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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Samstag den 8. Dezember.

Snftrtiei* Pre», Die IjyalHg« Varmondzelle * deren Raum 10 Pfg.

Die -spalt. LeM 20 Psg.

Die 3spaltigeZeil« 30 P,g.

1877.

Amtliches.

Zugelaufen: Ein großer gelber Jagdhund, weibl. Geschlechts.

Gefunden: Ein dickes Seil. Eine Stickerei eines Pantoffels.

Ein Lesebuch (A-B-C-Buch). Ein Kindcrschuh.

Hanau am 8. Dezember 1877.

Königliches Landrathsamt.

Wochenschau.

L. C. Die deutsche Reichsregierung hat in Bern angezeigt, daß sie, vorbehaltlich der Genehmigung des Reichstages, bereit sei, für das nächste Jahr wieder 10 Millionen Francs Subvention zur Vollen­dung der Gotthardbahn zujuzahlen. Vor einigen Tagen überreichte dem Deutschen Kaiser ein chinesischer Gesandter unter Anwesenheit sei­nes Gefolges sein Beglaubigungsschreiben. Damit besteht nun für Deutschland und überhaupt für den Kontinent die erste beständige diplo­matische Vertretung des menschenreichen himmlischen Reiches.

' Der preußische Landtag beendigte am 1. die zweite Lesung der Cultus- und Unterrichtsetats. Dabei wurde das Geplänkel vom Cen­trum aus nach allen Seiten unermüdlich und ununterbrochen fortgesetzt. Der Abgeordnete Windthorst verlangte aus verschiedenen Gründen, auch der Freiheit der Wissenschaft wegen, eine wirklich katholische Universität in Preußen. Er verlangte auch noch Mchreres, z. B. daß mit den Maigesetzen aufgeräumt wird, und prophezeite, daß in zwei Monaten entweder ein konservatives oder nationalliberales Ministerium bestehe, was jeder Staatsmann einsehen müsse. Auf die erste Forderung erwi­derte ein Regierungskommissar und der Kultusminister bekräftigte es, daß der preußische'Staat niemals die Errichtung einer spezifisch katho­lischen Universität dulden könne, ohne die Grundlage seiner Existenz aufzugeben. Auch das Unterrichtszesetz, die Volksschule, der von den Lehrern ertheilte katholische Religionsunterricht u. s. w. wurden geschmäht, natürlich ohne daß ein Posten gestrichen oder eine Aenderung des Be­stehenden in Aussicht gestellt worden wäre. Es fehlte nirgends an einer gründlichen und treffenden Vertheidigung, wie z. B. bei der Zurück­weisung der polnischen Klagen, wo ein Posener selbst erklärte, daß der Unterricht in der deutschen Sprache durchaus nicht unbeliebt sei. Das Thema kam auch auf die Gymnasialbildung, betreffs deren Miquel eine mindere Ueberhäufung der Jünglinge mit Lehrstoff zu deren geistigem und leiblichen Heile als unerläßlich darstellte. Doch ist diese Frage noch nicht spruchreif, obwohl die Lehrer selbst aufs eingehendste sich damit befassen.

Der theilweise Ministerwcchscl in Bayern hat ein erfreuendes Ende gefunden, indem König Ludwig den Bundesrathskommissär von Ricdel zum Finanzminister ernannte. Es ist dieses um so bedeutungs­voller, als es sofort und ohne Säumen auf den Vorschlag des Gesammt- ministeriums hin geschah und als Riedel wegen seiner entschiedenen und oftmals ausgesprochenen nationalliberalen Gesinnung bekannt ist. Ein etwas peinlicher Auftritt im sächsischen Herrenhause hat verdientes Aufsehen erregt. Ein Junker griff die Unabhängigkeit der preußischen Richter an, indem er auf den Fall Arnim und auf das Lübecker Schieds­gericht in Sachen des preußisch-sächsischen Streites um die Berlin- Dresdener Bahn hinwies. Er verstieg sich sogar zu der kränkenden Aeußerung, daß es keine Richter mehr in Preußen gäbe. Nur die Leipziger Dr. Stephani und Dr. Georgi, der eine im Abgeordneten- Hause, fanden Worte für solche Reden in jenem Lande, das bald das höchste Reichsgericht innerhalb seiner Grenzen haben wird. Sachsen besitzt außer der Gesandtschaft in Berlin noch je eine in Wien und München, welche auch diesesmal, trotz der heftigen Bekämpfung, von der Regierung gerettet wurden.

