten-Kapitän Mensig I., ist in Smyrna eingetroffen.

— Neustadt, 6. Dez. Heute wurde Herr Stadtschreiber Leon Levi, Jsraelu und 63 Jahre alt, mit Fräulein Louise Hüther, prote­stantisch und ebenfalls 63 Jahre alt, auf dem Standesamte ehelich ver­bunden, — die erste Mischehe der Art in unserer Stadt.

— Wien, 9. Dez. Der Berliner Korrespondent der hochoffi­ziösen „Montagsrevue" schreibt, daß bei dem künftigen Friedensschluß die loyalste Rücksichtnahme auf England obwalten wird. Eine Konfe­renz sei aber weder im Wunsche Deutschlands noch im Interesse Oester­reichs oder Rußlands. — Paris, 9. Dez. Die von Batbie zusam- menberufenen Mitglieder der konstitutionellen Gruppe im Senate ver­einigten sich gestern zu zwei Fraktions-Sitzungen. In der zweiten Zu­sammenkunft wurde trotz der Rede Bochers, welcher erklärte, daß jede Möglichkeit einer ehrenvollen Verständigung zwischen dem Marschall nicht ausgeschlossen wäre, um so mehr, als die Auflösung der Kammer, sowie der Rücktritt des Marschall-Präsidenten zwei gleich fatale Eventuali­täten wären, von der konstitutionellen Gruppe mit 15 gegen 4 Stimmen beschlossen, unter gewissen Reserven die Zustimmung zur Kammerauf­lösung zu geben. Man glaubt, daß die Regierung nur noch den be­stimmten Beschluß der Kammer, betreffend die Verweigerung des Bud­gets, abwarten wird, um alsdann vom Senate die Auflösung der Kam­mer zu verlangen. Die Nachricht von einem letzten Versuche, mit der Linken ein Arrangement zu treffen, wird indessen hier nicht für ganz unmöglich gehalten. — Rom, 9. Dez., 3 Uhr 54 Min. Nachm. Der Zustand des Papstes hat sich verschlimmert. Das Parlament wird die Sitzung suspendiren, falls die Todesnachricht eintrifft. — Einem Gerücht zufolge soll Italien den Wunsch ausgesprochen haben, Deutsch­land zum Schiedsrichter in seinem Streite mit der Türkei zu wählen.

(Spezialtelegr. d. Deutsch. Mont.-Bl.)

— Paris, 8. Dez. Die Journale bringen bezüglich der miß­lungenen Cabinetsbildung Dufaures folgende Einzelheiten: Schon von der ersten Unterredung mit Dufaure an erklärte der Marschall, daß er die Portefeuilles des Aeußern, des Krieges und der Marine außerhalb der parlamentarischen Strömungen erhalten wolle. Dufaure erhob da­gegen keine Einwendungen. Die Diskussion wandte sich dann auf an­dre Punkte, namentlich die Frage der Ministerial-Beamten. Der dearschall gab in allen diesen Punkten nach. Man hielt den Erfolg Mr sicher, als die Forderungen der Linken bezüglich der drei Porte- füuilles den Abbruch der Unterhandlungen herbeiführten. Dufaure theilte feem Marschall gestern Abend den Nichterfolg derselben mit. Heute er­

klärt eine Note des leitenden Courier der Linken, daß es mit Dufaure anläßlich feiner Aufgabe, ein Cabinet zu bilden, keinerlei Unterhaltung und keinerlei direkte oder indirekte Beziehung gepflogen habe. — Der Senat diskutirt den ,Coderural“; aber die Senatoren der linken Gruppe suchen ihn auf die Tribüne zu bringen und ihm ein Mittel zu liefern, um Aufschlüffe über den Zwischenfall zu geben. — Die Kammer hat die Wahlprüfungen wieder ausgenommen. — Batbie fährt in seinen Unterredungen wegen Bildung eines Cabinets fort. — V ersailles, 8. Dez., Abends. Die Sitzungen beider Kammern sind geschlossen, ohne daß irgend ein Zwischenfall vorgekommen wäre, geeignet die Situation aufzuklären. — In einer Rede, die Batbie in einer Versammlung der konstitutionellen Gruppe hielt, sagte er, der Marschall habe alle mit der Ehre verträglichen Zugeständnisse gemacht. Die Konstitutionellen müßten ihm künftig folgen, selbst bis zu einer zweiten Auflösung. (Frkf. Nachr.)