Lord Derby ist der erste Minister, welcher seit den neuesten für die Russen siegreichen Vorgängen auf dem Kriegsschauplatze die Orientpolitik einer neutralen Macht besprochen hat. Die englische Re­gierung, meinte er, sähe keinen Grund, von der anfangs der letzten Session erklärten bedingten Neutralität abzuweichen. Weiter antwortete er der Deputation, welche von ihm die Intervention Englands in den

Orientdingen forderte, daß Konstantinopel sich weder in naher Gefahr befinde, noch daß der Suezkanal bedroht sei. Der Verkehr Großbritanniens mit Indien gehe nur auf diesem Kanal und cs würde daher der Besitz von Trapezunt oder Erzerum, wenn sie die Pforte nicht mehr vertheidigen könne und von dem oberen Euphratthale in Rußlands Händen, die Macht Englands in Indien durchaus nicht gefährden. In einem andern Falle könne die britische Flotte nicht ohne Zustimmung der Pforte nach Konstantinopel, diese würde aber Bedingungen stellen, denen Eng­land nicht entsprechen könne. Konstantinopel bleibt also das Moli me längere für Rußland, während es sonst in Asien Mancherlei einstecken kann und England auch im Balkangebiete einigen Aenderungen zustim­men wird. Die türkenfreundliche englische Presse ist darüber sehr un­gehalten, wohingegen dieTimes" und Andere finden, daß die Rede die Mehrheit der Nation völlig befriedigen und die Alarmgerüchte zer­streuen würde. Am meisten ist man in Konstantinopel enttäuscht, wo­selbst aufs neue eine sehr bedrohliche Gährung sich zeigt und Anzeichen von Rebellion sichtbar werden. Gleichwohl ist auch der Kriegsgeist dort wieder stärker entflammt, seitdem der Kriegsrath aufgelöst und die Ver­mittlung! Partei in den Hintergrund gedrängt wurde.

Hat die Pforte wegen des nicht strenge aufrecht erhaltenen Blo­kadezustandes auf dem Meere schon mit England einen unangenehmen Zwist gehabt, so ist ein solcher jetzt auch mit Italien ausgebrochen. Es waren zwei italienische Schiffe im Bosporus beschlagnahmt worden, welche die Blokadelinie passirt hatten. Graf Corti drohte mit Maß­regeln, um die Pforte zum Nachgeben zu bewegen. In dem römischen Provinzialrath haben diesesmal die Klerikalen viele Sitze gewonnen, was eine eigenthümliche Bedeutung zuläßt. Die italienische Kammer hat im neuen Strafgesetzbuch« die Todesstrafe unter großem Jubel fal­len gelassen. Die Regierungspartei scheint sich als solche aufzulösen, womit der Bestand des Ministeriums selbst gefährdet ist.

Das Eis des Widerstandes ist gebrochen. Mac Mahon hat den republikanischen Senator Dufaure aufgefordert, ein Ministerium zu bilden und die Vermittlung mit den Republikanern anzubahnen, nach­dem er vorher als Präsident der Republik den Präsidenten der Depu- tirtenkammer und den Präsidenten des Senats empfangen hatte. Bei der Unterredung mit den Letzteren wurde er auf die verschiedenen Ge­fahren aufmerksam gemacht, in die er das Land stürzen würde. Er gab die Versicherung, daß er nie an einen Staatsstreich gedacht und nur im schlimmsten Falle eine zweite Auflösung beabsichtigt hätte. Doch könne er seine Freunde nicht im Stiche lassen, ohne sich zu entehren, und er müsse daher den Anhängern der Rechten die ihnen gegebenen Versprechungen einlösen. Da die Republikaner sehr gewitzigt sind, so wird eine Verständigung nur dann erzielt werden, wenn der Marschall Mac Mahon durchaus genügende Bürgschaften gibt. Der Rücktritt des Präsidenten wäre noch immer die richtigste Lösung der Krisis.

Serbien, das sich eben anschickt, am 12. Dezember, dem An­dreastage, seine Unabhängigkeit zu erklären und am 14. in den Krieg zu ziehen, sucht Oesterreich-Ungarn zu besänftigen, damit es ihm keine schlimmen Absichten zuschreibe. Der Krieg hat theilweise schon begon­nen, da ein serbisches Bataillon über die östliche (Timok) Grenze rückte, um bulgarische Familien von den Unbilden der Baschibozuks zu befreien. Griechenland hat sich hingegen zunächst eines Bessern besonnen, indem die Kammer in geheimer Sitzung auf Antrag der Regierung die gefähr­liche Lage des Hellenismus berieth, jedoch keine besonderen Schritte für nöthig hält, d. h. den Krieg nicht will. Die Russen rücken in West­bulgarien Widdin und Sofia, also auch Serbien immer näher. Die Rumänen haben nach Rahowa auch Lom Palanka, einige Meilen vor Widdin an der Donau, besetzt. Mehemed Ali Pascha mußte die Pässe des westlichen Balkan räumen und sich auf Sofia zurückziehen.

Tagesschau.

Berlin, 6. Dezbr. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In der heutigen (29.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten theilte der Präsident mit, daß von dem Abg. Freiherrn von Schorlemer-Älst eine Interpellation, betr. die Verhandlungen zwischen Deutschland und