— St Petersburg, 8 Dezbr. Offizielles Telegramm aus Bogot vom 7. d. M.: Der Kampf bei Mahren und Elena am 4. d. fiel bedeutend schlimmer aus, als es nach den ersten Nachrichten erschien. 50 Offiziere, 1800 Soldaten sind todt oder verwundet; wir verloren 11 Geschütze, darunter 4 beschädigte, die übrigen 7 wurden vom Feinde genommen, da es wegen des Mangels an Pferden unmöglich war, die­selben zu transportiren. Weitere Details dieser unglücklichen Affaire sind noch unbekannt. — Gestern beschränkten sich die Operationen darauf, daß die rechte Kolonne der Türken aus Slataritza vertrieben und nach Bebrowa zurückgeworfen wnrde. Die linke Kolonne der Türken ver­suchte einen Angriff, stand aber Nachmittags 3 Uhr von demselben ab. Die Streitkräfte der Türken gegenüber Slataritza werden auf 10,000, diejenigen bei Jakowizi gegen 30,000 Mann geschätzt. Heute gegen 2 Uhr Nachmittags erneuerte sich der Kampf bei Jakowizi, doch hörte die Kanonade gegen 4 Uhr wieder auf.

Lokales.

H anau, 10. Dezember 1877.

— (Hanauer Thierschutzverein.) Unter anderen faßte der Vorstand in seinen beiden letzten Sitzungen folgende Beschlüsse: Ein vom Thierschutzverein zu Darmstadt nach hier ergangenes Ersuchen zur Generalversammlung der Thierschutzvereine des Großherzogthums Hessen — am 25. Oktober zu Groß-Gerau — einen Vertreter zu entsenden, wurde entsprochen; Herr Carl Paul, Mitglied des Vorstandes, besuchte die Generalversammlung Namens des hiesigen Vereins und lieferte über den Gang der Verhandlung ein eingehendes Referat. — Hier sei die Bemerkung eingeflochten, daß Herr Pfarrer Dr. S ch e e r dahier für die außerordentliche Thätigkeit, die er dem Interesse des Thierschutzes wid­met, zum Ehrenmitglied der Thierschutzvereine des Großherzogthums Hessen ernannt und ihm ein kunstvoll hergestelltes Diplom überreicht wurde. — In den öffentlichen Anlagen sollen, weil man mehr und mehr mit dem Fällen der alten Bäume vorgeht, Anfangs Februar eine An­zahl Nistkästchen für die Höhlenbrüter angebracht werden, und seien dieselben dem Schutze des Publikums empfehlen. — Demnächst wird den Obmännern der hiesigen Schülervereine ein vom Karlsruher Ver­ein herausgegebens Schristchen eingehändigt, dessen Inhalt sich in popu­lärer jedoch höchst belehrender Weise mit dem Thierschutzwesen, insbe­sondere mit den nützlichen und schädlichen Thierarten befaßt. — Wie in den Vorjahren so sollen auch Heuer eine Anzahl Thierschutzschriften in den Schulen zur Vertheilung kommen, ebenso werden zu Weihnachten wieder vier Dienstboten, die sich dukch gute Pflege der ihnen anvertrau­ten Thiere ausgezeichnet haben, prämiirt und deren Namen später ver­öffentlicht.

— (Warnun g.) Ein Schwindler findet allerlei Wege um sei­nen Zweck zu erreichen. Freitag Mittag erschien in einem hiesigen Hut- waarengeschäfte ein Mann, verlangte und erhielt zur Auswahl für eine geachtete Persönlichkeit einige Kinderhüte, hierauf besuchte der Bursch» ein Geschäft am Neustädter Markt und erbat eine Auswahlsendung ix seidenen Tüchelchen rc. auf denselben Namen. Der Verkäufer hatte um so weniger Mißtrauen, als der Schwindler ganz vertrauenerweckend aussah und sein Vorgeben, er wolle zugleich die Postsachen für seinen Auftraggeber besorgen, glaubwürdig erschien, weil er eine Ledertasche getragen hatte. Kurz und gut, auch hier wurde ihm eine Auswahl- sendung mitgegeben. Der Bursche ging auch nach der Post zu, aller Wahrscheinlichkeit nach aber zum Thore hinaus, um seine Beute irgendwo zu versilbern. Wie wir hören, hat, der Beschreibung nach, der Schwindler noch an anderen Orten in ähnlicher Weise vorgesprochen, wurde aber abgewiesen. In dem vorerwähnten Geschäfte am Neustädter Markt ist vor kurzer Zeit durch ein Frauenzimmer ein ähnlicher Schwin­del verübt worden. Deshalb aufgepaßt! — (Wir empfehlen zur Be- Herzigung mit Bezug auf vorstehende Notiz das nachstehende Einge­sandt. D. Red.)

— (Eingesandt.) Bei den jetzt täglich in so überraschender Weise zunehmenden Betrügereien und Schwindeleien wäre es wohl im Interesse der Käufer sowohl als Verkäufer in den Läden hiesiger Stadt sehr erwünscht, wenn bei Entnahme von Waaren resp. Abholung durch eine zweite Person, derselben entweder eine schriftliche Ermächtigung